Treffen des Netzwerks INTEGRA zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung in Frankfurt am Main

Teilnehmerinnen des INTEGRA Treffens. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmerinnen des INTEGRA Treffens.
Foto: © TERRE DES FEMMES
Das Bündnis INTEGRA (Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung), das aus 30 Organisationen besteht, setzt sich seit 2000 gemeinsam für die deutschland- und weltweite Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung ein. VertreterInnen der Organisationen sowie engagierte Einzelpersonen trafen sich am 10. März 2017 zum Netzwerkaustausch in Frankfurt am Main bei der Gastgeberorganisation Maisha e. V.

Auf dem Treffen wurden unterschiedliche Punkte vorgestellt, diskutiert und beschlossen. Alle TeilnehmerInnen stellten ihre Aktivitäten der letzten sechs Monate vor. Es wurde außerdem eine weitere Organisation in das Netzwerk einstimmig aufgenommen: ADRA (Adventist Development and Relief Agency), eine adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe mit Sitz in Weiterstadt. Es wurde zudem besprochen, dass die Sprecherinnen von INTEGRA im Anschluss an den bevorstehenden Wechsel des Bundespräsidenten eine Anfrage an den neuen Amtsinhaber zur Schirmherrschaft für das Netzwerk stellen werden. Momentan ist Bundespräsident Joachim Gauck Schirmherr von INTEGRA.

Teilnehmerinnen des INTEGRA Treffens. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmerinnen des INTEGRA Treffens. Foto: © TERRE DES FEMMESAls eine Vertreterin der INTEGRA-Delegiertengruppe berichtete TERRE DES FEMMES Referentin Idah Nabateregga vom Treffen der Bund-Länder-NRO-Arbeitsgruppe gegen weibliche Genitalverstümmelung (eine Zusammenarbeit von VertreterInnen aus relevanten Ministerien sowie Regierungsorganen, Landtagen und ExpertInnen aus dem nichtstaatlichen Sektor), das am 12. Oktober 2016 beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Berlin stattfand. Die AG-Mitglieder tauschten sich dort zu den jeweiligen Entwicklungen in den Behörden, Instituten und Organisationen aus und diskutierten verschiedene Themen und mögliche neue Projekte.

Außerdem wurde die in Zusammenarbeit mit dem BMFSFJ entstandene INTEGRA Studie „Empirische Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland” besprochen. Die Anwesenden tauschten sich darüber aus, wie auf die veröffentlichte Studie reagiert wurde und diskutierten, dass die Studie alle paar Jahre neu durchgeführt werden solle und es zudem einer weiteren Studie zur Situation von Kindern und Jugendlichen bedarf. Die Studie ist abrufbar unter https://www.netzwerk-integra.de/startseite/studie-fgm/.

Das Netzwerktreffen wurde inhaltlich weiter bereichert durch einen Vortrag zu FGM in Irak und Kurdistan von Frau Shapal H. Ramadan, die sich als Aktivistin und Abgeordnetenkandidatin für das Parlament in Dohuk, Nordirak/Kurdistan für Frauenrechte und insbesondere auch gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzt. Frau Ramadan berichtete, dass seit 1991 (mit Ende der Diktatur, der Erschaffung eines autonomen Kurdengebiets sowie der Entstehung von NGOs) immer wieder Erfolge für Frauenrechte und für die politische Partizipation von Frauen erzielt werden konnten. Weibliche Genitalverstümmelung ist jedoch weiterhin sehr verbreitet, auch trotz eines Gesetzes von 2011, das FGM verbietet. Als Aktivistin betonte Frau Ramadan, dass die Arbeit zur Abschaffung von FGM vor allem dann Erfolg verspricht, wenn Frauen selbst davon überzeugt werden können. Unterstützt werden müsse dies von ÄrztInnen, PsychologInnen und besonders auch von Imamen, die sich gegen die Tradition aussprechen. Der religiöse Ansatz sei besonders wichtig. NGOs vor Ort bieten in Zusammenarbeit mit der Regierung Aufklärung und Schutz von FGM gefährdeter Mädchen und betroffener Frauen. Frau Ramadan bat um ideelle und finanzielle Unterstützung für ihre weitere Arbeit.

Die Kooperation mit anderen Organisationen und engagierten Menschen und der Austausch im Netzwerk INTEGRA sind wichtiger Bestandteil in unserem gemeinsamen Streben zur Überwindung von FGM.

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