Allemagne    français    English

Das unschuldige Krokodil – Bintou Bojangs Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung

Bintou Bojang mit senegalesischen Maedchen. Foto: © Bintou BojangBintou Bojang mit senegalesischen Maedchen.
Foto: © Bintou Bojang
Damals, in Gambia, machten ihre Verwandten der elfjährigen Bintou Bojang ein großes Versprechen: sie werde bald die Ehre haben, ein Krokodil töten zu dürfen. Danach solle es ein großes Fest mit vielen Früchten, Eiern, Milch und anderen Leckereien geben, um ihre mutige Tat zu feiern. Stattdessen wurde sie genitalverstümmelt.

Auf dem Weg zur Hütte, in der die Verstümmelung stattfinden sollte, begegnete sie weinenden, schreienden und blutenden Mädchen, die ihr entgegenkamen. Als Bintou ihre Großmutter ängstlich nach dem Grund dafür fragte, behauptete diese, sie seien blutig von den Krokodilen, die sie getötet hätten.

Weil dieses Versprechen sich als eine solch ungeheuerliche Lüge entpuppte, nannte Bintou Bojang, die heute in Deutschland lebt, ihre Initiative gegen weibliche Genitalverstümmelung The Innocent Crocodile ­– das unschuldige Krokodil. Die erste Veranstaltung des noch jungen Projektes, das von der AWO, TABU e.V. und dem International Women Space/Berlin unterstützt wird, fand am 12.06.2015 in Dortmund statt.

Als Betroffene will sie mit ihrer Initiative das Schweigen über die Tradition brechen und so andere Betroffene zu motivieren, es ihr gleichzutun. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass betroffenen und/oder gefährdeten Frauen in Deutschland Asyl gewährt wird, wie es schließlich rechtlich vorgesehen ist. Außerdem versucht sie mit ihrem Projekt, heimlich hierzulande durchgeführte weibliche Genitalverstümmelungen zu verhindern. Als Präventionsmaßnahmen fordert sie verpflichtende regelmäßige medizinische Kontrollen für Mädchen aus praktizierenden Communities. Bintou, die selbst den schwierigen Asylprozess in Deutschland durchlaufen hat, sprach dazu auch auf einer Konferenz vom Netzwerk End FGM in Brüssel.

 

Fotos: © Bintou Bojang

Seit der Gründung des Innocent Crocodile-Projektes ist Bintou immer wieder nach Afrika gereist, um sich auch dort gegen FGM einzusetzen: so nahm sie 2015 an einer Anti-FGM-Demonstration in Dakar, Senegal teil, und reiste 2016 abermals nach Westafrika, um eine Aufklärungskampagne gegen FGM durchzuführen. Ziel der Kampagne ist es, etwa 300 Frauen in ganz Westafrika darauf vorbereiten, sich ihrerseits gegen FGM in ihren Communities vor Ort einzusetzen. Einer ihrer ersten Erfolge hierbei ist es, eine Beschneiderin, Mba Fanta aus Gambia, davon zu überzeugen, ihren Beruf aufzugeben. Mithilfe von Bintous Projekt baut diese nun hauptberuflich Gemüse an und spürt außerdem Beschneiderinnen auf, die heimlich Eingriffe an Mädchen vornehmen. Dies ist das Haupt-Konzept von Bintou Bojangs Initiative: Beschneiderinnen durch den Aufkauf von Gemüsefeldern eine neue berufliche Perspektive zu ermöglichen und so die Praktik Schritt für Schritt einzudämmen. Um diese Entwicklungen nachhaltig unterstützen zu können, ist auch eine Anlaufstelle für Frauen in Gambia geplant. Bintou Bojang verfolgt also einen sehr konkreten Ansatz, der sich zu einer Graswurzelbewegung auswachsen und so weiblicher Genitalverstümmelung in ganz Westafrika ein Ende bereiten soll.

Starke Frauen wie Bintou sind der Schlüssel zu einem nachhaltigen Wandel. Gemeinsam können wir weibliche Genitalverstümmelung überwinden!

Logo Transparenzinitiative