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Hunderte von Fällen weiblicher Genitalverstümmelung in Georgien aufgedeckt

Laut einer investigativen Recherche der Non-Profit-Organisation “Institute for War and Peace Reporting” (IWPR) wurde kürzlich im Osten Georgiens aufgedeckt, dass aktuell hunderte von Frauen und Mädchen von der menschenrechtsverletzenden Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung betroffen sind. Die Praktik wird nach Informationen des IWPR in drei Dorf-Gemeinden im Bezirk Kvareli, in denen größtenteils die ethnische Minderheit der Avar lebt, vollzogen.

Nachdem sie von den Berichten erfahren hat, hat die georgische Regierung angekündigt, sofortige Ermittlungen bezüglich der Vorfälle einzuleiten. Die Verfassung Georgiens beinhaltet das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit, garantiert jedoch auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit seiner BürgerInnen. Zusätzlich hat Georgien die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Die georgische Regierung hatte laut eigenen Angaben keine Kenntnis darüber, dass innerhalb des Staatsgebiets weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird. Justizministerin Thea Tsulukiani kündigte letzten Dienstag an, “die in zwei oder drei Dörfern vollzogene Praktik so schnell wie möglich zu eliminieren”. Dabei bezog sie sich auch auf die Istanbuler Konvention gegen Gewalt an Frauen, in der es einen Passus explizit zu weiblicher Genitalverstümmelung gibt. Das Parlament muss die Konvention jedoch noch ratifizieren, bevor sie in Georgien Rechtsgültigkeit erlangt. “Sollte das Parlament zustimmen, wird es einen eigenständigen Paragrafen geben, der die sogenannte weibliche Beschneidung zu einer Straftat erklärt”, sagte sie.

Innerhalb Georgiens ist relativ wenig über die Minderheit der Avar bekannt. Die kaukasischen Avar stammen ursprünglich aus der russischen Republik Dagestan. Durch Handelsbeziehungen mit dem benachbarten georgischen Bezirk Kvareli während des 18. Jahrhunderts siedelten einige Avar dorthin über. Heute leben noch etwa 3000 ihrer Nachkommen in Georgien. Obwohl sie weitestgehend isoliert von ihrer Heimat sowie vom Rest Georgiens leben, haben sie ihre kulturellen Traditionen wie Sprache, Hochzeits- und Beerdigungsriten oder religiöse Bräuche beibehalten. Sie dürfen daher auch nur innerhalb ihrer Gemeinde heiraten.

Im August war durch einen Bericht der russischen NGO “Russian Justice Initiative” bekannt geworden, dass in der Vergangenheit mehrere zehntausend Frauen und Mädchen der Avar in Dagestan genitalverstümmelt wurden. (TDF berichtete im September 2016 darüber.) Wie sich die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung in Dagestan durchsetzten konnte, ist nicht hinlänglich bekannt, sagt eine der Verfasserinnen des Berichts, Politik-Doktorandin Saida Siradjudinova von der Kaukasischen Akademie im russischen Rostov-on-Don. Die Tradition sei mit der Umsiedlung der Avar nach Georgien gelangt, sagt sie.

TERRE DES FEMMES fordert die Förderung von Forschungen zu den Verbreitungsgebieten von weiblicher Genitalverstümmelung und die Bereitstellung von Geldern für Aufklärungs- und Bildungsprojekte in Regionen mit hoher Akzeptanz.

Weiterführende Quellen:

http://www.srji.org
https://iwpr.net
http://dfwatch.net

Stand: 12/2016