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Weibliche Genitalverstümmelung in Kolumbien

Nach dem Tod zweier neugeborener Mädchen in Pueblo Rico, wurde 2007 öffentlich bekannt, dass weibliche Genitalverstümmelung in Kolumbien praktiziert wird. Beide Mädchen waren an den schwerwiegenden Folgen dieser Praktik gestorben. Die Emberá, die zweitgrößte ethnische Gruppe in Kolumbien, praktiziert als bisher einzige bekannte Ethnie in Lateinamerika weibliche Genitalverstümmelung. Allein in Kolumbien leben rund 230.000 Emberá. Auch in Panama und Ecuador findet man Angehörige dieser ethnischen Gruppe.

Viele Emberá-Männer erfuhren erst nach der öffentlichen Aufdeckung von der Praktik innerhalb ihrer ethnischen Gruppe. Auch vielen Frauen wurde erst bei der Geburt ihrer ersten Tochter bewusst, dass ihre Ethnie weibliche Genitalverstümmelung praktiziert.

Unter den Emberá ist weibliche Genitalverstümmelung als curación (spanisch für Heilung) bekannt. Sie glauben, dass sich eine unbeschnittene Vulva in einen Penis verwandelt. Die Klitoris wird als Defekt angesehen, der bereinigt werden müsse. Weitere Begründungen für die Praktik sind das Verhindern von Promiskuität oder eine schlechte Ehefrau zu werden. Die Emberá-Mädchen werden am Tage ihrer Geburt oder wenige Wochen danach genitalverstümmelt. Dabei wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt.

Nachdem 2007 weibliche Genitalverstümmelung unter den Emberá ans Tageslicht kam, setzten sich das Gesundheitsministerium, MenschenrechtsvertreterInnen sowie die Vereinten Nationen für Aufklärungsarbeit zu der Praktik unter den Emberá ein, mit dem Ziel diese zu beenden. Für die Ursprünge gibt es verschiedene Theorien. Eine Theorie besagt, dass die Praktik durch die Sklaverei nach Südamerika kam. Eine andere Theorie geht davon aus, dass früher einmal ein Zwitter in einer Emberá-Gemeinschaft geboren wurde und die Hebamme es damals als nötig ansah, das Neugeborene zu beschneiden, um zu verhindern, dass sich das Mädchen in einen Jungen verwandle.

Es gibt keine offiziellen Daten darüber, an wie vielen Mädchen in Kolumbien weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wurde. UNFPA (United Nations Population Fund) führte über mehrere Jahre anthropologische Studien und Aufklärungskampagnen unter Geburtshelferinnen und Frauen durch. 2012 wurde weibliche Genitalverstümmelung in Kolumbien schließlich verboten. Emberá-Führer sagen aus, dass weibliche Genitalverstümmelung seither in zwei Reservaten nicht weiter praktiziert wird – diese schließen 25.000 Emberá ein. Aber vor allem in abgelegenen Gebieten gestaltet sich die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit als schwierig und die Frauen sprechen nur ungern mit Außenstehenden über die curación, was die Arbeit zudem erschwert.

Jede Frau hat das Recht auf ein unversehrtes Leben und TERRE DES FEMMES verurteilt die frauenverachtende Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung streng.

Weiterführende Links:

https://www.theguardian.com/global-development/2015/nov/19/colombia-embera-female-genital-mutilation-mystery-myth-misgiving

http://www.reuters.com/article/us-colombia-girls-fgm-idUSKBN0LA2FX20150206

http://www.unfpa.org/news/silent-epidemic-fight-end-female-genital-mutilation-colombia

http://www.bbc.com/news/world-latin-america-37374006

 

 

Stand: 11/2016

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