Ereignisse aus dem Jahr 2011

Im Jahr 2011 rückte das Thema sexualisierte Gewalt verstärkt in die Aufmerksamkeit des Referats, denn es war das Jahr der Anklagen von prominenten Männern wegen Vergewaltigung. 

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Gerichtsprozess um den ehemaligen Wettermoderator Jörg Kachelmann. Wir haben die Aufmerksamkeit genutzt, um mit einer Pressemitteilung und einer Stellungnahme auf die prekäre Situation von Betroffenen hinzuweisen, die viel zu oft dem Verdacht der Verleumdung oder Mitschuld ausgesetzt sind. Diese Verschiebung der Schuld vom Täter auf das Opfer ist zwar nicht neu, aber durch den Kachelmann-Fall und ebenfalls durch die Vergewaltigungs-Vorwürfe um Dominique Strauss-Kahn in seiner Medienpräsenz bis dato unvergleichbar. Die TDF-Pressemitteilung wurde von vielen Medien aufgegriffen, von denen einige unsere kritische Position übernahmen. In mehreren Interviews hatten wir Gelegenheit, auf die schwierige Situation von Betroffenen hinzuweisen und unserer Sorge Ausdruck zu verleihen, dass die Anzahl von Anzeigen bei Vergewaltigungen in Zukunft noch stärker zurückgehen wird. Unsere Vorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk war dazu in der ZDF-Talksendung Markus Lanz zu Gast.

Eine regelrechte Protestwelle löste TDF mit einem offenen Brief an den Burda Verlag aus. Unser Protest richtete sich gegen die Bambi-Preisverleihung an den für seine frauenverachtenden Texte bekannten Rapper Bushido. Mit der Veröffentlichung unseres Briefes an den Burda-Verlag auf Facebook setzte sich der Protest virtuell in Bewegung und fand immense Verbreitung weit über TDF-UnterstützerInnen hinaus. Nach der Veröffentlichung unserer Kritik in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Lesben- und Schwulenverband Deutschlands (LSVD) berichteten zahlreiche Medien über die Protestwelle.

Im Sommer schlossen sich einige TDF-Gruppen der „Slutwalk“-Bewegung an, die ihren Ursprung in den USA hatte. Nach frauenfeindlichen Aussagen eines Polizisten gingen in Toronto Tausende Frauen und auch Männer auf die Straße, um gegen Sexismus und sexuelle Übergriffe zu demonstrieren. In Berlin demonstrierten zusammen mit TDF über 2.000 Menschen. Wir wollen den Themen Vergewaltigung und Opferrechte in Zukunft verstärkt Aufmerksamkeit widmen, da sich immer weniger Frauen dazu durchringen können, Vergewaltigungsfälle anzuzeigen. 

Workplace Policy

Vor einigen Jahren hat TERRE DES FEMMES das Konzept der Workplace Policy in Deutschland eingeführt. Mit der Workplace Policy verpflichten sich Unternehmen und Verwaltungen, für das Thema Häusliche Gewalt in ihrem Betrieb zu sensibilisieren und Betroffenen Hilfe und Unterstützung anzubieten.

In Berlin tauscht sich inzwischen eine kleine Arbeitsgruppe regelmäßig über erfolgreiche Maßnahmen und neue Ideen aus. Ein wichtiger Schritt 2011 war die Entwicklung eines Leitfadens zur Umsetzung der Workplace Policy, der im Laufe des Jahres 2012 erscheinen wird. Zusammen mit der Firma Mestemacher wurde ein neuer Flyer „Unternehmen gegen Häusliche Gewalt“ entwickelt, der von der Grünen-Politikerin Renate Künast als innovatives Beispiel von Engagement gegen Häusliche Gewalt gewürdigt wurde.

Junge Zielgruppe

Um Jugendliche für den Themenkomplex Häusliche Gewalt zu sensibilisieren, vermarktet TDF weiterhin das Musiktheaterstück „Du bist unschlagbar“, das das Spielwerktheater EUKITEA zusammen mit TDF entwickelte und an Schulen aufgeführt wird.

Ein besonderes Highlight im Jahr 2011 war unsere Teilnahme an der BERMUN Konferenz im November 2011. Die Model-United-Nations-Konferenzen (MUNs) sind Planspiele, bei denen die TeilnehmerInnen in simulierten Gremien wie dem Sicherheitsrat oder der Generalversammlung als Delegierte eines Staates über weltpolitische Themen diskutieren und Resolutionen verabschieden. Die Berlin Model United Nations (BERMUN) Konferenz wird jedes Jahr von der John F. Kennedy Schule organisiert und ist mit fast 700 Teilnehmern die größte MUN Konferenz in Deutschland. Das Thema der Youth Assembly der BERMUN Konferenz war dieses Jahr Häusliche Gewalt und Gewalt an Schulen. Anabella Allgeier, Praktikantin aus dem Referat Häusliche Gewalt, hielt einen Vortrag vor der Youth Assembly und stellte dabei neben der Arbeit von TDF insbesondere den bestehenden Rechtsrahmen in Deutschland vor. Der Vortrag stieß bei den teilnehmenden SchülerInnen auf große Resonanz.

Internationales

Zunehmend ist unsere Expertise auch auf internationaler Ebene gefragt. In den letzten Jahren haben wir mit dem Projekt Kesher aus Russland kooperiert, indem wir dort über Häusliche Gewalt informierten und verschiedene Personenkreise schulten. Seit 2011 ist TDF ein angesehener Partner vom Projekt ComVoMujer des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Projekt ComVoMujer initiiert Aktivitäten in Ecuador zur Bekämpfung von Häuslicher Gewalt. Auch dort wird dafür mit Unternehmen kooperiert.

Logo Transparenzinitiative