Ereignisse aus dem Jahr 2012

Den grausamen Mord an der Berlinerin Semanur S. im Juni 2012 nahmen wir zum traurigen Anlass, darauf hinzuweisen, dass in Deutschland durchschnittlich alle zweieinhalb Tage eine Frau durch ihren aktuellen oder einen früheren Partner getötet wird. Im Jahr 2011 waren das 154 Mordopfer. Weil der Fall von Semanur S. besonders grausam war, wurde in sehr vielen Medien sehr ausführlich über das Problem Häusliche Gewalt berichtet. TERRE DES FEMMES stand Fernsehen, Radio und den Zeitungen Rede und Antwort.

Auch im Kino wurde die Thematik Häusliche Gewalt aufgegriffen. Der Film FESTUNG handelt von der ersten Liebe und von Häuslicher Gewalt und wurde von TERRE DES FEMMES begleitet. In 8 Städten präsentierten Städtegruppen Previews zum Film und organisierten Publikumsgespräche oder Podiumsdiskussionen. Die Kinosäle waren voll besetzt und die ZuschauerInnen waren beeindruckt von dem feinfühligen Film.  

Workplace Policy

Gastgeberin Kerstin Plehwe eröffnet den ersten Business Lunch zur Workplace Policy. Foto: © ProDialolgGastgeberin Kerstin Plehwe eröffnet den ersten Business Lunch zur Workplace Policy.
Foto: © ProDialolg
Weil das Thema Häusliche Gewalt auf vielen Ebenen thematisiert werden sollte, hat TERRE DES FEMMES vor einigen Jahren das Konzept der Workplace Policy in Deutschland eingeführt. Mit der Workplace Policy verpflichten sich Unternehmen und Verwaltungen, für das Thema Häusliche Gewalt in ihrem Betrieb zu sensibilisieren und Betroffenen Hilfe und Unterstützung anzubieten.

In 2012 ist der erste deutschsprachige Leitfaden für dieses Konzept von TERRE DES FEMMES veröffentlicht worden. „Schritt für Schritt gegen Häusliche Gewalt. Ein Leitfaden für Unternehmen und Verwaltungen zur Einführung der Workplace Policy“ kann ab sofort über den TERRE DES FEMMES-Shop bestellt werden. Die Berliner Senatorin Dilek Kolat hat den Leitfaden zusammen mit Christa Stolle der Presse vorgestellt.

Die Initiative ProDialog hat 2012 Initiative für die Workplace Policy ergriffen und TDF bei der Ausrichtung des ersten Business Lunches „Unternehmen zeigen Verantwortung“ unterstützt. Dieser fand in den schönen Räumen der Initiative statt und bei leckerem Essen hatten wir die Möglichkeit über das Konzept der Workplace Policy zu informieren und neue Unterstützer zu gewinnen.

Den feierlichen Jahresabschluss des Jahres bildete die Rede von Referentin Birte Rohles im Hamburger Rathaus beim Festempfang zum 25. November. Vor über 150 geladenen Gästen und vor dem Senator Detlev Scheel präsentierte sie das Konzept der Workplace Policy, das der Hamburger Senat zukünftig einführen möchte.

Sexualisierte Gewalt

Durch die öffentlichkeitswirksamen Fälle um Kachelmann und Strauss-Kahn zeigte sich schon 2011, dass das Thema sexualisierte Gewalt in der Öffentlichkeit zunehmend stärker thematisiert und debattiert wird. Diese Tendenz war auch 2012 sichtbar, zum Beispiel durch die Buch-Veröffentlichung der Kachelmanns und der damit einhergehenden Interviewlawine, bei der die Themen „Falschaussage“ und „Opferindustrie“ im Vordergrund standen. Wir haben darauf bei uns auf der Homepage mit einem Faktencheck reagiert um die Aussagen des Ehepaares mal in das rechte Licht zu rücken. Diese Aktion ist bei Facebook auf eine sehr hohe und gute Resonanz gestoßen.

Lobbyarbeit und Vernetzung

TERRE DES FEMMES arbeitet seit einigen Jahren in der AG Frauenrechte vom Forum Menschenrechte mit. Eine Aufgabe der AG ist es auch, so genannte Schattenberichte oder Parallelberichte zu internationalen Übereinkommen zu erstellen, wie zum Beispiel zum UPR-Verfahren. Für diesen Parallelbericht hat TERRE DES FEMMES maßgeblich dazu beigetragen, dass das Thema Häusliche Gewalt unter dem Punkt ‚Gender’ aufgenommen wurde.

Ein leicht besorgniserregendes Bild über die Versorgungssituation von gewaltbetroffenen Frauen zeichnet der erste „Bericht zur Situation der Frauenhäuser, Fachberatungsstellen und anderer Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder“, der von der Bundesregierung im Sommer veröffentlicht wurde. Mit unserer Pressemitteilung „Deutschland schlägt gewaltbetroffenen Frauen die Tür vor der Nase zu“ haben wir unserer Sorge Ausdruck verliehen, dass über 9.000 schutzsuchende Frauen im Jahr 2011 von den Frauenhäusern verwiesen werden mussten. Wir fühlen uns (leider) durch diesen Bericht in unseren Forderungen bestätigt, dass die Bundesregierung die Finanzierung von Frauenhäusern unverzüglich verbessern und eine bundeseinheitliche Finanzierungsregelung gefunden werden muss.

Besorgt sind wir auch über die Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Sorgerechts  nicht miteinander verheirateter Eltern. Aus diesem Grund haben wir uns der Online-Kampagne des VAMV angeschlossen und den Aufruf unterstützt, dass der Gesetzgeber bei der Neuregelung des Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern darauf verzichten soll, ein rein schriftliches Schnellverfahren ohne Anhörung der Eltern oder des Jugendamtes einzuführen. Gerichtliche Entscheidungen über das Sorgerecht dürfen nicht auf der Grundlage von Vermutungen getroffen werden. Der Gesetzgeber muss daher nachbessern, sonst werden gerade die Kinder, die in eine konflikthafte Elternbeziehung hineingeboren werden, Verlierer der Reform werden.

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