Forderungen zum Thema sexualisierte Gewalt

Bundesweite Möglichkeiten der Anonymen Spurensicherung:

Viele Verfahren werden aus Mangel an Beweisen eingestellt. Um dies zu verhindern, müssen die Spuren bei einer Vergewaltigung zeitnah sichergestellt werden. Dies ist in der Regel bisher nur möglich, wenn die Betroffene sofort bereit ist, Anzeige zu erstatten.

Anders bei der „Anonymen Spurensicherung“. Dort werden die Spuren einer Vergewaltigung sichergestellt und gerichtsfest dokumentiert, auch ohne dass eine Anzeige der Betroffenen vorliegen muss. Die Betroffene hat die Möglichkeit, sich in aller Ruhe zu überlegen, ob und wann sie Anzeige erstatten möchte. Die Spuren werden, je nach Klinik, bis zu 20 Jahre für einen möglichen Gerichtsprozess aufbewahrt.

Wir fordern eine flächendeckende Versorgung von sogenannten Opferschutzambulanzen, bei denen eine „Anonyme Spurensicherung“ möglich ist und die Beweise bis zu 20 Jahre gerichtsfest gelagert werden!

Psychosoziale Prozessbegleitung:

Für die wenigen Betroffenen, die sich für eine Strafverfolgung ihres Falles entschließen, kann das Verfahren schmerzlich und retraumatisierend sein. Umso wichtiger ist es für sie, dass sie eine professionelle, ggf. interkulturelle, psychosoziale Prozessbegleitung für den gesamten Verlauf des Strafverfahrens erhalten.

Wir fordern, dass ein flächendeckendes, finanziell abgesichertes Angebot an qualifizierter Zeugen- bzw. Prozessbegleitung eingerichtet wird und dass traumatisierte Zeuginnen nach Gewaltdelikten einen Rechtsanspruch auf Zeugen- bzw. Prozessbegleitung erhalten.

Aus- und Weiterbildung von PolizistInnen, StaatsanwältInnen und RichterInnen:

Mythen und stereotype Bilder bei Vergewaltigung bzw. sexueller Nötigung existieren in allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen. Hinzukommt, dass Vergewaltigung bzw. sexuelle Nötigung nach wie vor Tabuthemen sind. Die Folgen von sexualisierter Gewalt, u.a. Traumatisierungen und posttraumatische Belastungsstörungen, sind nach wie vor zu wenig bekannt und werden in der Ausbildung entsprechender Berufsgruppen zu wenig thematisiert. Dabei ist ein sensibler und ggf. kulturspezifischer Umgang der Strafverfolgungsbehörden mit den Betroffenen unerlässlich.

Wir fordern in den Ausbildungen für alle entsprechenden Berufsgruppen als festen Bestandteil den Umgang mit traumatisierten Menschen aufzunehmen und regelmäßig Fortbildungen anzubieten.

Nebenklage:

Opfer von Gewalttaten sind zur Nebenklage berechtigt. Die Nebenklage endet mit rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens. In Strafvollstreckungsverfahren, in denen es um die vorzeitige Haftentlassung der Gewalttäter geht, sind die Opfer nicht mehr beteiligt. Sie haben keinen Anspruch in diesen Verfahren angehört zu werden und sie haben kein Akteneinsichtsrecht, um zu erfahren, ob ihnen von den Tätern nach wie vor Gefahr droht. Sie erhalten lediglich nach Abschluss des Verfahrens von der Staatsanwaltschaft eine Mitteilung, wann der Täter entlassen wird.

Wir fordern, dass die Nebenklage auf das Strafvollstreckungsverfahren erstreckt und den Opfern ein Anhörungsrecht und Akteneinsichtsrecht gewährt wird.

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