Gespart am falschen Ende: Frauenhaus geschlossen

TDF protestiert mit offenem Brief

Zum Ende des Jahres 2011 wurde in Lübeck eins der beiden Frauenhäuser geschlossen. Nun ist das zweite Frauenhaus  überlaufen und musste zwischenzeitlich ein Aufnahmestopp verhängen. Aber Frauen, die vor Gewalt flüchten müssen, können nicht auf die Warteliste gesetzt werden! Wir protestieren gegen diese Sparmaßnahmen mit einem offenen Brief an den Minister.

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Mit einem offenen Brief protestieren wir gegen die Sparmaßnahmen der schleswig-holsteinischen Landesregierung bei den Maßnahmen gegen Häusliche Gewalt. Das AWO-Frauenhaus in Lübeck musste zum Ende des letzten Jahres schließen und das Frauenhaus in Wedel kann nur dank zahlreicher Spenden und großem Engagement überleben. Wie kann eine Landesregierung Frauen und deren Kinder in gewalttätigen und schwierigen Lebenssituation so alleine lassen? Das Leben ohne Gewalt ist ein Menschenrecht, das von jeder Regierung unterstützt und somit auch finanziert werden muss! Wir fordern den Stopp jeglicher Sparmaßnahmen im Bereich Häusliche Gewalt und die ausreichende und dauerhafte Finanzierung von allen Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen - in Schleswig-Holstein und bundesweit!

Unser Protestbrief ging an den Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration, Emil Schmalfuß, sowie zur Kenntnis an den Sozialausschuss des Landtags Schleswig-Holstein sowie an den Sozialsenator der Stadt Lübeck, Sven Schindler und an die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lübeck, Elke Sasse.

Unterstützen Sie unseren Aufruf mit einer Protestmail an Herrn Minister Schmalfuß: jan.backmann@jumi.landsh.de

Beginn des Protetsbriefes----------------------------

Sehr geehrter Herr Minister Schmalfuß,

mit großer Sorge beobachten wir als Frauenrechtsorganisation die Sparmaßnahmen der schleswig-holsteinischen Landesregierung bei den Maßnahmen gegen Häusliche Gewalt, die direkten Einfluss auf das Leben von gewaltbetroffenen Frauen haben.

Besonders betroffen von den Sparmaßnahmen sind Frauen und deren Kinder aus Lübeck und Umgebung. Die Schließung des AWO-Frauenhauses zum Ende des Jahres 2011 hat zu einer Überlastung des Autonomen Frauenhauses geführt, sodass dieses sich gezwungen fühlte, einen kurzzeitigen Aufnahmestopp zu verhängen. Hilfesuchende Frauen mussten somit auf Frauenhäuser außerhalb Lübecks ausweichen oder sie mussten – besonders fatal – zurück in ihr unsicheres Heim gehen. Dies kann schlimme Folgen für ihre körperliche und seelische Gesundheit haben!

Ähnlich prekär sieht die Situation in Wedel aus. Der Weiterbetrieb des Frauenhauses ist in diesem Jahr nur durch zahlreiche Spenden möglich gemacht worden, ansonsten hätten auch hier zum Ende des letzten Jahres die Türen geschlossen werden müssen. Ist es der Wunsch der Landesregierung, dass die Frauen zurück zu ihren gewalttätigen Männern gehen müssen?

Die Begründung des Ministeriums, keine Plätze für Frauen aus anderen Bundesländern finanzieren zu wollen, ist eine schlechte Ausrede und entbehrt jeglicher Solidarität für Opfer von Gewalt. Ein Leben ohne Gewalt ist ein Menschenrecht, das von jeder Landesregierung unterstützt und somit auch finanziert werden muss!

Es muss das Ziel jeder Regierung sein, Frauen in gewalttätigen und schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Immer noch erleidet jede vierte Frau in Deutschland häusliche Gewalt. Frauen müssen adäquate Unterstützung erhalten, um den Weg aus einer gewalttätigen Partnerschaft zu finden. Eine Grundbedingung dafür ist die Bereitstellung von ausreichend regionalen Frauenhausplätzen für alle von Gewalt betroffenen Frauen. Zu dieser Maßnahme hat sich die Bundesregierung im letzten Jahr offiziell durch die Unterzeichnung des Europaratsübereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt verpflichtet.

Wir fordern die Landesregierung Schleswig-Holstein auf, die Sparmaßnahmen im Bereich Häusliche Gewalt unverzüglich zu stoppen und für eine ausreichende und dauerhafte Finanzierung von allen Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern im Land Schleswig-Holstein zu sorgen! Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigen die gestiegenen Auslastungszahlen aus den letzten Jahren.

Bis dahin muss das Autonome Frauenhaus in Lübeck unverzüglich ausreichende finanzielle Unterstützung erhalten, um den gestiegenen Mehrbedarf decken zu können und allen hilfesuchenden Frauen und deren Kindern eine sichere Unterkunft anbieten zu können. Frauen, die flüchten müssen, können nicht auf eine Warteliste gesetzt werden!

Mit freundlichen Grüßen

Christa Stolle
Bundesgeschäftsführerin

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