Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Forschungsergebnisse zu Gewalt gegen Frauen mit Behinderung

Bielefeld, 26. April 2012. Präsentation des Forschungsprojekts "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland".

Dabei handelt es sich um die erste repräsentative Studie die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Interessierten aus Wissenschaft, Politik und Praxis vorgestellt wurde, an der auch TERRE DES FEMMES teilnahm.

Das Forschungsteam der Universität Bielefeld unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Hornberg und Dr. Monika Schröttle (sie hatte bereits die Projektleitung der ersten allgemeinen Studie zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland, 2004) entwickelte explizit Fragen in allgemeiner und vereinfachter Sprache für diese Befragung.

Insgesamt nahmen 1.561 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren mit und ohne Behindertenausweis, die in Haushalten und in Einrichtungen leben und starke, dauerhafte Beeinträchtigungen und Behinderungen haben, an der Studie teil. Zusätzlich lieferte eine qualitative Befragung von 31 von Gewalt betroffenen Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen, die Prof. Dr. Barbara Kavemann vom  Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg  führte, vertiefende Erkenntnisse über das individuelle Gewalterleben.

Ziel dieser Studie war es, bestehende Wissenslücken über das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schließen. Weiterhin konkrete Handlungs- und Unterstützungsbedarfe zu ermitteln und eine empirische Basis für gezielte Maßnahmen und Strategien gegen Gewalt und Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen zu schaffen.

In absoluten Zahlen heißt das: 38 Prozent der Frauen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben, Opfer von sexuellen Gewalthandlungen werden. Die Täter sind meist Bewohner, aber eben auch Personal. Verantwortlich für den Schutz und die Sicherheit der Bewohnerinnen sind die Träger beziehungsweise die Betreuer. Häufig wird den Betroffenen nicht geglaubt. Eine Meldepflicht besteht in Verdachtsfällen nicht. Selten kommt es daher zu Anzeigen, fast nie zu Anklagen oder Verurteilungen.

Die Studie bestätigt die Erfahrungen aus der Praxis von Fachberatungsstellen: Frauen mit Behinderung sind zu einem weit höheren Anteil in ihrem Leben von Gewalt, Übergriffen und Diskriminierung betroffen als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung.

Auffällig sind die hohen Belastungen durch sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend, die sich im Erwachsenenleben fortsetzen. Demnach hat jede zweite bis dritte Frau mit Behinderung im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt erlebt (21 bis 44 Prozent versus 13 Prozent der allgemeinen weiblichen Bevölkerung). Jede vierte bis fünfte fühlt sich nicht ausreichend geschützt. Am stärksten von Gewalt betroffen sind gehörlose Frauen und Frauen mit psychischen Erkrankungen.

Erschreckenderweise haben Frauen mit Behinderungen, die in Einrichtungen leben, die Erfahrung gemacht, obwohl sie sexuell nicht aktiv waren, an ihnen schwangerschaftsverhütende Maßnahmen und auch Sterilisierungen durchgeführt wurden.

Aus den Ergebnissen der Studie resultiert eine Vielzahl von geeigneten Maßnahmen, die dem Handlungsbedarf zur Umsetzung der UN - Behindertenrechtskonvention nach Artikel 6 und 16 entspricht. Dazu gehört neben einem nachhaltigen Abbau von jeder Form von Gewalt und Diskriminierung gegenüber Mädchen und Frauen mit Behinderung durch gezielte Bewusstseins- und Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls die Entwicklung zielgruppenspezifischer Präventions-, Unterstützungs- und Interventionsmaßnahmen.