Gewalt gegen Frauen? In Deutschland ist alles anders! Eine Antwort auf den Spiegel Online Artikel zu Häuslicher Gewalt

Nun ist es endlich ans Licht gekommen! In dem Spiegel Online Artikel „Ich habe die Messer im Haus versteckt“ von Hendrik Ternieden und Benjamin Schulz vom 28. Mai 2013 wird endlich mit dem Mythos aufgeräumt, der seit vielen Jahren Männer als Täter und Frauen zu Opfern stilisiert. Die Autoren zeigen, dass nicht Frauen, sondern Männer in Deutschland unter Häuslicher Gewalt leiden. Das ist weltweit einmalig: In allen internationalen Studien und Erhebungen zu Gewalt gegen Frauen zeigt sich deutlich, dass Frauen in teilweise erheblichen Ausmaß der Gewalt ihres Partners bzw. Ehemanns ausgesetzt sind.

Dank Spiegel Online glauben wir nun zu wissen, was viele schon lange vermutet haben: in Deutschland ist das anders. Hierzulande sind Männer die eigentlichen Opfer von Häuslicher Gewalt. Eine These, auf die uns zahlreiche Männerverbände und Bewegte schon seit Jahren versuchen aufmerksam zu machen. Bis jetzt wurde ihnen zu wenig Glauben geschenkt, aber dank Spiegel Online könnte dies nun anders werden. Ein Blick auf die Kommentare unter dem Artikel zeigt deutlich: die Berichte über Gewalt gegen Frauen waren einfach nur „feministische Propaganda“.

Gewalt gegen Frauen nur „feministische Propaganda“?

Klar, alles nur feministische Propaganda, was in den letzten Jahren zu Gewalt gegen Frauen erschienen ist: Die Bundeskriminalstatistik, die aufzeigt, dass in Deutschland etwa alle 2-3 Tage eine Frau durch ihren Partner getötet wird (2012 wurden 106 Frauen durch ihren Partner ermordet und 19 Männer). Manchmal endet die Partnergewalt nicht tödlich, sondern zeigt andere bedrohliche Formen auf wie z.B. Stalking, Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung; 30.000 Frauen erlebten laut Bundeskriminalstatistik eine dieser Gewaltformen allein im letzten Jahr durch ihren Partner (im Vergleich: 3.424 Männer). Und das sind nur die angezeigten Fälle!

Die Dunkelfeldstudie vom Bundesfamilienministerium aus dem Jahr 2004 belegt, dass jede vierte Frau in Deutschland schon mindestens einmal häusliche Gewalt erlebt hat. Eine weitere Untersuchung vom Familienministerium aus 2012 stellt fest, dass jährlich ca. 40.000 Frauen und Kinder vor der Gewalt ihres Partners in ein Frauenhaus flüchten müssen. Und ach ja, apropos Frauenhäuser: sie wurden in den letzten dreißig Jahren nach und nach gegründet, weil Frauen es toll finden, nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung leben zu müssen, sondern endlich die solidarische Gemeinschaft in einem überfüllten Mehrbettzimmer erleben zu können. Und wo wir bei Propaganda sind, wollen wir gar nicht erst damit anfangen, was sich Frauen – glaubt  man der Medienberichterstattung – ständig ausdenken, wo sie sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Laut gängiger Pressemeinung denken sich die Frauen solche Geschichten ja nur aus, um den Männern mal richtig eins auszuwischen. Bei einer Verurteilungsquote von 13 Prozent stehen die Chancen dafür auch echt gut und es mutet nahezu logisch an, sich den Strapazen einer Anzeige und eines Gerichtsverfahrens auszusetzen, bei der die Chancen, dass es überhaupt zu einer Verurteilung kommt, so extrem gering sind (übrigens: Die Quote von Falschaussagen liegt bei 5-8%).

Überhaupt sexuelle Gewalt: laut den Definitionen von Häuslicher Gewalt gehört auch sexuelle Gewalt zu Häuslicher Gewalt. Genauso wie psychische Gewalt, finanzielle Gewalt oder soziale Gewalt. Häusliche Gewalt ist vielschichtig und kennt immense Abstufungen. Ohne eine Gewaltform zu verharmlosen, macht es schon einen gewaltigen Unterschied aus, ob von einer einmalige Ohrfeige die Rede ist, ob jemand regelmäßig krankenhausreif geprügelt oder im Ehebett vergewaltigt wird. Aber über diese Unterschiede und Abstufungen ist in dem Artikel von Hendrik Ternieden und Benjamin Schulz keine Rede. Sexuelle Gewalt wird von ihnen gar nicht erst als eine mögliche Gewaltform in Betracht gezogen. Dies könnte natürlich daran liegen, dass es bei sexueller Gewalt ziemlich eindeutig ist, welches Geschlecht der Täter hat. Laut einer Studie vom Familienministerium sind 99 Prozent der Täter Männer.

Die Zeit für Männerhäuser ist gekommen

Aber: Auch Männer, vornehmlich Jungen, werden Opfer von sexueller Gewalt, fast immer durch andere Männer. Und ja, auch Männer werden Opfer von Häuslicher Gewalt und es ist wichtig, diese Gewaltform zu thematisieren und betroffenen Männern Hilfemöglichkeiten anzubieten. Viele Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser sind in den letzten drei Jahrzehnten durch das Engagement und die ehrenamtliche Arbeit von Frauen entstanden, oft aus der schlichten Not heraus geboren den betroffenen Frauen einen Schutzraum zu bieten. Männer sollten sich daran ein Beispiel nehmen: statt zu lamentieren, dass die Gewalt gegen sie zu wenig thematisiert wird, sollten sie sich mit ihren betroffenen Geschlechtsgenossen solidarisieren und anfangen, Beratungsstellen und Schutzhäuser aufzubauen. Das der Bedarf dafür immens ist, hat uns Spiegel Online ja nun endlich aufgezeigt!

Stellungnahme vom Netzwerk Frauen und Gesundheit

Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit hat zu der Studie vom Robert-Koch-Institut ("Studie zur Gesundheit Erwachsenener in Deutschland"), auf die sich der Spiegel Online Artikel bezieht, eine Stellungnahme verfasst. Sie kritisieren die Methode, mit der die Daten im Modul "Gewalterfahrung" erhoben wurden. Völlig außer Acht gelassen wurde, dass in der gesellschaftlichen Lebensrealität von Frauen und Männern Gewalt je nach Geschlecht anders erfahren wird und in der vorherrschenden Geschlechterhierarchie eine andere Bedeutung zukommt.
Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit fordert daher eine gendersensible Methodik bei der Erfassung, Beschreibung und Interpretation von Gewalt in Paarbeziehungen, denn erst eine genderspezifische Befragung kann zur tiefergehenden Erklärung des Phänomens beitragen. TERRE DES FEMMES unterstützt die Forderung.

 

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