Sexualisierte Gewalt: Alltag an deutschen Schulen!

Grenzen setzen sollte früh geübt werden. Grafik aus einem Comic-Workshops zu Häuslicher und sexualisierter Gewalt. © TERRE DES FEMMESGrenzen setzen sollte früh geübt werden. Grafik aus einem Comic-Workshops zu Häuslicher und sexualisierter Gewalt.
Grafik: © TERRE DES FEMMES
Schulen sind Orte, wo Kindern und Jugendlichen Raum gegeben werden sollte zur bestmöglichen und freien Entfaltung.

Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Eine dreijährige Studie des Deutschen Jugendinstituts (DIJ), die Ende Juli 2017 abgeschlossen wurde, zeigt: fast 60 Prozent der befragten NeuntklässerInnen haben schon einmal sexuelle Gewalt erlebt. Die Ergebnisse der Speak!-Studie des hessischen Kultusministeriums aus dem Jahr 2016 sind ähnlich. Von den SchülerInnen gaben 55 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Jungen an, nichtkörperliche Formen sexualisierter Gewalt erfahren zu haben. Das Erschreckende dabei: über die Hälfte der betroffenen Jugendlichen gab an, dass dies in der Schule geschah.

Die Kategorien der DIJ-Studie reichen von verbaler sexueller Belästigung bis hin zu körperlicher sexueller Gewalt, etwa das Bedrängen von SchülerInnen oder der Zwang zu sexuellen Handlungen. Es zeigte sich, dass 40 Prozent der im Schnitt 15-Jährigen schon einmal erfahren musste, dass Witze über ihren Körper gemacht oder Gerüchte über sie verbreitet wurden. Beobachtet haben dies sogar über 75 Prozent der Teenager. Mädchen sind zudem nicht nur insgesamt häufiger von Situationen sexueller Gewalt betroffen, sondern haben auch drei Mal öfter als Jungen von schwereren Gewalterfahrungen in Verbindung mit körperlichen Übergriffen berichtet. Im Rahmen der Speak!- Studie zeigte sich, dass fast ein Drittel der Schülerinnen körperlich sexualisierte Gewalt erlitten hat, also gegen ihren Willen angefasst, geküsst oder am Geschlechtsteil berührt wurde.

Im Rahmen der DIJ-Befragung konnten die Jugendlichen auch Angaben zu den TäterInnen machen. Das Ergebnis: in häufigsten Fällen handelt es sich hierbei um MitschülerInnen. Bei körperlichen Übergriffen gegenüber Mädchen gaben die Schülerinnen an, dass in 90 Prozent der Fälle die Täter männlich waren. Teil der Studie waren zudem Fragen, die Auskunft über den Wissensstand der Jugendlichen in den Themenbereichen Sexualität und sexuelle Gewalt geben sollten. Ein Drittel der Teenager wünscht sich demnach, mehr darüber zu erfahren. Entschieden sich die Jugendlichen dazu, das Erlebte jemandem anzuvertrauen, kam es zu beachtlichen Unterschieden: Fast die Hälfte der Mädchen gab an, vor allem mit anderen Jugendlichen darüber gesprochen zu haben. Waren Jungen betroffen, haben 40 Prozent das Geschehene für sich behalten und mit niemandem darüber gesprochen.

Wenn die Schule zu einem Ort sexueller Gewalt wird, hat das gravierende Konsequenzen. Die Schul- und Lernfreude sinkt – auch bei den SchülerInnen, die sexuelle Gewalt beobachten – und Betroffene haben mit Angst, Scham und Misstrauen zu kämpfen. Die Studie des Deutschen Jugendinstituts zeigt, dass es an den Schulen Nachholbedarf gibt. Die SchülerInnen müssen das Gefühl haben, sich dem Schulpersonal mitteilen zu können und Präventiv- und Aufklärungsmaßnahmen müssen ausgebaut werden. Bei früher Sanktionierung und Aufklärung kann sexueller Gewalt entgegengewirkt werden. Geschieht dies nicht, ist die Gefahr groß, dass sich das Verhalten der Jugendlichen festigt und diese auch im späteren Leben gewalttätig werden oder Gewalt erleben.

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