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Liebe(r) ohne Gewalt

Häusliche Gewalt ist nicht nur ein Problem bei erwachsenen Menschen, sondern zunehmend auch schon unter Jugendlichen. So waren beispielsweise in Berlin in 2011 nach polizeilichen Erkenntnissen in knapp 2.500 Fällen Jugendliche betroffen, als Mitleidende in Familien aber auch mit eigenen gewalttätigen Beziehungskonflikten. Meist findet Gewalt in Beziehungen unter Jugendlichen wenig Thematisierung im gesellschaftlichen Kontext und ist auch unter den Jugendlichen selber stark tabuisiert.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, widmet sich das Projekt „Kampagne gegen häusliche Gewalt – Prävention von Beziehungsgewalt unter Jugendlichen“ im Berliner Gebiet Soldiner Straße in Wedding / Berlin vor allem der Enttabuisierung von Gewalt in jungen Paarbeziehungen. TERRE DES FEMMES arbeitet mit dem Quartiersmanagement zusammen.

Das Projekt soll bei Jugendlichen ein Bewusstsein für die Problematik Beziehungsgewalt schaffen und darüber hinaus über andere Gewaltformen, wie beispielsweise Cyber-Mobbing aufklären und sie dafür sensibilisieren. Durch Comicworkshops soll den Jugendlichen ein guter Einstieg in das Thema Beziehungsgewalt ermöglicht werden und gemeinsam sollen Perspektiven für gewaltfreie Beziehungsstrukturen erarbeitet werden.

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union.

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Weitere Informationen

Projekt „Liebe(r) ohne Gewalt – Prävention von Beziehungsgewalt unter Jugendlichen“ - Comic-Workshops erfolgreich verlaufen

Eine erste Übung bestand darin, Gefühle zeichnerisch darzustellen... Eine erste Übung bestand darin, Gefühle zeichnerisch darzustellen...

Unter den Motto „Dein Kiez, Deine Story, Deine Liebe“ fand Anfang Februar unser erster Comic-Workshop für Mädchen im Berliner Jugendclub Soko 116 statt. Insgesamt haben 14 Mädchen im Alter von 8-15 Jahren Anfang Februar 2014 an dem 10-stündigen Workshop teilgenommen.

Neben dem Erlernen von Comic-Zeichnungen war ein Ziel des Projektes, bei Jugendlichen ein Bewusstsein für die Problematik Beziehungsgewalt zu schaffen und über verschiedene Gewaltformen aufzuklären. Der Comic-Workshop hat den teilnehmenden Mädchen einen guten Einstieg in dieses Thema ermöglicht. Unter Anleitung der professionellen Comiczeichnerin Ka Schmitz sowie einer Diplom-Pädagogin von TERRE DES FEMMES haben die Mädchen gelernt Comics zu zeichnen und dabei ihre eigenen Geschichten über ihren Alltag, ihre Gefühle und ihre Liebe zu erzählen. Dabei wurden Themen wie Gewalt, Kontrolle und Zwang aufgegriffen und die Mädchen haben spielerisch geübt, Grenzen zu setzen und zu akzeptieren.

 

 

...und Grenzen zu setzen. ...und Grenzen zu setzen.

 

Dabei sind tolle Geschichten entstanden.Dabei sind tolle Geschichten entstanden.

 

 

Weiterführende Informationen und Links

Informationen für Jugendliche

Wollt Ihr wissen, ob Pornos gesund für Euch sind oder wollt Ihr interaktiv lernen, Euch zu verteidigen? Wo fängt Gewalt an und können Jungen eigentlich auch vergewaltigt werden? Wollt Ihr wissen, wie ihr Mobbing verhindern könnt?

Hier erfahrt Ihr mehr:
http://www.spass-oder-gewalt.de/

Informationen für Fachkräfte

Arbeitshilfen:

  • Das Projekt „Heartbeat – Herklopfen. Beziehungen ohne Gewalt“ bietet ein Handbuch zur schulischen und außerschulischen Prävention von Gewalt in intimen Teenagerbeziehungen. Es richtet sich an LehrerInnen und MitarbeiterInnen der Jugendarbeit/Jugendhilfe. Die zur Verfügung gestellten Materialien sind insbesondere geeignet für die Planung und Durchführung von Projekttagen und Workshops mit Schulklassen und Jugendlichen im Alter von 14- 19 Jahren. (Download als PDF)

Weitere Informationen zu dem Projekt und weitere Materialien finden Sie unter http://www.empowering-youth.de

  • Wichtige Informationen für (Berliner) Lehrer und Lehrerinnen sind im Handout des Projektes „Liebe Respekt! – Liebe ohne Gewalt“ vom KKH e.V. und BIG e.V. zusammengestellt. (Download als PDF)
  • Zum Thema „Jugendliche Sexualität und sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“ gibt es von Zartbitter e.V. einen Leitfaden für pädagogische Fachkräfte in der Jugendhilfe. (Download als PDF)
  • Informationen zu „Prävention häuslicher Gewalt mit Mädchen und Jungen“ bieten die Empfehlungen der Expertinnen- und Expertenkommission des Koordinierungsprojekts „Häusliche Gewalt“ vom Landespräventionsrat Niedersachsen. (Download als PDF)
  • Übungen nicht nur speziell zum Thema Beziehungsgewalt, sondern allgemeiner zu geschlechtsspezifischer Gewalt bietet das englische Handbuch des Daphne-Projekts Youth4Youth „A manual for Empowering young people in preventing gender-based vioelence through peer education“. (Download als PDF)

Zum Weiterlesen:

  • Eine gute Übersicht über „Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen“, besonders für die Schweiz, bietet das gleichnamige Informationsblatt vom Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG, 2012. (Download als PDF)
  • Über Ursachen und Folgen von sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen berichtet die gleichnamige Expertise der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie der Universitätsklinik Ulm. (Download als PDF)
  • Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. hat einen Bericht über „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Berlin“ vorgelegt (2011). (Download als PDF)

Studien:

  • „Neue Medien und Gewalt. Überblick zur Forschungslage hinsichtlich der Nutzung Neuer Medien durch Kinder und Jugendliche und der Wirkungen gewaltdarstellender Inhalte“ von Oliver Steiner von der Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Kinder- und Jugendhilfe, Basel 2008. (Download als PDF)
  • „Sexual victimization of children and adolescents in Switzerland. Final report fort he UBS Optimus Foundation“ von Margit Averdijk, Katrin Müller-Johnson und Manuel Eisner, Zürich 2011. (Download als PDF)
  • „Tween and Teen Dating Violence and Abuse Study“ von The National Domestic Violence Hotline, 2008. (Download als PDF)

Weitere Informationen zu Cyberbullying bzw. Cybermobbing

Adressen und Hilfsangebote in Berlin

Berliner Hotline für Kinderschutz
Tel: 030 / 61 00 66

Kindernotdienst (0-13 Jahre)
Gitschiner Str. 48-49, 10969 Berlin
Tel: 030 / 61 00 61

Jugendnotdienst (14-18 Jahre) und Mädchennotdienst (12-21 Jahre)
Mindener Str. 14, 10589 Berlin
Tel: 030 / 61 00 62/63

Kinderschutzzentrum Berlin e.V.
Krisentelefon: 0800 111 0 444 (kostenlos)
Zentrale: Juliusstr. 41, 12051 Berlin
Tel.: 030 / 683 91 10
E-Mail: beratung@kszb.de
www.kinderschutz-zentrum-berlin.de

Kind im Zentrum
Marxstr. 3a, 13347 Berlin
Tel.: 030 / 282 80 77
E-Mail: kiz@ejf.de

neuhland
Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche e.V.
Nikolasburger Platz 6, 10717 Berlin
Tel: 030 / 873 01 11 (Mo-Fr 9-18 Uhr)
Fax: 030 / 417 28 39 19
E-Mail: post@neuhland.de

Speziell bei Cyber-Mobbing:

juuuport ist eine Selbstschutz-Plattform im Internet, auf der Jugendliche anderen Jugendlichen bei Problemen im Internet helfen. Bei juuuport beraten die Scouts: Jugendliche, die von Experten speziell dafür ausgebildet wurden.
http://www.juuuport.de/

 

Für Frauen und Mädchen:

BIG Hotline
Hilfe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder
Telefonische Beratung in mehreren Sprachen.
Tel: 030 / 611 03 00 (rund um die Uhr, auf Wunsch anonym)

Wildwasser Mädchenberatungsstelle
Wriezener Str. 10/11, 13359 Berlin
Tel: 030 / 486 28 22
www.maedchennotdienst.de

LARA Krisen- und Beratungszentrum für vergewaltigte und sexuell belästigte Frauen
Fuggerstraße 19, 10777 Berlin-Schöneberg
Tel.: 030 / 216 88 88 (Mo-Fr 9-18 Uhr)
E-Mail: beratung@lara-berlin.de

Lesbenberatung e.V.
Kulmer Str. 20a, 10783 Berlin
Tel.: 030 / 215 2000
E-Mail: info@lesbenberatung-berlin.de

 

Für Jungen:

Hilfe für Jungs e.V.
Für Jungen und junge Männer
Nollendorfstr. 31, 10777 Berlin
Tel.: 030 / 219 65 167

Beratung für Männer - gegen Gewalt
Tieckstr. 41, 10115 Berlin
Tel.: 030 / 785 98 25
E-Mail: maennerberatung@volkssolidaritaet.de

Berliner Zentrum für Gewaltprävention
Leibnizstr. 33, 10625 Berlin
Tel.: 030 / 95 61 38 38
E-Mail: office@bzfg.de

Mann-O-Meter e.V.
Berlins schwules Informations- und Beratungszentrum
Bülowstr. 106, 10783 Berlin
Tel.: 030 / 216 80 08 (Di-Fr 17-22 Uhr, Sa+So 16-20 Uhr)
E-Mail: info@mann-o-meter.de

MANEO
Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin (und Opferhilfe)
Bülowstr. 106, 10783 Berlin
Überfalltelefon: 030 / 216 33 36 (Mo-So 17-19 Uhr)
E-Mail: maneo@maneo.de


Unterschiedliche Arten der Gewalt

Häusliche Gewalt oder bei Jugendlichen besser Beziehungsgewalt genannt beinhaltet verschiedene Formen der Gewalt, wie anhand der Zahlen zu erkennen ist. Die am häufigsten auftretende Form der Gewalt unter Jugendlichen ist die sexualisierte Gewalt. Aber auch die anderen Gewaltformen sind nicht zu unterschätzen bzw. überschneiden sich häufig die verschiedenen Formen der Gewalt. Bis auf die körperliche Gewalt können die Gewaltformen auch über das Internet ausgeübt werden. Betroffen von der Gewalt sind vor allem Mädchen, aber auch Jungen sind Gewalt in ihrer Beziehung ausgesetzt.

1. Körperliche Gewalt:
Ohrfeigen, Schläge, Tritte, Stöße, Würgen, Fesseln, Beißen, Angriffe mit Waffen aller Art oder mit Gegenständen.

2. Psychische Gewalt:
Drohungen, Beleidigungen, Demütigungen, Anschreien, Erpressen, Schuldzuweisungen, Lächerlichmachen und Erniedrigen in der Öffentlichkeit.

3. Soziale Gewalt:
Verbot bzw. Kontrolle von Kontakten zu anderen, Kontrollanrufe, Überprüfung des Handys, der E-Mails und anderer sozialer Netzwerke. Tritt häufig bei sehr eifersüchtigen Personen auf.

4. Sexualisierte Gewalt / Vergewaltigungen:
Beginnt bereits bei frauenfeindlicher Sprache, anzüglichen Blicken oder verbalen Belästigungen und geht über zu ungewollten sexuellen Berührungen bis hin zum erzwungenen Geschlechtsverkehr. Auch Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung zählen als Formen der sexualisierten Gewalt.

5. Stalking / Cyber-Stalking:
Stalking bedeutet das beharrliche Nachstellen einer Person durch ständige Telefonanrufe (Telefonterror), Zusenden von Briefen, E-Mails und SMS-Nachrichten oder Geschenken und/oder das andauernde Beobachten und Verfolgen der Betroffenen.

Als Cyberstalking werden alle Stalkingtätigkeiten bezeichnet, die mit Hilfe von technischen Kommunikationsmitteln wie z.B. über das Handy, das Internet, per E-Mail usw. durchgeführt werden. Häufig bleibt der Täter oder die Täterin dabei anonym.

6. Mobbing / Cyber-Bullying
Verschicken bzw. Bereitstellen von verfälschten, peinlichen oder offenherzigen Bildern, Videos oder Informationen übers Handy oder Internet.

Ein zunehmendes Problem: In einer amerikanischen Studie gibt jede vierte junge Frau zwischen 12 und 19 Jahren an, schon einmal im Internet oder per Handy Nacktfotos von sich selbst zur Schau gestellt oder verschickt zu haben. Mehr als die Hälfte dieser jungen Frauen gibt an, dass dies auf Druck des Beziehungspartners oder unter Zwang geschehen ist.


Gewalt in Beziehungen – auch bei Jugendlichen?

Jugendliche führen nicht nur immer früher Beziehungen, sie machen auch immer früher Erfahrungen mit verschiedenen Formen von Gewalt in ihren Beziehungen, besonders von sexualisierter Gewalt:

  • Eine aktuelle Studie der Hochschule Fulda zeigt, dass mehr als 60% der befragten Jugendlichen mit den ersten Beziehungserfahrungen mindestens einmal irgendeine Form von grenzüberschreitendem Verhalten oder Gewalt erlebt haben:[1]
    • Solche Erfahrungen machen die meisten Jugendlichen bereits in der 8. oder 9. Klasse.
    • Mehr als 60% der Mädchen und über 50% der Jungen berichteten von emotional schwierigen Situationen, die ihr Wohlbefinden deutlich beeinträchtigt. Kontrollierendes Verhalten und Zwang kommt dabei besonders häufig vor.
  • Junge Frauen zwischen 16 und 24 sind am häufigsten von Beziehungsgewalt betroffen:[2]
    • Je nach Studie ist ungefähr jede vierte bis fünfte junge Frau im Jugendalter von physischer Gewalt durch einen Beziehungspartner betroffen.[2]
    • Ungefähr jede vierte junge Frau im Teenageralter, die in einer Beziehung lebt, gibt an, dass sie Opfer psychischer Gewalt (Beschimpfungen, Demütigungen, Beleidigungen) oder von massiven Bedrohungen ist.[4]
    • Ein Drittel aller jungen Frauen zwischen 13 und 17 Jahren haben in irgendeiner Form sexuelle Gewalt erlebt durch den aktuellen oder einen vorherigen Beziehungspartner, bei den männlichen Jugendlichen sind es 16%.[5]
  • 45% junger Mädchen kennen jemanden, der/die zu Oral- und/ oder Geschlechtsverkehr gedrungen oder gezwungen wurde.[6]
  • Jugendliche sind durch Jugendliche bedroht: Im Bereich der Vergewaltigung/(sonstigen) sexuellen Nötigung machten Kinder und Jugendliche bis unter 21 Jahre in 2007 sogar 25,45% der Tatverdächtigen aus.[7]
  • Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen betrachtet psychische und physische Gewalt als ernste Angelegenheit, die ihre Altersgruppe betrifft.[8]
  • Lediglich 33% der Jugendlichen, die in ihren Beziehungen Gewalt erlebt haben oder Zeugen gewalttätiger Beziehungen waren, vertrauten sich einer anderen Person an.[9]
 
 


[1]Blättner, B., Brzank, P., Liepe, K., & Schultes, K. (2013). TeDAVi: Grenzüberschreitung und Gewalt in Liebesbeziehungen und Dates von Hessischen Schülerinnen und Schülern zwischen 14 bis unter 18 Jahren. Fulda: Hochschule Fulda. S. 4. Siehe: http://www.fh-fulda.de/fileadmin/Fachbereich_PG/Forschung___Praxis/TeDaVi_factsheet_fin.pdf

[2] Rennison, Callie Marie: Intimate partner violence and age of victim, 1993-1999.: U.S. Department of Justice, Bureau of Justice Statistics. Washington DC, 2001.

[3]Häusliche Gewalt – Informationsblatt 18. Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen. Hrsg. von Schweizerische Eidgenossenschaft. Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG, 2012.

[4] Ebd., S. 3.

[5] Ebd., S. 3.

[6] Sex and Tech. Results from a Survey of Teens and Young adults. The national campaign to prevent teen und unplanned pregnancy. Washington DC, 2008. http://www.thenationalcampaign.org/sextech/PDF/SexTech_Summary.pdf

[7] Heiliger, Anita: Sexuelle Gewalt unter Kindern und Jugendlichen: Ausmaß, Erscheinungsformen und Erklärungsansätze, 2008.

[8] Ebd.

[9] Ebd.