Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

"Ehrenmorde" verhindern! TERRE DES FEMMES gedenkt mit Aktionen dem "Ehrenmord"-Opfer Hatun Sürücu und fordert gemeinsame Anstrengungen von Politik und Gesellschaft (02.02.2012)

Berlin, 02. Februar 2012. Am Dienstag, den 07. Februar 2012, jährt sich der Todestag von Hatun Sürücü zum siebten Mal. Die Deutsch-Türkin wurde mit 23 Jahren von ihrem jüngeren Bruder auf offener Straße in Berlin-Tempelhof erschossen, weil dieser damit die Ehre der Familie retten wollte. Ein Gedenkstein an der Oberlandstraße/Haltestelle Oberlandgarten erinnert an die blutige Tat. TERRE DES FEMMES ruft am 07. Februar an dieser Stelle mit einer Kranzniederlegung  zum gemeinsamen Gedenken an das bekannteste „Ehrenmord“-Opfer Deutschlands auf. "Immer noch werden in Deutschland monatlich Mädchen und Frauen im Namen der Ehre umgebracht. Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln, um diese Morde zu verhindern", fordert Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES angesichts dieser Zahlen. Das letzte bekannte Opfer ist die 18-jährige Arzu Özmen aus Detmold.

"Ehre hat nichts mit Verboten und Kontrolle zu tun, sondern mit Respekt vor der Freiheit und den Rechten des anderen, gerade auch der Frauen. Erst wenn dies von jung und alt, von Mann und Frau akzeptiert und vorgelebt wird, haben Frauen wie Hatun und Arzu eine wirkliche Chance auf ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben. Verkrustete, patriarchale Strukturen müssen aufgebrochen werden, denen sich zum Teil auch Männer unterworfen fühlen", kritisiert Stolle. Die MitarbeiterInnen von Behörden wie Jugendamt und Polizei müssen sensibilisiert und geschult werden. Sichere Schutzeinrichtungen in denen bedrohte Mädchen und junge Frauen Zuflucht finden können, müssen bundesweit geschaffen werden.

Das Schicksal Hatun Sürücüs steht für das Leiden unzähliger Frauen und Mädchen, denen ein freies und selbstbestimmtes Leben verweigert wird. Die Deutsch-Türkin hatte durch ihren Lebensstil feste Rollenzuweisungen verletzt und damit vermeintlich Schande über ihre Familie gebracht: Sie war aus einer Zwangsehe geflohen, hatte das Kopftuch abgelegt und eine Ausbildung begonnen. "Das Schicksal von Hatun Sürücü hat die Öffentlichkeit berührt", erläutert Stolle. Die Tat hat eine Debatte über Parallelgesellschaften sowie Menschenrechtsverletzungen im Namen der Ehre angestoßen.

Anläßlich des Todestages Hatun Sürücüs lädt TERRE DES FEMMES herzlich zu folgenden Veranstaltungen ein:

Sonntag, den 05. Februar 2012, 19.00 Uhr
TERRE DES FEMMES zeigt gemeinsam mit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Frau Petra Koch-Knöbel, die preisgekrönte Dokumentation "Verlorene Ehre - Der Irrweg der Familie Sürücü". Treffpunkt Möckernkiez, Yorckstr. 62, 10965 Berlin. Die Regisseure Matthias Deiß und Joachim Goll sind anwesend.

Dienstag, den 07. Februar 2012, 09.30 Uhr
TERRE DES FEMMES ruft dazu auf, sich an der Kranzniederlegung am Gedenkstein an der Oberlandstraße/Haltestelle Oberlandgarten, 12099 Berlin zum stillen Gedenken einzufinden.

Für Nachfragen, Bildmaterial zur Kampagne sowie Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Monika Michell, Fachreferentin für „Gewalt im Namen der Ehre“, Tel. 030/ 40504699-0, oder per Mail an presse@frauenrechte.de

__________________________________________________

TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen, die durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsprostitution und soziale Rechte für Arbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegründet, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin.