Urteilsverkündung im Mordprozess an Maria P.

Am Freitag, den 19.02.2016 wurde das Urteil im Prozess um den Mord an der hochschwangeren Maria P. gesprochen. Die 19-Jährige wurde in der Nacht zum 23.01.2015 in einem Waldstück in Berlin-Adlershof ermordet. Maria wurde von ihrem deutsch-türkischen Exfreund und Vater ihres ungeborenen Kindes sowie dessen Komplizen Daniel M. mehrfach geschlagen, mit dem Messer in den Bauch gestochen und anschließend bei vollem Bewusstsein angezündet. Das Gericht stellte eine besondere Schwere der Schuld fest und verurteilte beide Täter wegen Mordes zu je 14 Jahren Haft. Der Exfreund Eren T. hatte Maria vor der Tat mehrmals versucht zu einer Abtreibung zu bringen. Auch seine Familie soll nach Angaben der FAZ der Schwangerschaft mit einer Deutschen kritisch gegenübergestanden haben. Inwieweit Erens Familie Druck auf ihn ausübte, bleibt unklar. Das Ehrenmord Motiv konnte bisher nicht hinreichend geklärt werden, da Eren T. im Prozess von seinem Schweigerecht Gebrauch machte.

Bei einem anderen, kürzlich geschehenen Mord liegen die Motive eindeutiger. Am 02.10.2015 wurde die 20-Jährige Rokstan M. erstochen in der Gartenlaube ihrer Eltern in Dessau aufgefunden. Die Kurdin war auf der Flucht aus Syrien vergewaltigt worden. Ihre Familie drängte auf eine Verheiratung, gegen die sich Rokstan jedoch wehrte und ihren Wunsch durchsetzte, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ihr Vater befindet sich seit dem Mord auf der Flucht. Ein Prozess wurde noch nicht begonnen.

Seit vielen Jahren macht sich TERRE DES FEMMES stark für Mädchen und Frauen, deren Selbstbestimmungsrechte und körperliche Integrität im Namen einer falsch verstandenen Ehre verletzt werden. TERRE DES FEMMES fordert neben der konsequenten strafrechtlichen Verurteilung der TäterInnen flächendeckend in ganz Deutschland spezialisierte Beratungs-/ Präventions- und Unterstützungsangebote.

 

Stand 03/2016

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