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Wenn geflüchtete Mädchen Brandenburg erkunden und interkulturelles Wissen vertiefen

In einer Tierarztpraxis: Ängste abbauen und Spaß haben. Foto: © TERRE DES FEMMESIn einer Tierarztpraxis: Ängste abbauen und Spaß haben.
Foto: © TERRE DES FEMMES

Angst überwinden, Verhalten im Straßenverkehr lernen, Vorurteile abbauen und in einen spannenden Beruf hineinschnuppern – im Rahmen der Mädchenschulung unternahm TERRE DES FEMMES-Referentin Dr. Abir Alhaj Mawas zwei prall gefüllte Ausflugstage mit geflüchteten Mädchen.

Ziel des ersten Ausflugs war das Kloster Lehnin in Brandenburg. Der Weg dorthin wurde mit dem Auto überwunden. Auf der Autofahrt stellten die syrischen, afghanischen und irakischen Mädchen bereits die ersten Unterschiede zwischen ihren Kulturen fest: Wie benehme ich mich im Auto? Für die Mädchen, die sich sonst in Berlin nur mit dem ÖPNV fortbewegen und so den deutschen Straßenverkehr noch nicht richtig kennenlernen konnten, waren viele Regeln ungewohnt. Nach einigen Diskussionen und der einen oder anderen Schweißperle auf der Stirn der Betreuerinnen war klar: Eine der nächsten Aktionen wird eine Straßenverkehrsschulung mit der Polizei!

Im Kloster angekommen zeigten sich die meisten Mädchen zunächst skeptisch, die Kirche zu betreten. Nach einigen Erklärungen von Abir Mawas, dass ein Betreten des Gebäudes noch keine Konversion der Mädchen zum Christentum bedeutete, besiegte jedoch die Neugier die Ablehnung und die Mädchen schauten sich das Gebetshaus von innen an. Im Rahmen dessen diskutierten sie fleißig über das Thema Respekt gegenüber anderen Religionen und wie man sich in einer Kirche benimmt.

Anschließend besuchte die Gruppe in die benachbarte Tierarztpraxis. Dort hieß es zunächst für die Mädchen die Angst vor einem Hund zu verlieren, denn in ihren Heimatländern werden Hunde nicht als verschmuste Haustiere, sondern als Wachhunde gehalten oder streunern auf den Straßen herum. Daher sind sie häufig aggressiv. Doch auch hier überwanden die Mädchen schnell ihre Ablehnung und spielten mit dem Vierbeiner herum. Die Tierärztin zeigte den Mädchen wie man einen Verband anlegt oder den Herzschlag abhorcht. Wer weiß, ob dies zu einer Veränderung des Berufswunsches des einen oder anderen Mädchens geführt hat?

Zum Abschluss des Tages durften die Mädchen sich noch als Reiterinnen ausprobieren und auf dem hofeigenen Pferd ein paar Runden drehen.

Die Mädchen hatten bei dem Ausflug tierisch Spaß!

Der zweite Ausflug führte die Gruppe hinaus ins Grüne. Nachdem die Mädchen in den von Lieber Lesen e.V. organisierten Kursen schwimmen gelernt hatten, konnten sie nun in einem brandenburgischen See plantschen und im Schlauchboot das Wasser erobern. Dabei genossen sie es sehr, in der rein weiblichen Runde ohne Kopftuch und ohne Bedenken schwimmen zu können. Anschließend lernten die Mädchen noch einen wichtigen Bestandteil der deutschen Kultur kennen – Grillen!

Für TERRE DES FEMMES-Referentin Abir Alhaj Mawas waren beide Ausflüge ein voller Erfolg: Die Mädchen konnten ihren Unterkünften und ihrem Alltag für einige Stunden entfliehen, sich ausprobieren, Ängste abbauen und mit ihr über wichtige Themen diskutieren.

 

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