AAFMHL, Nordkamerun – Selbstbestimmung durch Bildung

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Stipendien machen den Schulbesuch für Mafa-Mädchen möglich. Foto: © AAFMHLStipendien machen den Schulbesuch für Mafa-Mädchen möglich. Foto: © AAFMHL

„Wenn es dieses Projekt früher gegeben hätte, hätte es auch mir dienen können. Ich wäre gerne länger zur Schule gegangen und hätte einen Berufsabschluss gemacht. Aber es fehlten mir die Mittel dazu. Ich musste früh heiraten. Jetzt setze ich mich dafür ein, dass die Mädchen meines Dorfes eine Chance bekommen.“
Vereinsmitglied von AAFMHL, Mitte 20 und zweifache Mutter
Interventionsgebiete: Mandara-Gebirge in Nordkamerun

Name: „Association d’Appui aux Filles de M’lay, Huva et Ldama“ - Verein zur Unterstützung von Mädchen aus M’lay, Huva und Ldama (AAFMHL)

Wird von TDF unterstützt seit: 2012

Zielgruppe: Mafa-Mädchen in Nordkamerun  

Projektaktivitäten:

  • Stipendienvergabe zur Finanzierung von Schule und Ausbildung
  • Bezahlung von Unterrichtsmaterialien und einer Grundausstattung für die Schule (Uniform, Sportkleidung etc.) für bedürftige Mädchen

Kontakt: Ehrenamtliche Projektkoordinatorin Godula Kosack (kamerun@frauenrechte.de)
oder TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: Informationsflyer AAFMHL (PDF-Datei)

Hintergründe und Projektbeschreibung

Godula Kosack auf Projektreise im Büro der AAFMHL. Foto: © Jürgen KunzeGodula Kosack auf Projektreise im Büro der AAFMHL.
Foto: © Jürgen Kunze

Das Projekt Selbstbestimmung durch Bildung hat das Ziel, Mädchen und jungen Frauen der Ethnie der Mafa in den Bergdörfern Nordkameruns einen Weg zu Schule und Berufsausbildung oder Studium zu ermöglichen. Die Stipendiatinnen sollen zu Vorbildern für nachfolgende Generationen werden und zeigen, dass Mädchen ein Recht auf Bildung haben und weibliche Selbstbestimmung lebbar ist. Die Kooperation ist 2012 auf Initiative von Prof. Dr. Godula Kosack, Ethnologin und Soziologin sowie hervorragende Kennerin der Region Extremer Norden in Kamerun, zustande gekommen. Sie ist TDF-Vorstandsfrau und betreut ehrenamtlich die Projekte von TERRE DES FEMMES in Kamerun.

Abgelegene Projektregion und streng patriarchale Gesellschaft

Die ca. 400.000 Mafa leben im Mandara-Gebirge in Nordkamerun. Dabei handelt es sich um eine infrastrukturell kaum erschlossene Region an der Grenze zu Nigeria, die nur sehr selten von Entwicklungs- oder Investitionsvorhaben profitiert. Fließend Wasser und Strom sind dort nach wie vor die Ausnahme. In den letzten Jahren war das Mandara-Gebirge immer wieder von Überfällen, Brandschatzungen und Flüchtlingsbewegungen durch die in der Grenzregion operierende Boko Haram-Terrormiliz betroffen, was die Sicherheits- und Versorgungslage noch erschwert hat.

Die Projektregion: das Mandara-Gebirge in Nordkamerun. Foto: © Jürgen KunzeDie Projektregion: das Mandara-Gebirge in Nordkamerun.
Foto: © Jürgen Kunze
Die Mafa folgen einer streng patriarchalen Gesellschaftsordnung: alles, was aus der Erde hervorgeht, gehört den Männern. Dazu zählen bei den Mafa auch die Kinder, die im Fall einer Scheidung stets beim Vater bleiben. Weiter besitzen Frauen kein Land, was ihre Chancen auf ein eigenes Einkommen und damit finanzielle Unabhängigkeit gerade im ländlichen Raum stark einschränkt. Ein Schulbesuch ist trotz Schulpflicht teuer, erfordert weite Wege und bleibt häufig nur den Jungen vorbehalten. Viele Eltern investieren auch deshalb weniger in Mädchenbildung, weil Mädchen nach ihrer Heirat der traditionellen Rollenverteilung zufolge für Haus, Hof und die Kinder zuständig sind. An den Grundschulen sind nur ein Drittel der Kinder Mädchen, an den weiterführenden Schulen machen Mädchen kaum noch 10 Prozent aus. In einigen Dörfern liegt die Analphabetinnen-Rate bei 100 Prozent. Oft werden die Mädchen im Alter von 15 Jahren von ihren Vätern (zwangs-)verheiratet, auch mit Männern im Alter ihrer Väter. Etwa die Hälfte der Mafa-Männer ist mit mehr als einer Frau verheiratet. Besonders schlimm betroffen von früher (Zwangs-)verheiratung und Bildungsentzug sind Mädchen, die einen Elternteil verloren haben, Vollwaisen sind oder in finanziell prekären Verhältnissen groß werden.

Mit Mädchenbildung frühe (Zwangs-)verheiratung verhindern

TERRE DES FEMMES-Stipendiatinnen mit Lehrer und AAFMHL-Leiter Daniel Paoulai. Foto: © Mbritchè MartineTERRE DES FEMMES-Stipendiatinnen mit Lehrer und AAFMHL-Leiter Daniel Paoulai. Foto: © Mbritchè MartineDas Projekt Selbstbestimmung durch Bildung will möglichst vielen Mädchen, die den Wunsch haben, gleichberechtigt und wirtschaftlich unabhängig zu leben, und ansonsten keine Möglichkeit und Mittel dazu hätten, den Weg zu Schule und Berufsausbildung ebnen. Mit dem Projekt wird insbesondere auch früher (Zwangs-)verheiratung vorgebeugt: Mädchen, die zur Schule gehen, werden seltener früh verheiratet. Bestehen die Eltern trotz erfolgreicher und noch nicht beendeter Schullaufbahn auf eine Heirat vor Erreichung der Volljährigkeit, kann die TDF-Partnerorganisation AAFMHL einschreiten und versuchen, sie in Mediationsgesprächen vom Gegenteil zu überzeugen.

 

 

 

Projektaktivitäten von AAFMHL

Bildungsarbeit

Endlich besuchen auch junge Frauen die Berufsschule in Makandai Foto: © Daniel PaoulaiEndlich besuchen auch junge Frauen die Berufsschule in Makandai Foto: © Daniel PaoulaiIm März 2012 gründete sich der Verein „Association d’Appui aux Filles de M’lay, Huva et Ldama“ - Verein zur Unterstützung von Mädchen aus M’lay, Huva und Ldama (AAFMHL). Ihm gehören LehrerInnen, Eltern und EinwohnerInnen der drei Bergdörfer M’lay, Huva und Ldama an. Sie wählen nach den Kriterien der Bedürftigkeit und guten schulischen Leistungen Mädchen aus, denen das Schulgeld, die Unterrichtsmaterialien und eine Grundausstattung für den Schulbesuch bezahlt werden. Dazu zählen z.B. die obligatorische Schuluniform, Hefte, Bücher, Stifte und Sportsachen. Manchmal werden bei Besuch einer weiter entfernt gelegenen Schule oder Universität auch die Unterkunftskosten für Stipendiatinnen vor Ort übernommen. Die Stipendiatinnen sollen nicht nur bis zum Ende der Schulzeit, sondern bis zum Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums gefördert werden. Ziel ist, dass sie zum Leitbild für andere Mädchen und Frauen der Bergdörfer werden, indem sie vorleben, dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen und die Gesellschaft in ihrem Sinn mitgestalten und verändern können.

Seit 2017 unterhält die AAFMHL erstmalig ein kleines Büro in der Projektregion, um das Stipendiatinnen-Programm noch besser betreuen zu können. Auch werden die sonst rein ehrenamtlich aktiven Vereinsmitglieder nun einmal pro Woche von einer buchhalterisch ausgebildeten einheimischen Projektassistentin unterstützt.

 

 

Erfolge des Projekts

Hawagui Fama, Stipendiatin an der Grundschule, 13 Jahre, aus dem Dorf M‘lay: „Gäbe es den Verein AAFMHL nicht, müsste ich nach der Grundschule heiraten. Meiner Familie fehlen einfach die Mittel. Ich bin sehr ehrgeizig und will unbedingt mein Abitur machen. Später will ich Lehrerin werden, um die Arbeit der AAFMHL weiterführen und meiner Familie helfen zu können.“ Foto: © Daniel PaoulaiHawagui Fama, Stipendiatin an der Grundschule, 13 Jahre, aus dem Dorf M‘lay: „Gäbe es den Verein AAFMHL nicht, müsste ich nach der Grundschule heiraten. Meiner Familie fehlen einfach die Mittel. Ich bin sehr ehrgeizig und will unbedingt mein Abitur machen. Später will ich Lehrerin werden, um die Arbeit der AAFMHL weiterführen und meiner Familie helfen zu können.“ Foto: © Daniel Paoulai

  • Durch die Unterstützung von TERRE DES FEMMES können seit 2012 jährlich 20 – 30 Mafa-Mädchen die Grundschule, das Gymnasium oder die Technische Fachschule besuchen. An letzterer werden die Mädchen zu Bürofachfrauen ausgebildet.
  • Im letzten Schuljahr (2017/18) übernahm TERRE DES FEMMES die Ausbildungskosten für 17 Mädchen aus drei Bergdörfern – darunter waren Grundschul-, Gymnasial-, und Berufsschülerinnen. Ihnen wurden die Schulgebühren, die Schuluniformen und die Unterrichtsmaterialien finanziert. Auch erhielten sie Kleidung für den Sportunterricht und notwendige Hygieneartikel.
  • Seit 2016 haben 18 Stipendiatinnen die Grundschule und 6 Stipendiatinnen ihre Ausbildung zur Bürofachfrau abgeschlossen.
  • 2016 hat das erste Mafa-Mädchen Abitur gemacht. Sie studiert nun Lehramt und möchte später in ihrem Heimatdorf unterrichten.
  • Der Verein AAFMHL setzt sich in der Region grundsätzlich für die Stärkung von Mädchenbildung ein und interveniert, wenn Eltern ihre Töchter von der Schule abmelden wollen, um sie zu verheiraten.

 

 

 

Weiteres Schulprojekt

Mädchenschule in Mazi: zur Gründung ihrer Kleinunternehmen bekommen die Schülerinnen Saatgut oder Ziegen. Foto: © Robert DjiabouMädchenschule in Mazi: zur Gründung ihrer Kleinunternehmen bekommen die Schülerinnen Saatgut oder Ziegen.
Foto: © Robert Djiabou
Vom Erfolg des Projekts Selbstbestimmung durch Bildung beflügelt, fragte eine weitere lokale Partnerorganisation Ende 2012 bei TERRE DES FEMMES Unterstützung für den Bau einer Mädchenschule in Mazi/Nordkamerun an. Im März 2014 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht. An dieser Schule können Mädchen ohne regulären Schulabschluss zu Kleinunternehmerinnen ausgebildet werden. Sie absolvieren eine Ausbildung in den Bereichen Ackerbau, Nutztierzucht, Nähen oder Hauswirtschaft für Großküchen wie Kantinen, die ihnen im dörflichen Rahmen eine Verdienstmöglichkeit bieten.

Zurzeit werden mehr als 70 Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren unterrichtet, zwei davon sind TDF-Stipendiatinnen.

 

 

 

Aktiv werden & Spenden

Mafa-Stipendiatinnen mit ihren Zeugnissen in der Hand. Foto: © Jürgen KunzeMafa-Stipendiatinnen mit ihren Zeugnissen in der Hand.
Foto: © Jürgen Kunze

Unterstützen Sie AAFMHL mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort „Kamerun“ auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
BIC GENODEF1ETK
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00

Es besteht die Möglichkeit, die ehrenamtliche Projektkoordinatorin Prof. Dr. Godula Kosack zu einer Vortragsveranstaltung einzuladen. Sie kann ausführlich über die Arbeit des Vereins AAFMHL, den Lebensalltag der Mafa, den sie während eigener Forschungsaufenthalte geteilt hat, und die Lage der Mädchen und Frauen vor Ort informieren.

 

Weitere Informationen

Flyer

TDF-Projektflyer (PDF-Datei)

Jahresberichte

Berichte der ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Godula Gosack über AAFMHL:

Reiseberichte

Erfahren Sie auf der Homepage der Projektkoordinatorin Godula Kosack mehr über das Projekt, die Projektregion und die Gesellschaft der Mafa. Sie finden dort auch Filme der Ethnologin, die Ihnen Einblicke in die Lebensweise und Traditionen der Mafa gewähren.

Interviews

Verfolgen Sie die Lebensgeschichten von Mafa-Mädchen aus Kamerun und das, was sie selbst über Mädchenbildung sagen.

Lesen Sie hier das Portrait von Y. und D., die dank der Projektarbeit von AAFMHL auch heute noch zur Schule gehen können.

Lernen Sie hier einige TERRE DES FEMMES-Stipendiatinnen bildlich kennen.

Öffentlichkeitsarbeit

Im März 2017 hielt Godula Kosack einen Vortrag zu Landrechten von Frauen in Kamerun.

Im März 2014 wurde die neue Mädchenschule in Mazi/Nordkamerun eingeweiht.

Lesen Sie hier über Krisen und Konflikte in Kamerun, die auch das Projektgebiet betreffen, und wie es sich als Frau unter diesen Bedingungen lebt.

Informieren Sie sich hier über die kritische Situation im Norden Kameruns, verursacht durch Überfalle der terroristischen Organisation Boko Haram

Rundreise in Deutschland Herbst 2015

Am 28.09.2015 startete die vierwöchige TDF-Veranstaltungstour zum Thema Mädchenbildung im Norden Kameruns. Die beiden Referentinnen Martine Mbritchè (AAFMHL) und Prof. Godula Kosack (TDF) referieren in verschiedenen Städten Deutschlands zur Bedeutung Mädchenbildung für ein Leben in Selbstbestimmung und zum Partnerprojekt AAFMHL.

 

Die Ethnie der Mafa lebt in den Bergen im Norden Kameruns.Die Ethnie der Mafa lebt in den Bergen im Norden Kameruns.

Weitere Informationen erhalten Sie bei

TERRE DES FEMMES e.V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel: 030 - 40 50 46 99-0
E-Mail: Kontaktformular

 

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