Gemeinsam gegen Gewalt an Mädchen und Frauen - Projektbesuch in Burkina Faso

Neues Gewaltschutzgesetz kommt nicht zur AnwendungSensibilisierungsworkshop in Kalsin. Foto:© TERRE DES FEMMESSensibilisierungsworkshop in Kalsin. Foto:© TERRE DES FEMMES

Seit September 2015 gilt in Burkina Faso ein Gewaltschutzgesetz, mit dem erstmalig eine rechtliche Grundlage geschaffen wurde, um gerichtlich gegen Täter vorzugehen, die Mädchen und Frauen Gewalt antun. Für die burkinischen FrauenrechtlerInnen ist dieses Gesetz ein wahrer Meilenstein. Fehlendes Wissen in der Bevölkerung über dessen Existenz verhindert allerdings bislang, dass das neue Gewaltschutzgesetz tatsächlich zur Geltung kommt. Bis heute ist noch kein einziger Fall strafrechtlich auf dieser Grundlage angezeigt worden. Das wollen wir ändern! Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Association Bangr Nooma hat TERRE DES FEMMES ein Frauenschutzzentrum in Ouagadougou aufgebaut.

TDF initiiert Bau eines Frauenschutzzentrums

Im November 2014 hat TERRE DES FEMMES den Bau des Frauenschutzzentrums CAECF (Frz.: Centre d `Acceuil, d`Ecoute et de Conseil pour des Femmes/Filles) mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiiert. Seit Juni 2015 ist die Anlaufstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen in Betrieb und bietet Notunterkunft, umfassende Beratung, sowie psychologische und juristische Unterstützung an. Hilfesuchende Mädchen und Frauen – oft Opfer von Vergewaltigung, Flüchtende vor Zwangsverheiratung, drohender Genitalverstümmelung oder anderer physischer Gewalt - finden dort tatkräftige Unterstützung.

Frauen in Burkina Faso sind allerdings nicht nur von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen. Sie sprechen vielfach auch von psychischer und moralischer Gewalt, die sie in Form von Beleidigungen, Drohungen und Verleumdungen erfahren, oder von ökonomischer Gewalt, die sich darin ausdrückt, dass ihnen oftmals der Zugang zu Geld, Eigentum, Land und Bildung verwehrt wird. Nur 6% der Frauen in Burkina Faso haben die Mittelschule besucht (Gender Inequality Index 2015). Sie verdienen durchschnittlich knapp 700US$ weniger als Männer (Global Gender Gap Report 2016). Im Ranking des Gender Inequality Index 2016, der die ungleiche Situation der Geschlechter basierend auf den Faktoren reproduktive Gesundheit, Partizipation und Bildungs- sowie Arbeitschancen abbildet, liegt Burkina Faso auf Platz 185 von insgesamt 188 Ländern.

Projektbesuch von TDF-Referentin

Renate Staudenmeyer, nahm an einem Aufklärungsworkshop in Kalsin teil. Foto: © TERRE DES FEMMESRenate Staudenmeyer, nahm an einem Aufklärungsworkshop in Kalsin teil. Foto: © TERRE DES FEMMESBei ihrem jährlichen Projektbesuch vor Ort hat sich Referentin Renate Staudenmeyer (TDF-Internationale Zusammenarbeit) von der dringenden Notwendigkeit und der effektiven Arbeit des CAECF überzeugt. Beim Projektbesuch stehen viele Treffen und Gespräche auf der Agenda: mit den traditionellen Dorfchefs, mit den Frauen, die gerade Zuflucht in der Notunterkunft des CAECF gefunden haben, mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen, mit der Polizei, in Ministerien, bei der Menschenrechtskommission und nicht zuletzt mit der Bevölkerung im Rahmen von Sensibilisierungsaktivitäten.

Aufklärungsarbeit wird verstärkt

Aufklärungsarbeit bei einer Frauenorganisation in Tanghin. Foto: © TERRE DES FEMMESAufklärungsarbeit bei einer Frauenorganisation in Tanghin. Foto: © TERRE DES FEMMESAufgrund der mangelnden Bekanntheit des burkinischen Gewaltschutzgestzes hat das CAECF in seiner neuen Förderphase seit Februar 2017 auch die Informations- und Aufklärungsarbeit verstärkt. Geschlechtsspezifische Gewalt und das Aufbrechen des Schweigens darüber sind sensible Angelegenheiten – es braucht geeignete Strategien, um ein kritisches Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen zu bewirken. Aufklärung auf Dorfebene findet z.B. anhand von Bildermappen statt, die verschiedene Formen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen zeigen, sie so auch emotional begreifbar machen und den Gesprächseinstieg erleichtern. Zusätzlich werden durch Fortbildungen über das neue Gewaltschutzgesetz wichtige MultiplikatorInnen wie Dorfchefs, PolizistInnen und LehrerInnen aufgeklärt.

Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen immer noch massiv

Für viele Frauenrechtlerinnen in Burkina Faso bleiben traditionelle Praktiken der Grundstein für extreme Formen der Diskriminierung und der Gewalt gegen Mädchen und Frauen. „Diese kommen zum Beispiel in der Mitgift bei der Eheschließung zum Ausdruck; oder in der frühen Zwangsverheiratung von Mädchen im Alter von elf bis dreizehn Jahren. [...] Auch gibt es extrem frauenfeindliche Witwenrituale, die den Witwen auferlegt werden, weil per se davon ausgegangen wird, dass sie am Tod ihres Mannes schuldig sind. [...] Es bleibt einfach noch viel zu tun“, so Rakieta Poyga, die unermüdliche Frauenrechtsaktivistin und Gründerin unserer Partnerorganisation.

Stand 10/2017

Spenden Sie für unsere internationale Arbeit!

Logo Transparenzinitiative