Das Leid der Frauen im von Krieg und Patriarchat geprägten Afghanistan

Teilnehmerinnen an einem Kurs im Frauenzentrum. Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative)Teilnehmerinnen an einem Kurs im Frauenzentrum.
Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative)
Trotz des anhaltenden Versuchs die Demokratie im Land durchzusetzen und den Terror zu bekämpfen bleibt die politische und soziale Situation in Afghanistan dramatisch. Vor allem die Frauen haben unter gravierenden Menschenrechtsverletzungen zu leiden. In ihrer Verzweiflung sehen immer mehr von ihnen den Selbstmord als einzigen Ausweg! TERRE DES FEMMES unterstützt in Herat, dem Westen des Landes das Frauenzentrum Shahrak.

"Bei dem Blick in die Zeitungen sind Berichterstattungen über Afghanistan selten", schreibt Alexey Yusupov in seinem Artikel Best Case: Stillstand über die prekäre Lage in Afghanistan. Lediglich bei ungewöhnlich zerstörerischen Anschlägen werde über das Land berichtet. Der Großteil der Entwicklungen finde keine Beachtung. Gleichzeitig sind die Taliban wieder auf dem Vormarsch.

In naher Zukunft werden 800 000 Afghanen in ihr Land zurückkehren. Der Grund: Ein Großteil der in Pakistan lebenden afghanischen Diaspora, wurde von der Regierung dort aufgefordert das Land zu verlassen. Dies alles ohne Unterkünfte, Versorgung oder Arbeit. Es droht ein humanitärer Notstand. "Afghanistan kämpft mit zahlreichen anderen internationalen Krisengebieten um Aufmerksamkeit und Ressourcen", so Yusupov. "Der wichtigste Schritt zu einer Verbesserung wäre die Stabilisierung des Landes!"

Ein Notstand mit besonders fatalen Folgen für das Leben der Frauen. Laut des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen werden etwa 60% der Mädchen vor ihrem 15. Lebensjahr mit einem oft doppelt so alten Mann zwangsverheiratet. Acht von zehn Frauen sind Opfer von körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt. Medina Navarro schreibt in der Online-Zeitung The Prisma: "Frauen, die eine Anzeige erstatten wollen, riskieren es von der Polizei vergewaltigt zu werden. Außerdem wird eine Frau, die nach 48 Stunden, beispielsweise nach einem Fluchtversuch nicht nach Hause kommt, des Ehebruchs beschuldigt, welcher entweder mit dem Tod oder der Verstümmelung ihres Gesichts bestraft wird. Viele von ihnen wollen ihrem unerträglichen Leid durch Selbstmord entkommen. Sie trinken Rattengift, zünden sich an, ertränken sich im Fluss oder erhängen sich. Von den Familien wird der Selbstmord als häuslicher Unfall vertuscht und gilt als Schande." Afghanistan ist das einzige Land, in dem die Selbstmordrate der Frauen höher ist, als die der Männer.

Mit dem Frauenbildungszentrum in Shahrak möchte TERRE DES FEMMES Frauen zur Selbstständigkeit verhelfen.

Eingangsbereich des Frauenzentrums in Shahrak. Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative)Eingangsbereich des Frauenzentrums in Shahrak.
Foto: © DAI (Deutsch-Afghanische Initiative)
Es liegt im Westen Afghanistans in der Nähe der Stadt Herat und ist eine Siedlung der schiitischen Hasara-Minderheit. Obwohl die Hasara in Afghanistan die drittgrößte Volksgruppe bilden, werden sie wegen ihrer religiösen und ethnischen Sonderstellung immer wieder Opfer von Verfolgung und Diskriminierung. Viele der Frauen haben durch den Krieg oder durch die Herrschaft der Taliban ihren Mann verloren und sind verwitwet. Um überleben zu können, müssen viele betteln oder sich gar als Prostituierte anbieten.

Eine Großzahl der Einwohner Shahraks hat während der Herrschaft der Taliban im schiitisch geprägten Iran gelebt. Die meisten konnten dort die hohen Schulgebühren für Flüchtlinge nicht aufbringen. Über 80% der über 15-jährigen Mädchen und Frauen in Afghanistan sind Analphabetinnen.

Im Jahr 2003 wurde das Frauenzentrum Shahrak mithilfe der Deutsch Afghanischen Initiative (DAI) gegründet. Dort haben die Mädchen und Frauen die Möglichkeit lesen und schreiben zu lernen, sowie sich Englisch, das Nähen und den Umgang mit dem Computer in den jeweiligen Kursen anzueignen.

Das Frauenzentrum verfolgt zwei Ziele: Erstens sollen die Frauen und Mädchen einen Zugang zur Bildung erhalten und zweitens durch ökonomisches Empowerment einen Weg für ihr selbstbestimmtes Leben in die Unabhängigkeit eröffnen.

"In Shahrak kann ich mich mit anderen Frauen austauschen. Das gibt mir Kraft und bestärkt meine Bemühungen, durch Nähen eigenes Geld zu verdienen. So kann ich es meiner Tochter ermöglichen, länger die Schule zu besuchen!" -
Eine Teilnehmerin des Frauenbildungszentrums.

 

Weiterführende Informationen:

http://www.ipg-journal.de
http://theprisma.co.uk

 

Stand: 12/2016

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