10.11.2009: Türkei: Gerichtsurteil unterstützt Mythos Jungfräulichkeit

Am Sonntag den 08.11.2009 berichtet die türkische Zeitung "Vatan" von einer fragwürdigen Entscheidung des obersten Berufungsgerichts in der Türkei. Ein Mann beantragte die Annullierung seiner Ehe, da seine Frau zum Zeitpunkt der Eheschließung keine Jungfrau mehr gewesen sein soll.

Obwohl die Ehefrau ein Gutachten vorlegte, das ihre Jungfräulichkeit bestätigt, gaben die Richter dem Mann Recht und begründeten ihre Entscheidung mit dem türkischen Zivilrecht, in welchem festgehalten ist, dass eine Ehe annulliert werden kann, falls ein Ehepartner den anderen in einem wichtigen Punkt täuscht.

Anlässlich dieses Urteils, erklärt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES: "Dieses Urteil ist für ein Land, das der EU beitreten möchte, nicht akzeptabel, da es sich auf veraltete, patriarchalische Mythen stützt, die in der Rechtssprechung eines modernen Staates nichts verloren haben."

Medizinisch ist es unmöglich anhand des so genannten "Jungfernhäutchens" (Hymen) festzustellen, ob eine Frau schon (vaginalen) Geschlechtsverkehr hatte. Beim Hymen handelt es sich lediglich um einen Gewebesaum, der den Scheideneingang umgibt und nicht um ein Häutchen, das den Scheideneingang verschließt und beim ersten Geschlechtsverkehr zerstört wird. Manche Mädchen werden ohne Hymen geboren, viele haben trotz sexueller Kontakte einen intakten Hymen.
"Dass die betroffene Frau trotzdem versuchte, ihre Jungfräulichkeit mit einem Gutachten zu beweisen, zeigt, wie sehr auch Frauen, die immer noch vorherrschende patriarchalische Denkweise zu ihren eigenen Ungunsten angenommen haben," so Christa Stolle.

TERRE DES FEMMES fordert mehr Aufklärung und Zivilcourage um den Mythos Jungfräulichkeit endlich zu brechen, denn auch in Deutschland stellen ÄrztInnen so genannte Jungfräulichkeitszertifikate aus oder verdienen an einer "Wiederherstellung" des Hymens. Viele junge Frauen mit Migrationshintergrund drängt die Angst vor dem Verlust der Familienehre zu diesem kostspieligen Schritt.

Lesen Sie hier mehr dazu.

Für Nachfragen und Interviews wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Sibylle Schreiber Tel. 030/40504699-0 oder per Mail an berlinbuero@frauenrechte.de

Logo Transparenzinitiative