11.03.2009: Besuch der Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments Gertrude Mongella bei TDF

Dr. Gertrude Mongella, Christa Stolle

Dr. Gertrude Mongella (links) und Christa Stolle.

Am 11. März besuchte die Präsidentin des Panafrikanischen Parlaments Gertrude Mongella, die TERRE DES FEMMES-Geschäftsstelle in Tübingen zu einem Austausch über die Arbeit für Frauenrechte. Mongella nahm am 13. März an einer Tagung der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit, Misereor und weiterer Institutionen über die Chancen afrikanischer Länder teil. TERRE DES FEMMES-Geschäftsführerin Christa Stolle erinnerte sich an Mongella von der Vorbereitungskonferenz in Wien zur UN-Weltfrauenkonferenz 1995, die von Mongella geleitet wurde.

Gertrude Mongella ist außerdem Parlamentsmitglied in Tansania. Ein wichtiges Anliegen ist ihr die Bildung für Frauen. Frauen müssen eine Chance bekommen und brauchen deshalb besondere Bildungsprogramme, sagt sie. Sie schilderte, wie sie selbst zum Besuch einer weiterführenden Schule eine zweitägige Zugfahrt hinter sich bringen musste. Sie stammt aus Tansania und wurde auf einer der 28 Inseln im Viktoriasee geboren. Wie sie müssen auch heute noch viele Mädchen einen weiten Schulweg zurücklegen, wenn sie weiterführende Schulen besuchen wollen. Gertrude Mongella setzt sich in Tansania für den Bau von Wohnheimen für Mädchen an den Schulen ein. Sie argumentiert, so könnten die Mädchen sich besser auf die Schule konzentrieren und hätten darüber hinaus auch einmal Zeit für eigene Freizeitaktivitäten. Denn zu Hause seien Mädchen immer sehr in die Hausarbeit eingespannt und hätten eigentlich gar keine Zeit, Kind zu sein.

Einige solcher Wohnheime hat Gertrude Mongella schon ins Leben gerufen, und es ist ihr ein Anliegen, dass es noch mehr werden. Auf die Frage, ob die Mütter denn auf die Hilfe der Töchter verzichten könnten, antwortete sie, die Mütter seien stark und setzten sich immer für die Bildung ihrer Kinder, Mädchen wie Jungen ein. "Auch meine Mutter hat Opfer gebracht, damit ich das werden konnte, was ich heute bin."

Sie sieht für die Zukunft eine positive Entwicklung, denn die nächste Generation werde schon von Müttern erzogen, die wenigstens Grundschulbildung haben. Die darauf folgende wird schon von Müttern mit einem Abschluss von weiterführenden Schulen erzogen. Dann würde es auch einfacher, über Frauenrechte zu sprechen, denn sie fragt: "Wie soll ich einer Frau ohne Schulbildung von den Ergebnissen der UN-Frauenkonferenz berichten?"

Ein weiteres konkretes Projekt in ihrer Heimatregion ist die Einrichtung einer Geburtsklinik auf der größten der Inseln im Viktoriasee. Mongella berichtet, in der Region herrsche eine hohe Müttersterblichkeit. Die Frauen wohnen in abgelegenen Gebieten mit sehr begrenzter Gesundheitsversorgung und schlechter Infrastruktur. "Da können wir nicht einfach tatenlos zusehen", sagt sie und bittet im Hilfe jeglicher Art für ihr Projekt.

An der konkreten Arbeit an der Basis führt ihrer Ansicht nach kein Weg vorbei. Sie rät TERRE DES FEMMES, mehr persönliche Kontakte zu afrikanischen NGOs zu knüpfen und bietet ihre Hilfe dabei an. Sie ist auch Präsidentin der Organisation Advocacy for Women in Africa, die Frauen besser vernetzen will.

Im Panafrikanischen Parlament, das zweimal im Jahr zusammenkommt, sind fünf VertreterInnen aus jedem afrikanischen Land vertreten, ein Drittel davon sind Frauen. Es hat die Aufgabe, die Politik der Afrikanischen Union umzusetzen, ihm fehlen aber vorerst  gesetzgeberische Kompetenzen. Mongella ist dort mit dem Komitee für Frauenangelegenheiten im Einsatz. Sie besuchen zum Beispiel Krisenregionen und setzen sich für die wirtschaftliche Förderung von Frauen ein.

Sie selbst ist auch Mitglied der Organisation Woman Africa Solidarity, die mit dem "African Gender Award" afrikanische Politiker ehrt, die sich um eine Beteiligung von Frauen in der Politik bemühen. 2007 ging dieser Preis an den ruandischen Staatspräsidenten Kagame, der mit seiner Politik erreichte, dass 49 Prozent Frauen im ruandischen Parlament sitzen. Sie befürwortet den Ansatz "Lob anstatt Kritik" und regt an, so auch in Europa vorzugehen.

Die Frage, ob es eine nächste UN-Weltfrauenkonferenz geben sollte, bejaht Mongella grundsätzlich, macht aber Einschränkungen: Auf jeden Fall sollte sie gut vorbereitet werden. Es dürfe keine Trennung in Nord-Südländer geben, religiöser Fundamentalismus müsse außen vor bleiben, Polarisierungen sollten vermieden werden, so Mongella. Sie gab jedoch zu bedenken, dass heutzutage der Umweltschutz und Sicherheitserwägungen wegen der Gefahr des internationalen Terrorismus durchaus berücksichtigt werden müssten.

Logo Transparenzinitiative