03.04.2009: Gefangen in der Gewaltspirale - Ein weiterer Mord im Namen der Ehre

In der Nähe von Krefeld wurde Anfang März die 20jährige Türkin Gülsüm S. erschlagen aufgefunden. Jetzt steht fest: Sie wurde im Namen der Ehre von ihrem Bruder ermordet.

Ihr Leben war bestimmt von Kontrolle und Gewalt durch ihren Vater. Nach Einbruch der Dunkelheit durfte sie die Wohnung nicht mehr verlassen. Rebellierte sie gegen die Vorschriften, wurde sie geschlagen. Ihre Familie versuchte sie gegen ihren Willen erst in der Türkei, dann in Deutschland zu verheiraten.

Doch Gülsüm widersetzte sich, floh von ihrer Familie, hatte einen Freund und wurde schwanger. Kurz vor ihrer Ermordung ließ sie das Kind in Amsterdam abtreiben. Nicht freiwillig, wie Serap Cileli, die Autorin des Buches “Eure Ehre - unser Leid", vermutet. "Scheinbar scheiterte die Beziehung zu ihrem albanischen Freund und sie bat ihre Schwester um Hilfe. Keiner durfte von der Schwangerschaft erfahren, denn durch den Verlust ihrer Jungfräulichkeit zerstörte sie in den Augen ihrer streng patriarchalischen Eltern die Ehre der gesamten Familie." Schon vor der Tat beriet Cileli eine Vertrauensperson Gülsüms. Gemeinsam versuchten sie Gülsüm zu unterstützen.

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES, weiß von vielen Mädchen und jungen Frauen, die sich in einer ähnlichen Lage wie Gülsüm befinden. “Manchmal schweben sie in akuter Lebensgefahr, sollte auch nur das Gerücht aufkommen, sie seien keine Jungfrau mehr", berichtet Stolle. “Wir erhalten immer mehr verzweifelte Anrufe von Mädchen, die nach Möglichkeiten suchen, ihr Jungfernhäutchen wiederherstellen zulassen." Stolle weiter: “Wir leben im 21. Jahrhundert, in einem demokratischen Rechtsstaat. Und junge Frauen müssen um ihr Leben fürchten, weil sie ihre Sexualität selbstbestimmt leben wollen? Ein Zustand, den wir nicht akzeptieren dürfen!"

Für Nachfragen und Interviewwünsche stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Jasmine Olbort, Tel. 07071/7973-14 oder per Mail an eilaktion@frauenrechte.de

Logo Transparenzinitiative