Interessante Gesprächsrunde zur Preview „INNEN LEBEN“

v.l.n.r. Knut Elstermann, Dr. René Wildangel, Sami Alkomi, Dr. Abir Alhaj Mawas. Foto: © TERRE DES FEMMESv.l.n.r. Knut Elstermann, Dr. René Wildangel, Sami Alkomi, Dr. Abir Alhaj Mawas. Foto: © TERRE DES FEMMESTERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. begleitete am 15. Juni 2017 die Preview des Spielfilms „INNEN LEBEN“ im Filmtheater am Friedrichshain in Berlin.

Der Berlinale-Publikumspreisgewinner INNEN LEBEN zeigt auf eindringliche und beklemmende Art und Weise das Leben im von Konflikten und Krieg erschütternden Syrien. Der Film porträtiert Menschen, die sich trotz der permanenten Gewalt in ihrem Leben mit unglaublicher Stärke behaupten. Sie versuchen ihren Alltag im Krieg zu bewältigen und sehen sich unterschiedlichsten Herausforderungen und Gefahren wie geschlechtsspezifischer Gewalt gegenübergestellt. Der Film zeigt auf sehr intime Weise die Realitäten der Frauen in den Krisengebieten dieser Erde und gibt Einblicke in diese verzweifelte und auswegslose Situation.

Mit einem Grußwort eröffnete Radio Eins Moderator und Filmkritiker Knut Elstermann den Abend und eröffnete im Anschluss an den Film die Podiumsdiskussion. Gemeinsam diskutierten TERRE DES FEMMES Referentin für Flucht und Frauenrechte Dr. Abir Alhaj Mawas, Schauspieler und Moderator Sami Alkomi und Amnesty International Referent für den Mittleren Osten und Nordafrika Dr. René Wildangel über den Film und aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit Flucht und Asyl in Deutschland.

Dr. Abir Alhaj Mawas war sichtlich gerührt von dem Film, da sie selbst ähnliche Situationen erlebt hatte. Nach ihrer Doktorarbeit in Deutschland, lehrte sie von 2010 bis 2016 an der Universität in Aleppo und kehrte dann nach Deutschland zurück. Sie stellte fest, dass alle Frauen des Films sehr positiv und stark gespielt worden seien. Es wurden Frauen gezeigt, die ihre Familien schützen möchten. Die erschütternden Szenen im Film wie eine Vergewaltigungsszene zeigen die Realität im Krieg ,seien es mangelnde Ressourcen wie Wasser oder die allgegenwärtige Gewalt. Die sexualisierte Gewalt sei eine alte Waffe, eine Art der Machtausübung der Männer über die Frauen. Doch die Frauen seien deswegen nicht schwach. Sie kämpfen und kämpfen bis zum Schluss, um für ihre Familien sorgen zu können.

Um die geflüchteten Mädchen und Frauen in Deutschland zu unterstützen, sei die Arbeit von Organisationen wie TERRE DES FEMMES wichtig. Im Rahmen des CONNECT-Projekts begleiten Patinnen geflüchtete Frauen bei ihrem Integrationsprozess in Deutschland. Auch für Mädchen im Alter von neun bis 15 Jahren gäbe es Angebote wie Schwimm-, Fahrrad-, oder Tanzunterricht. Dies sieht sie als die ersten Schritte für eine Integration in Deutschland an.

Sami Alkomi stellte fest, dass sich die Charaktere des Films sehr europäisch verhalten hätten, und es meistens tief religiöse, selten so freie Familien seien, wie im Film dargestellt. Nichts desto trotz seien die Situationen sehr eindringlich und die Stärke der Frauen zu bewundern. Er merkte an, dass der belgische Regisseur Philippe Van Leeuw wohl Feminist sei, da die Frauen so stark porträtiert wurden.

Mit seinem Projekt „R.future-TV“ leistet er seinen Beitrag, um den Geflüchteten in Deutschland zu helfen. Die Menschen seien anders sozialisiert und so müsse man sie aufklären, was in Deutschland erlaubt sei und was nicht. Die Integrationsfilme sind jeweils auf arabisch und deutsch verfasst.

Dr. René Wildangel erklärte, dass das Handeln der Menschen nicht von außen bewertbar sei, da sich die AkteurInnen in absoluten Extremsituationen befänden. Die Gewalt, physische wie psychische, dränge von allen Seiten auf sie ein. Die Leistung des Films, den Horror des Eingeschlossenseins und die Unerträglichkeit dieser Situationen, so eindringlich darzustellen, könne aber auch als Brücke für die Arbeit vor Ort dienen und Verständnis für Menschen mit tiefen Traumata vermitteln.

Ob die Geflüchteten vor Ort nun selbst den Krieg erlebt hätten oder nicht, spiele dabei keine Rolle. Auch der Fluchtweg war gefährlich und so seien sie alle starke Menschen.

Eine Frage, die im Film nicht zentral sei, jedoch für Menschenrechtsorganisationen umso wichtiger: Wer verletzt die Menschenrechte? Wildangel stellte klar, dass dies von allen Seiten geschehe. Allein der syrische Staat sei für 60.000 Verschwundene zu verantworten. Mehr als 17.000 Menschen seien unter Folter gestorben, mehrere Tausend hingerichtet worden.

Gut und Böse seien dabei keine Kategorien, allein die Menschenrechte würden zählen und es sei die Aufgabe von Menschenrechtsorganisationen festzustellen, wer die Urheber von Menschenrechtsverletzungen seien, um diese später anklagen und zur Rechenschaft ziehen zu können.

TERRE DES FEMMES bedankt sich bei allen Beteiligten für diesen gelungenen Abend.

Der Film INNEN LEBEN ist ab Donnerstag, den 22. Juni 2017, in deutschen Kinos zu sehen.

Text: Annika Mohr

 

Stand: 06/2017

 

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