Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Erfolgreiche Demonstration gegen den „Marsch für das Leben“ am 17.09.2016

TERRE DES FEMMES bei der Bündnisaktion vor dem Brandenburger Tor. Foto: Tim NoppeneyTERRE DES FEMMES bei der Bündnisaktion vor dem Brandenburger Tor. Foto: © Tim NoppeneyAuch dieses Jahr beteiligte sich TERRE DES FEMMES (TDF) an den Prostesten des Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und vielen weiteren UnterstützerInnen gegen den „Marsch für das Leben". Rund 1500 DemonstrantInnen setzten sich am 17. September 2016 für die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Männern ein. Den TeilnehmerInnen der Proteste ging es sowohl um das Recht und den Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch als auch um die Akzeptanz alternativer Lebens- und Liebesmodelle wie gleichgeschlechtliche Ehen, alleinerziehende Eltern oder Patchworkfamilien.

Bei der Abschlußkundgebung auf dem Bebenplatz wurde außerdem die große Bedeutung von Sexualaufklärung an Schulen betont. Die Veranstaltung richtete sich gegen den „Marsch für das Leben“, ein vom „Bundesverband Lebensrecht“ initiierter Protestmarsch gegen sexuelle Selbstbestimmung. Die VeranstalterInnen und TeilnehmerInnen des Marschs fordern ein totales Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in Europa. Neben PraktikantInnen und MitarbeiterInnen beteiligte sich auch die ehrenamtliche TDF-Arbeitsgruppe „Frauenrechte und Religion“ an der Demonstration, die an diesem Wochenende in Berlin tagte.

Die gesetzliche und reale Situation in Deutschland

In Deutschland wird der Schwangerschaftsabbruch durch die Paragraphen 218 und 219 im Strafgesetztbuch geregelt.

Nach der geltenden Beratungsregelung ist der Schwangerschaftsabbruch zwar grundsätzlich rechtswidrig, er bleibt aber unter bestimmten Bedingungen straffrei:

  • Die Schwangere muss den Schwangerschaftsabbruch verlangen. Der behandelnden Ärztin oder dem Arzt muss sie durch die Bescheinigung nach § 219, Abs. 2, Satz 2 StGB nachgewiesen haben, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff von einer dafür anerkannten Beratungsstelle hat beraten lassen.
  • Der Schwangerschaftsabbruch muss von einer Ärztin oder einem Arzt vorgenommen werden.
  • Es dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein
  • Die Ärztin oder der Arzt, die oder der den Abbruch vornimmt, darf nicht die Schwangerschaftskonfliktberatung durchführen.

Der Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn bestimmte Indikationen vorliegen und ärztlich festgestellt sind:

  • Die medizinische Indikation erlaubt den Schwangerschaftsabbruch, um die Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, wenn die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann. Bei der medizinischen Indikation ist der Abbruch auch nach der zwölften Woche nach der Empfängnis möglich.
  • Die kriminologische Indikation gestattet den Schwangerschaftsabbruch, wenn die Schwangerschaft nach ärztlicher Erkenntnis durch ein Sexualdelikt an der Frau entstanden ist (Vergewaltigung, Delikte des sexuellen Missbrauchs, etwa wenn das Mädchen bei Beginn der Schwangerschaft noch nicht 14 Jahre alt war). Außerdem dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein.

(Quelle: http://www.familienplanung.de)

Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, werden somit kriminalisiert ihnen wird das Recht genommen, selbstbestimmt über ihren Körper und damit ihr Leben zu entscheiden. Die TeilnehmerInnen am „Marsch für das Leben“ fordern nun noch eine Verschärfung des bestehenden Rechts.

Die Antwort: sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung

Die TDF-AG "Frauenrechte und Religion" unterstützte die Aktion ebenfalls. Foto: Tim NoppeneyDie TDF-AG "Frauenrechte und Religion" unterstützte die Aktion ebenfalls. Foto: © Tim NoppeneyDie Darstellung des Schwangerschaftsabbruchs als vorgeburtlicher Mord reduziert Frauen nicht nur auf ihre Rolle als Mutter, sondern nimmt ihnen das Recht auf einen medizinischen Eingriff, den diese Frauen als nötig und richtig erachten. Frauen müssen das Recht haben, zu entscheiden, was mit ihrem Körper passiert. Dazu gehört auch die Entscheidung für oder gegen ein Kind. Deswegen fordert das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung einen offenen Umgang mit der Thematik Sexualität und das in einem frühen Alter.

Kinder und Jugendliche brauchen eine geschlechter- und kultursensible Sexualaufklärung, die über Verhütungsmittel, die „Pille danach“ und das weite Spektrum der Formen des Zusammenlebens aufklärt. Diese Aufklärung muss mit neuen gesetzlichen Reglungen einhergehen, die den kostenfreien Zugang zu (Notfall-)Verhütungsmitteln sicherstellen, und alle, die sich für oder gegen ein Kind entscheiden, angemessen unterstützen.

 

Stand: 19.09.2016