Neuanschaffungen 2011

Gunter Geiger (Hrsg.)
Die Hälfte der Gerechtigkeit?
Das Ringen um universelle Anerkennung von Menschenrechten für FrauenCover

Die internationalen Frauenkonferenzen der UNO seit den 1970er Jahren und die verabschiedeten frauenrechtlichen Dokumente sind Meilensteine der internationalen Entwicklungs-zusammenarbeit. Aber auch 30 Jahre nach Einführung von CEDAW sind Frauen weltweit immer noch von der universellen Anerkennung der Menschenrechte ausgeschlossen. Die Diskriminierung von Frauen und die mangelnde Gleichstellung spielt weltweit immer noch eine große Rolle, auch wenn die Arten und Formen der Diskriminierung nicht überall gleich aussehen.
Fehlendes Bewusstsein, fehlender politischer Wille aber auch das Festhalten an geschlechtsspezifischen Rollenverteilungen und Widerstände aus vermeintlich religiösen oder kulturellen Ansichten werden als Gründe aufgeführt.

Geiger lässt in seinem Werk verschiedene Expertinnen zu Wort kommen, die den Stand der Frauenrechte in asiatischen Ländern diskutieren. Anhand der Themenkomplexe menschenwürdiges Wohnen in den Metropolen Asiens oder den Rechten von Frauen im Kontext von Kirche und Gesellschaft in Asien generell aber auch länderspezifische Einblicke wie zu den Arbeits- und Frauenrechten von Wanderarbeiterinnen oder der konfuzianischen Moralerziehung in China sowie der Menschenrechtslage in Afghanistan, Irak, Indonesien und Indien wird verdeutlicht, wie und warum Frauen und Kinder vor dem Hintergrund der Missachtung ihrer Rechte besonders von Armut und Ungleichheit betroffen sind.

Das Werk, das aus einer Vortragsreihe zum Thema Menschenrechte heraus entstanden ist, stellt Frauenrechte in den Mittelpunkt. Deutlich wird, wie wichtig eine intensive Menschenrechtsbildung für den Abbau sozialer Ungleichheiten weltweit weiterhin ist.

Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills, MI 2011, 258.Seiten, 28 €

Hirschfeld- Eddy-Stiftung
Yogykarta PlusYogyakarta-Cover
Menschenrechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle in der internationalen Praxis

Was tun gegen Menschenrechtsverletzungen gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen (LSBTI)?

Schutz und Gewährleistung der Menschenrechte sollten das Fundament eines jeden demokratischen Staates sein, doch haben in zu vielen Ländern LSBTI unter starken Menschenrechtsverletzungen zu leiden.

Das Handbuch der Hirschfeld-Eddy-Stiftung sensibilisiert für dieses Thema und informiert umfassend über die Yogykarta-Prinzipien. Diese leiten sich aus bestehenden Menschenrechtsverträgen ab und sind zum globalen Standard für die Verwirklichung der Menschenrechte von LSBTI geworden. Das Handbuch erklärt ausführlich, was die Yogykarta- Prinzipien sind, warum es sie gibt und wie sie angewandt werden.
Die Autoren gehen im Detail darauf ein, im welchen rechtlichen Kontext die Yogykarta- Prinzipien zu sehen sind und an wen sie sich richten. 16 Fallstudien verdeutlichen die Anwendungsmöglichkeiten der Yogykarta-Prinzipien und zeigen ihren Erfolg auf der ganzen Welt.

Schriftenreihe der Hirschfeld- Eddy- Stiftung – Band 2 , 2011, 161 Seiten, kostenlos


Matthias Deiß / Jo Goll Ehrenmord
Ein deutsches SchicksalCover Ehrenmord

Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 von ihrem Bruder erschossen auf offener Straße erschossen.
Matthias Deiß und Jo Goll sind den Hintergründen ihrer Ermordung nachgegangen und haben das Ergebnis ihrer Recherche in einem Buch und in einem vom WDR gesendeten Film festgehalten.

Die beiden Journalisten haben den Mörder, den jüngsten von drei Brüdern, in den vergangenen zwei Jahren in der Charlottenburger Justizvollzugsanstalt in Berlin besucht.
Es ist ihnen sogar gelungen, den Aufenthalt der anderen beiden Brüder ausfindig zu machen. Mit einer Flucht in die Türkei konnten diese sich einer weiteren Verfolgung durch die deutsche Justiz entziehen. Deiß und Goll haben mit ihnen in Ostanatolien und Istanbul Gespräche geführt. Auch sechs Jahre nach dem Tod ihrer Schwester zeigt keiner der Brüder Reue.
Umso bewegender die Begegnung mit Hatuns Freundin Melek. Vor Gericht trat sie als Kronzeugin auf und muss seither im Schutz einer neuen Identität leben.

Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, 255 Seiten. 18,99 €

Die ARD-Dokumentation „Verlorene Ehre - Der Irrweg der Familie Sürücü“ wurde am 27. Juli 2011 gesendet und kann auf You Tube angeschaut werden. Redaktion: Gabriele Conrad (RBB), Mathias Werth (WDR)

Marijke Looman
Am Rande der Macht
Frauen in Deutschland in Politik und Wirtschaft

In ihrer Dissertation entwirft Cover Am Rande der MachtMarijke Looman eine genderkritische Bestandsaufnahme zum Frauenanteil in Politik und Wirtschaft. Auch wenn es bereits einige Spitzenpositionen für Frauen in Wissenschaft, in Politik, im Rechtssystem und in der Kirche gibt, haben Frauen bisher „nicht den Marsch durch die von Männern dominierten Institutionen angetreten.“

Zu Beginn stellt die Autorin anhand der Überlegungen bedeutender SoziologInnen die Entstehung der Geschlechterkonstruktion und eine Analyse des Prozesses, in dem diese sich fortpflanzt, dar. Geschlechtszugehörigkeit wird als Ergebnis einer sozialen Praxis verstanden, die die Darstellung und Zuschreibung von Geschlecht umfasst. Ein Blick in die politische Philosophie verdeutlicht, wie es gelingen konnte, Frauen über lange Zeit hinweg vom Gleichheitspostulat der Aufklärung auszuschließen.
Das Kapitel schließt mit einem historischen Abriss zur Entwicklung der rechtlichen und materiellen Gleichstellung von Frauen in Deutschland.

Im zweiten Kapitel folgt ihre empirische Untersuchung zur Partizipation von Frauen in Deutschland im Bereich der Wirtschaft und der Politik. Dafür wertet sie Daten der Forschungseinrichtung IAB der Bundesagentur aus und betrachtet den Frauenanteil in den Parteipositionen auf Länder- und Bundesebene sowie an legislativen und exekutiven Ämtern und Mandaten auf Bundes- und Länderebene. Die Frage, inwieweit Frauen im gleichen Maß wie Männer Zugang zum Erwerbsarbeitsmarkt und zu Führungspositionen der Wirtschaft erlangen oder daran behindert werden, leitet sie dabei.
Im Ergebnis hält sie fest, dass trotz steigender Frauenanteile Männer- und Frauenberufe generell weiterhin existierten. So gibt es in der Politik auch überwiegend männliche und weibliche Ressorts.

Im abschließenden Kapitel werden Konzepte zur Stärkung geschlechtergerechter Partizipation wie Gendermainstreaming oder Quotierungsregelungen vorgestellt und bewertet. Loomans Meinung nach stellten diese bisher eher Mittel symbolischer Macht dar und seien Teil einer im Sinne von Gleichstellung politisch korrekten PR-Arbeit, aber (noch) keine operativen Instrumente und Strategien zur Herstellung tatsächlicher Geschlechtergerechtigkeit.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Autorin in ihrer Studie solide recherchierte Daten, Fakten und empirisch belegte Argumente um Ideologie und Realität der Geschlechtergerechtigkeit zur Diskussion stellt und mit teils hoffnungsfrohen, teils aber auch ernüchternden Zahlen den Standort der deutschen Gegenwartsgesellschaft auf dem Weg zur Geschlechterdemokratie aufzeigt.

Budrich UniPress Ltd. Opladen & Farmington Hills, MI 2011, 219 Seiten, 24,90 €

Melanie Feuerbach
Alternative Übergangsrituale
Untersuchung zu Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung im subsaharischen Afrika und deren Transformationen im Entwicklungsprozess.

feuerbachJährlich werden bis zu drei Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Als Begründung dient meistens der Hinweis auf fest verankerte Traditionen und Rituale. Doch Kulturen und ihre Rituale sind keine monolithischen Gebilde und dementsprechend veränderbar. Das zeigt die Entwicklungspolitologin Feuerbach in ihrer Dissertation. Die Autorin ist mit der Thematik sehr vertraut. Ihre Informationen für ihre Untersuchung basieren vor allem auf teilnehmenden Beobachtungen. Zudem führte sie zahlreiche Interviews mit Akteur_innen und Adressat_innen der Übergangsrituale sowie mit Mitarbeiter_innen von internationalen Organisationen.

Den Rahmen ihrer Untersuchung steckt sie einleitend anhand der theoretischen Konzepte und Ansätze vor allem aus den Sozialwissenschaften, der Ethnologie und Entwicklungspolitologie zu den Annahmen von Kultur, Ritual und Entwicklung ab. Vor diesem Hintergrund untersucht sie Alternativen zu den herkömmlichen Ritualen anhand dreier Projekte gegen weibliche Genitalverstümmelung in Kenya. Mit der Entwicklung von alternativen Übergangsritualen wird das Ziel verfolgt, die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung zu überwinden, ohne den kulturellen Kontext der Initiation aufzuheben. Dementsprechend markiert das neue Ritual den Übergang junger Mädchen in eine andere Lebensphase.

Kenya als Beispiel ihrer Untersuchungen bietet sich deshalb an, da das landesweite Netzwerk für lokale Frauengruppen Maendeleo ya Wanawake Organization hier 1996 ein Alternativritual initiierte, das als vorbildlich für weitere Projekte in anderen Ländern des Kontinents gilt. Die beiden Projekte der Mbuyuni Women Group sowie der internationalen Organisation World Vision folgten in den Jahren 2002 und 2003. In ihrer Gegenüberstellung der drei Projekte fragt die Autorin insbesondere nach finanziellen und institutionellen Voraussetzungen sowie der Berücksichtigung von komplexen Auswirkungen der Armut (z.B. im Gesundheits- oder Bildungsbereich) für eine erfolgreiche und nachhaltige Projektarbeit, mit der die Praktik der genitalen Verstümmelung für Mädchen überwunden werden kann. Feuerbachs Werk ist die erste wissenschaftliche Studie zur Entwicklung von alternativen Ritualen auf dem afrikanischen Kontinent. Sie bietet einen wichtigen Orientierungsrahmen für alle, die daran interessiert sind, die gewalttätige Praxis der Genitalverstümmelung mittels kultursensibler Entwicklungsarbeit zu überwinden.

VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2011, 305 Seiten, 34.95 €


Jessica Valenti
The Purity Myth
How America’s Obsession with Virginity Is Hurting Young WomenCover Purity Myths

Das Buch der feministischen Bloggerin widmet sich der „Enthaltsamkeits-Bewegung“ in den USA. Ein um sich greifendes Phänomen, das von den Medien propagiert, in den Social Networks debattiert wird; die Jungfräulichkeit ist der Trend in der Pop-Kultur schlechthin. Schulen verbreiten die Lehre von der Enthaltsamkeit, gefördert vom Staat, der hohe Geldsummen beisteuert.
Valenti entlarvt diese Bewegung als eine, die Frauen die körperliche Selbstbestimmung abspricht, ihren Wert an ihr sexuelles Verhalten koppelt.
Sie nimmt sich der Fragen von Enthaltsamkeit bis hin zur Pornografie an und führt vor, wie Frauen, die es wagen, ein eigenständiges Sexualleben zu führen, mit rechtlichen und sozialen Sanktionen rechnen müssen. Valentis Buch fordert aber auch auf, das Bild von der männlichen Sexualität zu überdenken und umzuformulieren. Die in der US-Gesellschaft oftmals kultivierten Geschlechterstereotypen - der Mann als Sklave seiner Genitalien, die Frau als gefühliges Schmusewesen, der Sex nichts zu bedeuten hat – förderten eine sexistische Haltung und führten im späteren Leben zu einer Vielzahl von Problemen.

Ein gut recherchiertes und lebendig geschriebenes Buch, das jeder (jungen) Frau – und (jungem) Mann empfohlen sei.

Seal Press, Kalifornien 2009, 263 S., $ 24,95


Sibel Türker
JungfernhautCover

In ihrem Debütroman Jungfernhaut beschreibt die türkische Autorin Sibel Türker das Leben verschiedener Frauen in der heutigen Türkei zwischen herkömmlichen Konventionen und Emanzipation.
Ersin trägt einen Männernamen, sie ist unangepasst, studiert Jura, liebt Musik, Zigaretten und Poesie. Ihre ältere Schwester Yeşim hat sich dagegen dem Heiraten verschrieben und muss sich regelmäßig Operationen zur Wiederherstellung ihrer Jungfräulichkeit unterziehen. An der Universität begegnet Ersin ihrer Mitstudentin Elif, die ihr Haar unter einer Perücke verbirgt, da es verboten ist, die Hochschule mit Kopftuch zu betreten. Die beiden jungen Frauen freunden sich an und Ersin wird mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert – Elif ist ihr nämlich viel ähnlicher als sie zunächst wahrhaben will.
Als Ersin sich dann auch noch in den gläubigen Jurastudenten Samim verliebt, wundert sich ihr Freundeskreis über ihren Umgang mit »den Islamisten«.
In der Zwischenzeit läuft die Eheanbahnung von ihrer Mutter und Schwester auf Hochtouren und Ersins schlimmste Befürchtungen bestätigen sich.

Vor diesem Hintergrund entwirft Sibel Türker in ihrem Roman »Jungfernhaut« Charaktere, die höchst unterschiedlich mit gesellschaftlichen Normen und den vorhandenen Möglichkeiten umgehen, sich von diesen zu lösen.

Die Autorin Sibel Türker wurde 1968 in Ankara geboren und studierte an der dortigen Universität Jura. 2005 erhielt sie den Yunus-Nadi-Preis, den ältesten noch vergebenen Literaturpreis in der Türkei, für ihre literarischen Leistungen.

Orlanda Frauenverlag, Berlin, 2009, 220 Seiten. 14,90 €


Ayfer Yazgan
Morde ohne Ehre
Der Ehrenmord in der Türkei. Erklärungsansätze und Gegenstrategien

yazganMit dem Konzept der „Ehre“ in der türkischen Kultur wurde die in der Türkei geborene und auch heute noch der dortigen Gesellschaft verbundene Autorin häufig konfrontiert. So entstand das Interesse am Thema und führte sie zu der zentralen Fragestellung ihrer Dissertation: „Wie sind die Ehrenmorde nach dem heutigen Forschungsstand und vor allem am Fallbeispiel des Untersuchungslandes Türkei zu charakterisieren?“

Während ihrer Beschäftigung mit der westlichen Literatur zu „Ehrenmorden“ fand die Wissenschaftlerin – wohl auch bedingt durch mangelnde Sprachkenntnisse - türkische Studien in den westlichen Forschungen und Theorien kaum berücksichtigt. Folgerichtig hat Yazgan für ihre Arbeit neben internationalen Studien auch türkische Fachliteratur miteinbezogen. Zudem führte sie Interviews mit zahlreichen türkischen Wissenschaftler_innen, mit beruflich mit dem Thema Beschäftigen und befragte Mitarbeiter_innen von Frauenorganisationen.
Als Teil ihrer Untersuchung hatte die Autorin auch die Auswertung von Unterlagen der türkischen Polizei geplant. Da ihr jedoch eine Akteneinsicht verweigert wurde, beschloss sie, auf Zeitungsberichte auszuweichen. Ein Glücksfall: Die Artikel erwiesen sich als „soziologischer Bodensatz“ und wertvolle Datenquelle.

Yazgans materialreiche Analyse bietet somit eine interdisziplinäre Sichtweise zur vielschichtigen Charakterisierung von „Ehrenmorden“ mit dem Fokus auf die Türkei.

Ihr Augenmerk gilt auch der Stellung der Frau in der Türkei oder einer möglichen Legitimierung von Ehrenmorden durch den Islam.

Bestärkt durch in der Türkei durchgeführte Studien, die mit Expert_innen geführten Interviews und durch ihre Betrachtungen von Einzelfällen, kommt die Autorin zu dem Fazit, dass „neben psychologischen Faktoren, insbesondere den schlechten sozioökonomischen Rahmenbedingungen, unter denen die meisten Täter aufgewachsen sind und leben“ eine wichtige Rolle“ zukommt. Die Tolerierung von „Ehrenmorden“ und die patriarchalischen Strukturen, die die Unterdrückung der Frauen in sich bergen, werden unter anderem als weitere Ursachen genannt.
Präventions- und Lösungsmaßnahmen bieten Perspektiven in die Zukunft.

Transcript Verlag, Bielefeld, 2010, 348 Seiten, 29,80 €

Schlangenbrut e.V.
Schlangenbrut
Zeitschrift für feministische und religiös interessierte FrauenSchlangebrut 112

 Die März-Ausgabe der Schlangebrut widmete sich dem Thema „Frauen & Fußball“.

„Immer auch eine Spur religiöse Sehnsucht“ entdecken die Macherinnen der Zeitschrift in den gemeinschaftsstiftenden Zeremonien und Ritualen der Fußballfans. Spuren, erahnbar auch in den Texten der Schlangenbrut-Autorinnen.
Welchen Platz und welche Rolle kommt weiblichen Fans im Männerfußball zu? Diesen Fragen geht Nicole Selmer nach. Sie sieht in der Auseinandersetzung mit den Vorurteilen und den Ausgrenzungen sogar gute Chancen für Frauen, sich in der Männerdomäne nach und nach Freiräume zu schaffen und „im besten Fall sogar subversiv für allmähliche Veränderung zu sorgen.“
Sophia Gerschel, Mitarbeiterin im Fanprojekt Karlsruher SC hat beobachtet, wie Frauen in den Fankurven aufgenommen werden, welche Kleider- und Benimmkodices sie einhalten müssen, um von den männlichen Fans akzeptiert oder sogar in ihren Kreisen aufgenommen zu werden.
Claudia Kugelmann und Marianne Meier untersuchen in ihrem Artikel Geschlechternormen, die im Fußball und anderen Sportarten geschaffen werden.
Eine tragende Rolle übernehmen Frauen auch in der Fußballartikelproduktion. Ihre schlechten Arbeitsbedingen werden von der "Kampagne für Saubere Kleidung" schon seit Jahren angeprangert. Kirsten Clodius schildert uns die Situation der Näherinnen.
Schließlich rücken die Autorinnen im Jahr der Frauen-WM in Deutschland auch den Frauenfußball in den Blick: So wird Nationalspielerin Annike Krahn interviewt oder anhand des Werdeganges von Lira Bajramaj die Möglichkeiten für Spielerinnen mit Migrationshintergrund im deutschen Fußball ausgelotet.

Das Thema der  Ausgabe 113/114 heißt "Schweigen".

Schlangebrut März 2011, Ausgabe 112, Heft 4,80 €


Urmila Chaudhary
Sklavenkind
Verkauft, verschleppt, vergessen – Mein Kampf für Nepals Töchtersklavenkind

Kamalari bedeutet „hart arbeitende Frau“. Aber damit sind nicht Frauen, sondern Mädchen in Nepal gemeint, die zwischen sechs und achtzehn Jahren alt sind und als billige Haushaltssklavinnen verkauft werden. Urmila Chaudhary war selbst eine Kamalari und erzählt in dem Buch ihre Geschichte.
Als Sechsjährige verkaufte sie ihr Bruder aus der Not heraus für umgerechnet 40 € an eine reiche Familie in Kathmandu. Elf Jahre lang schuftete sie weit weg von ihrer Familie und ihrem Heimatdorf von früh morgens bis spät abends, wusch Wäsche und spülte Geschirr in eiskaltem Wasser und kümmerte sich um die Kinder ihrer Herrin. Sie brachte sie zur Schule und musste vor der Tür warten, durfte aber selbst nicht hinein. Zu essen bekam sie nur die Reste, sie schlief auf dem Boden und wenn sie etwas nicht zur Zufriedenheit ihrer Herrin machte, wurde sie beschimpft und geschlagen.

Obwohl Sklaverei und das Kamalari-System heutzutage in Nepal verboten sind, gibt es noch tausende Mädchen, die ihrer Kindheit beraubt werden und unter schlimmen Umständen arbeiten müssen. Für diese Mädchen setzt sich Chaudhary nun ein. Mit mehreren hundert Kamalari organisierte sie einen Protestmarsch zu dem Regierungssitz, wo sie Lohn für die jahrelange Ausbeutung forderte. Urmila will ihren Kampf fortsetzen, bis jede Kamalari befreit ist.
Das Vorwort zu dem Buch schrieb Senat Berger, die auch Schirmfrau der Plan-Kampagne „Because I am a Girl“ ist.
Interview mit Urmila Chaudhary

Knaur Verlag, München, 2011, 319 Seiten, € 16,99


Esma Çakir-Ceylan
Gewalt im Namen der Ehre
Eine Untersuchung über Gewalttaten in Deutschland und in der Türkei
Unter besonderer Betrachtung der Rechtsentwicklung in der TürkeiGewalt im Namen der Ehre

„Das Wissen um kulturelle Normen und Werte ist unumgänglich, um Gewalt im Namen der Ehre während der Ermittlungstätigkeiten aus der richtigen Perspektive zu sehen, in der Rechtsprechung dogmatisch richtig vorzugehen und schließlich kriminalprävalente Maßnahmen zu ergreifen“. Die Erforschung und Vermittlung dieses Wissens hat sich Esma Çakir-Ceylan in ihrer strafrechtwissenschaftlichen Dissertation vorgenommen. Das Wissen um die Hintergründe des Phänomes „Gewalt im Namen der Ehre“ soll helfen, potentielle Täter oder Opfer als solche zu erkennen, soll helfen die Ermittlungen voranzutreiben und zur richtigen Einordnung von „Ehrenmorden“ beitragen.

Çakir-Ceylan eröffnet ihre Studie mit der Begriffsklärung des Wortes „Ehre“, der für den Tatbestand von “Gewalt im Namen der Ehre“ entscheidend ist. Die türkische Sprache kennt je nach Lebenssituationen unterschiedliche Bezeichnungen. Von größter Bedeutung ist der Begriff „Namus“: Er wird als Geschlechtsehre verstanden, die zwar von der Frau durch sexuelle Zurückhaltung bewahrt wird, aber sich nicht nur auf sie, sondern auch auf ihren Ehemann und ihre Familie bezieht. „Namus“ kann nicht gezielt erworben werden, wohl aber durch falsches Handeln verloren werden. Die Konsequenzen reichen von schlechtem Ruf, können aber im Extremfall zu Suizid oder Mord führen.

Soziologische, sozialwissenschaftliche, historische, geographische und theologische Hintergründe von „Ehrenmorden“ stehen im Vordergrund des zweiten Kapitels. Vor der Strafrechtsreform der Türkei 2005 war Ehre ein geläufiger Ausdruck im Strafgesetzbuch, obwohl es keine Definition für juristische Fälle gab. Die gesellschaftlichen Normen, die im Gesetzbuch vorkamen, ließen den Körper der Frau zum “Symbol der Ehre” werden und konnte als Strafmilderungsgrund herangezogen werden.

Der dritte Teil der Arbeit wendet sich wieder Deutschland zu. Der Begriff der Ehre in Deutschland wird erörtert, indem Çakir-Ceylan Bundesgerichtshof Urteile analysiert, um zu verstehen, wie Wertvorstellungen fremder Kulturen rechtlich eingeordnet wurden. In ihrer Abhandlung des islamischen Rechts bezieht sie auch den Umgang mit “Ehrenmorden” in Ländern wie Jordanien, Iran, Ägypten oder Pakistan mit ein und ermöglicht so eine erweiterte Einordnung des Phänomens.

Das Ergebnis ist ein detailreiches und sorgsam recherchiertes Buch, das uns mit wichtigen Informationen versorgt, aber auch unseren Blick für Zusammenhänge schärft. Nicht nur für Jurist_innen lesenswert.

Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main, 2010, 279 Seiten, € 54,80


Lydia Cacho
Sklaverei

Im Inneren des Milliardengeschäfts Menschenhandelcachok

Die mexikanische Journalistin Lydia Cacho legt in ihrem neuen Buch die Mechanismen frei, die Kinder und Frauen auf der ganzen Welt in die Sklaverei der Sexindustrie führen. Das Buch beruht auf ihrer jahrelangen Recherchearbeit, bei der sie sich selbst in Gefahr begab, um direkt mit Menschenhändler_innen, Polizist_innen und Prostituierten zu sprechen und so an Informationen aus erster Hand zu gelangen.

Der Menschenhandel mit ca. 1,4 Millionen Kindern und Frauen jährlich ist ein Milliardengeschäft, in dem unter anderem Mafiosi, Unternehmer_innen, Militärs, religiöse Führer, Polizeibeamte_innen, Richter_innen und Kleinkriminelle in internationalen Netzwerken zusammenarbeiten.

Cacho unterteilt das Buch in zwei thematische Abschnitte. Im ersten Abschnitt liefert sie detaillierte Innenansichten der lokalen Netzwerke und der unterschiedlichen Akteure in der Türkei, in Israel und Palästina, Japan, Kambodscha, Birma, Argentinien und Mexiko; sie führt die Bedingungen auf, die Menschenhandel und Sklaverei in den jeweiligen Ländern florieren lassen. Aus jedem Land stellt sie eine oder mehrere Personen vor, die auf unterschiedliche Weise in dem Gefüge von Menschenhandel und Zwangsprostitution involviert sind. Zum Beispiel erfährt man von Charm Tong aus Birma, die an der Aufdeckung von Vergewaltigungen und Ermordungen durch die Birmanische Armee arbeitet, und nachweist, dass Mädchen und Frauen ethnischer Minderheiten von der Armee wie Arbeits- und Sexsklaven gehalten werden.

Im zweiten Abschnitt des Buches befasst sie sich systematisch mit den Klienten. Für Cacho ist der stetig wachsende Markt sexueller Dienstleistungen eindeutig auf die zunehmende Nachfrage zurück zu führen. Cacho zeichnet nach, wie die Arme mafiöser Gruppierungen bis in die Justiz hineinreichen und z. B. in Japan Verurteilungen von Frauenhändler_innen fast unmöglich machen und dass oft Polizei und Armee im Menschenhandel verstrickt sind: „Untersuchungen zur Prostitution und dem Handel mit Frauen und Mädchen ergeben, dass es vor allem die vermeintlichen Ordnungshüter, also Angehörige der Polizei und der Armee sind, die Menschenhändler schützen und in den Bordellen mindestens ebenso gute Kunden sind wie Touristen.
“ Die Legalisierung von Prostitution kann nicht zur Lösung der Probleme führen, sie verhilft vielmehr illegalen Machenschaften sich hinter dem Deckmantel legaler Käuflichkeit zu verstecken.

„Gewalt ist nicht gut, denn sie tut weh, und ich muss weinen.“ Dieses Zitat einer 10-jährigen Überlebenden des Sklavenhandels stellt die Autorin ihrem Buch voran. Mit ihrem mutigen Buch zollt Cacho auch den Betroffenen Tribut.

S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2010, 351 Seiten, 19,95 €

Veronika Herz
Trafficking
Die sozialen Folgen des Frauenhandels in Kambodscha
Ein Beitrag aus Sicht der Sozialen Arbeit.herz

Kambodscha gehört schon längst zu den beliebten Zielen des Prostitutionstourismus. Im Hinblick auf geschichtliche, politische, religiöse, wirtschaftliche, psychologische und soziale Aspekte verdeutlicht Veronika Herz die Entstehung der kriminellen Netzwerke und die Folgen dieser Geschäfte für das Land. Dabei geht sie auf die Verstrickung des Militärs und der Polizei in den Prostitutionstourismus ein und zeigt auf, dass Einheimische so wie Ausländer Freier sind. Sie beschreibt wie Frauen und Mädchen direkt ins Prostitutionsgewerbe verkauft werden, aber auch wie z. B. Hausangestellten, die in einem legalen Arbeitsverhältnis sind, sexuelle Gewalt angetan wird. Die Frage, wie Betroffenen geholfen werden kann, geht Herz so an, dass sie zuerst exemplarisch die vor Ort agierende NGO AFESIP (Agir pour les femmes en situations précaire) vorstellt um dann Empfehlungen zur Arbeit gegen die sexuelle Ausbeutung folgen zu lassen. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben und bietet einen fundierten Über- und Einblick in die Problematik des Menschenhandels in Kambodscha.

Mit einem Vorwort von Lea Ackermann
Altius Verlag, Erkelenz, 2009, 172 Seiten,19,90 €


Veronika Jaschke
Junge Türkinnen und Zwangsheirat
Welche Rolle spielt ‚Häusliche Gewalt’?JUnge Türkinnen in Deutschland
Zwangsverheiratungen und Gewalt in türkischen Familien werden oft stereotyp und vorurteilsbehaftet, gar als Normalfall wahrgenommen. Der Autorin, die während eines Praxissemesters in einem Frauen- und Kinderschutzhaus die Hintergründe der Betroffenen erfahren konnte, ist es ein Anliegen, mit ihrer Diplomarbeit zu einer differenzierteren Sichtweise beizutragen.

Einem Abriss der Geschichte türkischer Migration in Deutschland folgen Kapitel, in denen sie auf die Situation der Mädchen eingeht: So zeigt sie die Auswirkungen des Kulturkonfliktes auf und beschäftigt sich mit den Folgen von Gewalterfahrung auf die Sozialisation der Jugendlichen. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Zwangsverheiratung“ - wobei sie eine Unterscheidung von arrangierter Ehe und Zwangsehe vornimmt - fokussiert sie schließlich das Thema „häusliche Gewalt“ im Zusammenhang mit Zwangsverheiratungen.

Zum Schluss beschreibt sie Präventions- und Interventionsangebote, wobei sie auch auf Rechtsgrundlagen eingeht und eigene Ideen für Hilfsmaßnahmen entwickelt.

Verlag VDM Dr. Müller Aktiengesellschaft & Co. KG, Saarbrücken, 2009, 109 Seiten, 49;- €

Schuhgröße 37
Frauenfußball in Ägypten, der Türkei, Palästina und Berlin
Mit Fotos und Texten von Claudia Wiens und einem Vorwort von Susan Kamel
Schuhgröße 37

Der Bildband portraitiert Mädchen und Frauen aus Ägypten, Palästina, der Türkei und Deutschland beim Fußballspielen. Nicht nur die Bilder zeigen Frauen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, auch alle Texte im Buch sind auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch.

Eindrucksvoll zeigen die aus unkonventionellen Perspektiven aufgenommenen Bilder, dass die Faszination Fußball nicht nur Männer, sondern auch Frauen aus verschiedenen Kulturen packen kann. Die Fotojournalistin Claudia Wiens, zuständig für Fotos und Text, ist, ist davon überzeugt, dass „gerade der Fußball, kulturelle, soziale, religiöse und andere Geschlechterschranken sprengen und weltweit zur Integration und Emanzipation von Frauen beitragen kann.“ Spätestens nach dem Durchblättern des Bandes stimmen wir ihr zu.

Die Beiträge des Bandes können vom 15. Juni bis zum 27. August in einer Ausstellung im Kreuzberg-Museum Berlin betrachtet werden.

Dietz Verlag J. H. W. Nachf., Bonn, 2011, 132 Seiten, 22,- €


Rainer Hennies/Daniel Meuren
Frauenfußball. Der lange Weg zur Anerkennungfrauenfussball

Als „Standardwerk des Frauenfußballs“ wird es bereits bezeichnet, und in der Tat haben Rainer Hennies und Daniel Meuren auf fast 400 Seiten mit viel Liebe zum Detail eine Fülle von Informationen zum Thema Frauenfußball zusammengetragen.

Kapitel zu verschiedenen Epochen des Frauenfußballs wechseln sich ab mit Interviews, zahlreichen Fotos sowie Spielerinnen- und Vereinsporträts. Auch das heikle Thema Homosexualität auf dem Fußballplatz erhält Raum, wird jedoch etwas flapsig behandelt.

Schwerpunkt der Darstellung ist die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs. Ein (etwas kurz geratenes) Kapitel setzt sich mit den DDR-Kickerinnen auseinander, ebenso wird der internationale Frauenfußball in den Blick genommen. Kurioses und Anekdoten runden das größtenteils unterhaltsam-ironisch, selten mit dezent chauvinistischen Anklängen, geschriebene Werk ab.

Ein Werk, auf das die (Frauen-)Fußballwelt schon lange gewartet haben dürfte. Zum Studieren, Schmökern und Schmunzeln. (Besprechung Anne Novotny)

Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2009, 382 Seiten, 24,90 €

 

Lira Bajramaj
Mein Tor ins Leben – Vom Flüchtling zur Weltmeisterin

Mit fünf Jahren flüchtet die heutige Profi-Fußballspielerin mit ihrer Familie aus dem Kosovo nach Deutschland. Ohne alles beginnt ein neues Leben für sie in einer neuen Welt, in der sie später als Meisterin gefeiert werden soll. Dahin ist es jedoch ein langer Weg mit einigen Hindernissen.torleben

Lira Bajramaj beschreibt mitreißend ihre eigene Geschichte: die eines Mädchens, das lange für ihren Traum, Fußball spielen zu dürfen, kämpfen musste. Sie erfindet Ausreden und fälscht Unterschriften, um zu verheimlichen, dass sie im Verein trainiert. „Ich bitte Sie, Mädchen spielen keinen Fußball, und schon gar nicht meine Tochter“, antwortet Liras Vater der engagierten Lehrerin, die sich für sie einsetzt. Sie ist seine Prinzessin. Mit seinen traditionellen Vorstellungen kann er eine Lira, die Fußball spielt, nicht vereinbaren.

Eines Tages sieht er zufällig einem Wettkampf-Spiel zu, bei dem seine Tochter als Spielerin teilnimmt. Er erkennt erst nach einiger Zeit, dass „der gute Fußballspieler“ auf dem Feld ein Mädchen ist – sein Mädchen! Von da an unterstützt er Lira bei ihrer Leidenschaft fürs runde Leder. Sie spielt offiziell im Frauenfußballverein und startet eine rasante Karriere als professionelle Spielerin. Im Jahr 2007 wird sie mit der Frauen-Nationalmannschaft sogar Weltmeisterin.

Berührend erzählt Lira Bajramaj mit welchen Schwierigkeiten und Gefühlen sie zu kämpfen hat. Wie sie ihre Religion und die Liebe zu ihren Eltern mit dem männlich dominierten Leistungssport verbindet. Sie gewährt tiefe Einblicke in den Integrationsprozess als Migrantin, der nicht zuletzt durch den Fußball zustande kam. Und noch etwas betont sie immer wieder. Auch als Profi-Fußballerin kann frau auch „typische Frau“ sein. Sie liebt Glitzer und ihr Traum ist es, irgendwann einmal einen Kosmetiksalon aufzumachen. Da kann sich ihr Vater glücklich schätzen: Seine Tochter ist eine Fußball-Prinzessin! (Besprechnung: Anne Petersen)

Südwest Verlag, München, 2011, 157 Seiten, 9,95 €

 

Christa Kleindienst-Cachay
Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund im organisierten Sportmigrasport

Immer häufiger hören wir in den Medien von herausragenden Sportlerinnen mit Migrationshintergrund. Trotzdem verbinden wir Sport in der Regel nicht mit Migrantinnen. Schnell wird insbesondere über muslimische Frauen pauschal geurteilt und ihnen keine sportliche Aktivität zugetraut. Mit ihrer Studie zum organisierten Sport von Migrantinnen räumt Christa Kleindienst-Cachay mit einseitigen Stereotypen auf.
Die Studie macht auf die Vielfalt innerhalb der Gruppe aufmerksam und weist auf die für Mädchen ungewöhnlichen Präferenzen hin. Vor allem im Leistungssport bevorzugen Migrantinnen typisch männliche Sportarten wie Taekwondo, Karate, Boxen und Fußball.

Die wissenschaftliche Studie thematisiert vor allem die Bedeutung von Sport im Integrationsprozess.

Im ersten Teil werden Informationen über das Sportengagement von Migrantinnen gegeben. Ausgewertete Interviews gewähren darüber hinaus Einblick in den Zusammenhang von Sozialisation und Sport. Im zweiten Teil werden Sportförderprojekte von Sportvereinen und –verbänden zur Integration von Migrantinnen in den organisierten Sport vorgestellt. Die Ergebnisse der Auswertung führen zu Teil drei. Hier werden abschließend Empfehlungen an den organisierten Sport gegeben, die als praktische Maßnahmen zur Verbesserung der Integration beitragen können.

Zusammenfassend betont die Studie: Eine Berücksichtigung der heterogenen Gegebenheiten und Bedürfnisse ist notwendig sowie die daraus resultierende Schaffung individueller Bedingungen und Räume. Sport fördert die Integration und diese ist wiederum ein Gewinn für alle Beteiligten. (Besprechung: Anne Petersen)

Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 2007, 148 Seiten, 16,00 €

 

Hoffmann, Eduard/Nendza, Jürgen
Verlacht, verboten und gefeiert. Zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschlandverlacht

2007 tourte die von der Volkshochschule Aachen in Auftrag gegebene Wanderausstellung „Verlacht, verboten und gefeiert“ durch ganz Deutschland – und traf wohl einen Nerv, der Erfolg überraschte selbst die Veranstalter.

Auch 2011 hat die Ausstellung nichts von ihrer Aktualität verloren. Grund genug, auf das  Begleitwerk zur Ausstellung aufmerksam zu machen. Ein „informatives, vielseitiges, zeittypisches und durchaus amüsantes Kaleidoskop“ des Frauenfußballs wollten Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza zustammenstellen - das ist den Autoren gelungen. Mit prägnanten Texten, zahlreichen Originalfotos, Karikaturen, Abbildungen von Ausstellungsstücken und  Zeitungsartikeln zur Geschichte des Frauenfußballs gibt der schmale Band einen schnellen historischen Überblick und lädt darüber hinaus zum Blättern und Schmökern ein. (Besprechung: Anne Novotny)

Landpresse, Weilerswist 2006, 82 S., 10 €

Isabelle Müller
Phönixtochter
Die Hoffnung war mein WegPhöix Tochter

Mit ihrer Autobiographie „Phönixtochter“ beschreitet Isabelle Müller erneut den steinigen Weg aus der Enge ihrer Kindheit in zur erfolgreichen Unternehmerin in Deutschland.

Sie wächst in den 60er Jahren als fünftes Kinder einer Vietnamesin und eines Franzosen in einem kleinen Dorf in Frankreich auf. Ihre Mutter und ihre Geschwister stoßen bei der Nachbarschaft und der Familie des Vaters auf Vorbehalte, Verachtung. Sie werden ausgegrenzt. Harte Arbeit und Entbehrungen prägen Ihren Alltag. Zuflucht findet sie in der Natur und in der Schule. Der unbeherrschte Vater neigt zu Gewalt und verprügelt die Kinder regelmäßig, Isabelle missbraucht er jahrelang. Ihre Mutter, der es gelingt ein vietnamesisches Restaurant zu eröffnen, hingegen ist ihr großes Vorbild. Sie ist stark und hat einen unglaublichen Überlebenswillen, der ihr verhilft sich in allen schwierigen Lebenslagen durchzusetzen.

Isabelle Müller unternimmt zwei Selbstmordversuche, läuft mit 17 von zuhause weg und schafft es sich aus der schlimmen Situation zu befreien. Heute ist sie Übersetzerin, Dolmetscherin und Kunsthändlerin. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Krüger Verlag, Frankfurt am Main, 2009, 281 Seiten, 17,95 €

Gaby Temme, Christine Künzel (Hrsg.)
Hat Strafrecht ein Geschlecht?

Zur Deutung und Bedeutung der Kategorie Geschlecht in strafrechtlichen Diskursen vom 18. Jahrhundert bis heutegeschlechtrecht

Insbesondere im juristischen Bereich spielt Objektivität und Neutralität in der Auslegung und Anwendung von (Rechts)Normen eine zentrale Rolle. Das Bewusstsein dafür, dass rechtliche Normen durchaus nicht geschlechtsneutral angewendet werden, hat sich, u. a. im Zuge der legal gender studies erst recht spät in der rechtswissenschaftlichen Theorie entwickelt.

Der vorliegende Band fasst den Bereich Strafrecht ins Auge und versucht mit interdisziplinärem Blick historische und aktuelle Entwicklungen und Tendenzen zu verfolgen und darzustellen. Dabei stehen neben aktuellen Erkenntnissen aus der kriminologischen Forschung etliche weitere, interessante Themenfelder mit strafrechtlichem Bezug, die aus historischem und juristischem wie auch aus soziologischem und kulturwissenschaftlichem Blickwinkel betrachtet werden.

Das klassisch weibliche Delikt des Kindsmordes, eng verknüpft mit der Abtreibung, wird anhand des literarischen Diskurses zur Zeit der Aufklärung wie auch als mediales Phänomen im Ostdeutschland der 1990er Jahre untersucht. Reformen innerhalb des Sexualstrafrechts und die bundesdeutsche Rechtsprechung hinsichtlich des heutigen Vergewaltigungstatbestands, Aspekte eines spezifisch weiblichen Strafvollzugs und die Urteilspraxis der NS-Gerichte zwischen 1933 und 1945 stellen weitere Themenbereiche dar.

Beiträge zur Intersektionalität, zu möglichen Lesarten amtlicher Kriminalstatistiken und zur gesellschaftlichen Relevanz strafrechtlicher Wirkweisen vor dem Hintergrund jugendlicher Prostitution zur Zeit der Weimarer Republik vervollständigen die komplexe Darstellung des Diskurses zur Relevanz des Geschlechts im Strafrecht.
(Besprechung: Kathrin Burbulla)

Transcript, Bielefeld, 2010, 275 Seiten, 27,80 €


ManuEla  Ritz
Die Farbe meiner Haut
Die Antirassismustrainerin erzähltritz

ManuEla Ritz beschreibt in ihrem Buch „Die Farbe meiner Haut“ ihre Erfahrungen mit Rassismus. Sie befasst sich mit der Struktur des Rassismus im Alltag und geht dabei auf verschiedene Arten und Auswüchse ein. Rassismus fängt schon im Kleinen an. Kinderbücher wie „Zehn kleine Negerlein“ und das Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ sind Beispiele dafür, wie schon von Kindheit an rassistische Vorstellungen an Menschen herangetragen werden. Diese sind für ManuEla Ritz ebenso schlimm, wenn auch nicht so offensichtlich, wie ihre Erfahrungen mit Neo-Nazis oder der Apartheid, die sie im Auslandsstudium in Südafrika erlebt.

Für Menschen, die die „kleinen“ Anzeichen von Rassismus nicht als solchen erkennen, hält ManuEla Ritz Anti-Rassismus-Workshops.

Doch ihr Buch ist mehr als nur eine Auflistung über verschiedene Formen des Rassismus. Es gibt einen Einblick in die Dualität mit der sich schwarze Menschen oft auseinandersetzen müssen. Sie sind Deutsche, denen von außen der Stempel des Andersseins aufgedrückt wird. Das Problem der eindeutigen Identifikation mit einem Land, dem Ursprungsland der Eltern oder dem Land in dem man selbst aufgewachsen ist, spielt dabei eine große Rolle. Diese Situation spiegelt sich auch in der Teilung von ManuElas Namen wieder, für die sie sich selbst entschieden hat.
Die Verknüpfung von privaten Erlebnissen mit allgemein gültigen Problemen macht „Die Farbe meiner Haut“ zu einem eindrucksvollem Bericht über die Lage Deutschlands im Umgang mit Rassismus.
(Besprechung: Vanessa Vogt)

Herder Verlag, Freiburg im  Breisgau, 2009, 177 Seiten, 14,95 €



Ziba Mir-Hosseini / Vanja Hazic
Control and Sexuality
The Revival of Zina Laws in Muslim Contexts

In islamischen Gesellschaften bestimmen „Zina“-Gesetze die Sanktionen für unerlaubten Geschlechtsverkehr außerhalb des Eheverbundes.controlsexuality

Für Frauen und Männer, die mit ihrem Verhalten gesellschaftlich vorgeschriebene sexuelle Normen „verletzt“ haben, sehen diese Gesetzte oft brutale Strafen vor. Zina kann aber auch als Vorwand für Eingriffe in andere gesellschaftliche Bereiche herhalten. So können sozio-ökonomische Missverhältnisse oder die Behandlung von Witwen und unverheirateten Frauen legitimiert werden. Oft sind sie verknüpft mit anderen Gesetzen und Bräuchen, die z.B. Heirat und Scheidung oder Vormundschaft betreffen.

Das Buch untersucht die Anwendung der Zina-Gesetze in Indonesien, Nigeria, Pakistan, Iran und in der Türkei. Meistens sind die Zina-Gesetze nicht in der Rechtsprechung des jeweiligen Landes enthalten, existieren aber oft parallel zu dieser und berufen sich auf geltende kulturelle Werte und schon lange währende Bräuche.

„Control and Sexuality“ ist nicht nur eine vergleichende Studie, sondern auch eine feministische Analyse, die dazu beitragen möchte, der durch „Kultur“ begründeten Gewalt an Frauen ein Ende zu setzen.

Die Autorinnen möchten Aktivist_innen, Entscheidungsträger_innen, und anderen Akteur_innen der Zivilgesellschaft vor Augen führen, wie Kultur und Religion herangezogen werden, um Gesetze zu rechtfertigen, welche die weibliche Sexualität kriminalisieren und sie grausamen, unmenschlichen und entwürdigenden Bestrafungsformen unterwerfen.

Herausgegeben wurde die Publikation von der Kampagne „Violence is Not Our Culture“ und dem Netzwerk „Women Living Under Muslim Laws“.

Bezugsquelle

Michèle Minelli
Adeline, grün und blauadeline

Adeline ist 18 Jahre alt als sie mit ihrem neuen Freund Dave ihre ungeliebte Familie in der Schweiz verlässt und auf Daves karibische Heimatinsel zieht. Ihre Hoffnung endlich liebevoll in eine Familie aufgenommen zu werden, zerbröckelt nach und nach: Daves Geschwister und seine Mutter behandeln die weiße Festländerin abschätzig und mit Distanz. Ihr Alltag in ihrem neuen Zuhause ist eintönig. Dave lässt sie viel alleine um sich mit Freunden zu treffen, zu trinken und zu spielen und Adeline schlägt sich die Zeit mit dem Putzen des Hauses um die Ohren. Irgendwann fangen Daves „Korrekturen“ an. Mit seiner rohen Gewalt will Dave das an Adeline „korrigieren“, was nicht seinen Vorstellungen entspricht. Mehr und mehr vereinsamt das Mädchen. Dave verbietet ihr jeglichen Kontakt mit der Außenwelt und die zusätzliche Sprachbarriere halten Adeline in einer Starre gefangen, aus der heraus sie sich keine Hilfe zu suchen vermag. Sie zieht sich in sich selbst zurück, weg von dem Mann deren Gewaltausbrüchen sie ausgeliefert ist. Erst viel später, als diese Gewaltausbrüche sich auf den kleinen Sohn der beiden auszuweiten drohen, zieht Adeline die Reißleine und flieht in ein Frauenhaus. Die Autorin beschreibt die Gewalt auf distanzierte Art. Das Buch ist in einer verständlichen Sprache geschrieben, doch der Inhalt ist schwer auszuhalten.

Edition Isele, Eggingen 2009, 211 Seiten, 16,- €

Logo Transparenzinitiative