Zum Schluss: Ein Blick zurück. Die TDF-Dokumentationsstelle feiert den Abschluss ihres Digitalisierungsprojektes mit Podiumsdiskussion und Empfang

Christa Juliane Jessica Naila Ute kl

 

Workshops zu UrheberInnen– und Persönlichkeitsrechten, Workshops zum Ditgitalisierungsverfahren, Workshops zu FAUST, unserem neuen Bibliotheks-Katalog: Im Mittelpunkt der Arbeit der TERRE DES FEMMES-Dokumentationsstelle stand 2017 das Projekt "Frauenrechte-Menschenrechte", das wir im Rahmen des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) durchführten.

Am Ende des Jahres blicken wir auf ein lehrreiches, ereignisreiches und erfolgreiches Projektjahr zurück. Alle 110 Rundbriefe und Zeitschriften, die TERRE DES FEMMES (TDF) seit der Gründung publiziert hat, ein Gutteil der Flyer, Broschüren, Plakate und andere TDF-Publikationen wurden digitalisiert und in unseren Katalog eingespeist. Wesentliche Teile seines Inhaltes werden über META, dem gemeinsamen Online-Katalog des i.d.a.-Dachverbands* und dem darauf aufbauenden neuen Digitalen Deutschen Frauenarchiv abrufbar sein.

Grund genug, am 7. Dezember unser Digitalisierungsprojekt mit einer Podiumsdiskussion im AHOY! und einem anschließenden Empfang bei TDF feierlich abzuschließen.

Nach einer kurzen Vorstellung unseres Projektes ging es anhand der TDF-Rundbriefe und Zeitschriften im Sauseschritt durch fast vier Jahrzehnte Frauenrechtsarbeit. Betrachtet wurden die Veränderungen in der Gestaltung, in der Sprache und der Wandel der Protestformen. Erinnert wurde an Aktionen, wie die Demonstrationen vor den Toren der frisch aus der Taufe gehobenen Privatsender RTL und SAT1, mit der TDF-Frauen im November 1993 gegen Sexismus in den Medien protestierten. Oder an den langjährigen Einsatz um die Reform des Paragraphen 177, mit der Vergewaltigung in der Ehe auch in Deutschland endlich zum Straftatbestand erklärt werden sollte.

Für den Höhepunkt des Abends sorgen die geladenen Gäste:

Juliane von Krause, langjährige und unermüdlich aktive TDF-Frau aus München, ließ ihre Reise zur 4. Weltfrauenkonferenz 1995 nach Peking neu aufleben. Gemeinsam mit anderen TDF-Frauen fuhr sie mit der Transsibirischen Eisenbahn über Moskau nach Peking. Schon die tagelange Reise bot faszinierende und bestärkende Begegnungen mit Frauen unterschiedlichster Herkunft. In Peking waren schließlich 35.000 Frauen aus aller Welt vereint. Die Weltfraeunkonferenz ist Juliane als bewegender Friedensimpuls im Gedächtnis geblieben.

Christa Stolle, seit 1993 TDF-Geschäftsführerin erzählte von der Solidarisierung mit südkoreanischen Arbeiterinnen, die unter widrigsten Arbeitsbedingungen Bekleidung für das Modehaus Adler in Deutschland herstellten. Als Ergebnis der Auseinandersetzungen mit Adler unternahm die damalige Studentin mit Ute Koczy, einer anderen TDF-Frau, eine Reise nach Südkorea, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Jessica Bock, Expertin für die ostdeutsche und zweite Frauenbewegung im Kompetenzteam des Digitalen Deutschen Frauenarchivs, steuerte aufschlussreiche Einblicke in die Situation der Frauen in der DDR bei. Obwohl dort die Frauenfrage aus staatlicher Sicht „gelöst“ war, hatten die Frauen in der DDR Grund genug sich im Untergrund, z.B. im Schutz der Kirche, zu organisieren.
Mit Skepsis betrachtete sie die Nachhaltigkeit des Frauenstreiktages am 8. März 1994, der die ostdeutschen und westdeutschen Frauen im Kampf um ihre Rechte vereinen wollte.

Naïla Chikhi, TDF-Referentin für Frauen und Flucht, ließ das Publikum an der im Verborgenen rege stattfindenden algerischen Frauenbewegung teilnehmen. Bereits als 12-Jährige wurde sie von ihrer Mutter und deren Schwestern zu den in wechselnden Wohnungen stattfindenden Treffen mitgenommen. Die Frauen waren in der algerischen „Unabhängigen Vereinigung für den Sieg der Frauenrechte“, organisiert, deren Präsidentin und spätere Kultusministerin Khalida Messaoudi, TDF in in den 90er Jahren besuchte.

Zum Schluss beschwor Juliane von Krause die belebende und vereinende Kraft eines Engagements für Frauenrechte.

Bei einem Glas Wein wurde in Anschluss in der Geschäftsstelle rege weiter diskutiert.

Im September 2018 soll das neue DDF online gehen. Das DDF will nichts weniger als das breite Spektrum der Frauenbewegung abbilden. Dabei sollen auch regionale Ausprägungen ihren Platz erhalten, wie auch scheinbar marginale Themen behandelt werden. Wichtige Protagonistinnen, kommen zu Wort, aber auch weniger prominente Frauen werden ins Licht gestellt, Netzwerke nachgezeichnet.

TDF wird Essays zu den Themen „Frauenrechte – Menschenrechte“, „Weibliche Genitalverstümmelung“ und „Gewalt im Namen der Ehre“ beitragen.

Die Arbeit geht weiter!

 

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* Trägerin des DDF ist der Dachverband deutschsprachiger Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und –dokumentationsstellen (i.d.a.), dem TDF seit 2002 angehört. I.d.a. vernetzt insgesamt rund 40 entsprechende Einrichtungen – neben bundesdeutschen auch aus Österreich, Italien, der Schweiz und Luxemburg – miteinander. Vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird das DDF, über alle teilnehmenden Einrichtungen hinweg, mit insgesamt rund vier Millionen Euro gefördert.

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