Aktuelles

Nachrichten und Berichte zu TERRE DES FEMMES-Themen.

 

"Zwangsarbeit heute - Betroffene von Menschenhandel stärken" - Projekt des Deutschen Instituts für Menschenrechte

zwangsarbeit-heuteIm Juni 2009 startete am Deutschen Institut für Menschenrechte das Projekt "Zwangsarbeit heute - Betroffene von Menschenhandel stärken". Es wird in Kooperation mit der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" durchgeführt.

Das Projekt will die Möglichkeiten der von Menschenhandel oder von extremen Formen der Arbeitsausbeutung Betroffenen erweitern. Außerdem bemüht sich "Zwangsarbeit heute", die Rechtsansprüche Betroffener gegenüber den TäterInnen auf Lohn und Entschädigung sowie ihre Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz durchzusetzen.

Erfahren Sie mehr über "Zwangsarbeit heute"

SehenSie einen Videobeitrag zu Menschenhandel und Arbeitsausbeutung in Deutschland

Fallsammlungzur nationalen und internationalen Rechtssprechung im Bereich Menschenhandel.

Die Kommission ernennt EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels

Die Europäische Kommission ernannte Myria Vassiliadou Ende 2010 zur EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels. Gleichzeitig stimmte das Europäische Parlament für die Richtlinie gegen Menschenhandel, die die Kommission im März 2010 vorgeschlagen hatte.

Aufgabe der Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels wird es sein, die Arbeit der Europäischen Organe, EU-Agenturen und -Einrichtungen, Mitgliedstaaten, Drittländer und internationalen Akteure besser aufeinander abzustimmen und für mehr Kohärenz zu sorgen. Sie wird dazu beitragen, bereits bestehende und für die Bekämpfung des Menschenhandels wichtige EU-Maßnahmen weiterzuentwickeln, neue Maßnahmen zu erarbeiten und eine übergreifende strategische Orientierung für die Außenpolitik der EU in diesem Bereich zu konzipieren.

TERRE DES FEMMES bekommt großzügige Spende von MARC CAIN überreicht

Durch eine einjährige Charity Aktion des international tätigen Modeunternehmens MARC CAIN aus Bodelshausen bei Tübingen kamen 24.000 Euro der Arbeit von TERRE DES FEMMES zugute. Die Designer des Modelabels entwarfen für diese Aktion zwei unterschiedlich limitierte T-Shirts. Durch den Verkauf dieser "Peace-Serie" in den MARC CAIN-Stores kam die stattliche Spende zusammen.

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Der Hintergrund zum Mord an Hatun Aynur Sürücü im Jahr 2005

Die in Berlin geborene Hatun Aynur Sürücü hatte 1999 ihren Mann, mit dem sie noch minderjährig in der Türkei zwangsverheiratet worden war, verlassen und sich mit ihrem Sohn Can eine eigene Existenz aufgebaut. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Elektroinstallateurin und nannte sich fortan „Aynur“, was soviel bedeutet wie „hell leuchtend wie der Mond“. Im Februar 2005 stand sie kurz vor ihrer Gesellenprüfung und war in ihrem neuen, unabhängigen Leben angekommen.

Durch ihr Verhalten sah sich Hatuns Familie in ihrer Ehre verletzt. Um diese wiederherzustellen, beschloss vermutlich der Familienrat den Tod der jungen Frau. Ayhan Sürücü, Hatuns jüngerer Bruder, gestand die Tat und wurde daraufhin im April 2006 vom Berliner Landgericht wegen Mordes zu neun Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt. Die beiden älteren Brüder Alpaslan und Mutlu wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im August 2007 wurde der Freispruch für die beiden Brüder vom 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes in Leipzig aufgrund von Mängeln in der Beweiswürdigung aufgehoben. Der Fall ging daraufhin wieder zurück an das Berliner Landgericht. Allerdings ist ein neuer Prozess wenig wahrscheinlich, da sich Alpaslan und Mutlu Sürücü momentan in der Türkei aufhalten.

Hatuns Tod hatte bundesweit politische Debatten um Integration und die Verbesserung des Schutzes für Frauen wie Hatun ausgelöst. In der Folge wurde das Thema Ehrverbrechen auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Hatun wurde für viele zur Symbolfigur für das Leid der Mädchen und Frauen, die unter patricharchalen Familienstrukturen und ehrbezogener Gewalt leiden müssen.

Foto: Andreas Dreissiger: TERRE DES FEMMES Demonstration in Berlin 2005
 TERRE DES FEMMES Demonstration in Berlin 2005
© Foto: Andreas Dreissiger

 

(c) Foto: Deborah Seid - TERRE DES FEMMES-Demonstration in Berlin 2005
TERRE DES FEMMES-Demonstration in Berlin 2005
© Foto: Deborah Seid

07.02.2011: 6. Todestag - Gedenken an "Ehrenmord"opfer Hatun Sürüçü

Am Montag, den 7. Februar jährt sich der Todestag von Hatun Sürüçü zum 6. Mal. Sie wurde 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof von ihrem Bruder erschossen.

Hatun Sürüçüs Schicksal steht für unzählige Mädchen und Frauen, die unter Gewalt im Namen der Ehre leiden. Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES: "Solchen Morden geht immer eine lange Leidensgeschichte voller Drohungen und Gewalt voraus."

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10.12.2010: Keine vorzeitige Entlassung von Gewaltverbrechern

TERRE DES FEMMES übergibt 10.000 Unterschriften an die Staatsanwaltschaft Baden-Baden

Baden-Baden/Tübingen. Mehr als 10.000 Unterschriften überreichte die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES am 10.12.2010, dem Tag der Menschenrechte, der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, um die vorzeitige Haftentlassung von Mehmet Korkmaz zu verhindern. Er hatte im November 2007 versucht, seine Ex-Frau Aylin Korkmaz mit 26 Messerstichen zu töten, um seine vermeintlich verletzte "Ehre" wieder herzustellen.


Mehmet Korkmaz wurde im August 2008 vom Landgericht Baden-Baden wegen versuchten Mordes mit schwerer Körperverletzung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nun soll er nach weniger als 7 Jahren aus der Haft entlassen und in die Türkei abgeschoben

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Protestaktion mit Kreuzen für die Ehrenmordopfer 10.12.2010

werden. In der Türkei wäre er jedoch ein freier Mann. Aylin Korkmaz hat größte Befürchtungen, dass ihr Ex-Ehemann illegal nach Deutschland einreist und erneut versuchen wird, sie umzubringen. Seit April 2010 hat TERRE DES FEMMES mit einer Unterschriftenaktion gegen die vorzeitige Entlassung des Täters protestiert. Die Frauenrechtsorganisation fordert, den Täter nicht vorzeitig aus der Haft zu entlassen, den Tätern von Ehrverbrechen keinen Strafnachlass aus "kulturellen Gründen" zu gewähren sowie Täter, die eine Gefahr für Dritte darstellen, nicht vorzeitig aus der Haft zu entlassen.

Vor der Übergabe der Unterschriften versammelten sich zahlreiche Menschen, um gemeinsam der Opfer von "Ehrenmorden" zu gedenken. TERRE DES FEMMES stellte symbolisch 72 Kreuze für die seit 1996 "im Namen der Ehre" Ermordeten auf.

"Wir sind hier, um einen besseren Schutz für die Opfer von Gewaltverbrechen einzuklagen. Es kann nicht sein, dass aus Kostengründen Menschen vorzeitig aus der Haft entlassen werden, die weiterhin eine Gefahr für die Opfer darstellen", betonte Rahel Volz von TERRE DES FEMMES in ihrer Rede.
Aylin Korkmaz ging in ihrer kurzen, aber bewegenden Rede darauf ein, dass die Opfer von Gewalt auch durch den deutschen Staat erneut zum Opfer gemacht werden: "Warum immer ich? Warum muss ich mich verstecken? Der deutsche Staat hat die Aufgabe, mich zu schützen."

In seinem Grußwort bewunderte der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen Cem Özdemir den Mut von Aylin Korkmaz "öffentlich ihre Stimme zu erheben." Gleichzeitig appellierte er auch an die Staatsanwaltschaft, die sich aus einer vorzeitigen Entlassung "ergebende Gefahrensituation sehr ernst zu nehmen". "Zwangsheiraten und so genannte Ehrenmorde dürfen nicht durch ein falsches Verständnis den Tätern gegenüber oder gar durch eine Milderung der Haftstrafen aus vermeintlich kulturellen Gründen relativiert werden", so Özdemir.

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Aylin Korkmaz am 10.12.2010 Aylin Korkmaz (m) und Rahel Volz von TDF bei der Unterschriftenübergabe am 10.12.2010

Über 20.000 Menschen fordern bessere medizinische Versorgung von Frauen nach weiblicher Genitalverstümmelung

Vor einem Jahr, zum 6. Februar, dem internationalen Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ startete TERRE DES FEMMES zusammen mit dem Familienplanungszentrum Berlin BALANCE eine Unterschriftenaktion zur Verbesserung der medizinischen Versorgung betroffener Frauen in Deutschland. Über 20.000 Menschen bundesweit haben dieses Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützt und damit ein Zeichen gesetzt, dass ihnen das Schicksal der tausenden von Genitalverstümmelung betroffenen Frauen in Deutschland nicht gleichgültig ist.

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Gesetz zu Zwangsheirat verabschiedet

Teilerfolg im Kampf gegen Zwangsverheiratung - Jetzt muss die Regierung Beratungs- und Schutzangebote verbessern!

Am Donnerstag, den 17. März hat der Bundestag das Gesetz zur Bekämpfung von Zwangsheirat beschlossen. TERRE DES FEMMES begrüßt den neuen Straftatbestand als klares Bekenntnis des Staates, dass es sich bei der Zwangsverheiratung um eine fundamentale Menschenrechtsverletzung handelt. Und das deutlich verlängerte Rückkehrrecht gibt den Betroffenen eine reale Chance, nach einer so genannten Heiratsverschleppung wieder nach Deutschland zurückzukehren. Für beide Veränderungen hat sich TERRE DES FEMMES seit Jahren stark gemacht.

Einen ausreichenden Schutz von Betroffenen ergibt das neue Gesetz aber keineswegs. TERRE DES FEMMES appelliert deshalb an die Bundesregierung, jetzt Beratungs-, Betreuungs- und Schutzangebote zu verbessern, wie es im Koalitionsvertrag versprochen wurde.

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