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Nachrichten und Berichte zu TERRE DES FEMMES-Themen.

 

07.09.2010: TERRE DES FEMMES fordert Stärkung der Rechte von Betroffenen von Zwangsverheiratung

Betroffene von Zwangsheirat benötigen mehr Rechte, Foto:© mast3r - fotolia.com
Betroffene von Zwangsheirat benötigen mehr Rechte

Im Herbst 2010 wird voraussichtlich ein Gesetzespaket gegen Zwangsverheiratung verabschiedet. TERRE DES FEMMES begrüßt die von der Bundesregierung geplanten Änderungen zur Zwangsverheiratung, befürchtet allerdings, dass es im Gegenzug zu einer gravierenden Verschlechterung beim eigenständigen Aufenthaltsrecht für nachgezogene Ehegatten kommen wird.

Lückenhaftes Vorhaben der Bundesregierung

Der Koalitionsvertrag enthält beide Ankündigungen: Eine Strafrechtsnorm gegen Zwangsverheiratung und die Prüfung der Verlängerung der Ehebestandszeit von zwei Jahren auf drei Jahre bis zur Erreichung eines eigenständigen Aufenthaltstitels.

Aus einer Stellungnahme der Bundesregierung vom März geht hervor, dass Verbesserungen im Aufenthaltsrecht bei der Rückkehr in Fällen von Heiratsverschleppung und zivilrechtliche Besserstellung von Betroffenen geplant sind. Laut Bundesregierung sollen so Zwangsheiraten bekämpft und gleichzeitig Scheinehen verhindert werden.

Lesen Sie die Stellungnahme von TERRE DES FEMMES zur geplanten Gesetzesänderung.

 

Sakineh Ashtiani soll demnächst hingerichtet werden!

Im Herbst 2006 wurde die Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani wegen zwei unehelicher Beziehungen nach dem Tod ihres Ehemannes zu 99 Peitschenhieben und zehn Jahren Haft verurteilt. Im Herbst desselben Jahres wurde sie erneut wegen zuvor begangenen Ehebruchs angeklagt. Auch soll sie am Mord an ihrem Ehemann beteiligt gewesen sein. Sakineh weist die Anschuldigungen zurück. Zwei der fünf Richter sprechen sich wegen Mangel an Beweisen gegen eine Verurteilung aus. Dennoch wird sie verurteilt zum Tod durch Steinigung – nicht aber wegen Mordes, sondern wegen Ehebruchs.

Helfen Sie jetzt mit Ihrer Unterschrift, die Steinigung zu verhindern!

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30.04.2010: TERRE DES FEMMES protestiert gegen Heirat mit 13-jährigem Mädchen aus Ägypten

Vor kurzem hat uns aus Nigeria die Nachricht erreicht, dass ein 13-jähriges Mädchen aus Ägypten mit dem Senator und früheren Gouverneur der Provinz Zamfara, Ahmad Sani Yerima verheiratet wurde. Nach den uns vorliegenden Berichten von der BBC und dem SPIEGEL ist diese Ehe nicht in beiderseitigem Einvernehmen geschlossen worden, sondern die 13-Jährige wurde höchstwahrscheinlich dazu gezwungen.

TERRE DES FEMMES vertritt in dieser Hinsicht die Position, dass Ehen mit Minderjährigen nicht nur gegen geltende Menschrechte verstoßen, sondern auch die betroffenen Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung gefährden und einschränken. 

Zudem verstößt diese Heirat gegen die Konventionen der UN-Charta für Kinderrechte (CRC), die bereits 1989 von Nigeria unterzeichnet wurde.
Der 49-jährige Ahmad Sani Yerima hat während seiner Amtszeit als Gouverneur in der Provinz Zamfara die Scharia wiedereingeführt. In einem Interview mit der BBC vom 30. April diesen Jahres beruft er sich auf die Tatsache, dass auch der Prophet Mohammed ein minderjähriges Mädchen heiratete, um so die Rechtmäßigkeit seiner Ehe zu belegen.

Über den derzeitigen Aufenthaltsort der 13-jährigen „Kindsbraut“ ist nichts weiter bekannt. TERRE DES FEMMES ist deshalb in großer Sorge um die Sicherheit und Gesundheit des Mädchens, das vermutlich zwangsverheiratet wurde. Wir fordern den nigerianischen Staat auf, das 13-jährige Mädchen in jeglicher Form zu unterstützen und so zu schützen, dass ihre emotionale und finanzielle Sicherheit gewährleistet ist!

01.04.2010: MultiplikatorInnen- Workshops zu Gewalt im Namen der Ehre: Pilotprojekt in BW

Am 1. April 2010 startete TERRE DES FEMMES das einjährige Projekt „Verbesserte Integration durch Sensibilisierung und Kooperation zur Bekämpfung von Gewalt im Namen der Ehre”.

Migrantinnen können nur dann erfolgreich an der Gesellschaft teilhaben, wenn sie ihr Selbstbestimmungsrecht im Alltag auch wahrnehmen können. Studien weisen darauf hin, dass Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund vermehrt von Gewalt betroffen sind. Dies kann nicht nur für die Betroffenen zur Integrationshürde werden, sondern auch für die gesamte Familie und die nachfolgenden Generationen.

Häufig sind MitarbeiterInnen von Behörden (z.B. Ausländeramt, Schule, Arbeitsagentur u.a.) erste Kontaktperson für Betroffene. Deshalb ist gerade das Einfühlungsvermögen und die interkulturelle Kompetenz dieser MitarbeiterInnen zentral für das richtige Erkennen der Situation und die darauf basierenden Hilfestellungen.Oft erleben wir allerdings in unserer Beratungstätigkeit die Überforderung in Behörden aufgrund von mangelndem Fachwissen über die Lebenshintergründe der jungen Frauen, aber auch aufgrund von Unklarheiten über die jeweilige Zuständigkeit.

In zehn Workshops sollen daher MitarbeiterInnen verschiedener Behörden, die innerhalb ihrer Institution eine Schlüsselfunktion haben (z.B. Opferschutzbeauftragte der Polizei), zum Thema Gewalt im Namen der Ehre unterwiesen werden. Die Schulungen werden in Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Sigmaringen, Stuttgart, Tübingen, Ulm und Villingen-Schwenningen stattfinden.
Die Workshops sollen zudem die Vernetzung vor Ort fördern und den Informationsaustausch ankurbeln. Die Ergebnisse dieses Pilotprojekts sollen anderen Bundesländern oder auch europäischen Ländern zugute kommen.

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds kofinanziert.
Die Workshops beginnen voraussichtlich im Herbst 2010.
Kontakt: ehrverbrechen-bw@frauenrechte.de

25.08.2010: Frauenrechte müssen Priorität haben! TDF Stellungnahme zur aktuellen Situation in Afghanistan

frauenzentrum-shahrak
Im Frauenzentrum Sharak lernen Mädchen und Frauen lesen

Seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 war es ein erklärtes Ziel des Westens beim Wiederaufbau des Landes die Stellung der Frau und ihre Rechte zu stärken. Leider folgt jedoch den rechtlichen Verbesserungen kein Fortschritt im Lebensalltag der Frauen. Im Gegenteil - die Taliban gewinnen wieder an Macht.

Trotz gesetzlicher Frauenquote von 25% bei den Parlamentsabgeordneten, nationalem Aktionsplan zur Stärkung der Frauenrechte und der verfassungsrechtlich festgeschriebenen Gleichheit von Frau und Mann bleibt die Frauenrechtslage in Afghanistan desaströs und hat sich in den letzten Jahren sogar noch verschlechtert.

Menschenrechtsverletzungen an Frauen sind an der Tagesordnung

Jüngste Beispiele belegen den erschreckenden Unterschied zwischen rechtlichem Fortschritt und der Lebensrealität der Afghaninnen.

Anfang August 2010 wurde eine schwangere Witwe von einem Talibanführer mit drei Kopfschüssen öffentlich hingerichtet, da sie eine "unerlaubte Affäre" gehabt hatte. Zuvor war die schwangere Frau gefangen gehalten und mit 200 Peitschenhieben ausgepeitscht worden. Nur kurze Zeit später wurde ein Liebespaar öffentlich auf einem Markt durch die Taliban mit Hilfe der Dorfbewohner wegen ihrer außerehelichen Beziehung gesteinigt. Der Mann war verheiratet und die Frau verlobt gewesen. Für weltweites Aufsehen sorgte auch die Leidensgeschichte von Bibi Aisha, deren Ehemann ihr Nase und Ohren abschnitt, da sie vor ihm und seiner Familie davon gelaufen war.

Die afghanische Regierung hat weder die Durchsetzungskraft noch den nötigen Willen Frauenrechte ausreichend zu stärken und, Frauen gegen die Taliban zu schützen. Diese ist insbesondere in den Paschtunen-Gebieten entlang der Pakistanischen Grenze sowie im Norden des Landes in den letzten Monaten wieder erstarkt und hat in manchen Provinzen bereits wieder die Macht übernommen. Die Situation der Frauen in diesen Gebieten ist nur zu erahnen. Aus Sicherheitsgründen werden dort derzeit kaum Projekte für Mädchen und Frauen durchgeführt.

Die oben genannten Schicksale der drei Frauen sind leider keine Einzelfälle. Amnesty international zufolge handelt es sich bei 70% - 80% der afghanischen Ehen um Zwangsverheiratungen und es berichten 90% aller afghanischen Frauen über Gewalterfahrungen.

Umso erschreckender ist die Aussicht auf die angekündigten Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den wieder erstarkten Taliban.

TERRE DES FEMMES fordert deswegen die Bundesregierung auf, die Hilfsgelder in Afghanistan an enge Vorgaben zu knüpfen, der Stärkung von Frauenrechten in ihrer Afghanistan-Strategie eine höhere Priorität einzuräumen und Druck auf die afghanische Regierung auszuüben, Frauenrechte keinesfalls zur Verhandlungssache mit den Taliban werden zu lassen.

TERRE DES FEMMES e.V. unterstützt das Frauenzentrum Sharak im Westen Afghanistans, in dem Frauen Alphabetisierungskurse und Ausbildungskurse zur Schneiderin angeboten werden.

Weitere Informationen zum Frauenzentrum Sharak.

 

Onlineumfrage zur Mehrfachdiskriminerung von lesbischen/bisexuellen Frauen und Trans*

LesMigraS, der Antigewaltbereich der Lesbenberatung, hat Anfang August eine Kampagne gegen Gewalt- und Mehrfachdiskriminierung von lesbischen und bisexuellen Frauen und Trans* gestartet. Mit einer Onlineumfrage sollen Daten zur Häufigkeit, Art und Ursache von Gewalt gegen lesbische/bisexuelle Frauen und Trans* erhoben werden, um bestehende Beratungsangebote zu verbessern. Sie können hier an der Onlineumfrage teilnehmen!


 

TERRE DES FEMMES unterstützt Aktionsbündnis gegen "Sex-Flatrate"

TERRE DES FEMMES protestierte als Teil eines Aktionsbündnisses gegen so genannte "Flatratebordelle" in Baden-Württemberg und unterstützte eine Unterschriftenaktion für das Verbot einer entwürdigenden "Sex-Flatrate" und ihrer Werbung sowie für den Schutz der Menschenwürde im Prostitutionsgesetz.

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TERRE DES FEMMES fordert sofortige Ratifizierung der Europaratskonvention gegen Menschenhandel

In einem offenen Brief hat sich das Forum Menschenrechte, bei dem TERRE DES FEMMES Mitglied ist, an den Außenminister gewandt, um eine sofortige Ratifizierung der Europaratskonvention zur Bekämpfung des Menschenhandels zu fordern. Deutschland hat zwar im Jahr 2005 die Entstehung der Konvention vorangetrieben und sie unterschrieben, aber sie leider fünf Jahre nach ihrer Entstehung immer noch nicht ratifiziert.