„Trostfrauen“ – 70 Jahre Kampf um Wiedergutmachung

Trostfrauen vor der japanischen Botschaft in Seoul. Foto: © Korea Verband, Tsukasa YajimaTrostfrauen vor der japanischen Botschaft in Seoul.
Foto: © Korea Verband, Tsukasa Yajima
Während des Asien-Pazifik-Krieges (1937 – 1945) wurden für die kämpfenden japanischen Soldaten sogenannte "Troststationen" eingerichtet. "Trost" hatten die – zumeist – koreanischen Frauen und Mädchen zu spenden, indem sie sich den Soldaten als Prostituierte zur Verfügung stellen mussten.

Nach Schätzungen von Historikern wurden 200.000 Frauen aus dem besetzten Korea, aber auch aus China, Indonesien, den Philippinen und Taiwan in japanische Militärbordelle verschleppt. Die Frauen und Mädchen waren zwischen 11 und 29 Jahre alt. Sie führten ein Leben als Sklavinnen, jede hatte täglich 20 bis 50 Soldaten zu "bedienen", berichtete die Vorsitzende der Seouler Frauenorganisation Koreanischer Rat für Trostfrauen bereits vor 16 Jahren bei ihrem Besuch in der TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsstelle. Diese Frauen kämpfen heute noch um ihre Rehabilitierung durch die japanischen Verantwortlichen.

Die wenigen "Trostfrauen", die nach der Kapitulation Japans den Weg heim fanden, behielten aus Scham die gewaltsamen Ereignisse, die sie für den Rest ihres Lebens zeichnen sollten, lange Zeit für sich.

Ein lange tabuisiertes Kriegsverbrechen: Von den überlebenden Frauen verschwiegen, von Japan verleugnet

Erst 1991 wagte eine der Betroffenen, KIM Hak-Soon, den Schritt in die Öffentlichkeit. Ihr mutiger Auftritt veranlasste immer mehr Überlebende, Zeugnis über ihre demütigenden Erlebnisse abzulegen. Sie fanden bald Gehör und Unterstützung bei Organisationen wie der UNO-Menschenrechtskommission, Amnesty International und TERRE DES FEMMES. Aufsehen erregte das "Frauentribunal gegen Kriegsverbrechen", bei dem Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt im Dezember 2000 über verantwortliche PolitikerInnen und Militärs symbolisch Gericht hielten.

Japan zeigte sich unbeeindruckt. Die japanische Regierung konnte nicht dazu bewegt werden, offiziell die Verantwortung zu übernehmen, den missbrauchten Frauen Entschädigungen zu zahlen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Obwohl 1992 unwiderlegbare Dokumente im Archiv des japanischen Verteidigungsministeriums gefunden wurden, die den damaligen Premierminister veranlassten, die organisierte Massenvergewaltigung von minderjährigen und jungen Frauen einzugestehen, wurde das Verbrechen von seinen Nachfolgern regelmäßig abgestritten. Zwar wurde 1995 ein Fonds für Betroffene eingerichtet, doch dieser wurde von den Frauen abgelehnt, da er sich aus privaten Spenden speiste und nicht aus der Staatskasse.

Abkommen ohne Einbezug der Zeitzeuginnen

Die jahrzehntelange Abwehrhaltung Japans belastete auch seine Beziehung zu Südkorea. Im Dezember 2015 verkündete der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se endlich ein „endgültiges und unwiderrufliches Abkommen“ mit seinem japanischen Kollegen erzielt zu haben. Japan würde für die 46 namentlich bekannten Überlebenden einen Fonds über 7,6 Millionen Euro für Entschädigungen einrichten. Japans Ministerpräsident hatte seine „Entschuldigung“ ausgesprochen und ließ erklären, er empfinde eine „Reue vom Grunde seines Herzens“. Die Zahlungen stuft Japan aber nicht als Entschädigungen ein.

Auch eine Statue, die vor der japanischen Botschaft in Seoul an die Zwangsprostituierten erinnert, soll – so das Abkommen - an einen anderen Ort verlegt werden.Die Überlebenden wollen weiterkämpfen bis Japan eine „offizielle und rechtliche Verantwortung“ übernimmt und sich entschuldigt.

Japan vor dem CEDAW*-Ausschuss: Für die Verschleppungen in die Zwangsprostitution sind keine Dokumente auffindbar

Der UN-Frauenrechtsausschuss hatte 1994, 2003 und 2009 die japanische Regierung vergeblich aufgefordert, den Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auch das Zustandekommen des „historischen“ Abkommens ist wohl eher wirtschaftlichen Überlegungen, denn ethischen Empfindungen gezollt:

Der stellvertretende Außenminister Shinsuke Sugiyama hat im Januar 2016 bei einer Sitzung vor dem CEDAW-Ausschuss den Zwangscharakter der „Troststationen“ im Zweiten Weltkrieg erneut geleugnet. Japan finde keine Dokumente, die eine Zwangsrekrutierung von Frauen und Mädchen in japanische Militärbordelle beweisen würden.

Für die letzten Zeitzeuginnen eine Verhöhnung. Erneut.

 

* Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women (CEDAW) Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau

Quellen:

Korea-Verband: Die Website des Verbandes bietet historische und aktuelle Informationen zu „Trostfrauen“ sowie zahlreiche Literatur- und Filmtipps

Sylvia Rizvi: Trostfrauen fordern nach 50 Jahren Gerechtigkeit und Entschädigung. In: TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau. 1/2001

Ester Felden: Die Wunde ihres Lebens.
Gerade erst feierten Japan und Südkorea einen Durchbruch im Konflikt um ehemalige Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg. Lee Ok-Seon ist eine von ihnen. Sie empfindet die Einigung als Schlag ins Gesicht. Deutsche Welle online vom 15.01.2016

Südkoreanische Zwangsprostituierte lehnen Abkommen mit Japan ab
dieStandart.at vom 04.01.2016

Fabian Kretschmer: Zwangsprostitution im Zweiten Weltkrieg.
Späte Gerechtigkeit. Japan und Südkorea legen ihren Streit über die „Trostfrauen“ in japanischen Militärbordellen bei. Es gibt aber kaum noch Überlebende.
taz online vom 28.12.2015

UN Committee on CEDAW Reviews Japan's "Comfort Women" Issue.
Women Of China, 18.02.2016

Japan statement to UN on comfort women raises tensions betwee Seoul, Tokyo
The Hankyoreh. Online vom 02.02.2016

Literatur

Hallo, Ruth: Die Trostfrauen. Roman. LangenMüller, München 2012
Drinck, Barbara; Gross, Chung-Noh (Hrsg.): Erzwungene Prostitution in Kriegs- und Friedenszeiten. Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Kleine Verlag, Bielefeld 2007
Tanaka, Yuki: Japan’ s Comfort Women. Sexual slavery and prostitution during World War II and the US Occupation. Routledge London, New York 2002

 

Stand: 2/2016