Boko Haram bedroht Mädchen- und Frauenrechte in Nigeria und Nachbarländern

Michele Obama. © First Lady Michele Obama"Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung."
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948), Artikel 26

Bildung gilt als kulturelles Menschenrecht und ist der wichtigste Schritt zur Selbstverwirklichung. Bildung gewährleistet Chancengleichheit und ein eigenständiges Leben. Dieses Recht macht die Terrormiliz Boko Haram den Mädchen und Frauen in Nigeria und Grenzregionen streitig. Der Name Boko Haram lässt sich übersetzen mit „Westliche Bildung verboten“ oder „Die moderne Erziehung ist eine Sünde“. 2009 hat sich die Gruppe radikalisiert und zugleich auf die Verfolgung von Mädchen und Frauen verlagert. Seitdem vergeht kaum ein Tag ohne Terroranschläge und Verletzungen von Zivilisten. Boko Haram geht mit äußerster Gewalt vor – Menschen fürchten um ihr Leben, durch Angst und Schrecken bleibt der Weg zur Bildung (weiterhin) verwehrt.

#bringbackourgirls – Großteil der Mädchen wird immer noch vermisst

Spätestens seit den erschütternden Nachrichten im April 2014 von den Entführungen der knapp 300 Mädchen in Chibok, eine Stadt im Nordosten Nigerias, ist Boko Haram weltweit bekannt. Die Kampagne #BringBackOurGirls hat viele Menschen berührt. Fast täglich erreichen uns neue Berichte über weitere entführte Mädchen und Frauen. Fatale Neuigkeiten gibt es auch seitens der Regierungen Nigerias und Kameruns. Die Betroffenen bekommen keine Unterstützung: Etliche junge Mädchen und Frauen die sich aus ihrer Entführung befreien konnten haben weder medizinische noch psychologische Hilfe erfahren. Allein müssen sie mit Traumata und Verletzungen überleben – oftmals scheitern sie und leiden vermutlich ein Leben lang unter den Folgen der Gewalt. Auch werden nur wenige Entführte befreit: Von den 300 Schulmädchen, die im April 2014 verschleppt wurden, konnten sich 63 aus eigener Kraft befreien, von mehr als 200 Mädchen fehlt immer noch jede Spur.

TERRE DES FEMMES unterstützt Mädchenschule in der Grenzregion Kamerun-Nigeria

Auch wir von TERRE DES FEMMES sind bestürzt und sorgen uns um die Sicherheit von Schülerinnen in Nigeria und den Grenzregionen. In Nordkamerun, in der Provinz „Extremer Norden“ hat TERRE DES FEMMES den Bau einer Mädchenschule finanziert. Am 13. März 2014 konnte das neue Gebäude der Mädchenschule eingeweiht werden. Durch ein eigenes Schulgebäude ist gewährleistet, dass die Mädchen zum Schulabschluss und Aufbau einer eigenen beruflichen Existenz gelangen können. Sie erhalten die Möglichkeit, zu lokalen ländlichen Kleinunternehmerinnen ausgebildet zu werden und sich mit dem daraus entstehenden Einkommen eigenständige Lebensperspektiven aufzubauen. Dadurch werden sie auch vor einer frühen (Zwangs-)Verheiratung geschützt. Zurzeit werden 62 Mädchen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren unterrichtet. Nicht weit der Schule gab es bereits Anschläge und nun befürchten wir, dass auch die Schülerinnen unserer Partnerorganisationen in Gefahr sind. Durch den anhaltenden Terror nehmen Eltern ihre Kinder vermehrt von den Schulen, auch um sich selbst zu schützen.

Mädchen in der Region müssen vor Terrorgruppe wirksam geschützt werden

Mitte Februar 2015 griff Boko Haram erstmals im Nachbarland Tschad an – eine Drohung an alle Länder, die sich am Kampf gegen die Terrorgruppe beteiligen. Boko Haram ruft zudem zum Wahlboykott in Nigeria auf – und gibt ihrer Forderung mit Gewaltattentaten Gewicht. Bis zum 28. März laufen dort im Moment die Präsidentschaftswahlen. Bei Angriffen auf Sicherheitskräfte, Behörden, Kirchen und Schulen tötete Boko Haram bereits mindestens 13.000 Menschen.

Doch es gibt Hoffnung: Die Afrikanische Union plant Einsatztruppe

Laut Spiegel Online hat sich die Afrikanische Union (AU) Ende Januar für Maßnahmen gegen Boko Haram ausgesprochen. Sie wollen eine Einsatztruppe von mindestens 7.500 Personen nach Nigeria schicken, finanziert von den Vereinten Nationen. Nkosazana Dlamini-Zuma, Chefin der AU, hatte Afrika bereits vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, eine Führungsrolle im Kampf gegen die Extremisten zu übernehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt den Vorschlag einer Einsatztruppe der AU und betonte, Deutschland sei zu finanzieller Hilfe im Kampf gegen Boko Haram bereit. Darüber werde in der Europäischen Union gesprochen werden.

TERRE DES FEMMES begrüßt diese Entwicklung zum Schutz der Mädchen in der Region ausdrücklich. Bereits im Mai 2014 forderte die Frauenrechtsorganisation, dass Sicherheitsvorkehrungen durch die Regierungen Nigerias und Kameruns für die Schülerinnen der gesamten Region getroffen werden müssen. Zudem riefen wir die deutsche Bundesregierung auf, Nigeria und Kamerun dabei umfassend zu unterstützen.

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