Zurückgeblättert …

…in den Vereinskalender

TERRE DES FEMMES wird bald auf 40 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken können. Was waren die Höhepunkte unserer langjährigen Frauenrechtsarbeit? Welche Themen haben uns beschäftigt? Was haben wir erreicht?

In regelmäßigen Abständen blättern wir zurück, halten inne und betrachten einzelne Blätter aus der TDF-Chronik.

 

„Mein Herz gehört mir!“ – 18 Jahre Engagement gegen Zwangsverheiratungen

Plakat Kampagnenauftakt 2002 Wenn TERRE DES FEMMES (TDF) mit der diesjährigen Fahnenaktion am 25. November die neue Kampagne gegen Frühehen und Zwangsverheiratungen vor dem Brandenburger Tor einläutet, wird konsequent ein langjähriges Engagement fortgesetzt, an dessen Anfang die Benennung eines Tatbestands stand: Zwangsverheiratung ist eine Menschenrechtsverletzung, die auch in Deutschland begangen wird.

2002, als TDF – ebenfalls am 25. November, dem Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ ­ die erste Kampagne gegen Zwangsverheiratungen vorstellte, war das Thema in der deutschen Öffentlichkeit mit einem Tabu behaftet.

Gegen ihren Willen, so die herrschende Meinung, wurden Mädchen und Frauen in fernen Ländern verheiratet. Aber in Deutschland? Nein.

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Peking + 25: Rückblick auf eine Reise zur Weltfrauenkonferenz

„Achtung auf Gleis eins! Achtung! Frauen im Zug nach Peking zur Weltfrauenkonferenz!“ So wohlgemut kündete der TDF-Rundbrief bereits Ende 1994 die Fahrt mit einem Sonderzug an, den eine Gruppe französischer Frauen eigens für diese besondere Reise nach China organisiert hatte.

Am 20. August 1995 würde der Zug in Paris starten, um in Berlin, Warschau und Moskau hunderte von Frauen zusteigen zu lassen. Zehn Tage lang würden die Frauen die Gelegenheit haben, sich zu verständigen, sich kennenzulernen und sich über ihre Erwartungen an die vierte Weltfrauenkonferenz austauschen zu können. Mit dabei: sechs abenteuerlustige TDF-Frauen.

186 Staaten verabschiedeten am 15. September 1995 die Pekinger Aktionsplattform, die während der zwölf Konferenztage von fast 5000 RegierungsvertreterInnen erstritten wurde. Etwa 4000 Nichtregierungsorganisationen hatten Delegierte zur Konferenz entsandt. An keiner UN-Konferenz davor hatten je so viele AkteurInnen teilgenommen.

Dennoch stand diese Weltfrauenkonferenz (WFK) unter schlechtem Vorzeichen.

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Mädchen und Frauen, die von Ehrverbrechen bedroht sind, eine Stimme geben!

Foto: © TERRE DES FEMMES-Dokumentationsstelle; Gedenken an Suzana L.

Am 24. Mai 2007 wurde der geschäftige Terminal 1 des Stuttgarter Flughafens ein Ort des Innehaltens. TERRE DES FEMMES und das Frauenhaus Hohenlohekreis hatten zu einer Gedenkveranstaltung mit weißen Rosen für Suzana L. aufgerufen. Der geschiedene Ehemann hatte die junge Frau am 31. März 2007 am Flughafenschalter vor den Augen der Fluggäste erschossen. Sie war auf dem Weg zu ihren beiden Töchtern, die seit ihrer Scheidung im Kosovo, bei der Familie ihres Ex-Mannes lebten. Überkommene Ehrvorstellungen setzten einer von Gewalt geprägten Beziehung ein tragisches Ende.

 

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Heiratsvermittlung? Frauenhandel!

Der archivierte Flyer von 1990.
© TERRE DES FEMMES

TERRE DES FEMMES muss sich 1990 vor dem Zivilgericht wegen Verleumdung verantworten

Mit einem Flugblatt prangert TERRE DES FEMMES (TDF) Ende 1989 den Betreiber der „Tropical-Partnervermittlung“ nahe Freiburg als Frauenhändler an.

Das Flugblatt zeigt Inserate, mit denen der Geschäftsmann in der lokalen Zeitung auf sein Angebot aufmerksam macht, aber auch Fotos aus dessen Katalog: Portraits der ausschließlich brasilianischen Frauen, ergänzt um Katalognummer, Vornamen, Alter und Beruf, erleichtern dem geneigten Kunden die Auswahl.

TDF wirft dem Mann vor, ein „Geschäft mit der Armut zu machen“ und fordert dazu auf, gegen „diese menschenverachtenden Verkaufspraktiken, die Frauen aus der ‚Dritten Welt‘ zu Waren aus dem Katalog machen wollen“, zu protestieren.

Die Aktion bleibt nicht ohne Folgen: Der Inhaber der Agentur erstattet gegen TDF eine Anzeige wegen Beleidigung und Rufmord.

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Geflüchtete Frauen – für TERRE DES FEMMES Einzelschicksale, aber keine Privatsache. Von Beginn an.

Ein 14-jähriges Mädchen bekommt von ihrem 17-jährigen Onkel ein Kind. Die Familie versucht, es zu töten, um die Familienehre zu retten. Die Behörden, die davon erfahren, bringen es in ein „Heim für Deliquentinnen“, das Baby in ein Kinderheim. Einige Monate später wird das Mädchen mit einem 70-Jährigen verheiratet.

Sein Schicksal ist eines von vielen, das die Organisation Sentinelles 1981, basierend auf Zeugenaussagen, in einem Band zusammengetragen hatte: Mädchen und Frauen, die aus Sicht der Gesellschaft die Familienehre in Verruf gebracht hatten und dafür all zu oft mit ihrem Leben bezahlen mussten. Die in Lausanne ansässige Organisation hatte die Dokumentation der Fälle unter dem Titel „Princesses Mortes“ dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge überreicht, um ihre Forderung nach einem Flüchtlingsstatus für Mädchen und Frauen zu untermauern. Die UN erteilte ihrer Forderung eine Absage.

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25 Jahre vor #MeToo steht TERRE DES FEMMES belästigten Studentinnen bei

Skizze von Monika Gerstendörfer zum
© TDF-Dokumentationsstelle

“Die „Bettscheinaffäre“ wurde mangels hinreichenden Tatverdachts von der Fuldaer Staatsanwaltschaft juristisch zu den Akten gelegt“, heißt es im Artikel der Fuldaer Zeitung vom 18. März 1993.

Die Darstellungen der einzigen Belastungszeugin und des beschuldigten Dozenten gingen auseinander. Die Zeugin, eine Studentin, hatte diesem vorgeworfen, während eines studienbedingten Treffens zudringlich geworden zu sein, „sexuelles Entgegenkommen“ erwartet zu haben. Dieses werde sich positiv für die weitere Zusammenarbeit auswirken. Vertraulich hatten auch andere Frauen von solchen Erfahrungen mit Lehrenden an der FH Fulda berichtet, aber die Aussage vor der Staatsanwaltschaft gescheut.

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Vor 25 Jahren (1995) fand das erste TDF-Seminar zum Thema „Weibliche Genitalverstümmelung“ statt.

Teilnehmerinnen des TDF-Seminars Genitalverstümmelung von 1995. Comfort I. Ottah (3. von rechts) und TDF-Mtbegründerin Herta Haas (2. von rechts). Foto: © TDF-DokumentationsstelleTeilnehmerinnen des TDF-Seminars Genitalverstümmelung von 1995. Comfort I. Ottah (3. von rechts) und TDF-Mtbegründerin Herta Haas (2. von rechts). Foto: © TDF-DokumentationsstelleDas Seminar brachte die gleichnamige TDF-Arbeitsgruppe hervor und trug dazu bei, das Netz internationaler Kooperationen weiter zu knüpfen.

Die Arbeit zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation - FGM) begleitet TDF seit der Gründung des Vereins. Bereits 1983 wurde Awa Thiam, die senegalesische Frauenrechtlerin und Autorin des Buches „Die Stimme der schwarzen Frau“ zu der TDF-Mitfrauenversammlung nach Frankfurt eingeladen.

Im Februar 1995 fand ein zweitägiges Seminar in Kronberg im Taunus statt, das für die Arbeit von TDF weitreichende Folgen haben sollte. Als besonderer Podiumsgast konnte die aus Nigeria stammende Hebamme Comfort I. Ottah gewonnen werden, die sich für die in London ansässige Organisation FORWARD engagierte.

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Vor 25 Jahren (1994) forderte TERRE DES FEMMES mit einer Postkartenaktion den Straftatbestand „Vergewaltigung in der Ehe“

Frauendemo am 25. November 1994 in Tübingen. Foto: © TDF-DokumentationsstelleFrauendemo am 25. November 1994 in Tübingen.
Foto: © TDF-Dokumentationsstelle
„Sexualstrafdelikte werden immer noch geringer bestraft als Eigentumsdelikte. Manche Formen von sexueller Gewalt sind noch nicht einmal strafbar.“ Die Rede ist vom 1994 geltenden Sexualstrafrecht in der Bundesrepublik Deutschland. Nachzulesen in einem Brief, den TDF-Expertinnen vor 25 Jahren an die damalige Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger geschickt hatten. Denn die Bundesrepublik gehörte „zu den ganz wenigen europäischen Ländern, in denen Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in der Ehe (§ 177, § 178) ausdrücklich von Strafe ausgenommen“ waren.

Der Justizministerin flatterten neben diesem Schreiben noch tausende Postkarten in den Briefkasten. TERRE DES FEMEMS hatte den 25. November, den Tag "Nein zu Gewalt an Frauen" zum Anlass genommen, eine bundesweite Postkartenkampagne zu initiieren, mit der das frauenfeindliche Sexualstrafrecht angeprangert wurde. Vergewaltigung ist ein Schwerverbrechen heißt es unumwunden auf den Postkarten, die auch an das Justizministerium und die GesetzgeberInnen der BRD adressiert waren und entscheidende Änderungen des Rechtes forderten.

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