Rachel Moran: Was vom Menschen übrig bleibt

Die Wahrheit über Prostitution

Tectum Verlag Marburg, 2015. 300 Seiten. 2015 Moran Was vom Menschen uebrig bleibt

Dieser Bericht widmet sich der „Tabuzone“ Sexindustrie, um Prostitution zu entlarven als das, was es wirklich ist. Rachel Moran verbindet sehr gut recherchierte Fakten mit eigenen Erlebnissen aus der Welt der Prostitution: sie selbst war sieben Jahre lang als Jugendliche und junge Frau als Prostituierte tätig und konnte sich schließlich mit 22 Jahren daraus befreien. Sie studierte Journalistik und ist nun Bloggerin, Referentin und Autorin. Darüber hinaus ist sie für SPACE (Survivors of Prostitution-Abuse Calling for Enlightenment) aktiv und engagiert sich gegen eine Verharmlosung und Legalisierung der Prostitution.

In ihrem Buch beschreibt Moran, wie sie, aus einer komplizierten Familiensituation stammend, in die Prostitution geriet, und berichtet von dem Sog, der Verlassenheit und der gesellschaftlichen Abgrenzung, die es Opfern erschwert, sich daraus zu befreien. Ihre Erlebnisse aus der „Parallelwelt“ unterfüttert sie mit Erlebnisberichten anderer ehemaliger Prostituierter und mit hervorragend reflektierten Erkenntnissen. Sie deckt weit verbreitete Mythen auf, darunter den von der Edelprostituierten, von Kontrolle, den die Prostituierte hat, und vom sexuellen Vergnügen der Arbeitenden. Sie beschreibt das Phänomen der Dissoziation sehr eindrücklich und zählt Überlebensstrategien betroffener Frauen auf.
Zentraler Inhalt des Buches ist, bewusst zu machen, dass selbst eine Prostituierte, die nicht in die Kategorie Zwangsprostituierte fällt oder Opfer von Frauenhandel geworden ist, keineswegs freiwillig ihren Körper verkauft. Missbrauch, Gewalt und Abhängigkeit formen den Alltag vieler Prostituierter und machen es ihnen schier unmöglich, die Kraft zu nehmen, sich daraus zu befreien.

Morans Buch ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Kraft einer jungen Frau, die sich aus den Abhängigkeiten und Beziehungen gelöst hat. Es ist ein fesselndes Buch, das kaum aus der Hand zu legen und dabei sehr informativ ist.

Besprechung: Mara Linden

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