Masih Alinejad: Der Wind in meinem Haar

Mein Kampf für die Freiheit iranischer Frauen

Alibri, 2022 Aschaffenburg, 478 Seiten, 24,- €2022 Alinejad WindinmeinemHaar

Ihr eigentlicher Vorname, Masoumeh, bedeutet übersetzt „unschuldig“: Ein Attribut, das ihr später von ihren fundamentalistischen Widersachern sicher abgesprochen wurde.
Alinejad wächst als jüngste einer achtköpfigen armen Bauernfamilie im Norden Irans auf. Sie wird 1976 geboren, nur knapp drei Jahre vor der Islamischen Revolution, die nach dem Sturz des Schahs die Islamischen Republik Iran begründet.

Besonders Frauenrechte sind in der Republik der Mullahs eingeschränkt. Alinejad bekommt dies früh zu spüren, da Mädchen ab sieben Jahren ein Kopftuch tragen müssen. Sie lernt schnell, dass in der Öffentlichkeit keine Haarsträhne unter ihrem Hidschab rausschauen darf, sonst drohen Schläge oder sogar eine Verhaftung. Ihr Aufwachsen ist geprägt von dem Satz – „Du kannst das nicht“, weil du ein Mädchen bist. Doch Alinejad beginnt, sich gegen das frauenfeindliche Regime aufzulehnen – zunächst in der Schule, der sie verwiesen wird, und später als Mitbegründerin einer Untergrundorganisation. 1996 werden sie und ihre MitstreiterInnen verhaftet und verhört, doch die junge Frau wird auf Bewährung freigelassen. Mit einer vorehelichen Schwangerschaft, ihrer rebellischen Art und späteren Scheidung bringt sie in den Augen ihrer Angehörigen Schande über die Familie.

Mit 24 geschieden, allein in Teheran, beginnt sie als Journalistin im Politikressort zu arbeiten und wird schließlich Parlamentsreporterin. Nachdem sie öffentlich die hohen Gehaltsabrechnungen der iranischen Politiker und die Korruption im Land anklagt, wird sie gefeuert. Sie ist fast 30 Jahre alt als sie zum ersten Mal die Grenzen ihres Heimatlandes passiert und - zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ihren Hidschab ablegen kann: In Beirut müssen muslimischen Frauen kein Kopftuch tragen! Was für ein befreiendes Gefühl!

2009 wird es für sie zu gefährlich im Iran. Sie muss das Land verlassen.

Zunächst studiert sie in Oxford, zieht später nach New York und setzt sich aus dem Exil heraus für iranische Frauen und gegen den Kopftuchzwang ein.

Mit ihrer Kampagne My Stealthy Freedom (Meine Heimliche Freiheit), die sie 2014 auf Facebook startet, wird sie über Nacht bekannt. Dort postet sie Fotos von Frauen aus dem Iran, deren Haar nicht von einem Kopftuch bedeckt ist. Nach kurzer Zeit hat sie hunderttausende UnterstützerInnen und wird im Iran gefeiert.

Alinejad wird zur Stimme der iranischen Frauenbewegung und kritisiert mit weiteren Kampagnen das Regime. Aus dem Exil unterstützt sie die Protestierenden in ihrer ehemaligen Heimat. Sie dreht einen Dokumentarfilm, schreibt und macht weiterhin auf die Situation der Frauen im Iran aufmerksam.

Die iranische Regierung versucht die Aktivistin jahrelang einzuschüchtern und setzt den Geheimdienst auf sie und ihre Familie an, doch die Journalistin lässt sich davon nicht einschüchtern.

Heute ist sie bekannt für ihre Lockenmähne, die immer mit einer gelben Blume geschmückt ist – weil sie stolz auf ihre Haare ist und diese nicht verstecken möchte. Damit alle iranischen Frauen diese Freiheit erleben können kämpft sie unermüdlich.

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