Laura Backes und Margherita Bettoni: Alle drei Tage

Warum Männer Frauen töten und was wir dagegen tun können

Deutsche Verlags-Anstalt, München 2021, 208 Seiten2021 Backes Bettoni AlleDreiTage

Der Titel des Buches der Journalistinnen Laura Backes und Margherita Bettoni ist nicht zufällig gewählt: Denn alle drei Tage wird laut staatlicher Statistik in Deutschland eine Frau von einem Partner oder Ex-Partner getötet, weil sie eine Frau ist. Diesen Tötungen liegen patriarchale Macht- und Gedankenmuster zugrunde, die sich durch alle gesellschaftlichen Schichten ziehen, legen Backes und Bettoni in ihrem Buch dar.

In sieben Kapiteln zeigen die Autorinnen verschiedene Aspekte auf, die im Zusammenhang mit Femiziden stehen. Unter anderem geht es hier um Besitzansprüche, die Rechtslage zur gezielten Tötung von Frauen, Präventionsarbeit und gängige Muster bei Femiziden. Zwischen den theoretischen Analysen finden sich im Buch verteilt Erfahrungsberichte von den Tätern selbst und von Frauen, die einen Tötungsversuch überlebt haben. Diese eindrücklichen Berichte vergegenwärtigen den Lesenden immer wieder, dass hinter den Zahlen und Analysen menschliche Schicksale stehen.

Das Buch bietet eine gute Grundlage, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und das Phänomen „Femizid“ in Deutschland besser zu verstehen. Zusätzlich wird in einem Kapitel über Deutschland hinausgeschaut und ein Vergleich zu anderen Ländern gezogen. Hier zeigen die Autorinnen, wie unterschiedlich manche Länder den Kampf gegen Femizide, der fast überall nötig ist, angehen. Abschließend stellen die Autorinnen Forderungen dazu auf, was in Deutschland passieren muss, um der traurigen Statistik, die dem Buchtitel zugrunde liegt, entgegenzuwirken.

Aktuell bestehen aber sogar am erschütternden „alle drei Tage“ berechtigte Zweifel: Die staatlichen Erhebungen, auf denen die Annahme basiert, dass alle drei Tage ein Femizid begangen werde, sind lückenhaft. Die Bundesregierung verwendet den Begriff „Femizide“ nicht offiziell und staatliche Daten werden nur zu Tötungen in Partnerschaften gesammelt. Femizide, die von Fremden oder von anderen Familienmitgliedern als dem Partner begangen werden, gelangen nicht in die Statistik. Würde man jedoch alle Femizide hinzuzählen, die außerhalb von Partnerschaften geschehen, wie es nicht-staatliche Stellen wie das Femicide Observation Center Germany tun, müsste das Buch „Alle zwei Tage“ heißen. Dass schon auf dem Titel ein Teil des Phänomens Femizide ausgeblendet wird, ist bedauerlich. Das Buch aber überzeugt trotzdem durch die Vielfalt der Aspekte zur Thematik Femizide, die es darstellt.

Bei Buch7 kaufen

5% des Einkaufspreises gehen an TERRE DES FEMMES