Aktivitäten

TERRE DES FEMMES gegen Genitalverstümmelung!

Gemeinsam gegen Genitalverstümmelung. © Pitopia, Max 2006 Gemeinsam gegen Genitalverstümmelung.
© Pitopia, Max 2006
Alle 11 Sekunden entscheidet ein gewaltsamer Schnitt in die Genitalien eines Mädchens auf dieser Welt über ihr weiteres Leben. Unter unhygienischen Bedingungen und ohne Narkose werden Mädchen und jungen Frauen Klitoris und Schamlippen abgeschnitten. Viele überleben diese Tortur nicht. Die Betroffenen leiden ihr Leben lang unter den Folgen: Schmerzen, Infektionen, Unfruchtbarkeit und erschwerte Geburten sind nur einige der schwerwiegenden Konsequenzen dieser Menschenrechtsverletzung. Auch psychosoziale Folgen, wie Traumata und Neurosen, können Folgen des Eingriffs sein.

Weltweit gibt es 140 Millionen Betroffene.

In Deutschland leben unseren Schätzungen zufolge mehr als 35.000 betroffene Frauen und über 6.000 gefährdete Mädchen. Solange Genitalverstümmelung als Voraussetzung für eine Heirat gilt, lassen viele Eltern ihre Töchter weiterhin verstümmeln. Auch in Deutschland sind Mädchen dem Risiko ausgesetzt, hierzulande oder im Heimatland der Eltern genitalverstümmelt zu werden. Um gefährdete Mädchen wirksamer zu schützen und betroffene Frauen besser zu unterstützen, setzt TERRE DES FEMMES sich dafür ein, dass

  • ÄrztInnen, Hebammen, ErzieherInnen und LehrerInnen in ihrer Ausbildung geschult werden.
  • mehr Beratungsstellen für betroffene Frauen und ihre Familien eingerichtet werden.
  • alle Kinder an den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

 

 

Aktivitäten

TERRE DES FEMMES gegen Genitalverstümmelung!

Alle 11 Sekunden entscheidet ein gewaltsamer Schnitt in die Genitalien eines Mädchens auf dieser Welt über ihr weiteres Leben. Oft ohne Narkose werden Mädchen und jungen Frauen Klitoris und Schamlippen abgeschnitten. Viele überleben diese Tortur nicht. Die Betroffenen leiden ihr Leben lang unter den Folgen: Schmerzen, Infektionen, Unfruchtbarkeit und erschwerte Geburten sind nur einige der schwerwiegenden Konsequenzen dieser Menschenrechtsverletzung. Auch psychische sowie soziale Folgen wie Traumata und Depressionen, die zum Beispiel Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen können, können Folgen des Eingriffs sein.

Nach konservativen Schätzungen sind 200 Millionen Frauen und Mädchen weltweit von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Auch in der EU leben 500.000 Betroffene. Weitere 180.000 sind gefährdet. In Deutschland sind aktuell etwa 5.000 Frauen und Mädchen betroffen und 9.000 gefährdet, genitalverstümmelt zu werden.

Diese hohen Verbreitungsrate versuchen wir durch verschiedene Ansätze zu verringern.

Die Arbeit des Referates „Weibliche Genitalverstümmelung“ setzt sich aus daher aus folgenden Teilbereichen zusammen:

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Das Referat publiziert regelmäßig neue Erkenntnisse zu sowie Vorkommnisse von weiblicher Genitalverstümmelung weltweit. Außerdem werden Informationen für MitarbeiterInnen von Organisationen und Behörden, für die Presse und für Privatpersonen bereitgestellt.

Nur eines der Beispiele für die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit des Referates ist der alljährliche Aufruf zur am 6. Februar stattfindenden landesweiten Büchertischaktion. An diesem Tag, dem Internationalen Tag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“, stellen BuchhändlerInnen in ganz Deutschland von TERRE DES FEMMES ausgewählte Literatur und Infomaterial zum Thema aus.

Lobbyarbeit

TERRE DES FEMMES allgemein und selbstverständlich auch das Referat FGM leisten politische Lobbyarbeit, um Gesetze zum Schutz von gefährdeten und zur Unterstützung von betroffenen Mädchen und Frauen zu verbessern oder neue Gesetze zu erschaffen.

Schulprojekttag in Bonndorf September 2016. Foto: © Melanie Boll.Schulprojekttag in Bonndorf September 2016. Foto: © Melanie Boll.

Fortbildungen

Das Referat bietet regelmäßig Fortbildungen zum Umgang mit Betroffenen für verschiedene Berufsgruppen (SozialarbeiterInnen, LeherInnen, PolizistInnen, MitarbeiterInnen von Asylbehörden und anderen) an. Kontaktieren Sie uns gerne: fgm@frauenrechte.de

Statistiken

Das Referat veröffentlicht jährlich eine Dunkelzifferstatistik zur geschätzten Anzahl der von weiblicher Genitalverstümmelung betroffenen und gefährdeten Mädchen und Frauen in Deutschland.

Netzwerke

TERRE DES FEMMES ist national im Netzwerk INTEGRA und international im europäischen Netzwerk End FGM organisiert, um sich sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene möglichst wirkungsvoll gegen FGM einzusetzen.

Basisarbeit

Wir arbeiten eng mit AktivistInnen aus verschiedenen afrikanischen Communities zusammen und bemühen uns um eine fortwährend besser werdende Vernetzung innerhalb und mit den Communities.

Internationale Arbeit

Ebenfalls auf internationaler Ebene koordiniert das Referat das von der EU ko-finanzierte Projekt Let's CHANGE, in welchem einflussreiche Mitglieder verschiedener praktizierender Diaspora-Communities in ganz Europa als MultiplikatorInnen gegen FGM ausgebildet werden.

Studien

TERRE DES FEMMES hat 2017 zusammen mit dem Netzwerk INTEGRA die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte erste qualitative deutschlandweite Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung durchgeführt. Sie wurde am 6. Februar 2017 im Bundesfamilienministerium im Rahmen einer Konferenz vorgestellt.

Screenshot der WissensplattformWissensplattform

Im Feburar 2017 wurde eine neue webbasierte e-Learning-Wissensplattform, United to END FGM, welche sich ebenfalls an verschiedene mit Betroffenen oder FGM-Gefährdeten in Kontakt kommende Berufsgruppen richtet, zum kostenlosen Onlinezugriff freigegeben. TERRE DES FEMES hat diese zusammen mit elf Partnerorganisationen aus verschiedenen europäischen Ländern erstellt. Mithilfe der Wissensplattform kann man sich in neun verschiedenen Sprachen umfangreich zum Thema weiterbilden.

AG Genitalverstümmelung

Seit 1995 existiert die AG Weibliche Genitalverstümmelung, die aus einzelnen Mitgliedern, Fachfrauen und TDF-Städtegruppen besteht. Die AG setzt sich bundesweit gegen FGM und für die Betroffenen ein: dafür, dass ÄrztInnen, Hebammen, ErzieherInnen und LehrerInnen in ihrer Ausbildung geschult werden, mehr Beratungsstellen für betroffene Frauen und ihre Familien eingerichtet werden, alle Kinder an den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen und die Verbreitung der Genitalverstümmelung auch auf dem asiatischen Kontinent anerkannt und als Problem thematisiert wird. 

 

Dunkelzifferstatistik zu weiblicher Genitalverstümmelung

Seit 1998 erstellt und veröffentlicht TERRE DES FEMMES fast jährlich eine eigene Hochrechnung der Betroffenen und Gefährdeten in Deutschland. Damit wollen wir zeigen, dass die Menschenrechtsverletzung weibliche Genitalverstümmelung in unserer Nachbarschaft, in jeder größeren Stadt, mitten in Europa präsent ist und dass es großen politischen Handlungsbedarf gibt um tausende Mädchen zu schützen und zehntausende Frauen zu unterstützen. Denn nur wenn die Mütter hier ihre Zukunft sehen, werden sie sich von den Traditionen ihres Herkunftslandes lösen und die Töchter unversehrt aufwachsen lassen.

Tabuthema ohne sichere Datenlage

Für die Statistik verwenden wir immer die Angaben des Statistischen Bundesamtes zu Frauen und Mädchen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft sowie die von UNICEF, dem Population Refernce Buerau und Amnesty International verbreiteten Betroffenenquoten aus den bereits erfoschten Prävalenzländern. Wenn aus dem Land X 1000 Frauen und Mädchen in Deutschland leben und z.B. UNICEF berichtet, dass in X 45% von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind, gehen wir von 450 Betroffenen und Gefährdeten in Deutschland aus.

Falls die Zahlen von Jahr zu Jahr also schwanken, kann die Ursache dafür in neuen UNICEF-Daten liegen, in Migrationsströmen z.B. aus Ländern mit hoher Prävalenz der in den Parametern des statistischen Bundesamtes z.B. im Umgang mit Frauen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Es bedeutet nicht, dass wir tatsächlich von steigenden oder sinkenden Betroffenen- und Gefährdetenzahlen wüssten!

Weibliche Genitalverstümmelung ist in Deutschland enorm tabuisiert: Schon in den Herkunftsländern sprechen Frauen sehr selten offen über dieses Thema und in einem Umfeld, das diese “Tradition” als Menschenrechtsverletzung wertet und die InitiatorInnen mit langen Gefängnisstrafen belegen kann, kann man nur über Dunkelfeldstudien und Dunkelzifferberechnungen einen groben Eindruck von der tatsächlichen Verbreitung gewinnen.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Um diesem Umstand und dem häufigen Missverständnis, es gäbe reale Veränderungen in der Risikobewertung, zu begegnen, haben wir verschiedene Berechnungsmethoden ausprobiert und in den letzten Jahren Schwerpunkte in den Statistiken gesetzt:

2012 (PDF-Datei) haben wir zwischen Gefährdeten und Betroffenen anhand der Altersgrenze von 20 Jahren unterschieden, da bis zu diesem Alter zwangsverstümmelungen bekannt sind.

2013 (PDF-Datei) haben wir das durchschnittliche Verstümmelungsalter in jedem Land berechnet um zu kommunizieren, dass je nach Kultur große Unterschiede bestehen und Fachkräfte wie PädagogInnen jederzeit aufmerksam und handlungsbereit sein sollen.

2015 (PDF-Datei) haben wir anhand der Volljährigkeit zwischen Betroffenen und Gefährdeten unterschieden, da danach die Familie (zumindest juristisch) nicht mehr über die Tochter bestimmen kann. Außerdem haben wir auch die Länder berücksichtigt, in denen weibliche Genitalvertümmelung nachgewiesen ist aber noch nicht von UNICEF erfasst. Und wir haben zwischen den Mächen und Frauen mit Migrationserfahrung und denen, die hier geboren wurden hinsichtlich ihres Risikos unterschieden, da wir davon ausgehen, dass schädliche Traditionen schwinden, je heimischer eine Familie im Residenzland wird.

2016 (PDF-Datei): Die Berechnung der Statistik von 2015 haben wir beibehalten, da diese Methode unterschiedliche Faktoren mit einbezieht und uns derzeit am treffendsten erscheint.

2017 (PDF-Datei): Diese Statistik haben wir ebenfalls mit den Methode von 2015 erstellt, da diese Methode unterschiedliche Faktoren mit einbezieht und uns derzeit am treffendsten erscheint.

2018 (PDF-Datei): Erstmals werden hier die Daten nach Bundesländern aufgeschlüsselt.

2019 (PDF-Datei)

2020 (PDF-Datei)

Da wir die Statistiken erneuern, bevor UNICEF und teils auch das Statistische Bundesamt neue Daten liefern können, steht die Jahreszahl ausschließlich für den Zeitpunkt der Veröffentlichung und nicht für den Zeitpunkt der Datenerhebung.

Bitte beachten Sie beim Zitieren oder anderweitigen Verwenden der Statistiken auch unsere Anmerkungen auf den nächsten Seiten der PDF-Dateien!

Statistik-Expertise auf EU-Niveau

Aufgrund unserer Statisik und dem spielerischen Umgang mit verschiedenen Berechnungsmethoden wurde TERRE DES FEMMES von dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) eingeladen, in einer ExpertInnenrunde über mögliche und sinnvolle Berechnungsmethoden zu diskutieren. Das Institut wird im Jahr 2015 einen Bericht vorlegen, der den Regierungen empfiehlt, eine einheitliche Berechnungsmethode anzuwenden, damit die Betroffenen- und Gefährdungszahlen Europaweit vergleichbar werden. Wir sind gespannt, wie viel von unseren Vorschlägen und Überlegungen die EU aufgreifen wird!

Netzwerke und Verbände

Um gegen weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland und weltweit vorzugehen, bündeln Vereine und Organisationen ihre Kräfte und stärken sich gegenseitig: Selbsthilfegruppen schützen AktivistInnen vor Pauschalisierung, AktivistInnen informieren die Öffentlichkeit über aktuelle Lobbyziele und werben um Unterstützung, politisch arbeitende Verbände setzen sich für bessere Forschung und die Schließung von Versorgungslücken ein und WissenschaftlerInnen evaluieren die Situation der Betroffenen und Gefährdeten sowie nötige Maßnahmen zum Schutz. Regelmäßige Treffen und fortwährende Diskussionen stellen sicher, dass Synergieeffekte genutzt und gemeinsame Standards eingehalten werden.

Hier möchten wir kurz die wichtigsten Netzwerke und Verbände für die Arbeit von TERRE DES FEMMES zu weiblicher Genitalverstümmelung vorstellen:

Netzwerk INTEGRA

Im deutschlandweiten Netzwerk Integra finden die ExpertInnen aus fast 30 Organisationen, die effektiv, nachhaltig und konstruktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgehen, zusammen. In drei Treffen pro Jahr werden gemeinsame Stellungnahmen verabschiedet, politische Ziele festgelegt, Arbeitsgruppen gebildet und Praxiserfahrung ausgetauscht.

Bei größeren Projekten werden üblicherweise Kooperationen angeboten, so dass alle Organisationen von den Vorbereitungen und Planungen profitieren können.

Die Einführung des Gesetztes gegen weibliche Genitalverstümmelung (§226a StGB), die Aufnahme der vier Formen von FGM in den Diagnose- und Krankenkassenabrechnungscode (ICD 10 DE) und die Gründung der Bund-Länder-NRO-Gruppe sind Beispiele für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit von INTEGRA.

Bund-Länder-NRO-Gruppe

Die Bund-Länder-NRO-Arbeitsgruppe bringt VertreterInnen relevanter Ministerien, Landtage und Regierungsorgane mit den ExpertInnen aus dem nichtstaatlichen Sektor an einen Tisch um gemeinsam Lösungen zum Thema „weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland“ zu finden. Der Schutz gefährdeter Mädchen und die Unterstützung betroffener Frauen sind gleichermaßen Ziel der Gruppe. Um eine schnelle und konzentrierte Kommunikation zu sichern, hat das Netzwerk INTEGRA entschieden, eine Delegation zu schicken statt mit über 20 Personen an der Gruppe teilzunehmen. Zu dieser Delegation gehört seit ihrer Gründung im Juni 2014 auch TERRE DES FEMMES. Die Aufgabe der Delegation ist es, die Anliegen der anderen Organisationen entsprechend der EU-Vorgaben zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung zusammenzufassen und die StaatsvertreterInnen von ihren Forderungen zu überzeugen.

Die Bund-Länder-NRO-Arbeitsgruppe hat bereits entschieden, durch eine bundesweite Studie Versorgungslücken und Präventionsdefizite zu evaluieren und diese im Anschluss zu schließen.

EIGE

Das Europäische Institut für Geschlechtergerechtigkeit ist eine Institution der EU mit Sitz in Vilnius. Das Institut erforscht unter anderem die Verbreitung weiblicher Genitalverstümmelung in den europäischen Mitgliedsstaaten und spricht konkrete Handlungsempfehlungen an Regierungen und EU-ParlamentarierInnen aus. TERRE DES FEMMES wurde um Unterstützung zur Einschätzung der Situation in Deutschland und Bereitstellung relevanter Daten für den ersten europäischen Report zum Thema gebeten. Weiterhin wurde TERRE DES FEMMES aufgrund der seit 1998 jährlich berechneten Dunkelziffer der Gefährdeten und Betroffenen ersucht, den vorläufigen Vorschlag zur einheitlichen europäischen Dunkelzifferberechnung zu kommentieren und auf Machbarkeit zu prüfen.

Sowohl durch EIGE als auch durch andere europäische Netzwerke und das EU-geförderte internationale Projekt CHANGE, sind wir mit vielen einflussreichen Organisationen, die politisch und wissenschaftlich zu FGM in den EU-Mitgliedsstaaten arbeiten gut vernetzt.

Stop FGM Middle East and Asia

Das Netzwerk Stop SGM Middle East and Asia gründete sich auf der gleichnamigen Konferenz von „Stop FGM Middle East“ zu der TERRE DES FEMMES aufgrund der Aktivitäten zu weiblicher Genitalverstümmelung in Indonesien eingeladen war. Das Netzwerk besteht aus fast 20 Organisationen und ExpertInnen aus den FGM-Verbreitungsländern des Mittleren Ostens und Südostasiens, die für eine Anerkennung der weiblichen Genitalverstümmelung in ihrer Heimat und die Aufmerksamkeit der weltweiten Öffentlichkeit kämpfen. Durch Studien, Aktionen, Kampagnen und Lobbyarbeit werden die Landesregierungen, Frauenverbände, die Weltgesundheitsorganisation und die Vereinten Nationen auf die Anliegen der Netzwerkmitglieder aufmerksam gemacht und dieser Effekt durch internationale Zusammenarbeit verstärkt. TERRE DES FEMMES hat z.B. gemeinsam mit Kalyanamitra aus Jakarta eingesetzliches Verbot weiblicher Genitalverstümmelung in Indonesien gefordert und deutsche PolitikerInnen sensibilisert und aktiviert.

Das CHANGE-Projekt – Mädchen in Europa vor Genitalverstümmelung schützen!

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) wird international als Menschenrechtsverletzung und Kindesmisshandlung bewertet. Das EU-Parlament schätzt, dass bis zu 180.000 Mädchen und junge Frauen jedes Jahr dem Risiko ausgesetzt sind, in einem Land der EU oder im Urlaub im Herkunftsland ihrer Eltern Genitalverstümmelung zu erleiden. TERRE DES FEMMES und internationale Partnerorganisationen haben im EU-geförderten Projekt CHANGE von 2013-2015 gezeigt, wie die Mädchen durch Communitybasierte Arbeit geschützt werden können.

Wissen ist der Schlüssel zur Verhaltensänderung

Der Schlüssel zur Überwindung dieser Gewalt an Mädchen und Frauen ist Wissen: Aufklärung, das Verstehen und Erkennen von aufgezwungenen, falschen Ritualen. Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass ihre gesundheitlichen Probleme im späteren Leben auf FGM zurückzuführen sind. Komplikationen können sein: Tetanus, Urinstau, Geschwüre im Genitalbereich und Verletzung am angrenzenden Gewebe. Außerdem kann der Blutverlust zum Tode führen. Langfristig haben viele Frauen Probleme bei der Menstruation, berichten von schmerzhaftem Sex, haben ernsthafte Komplikationen bei der Geburt. Psychologische Traumata und Unfruchtbarkeit, sowie HIV/Aids können weitere Folgen sein.

Die Partnerorganisationen bestimmten zunächst die relevanten Diskussionsfelder, um dann die MultiplikatorInnen zu schulen und in ihrem Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung zu stärken. Foto © TERRE DES FEMMESDie Partnerorganisationen bestimmten zunächst die relevanten Diskussionsfelder, um dann die MultiplikatorInnen zu schulen und in ihrem Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung zu stärken.
Foto © TERRE DES FEMMES

Neben den medizinischen Faktoren wurde auch Aufklärung über FGM im religiösen Kontext, über Mädchenrechte, Sexualität, Gesetze, soziale Faktoren und viele weitere Gesichtspunkte geleistet. In Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden haben die Partnerorganisationen einflussreiche Frauen und Männer afrikanischer Communities zu MultiplikatorInnen, sogenannte CHANGE-Agents ausgebildet. Insgesamt sind es 50 Personen die im zweiten Halbjahr 2014 ca. 150 Aktivitäten gegen weibliche Genitalverstümmelung konzipiert und durchgeführt haben. Sie haben in ihren Communities mit Aktionen informiert, so dass der Dialog angeregt und die Praktik aufgegeben wird. Nach den zwei Jahren Training und Öffentlichkeitsarbeit gelten viele Change Agents selbst als ExpertInnen in ihren Communities und werden z.B. angerufen um Meinungsverschiedenheiten zu FGM zu klären, Eltern davon zu überzeugen, ihre Töchter unversehrt zu lassen oder auch um relevante Berufsgruppen wir ÄrztInnen und Hebammen auf die weibliche Genitalverstummelung und Präventionsmöglichkeiten aufmerksam machen.

Gemeinsam gegen FGM

Die CHANGE-Agents sind Frauen und Männer zwischen 19 and 76 Jahren, die in den vier Partnerländern leben. Sie stammen ursprünglich aus ost- und westafrikanischen Ländern, wo FGM besonders stark verbreitet ist. Die Vielfalt der Agents ermöglicht es, ein breites gesellschaftliches Spektrum innerhalb ihrer Communities zu erreichen: Von Krankenschwestern bis JuristInnen sind unterschiedlichste Berufsgruppen vertreten. Einige sind selbst Betroffene von FGM. Weil ein Dialog zwischen den Geschlechtern eine wichtige Voraussetzung für Wandel ist, werden sowohl Männer als auch Frauen ausgebildet.

Gemeinsam ist den CHANGE-Agents bei aller Vielfalt der Wunsch nach Aufgabe der vorherrschenden Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung in ihrer Gemeinde und ihrem Herkunftsland.

Seit vielen Jahren arbeiten die ProjektpartnerInnen aus Holland, England, Schweden und Deutschland schon gegen weibliche Genitalverstümmelung. Im Change Projekt wurden Erfahrungswerte gebündelt und erfolgreiche Strategien ausgetauscht. Foto: © TERRE DESFEMMESSeit vielen Jahren arbeiten die ProjektpartnerInnen aus Holland, England, Schweden und Deutschland schon gegen weibliche Genitalverstümmelung. Im Change Projekt wurden Erfahrungswerte gebündelt und erfolgreiche Strategien ausgetauscht.
Foto: © TERRE DES FEMMES


„Ich möchte dazu beitragen, dass es aufhört“

Einer der CHANGE-Agents aus Hamburg ist Omar Ouédraogo. Er wurde 1994 in Burkina Faso geboren, lebt seit 2010 in Deutschland und ist ehrenamtlicher Gesundheitsbotschafter der AIDS-Hilfe in Hamburg sowie Mitglied bei der Kinderhilfsorganisation ABED. Schon in Burkina Faso war Omar Quédraogo in dem Projekt Komki Ipala gegen weibliche Genitalverstümmelung aktiv. „Es wird Zeit nicht mehr alles hinzunehmen und mit aller Kraft schlechte Praktiken zu bekämpfen. Diese Macht, was zu verändern, können wir nur mit dem Wissen ausüben, welches uns das Change-Projekt vermittelt. Die Überzeugung, dass ich mehr erreichen kann, da ich auch aus Afrika komme und dagegen bin, motiviert mich. Alle Menschen müssen verstehen, dass weibliche Genitalverstümmelung sehr schlimm ist. Ich möchte dazu beitragen, dass es aufhört.“, sagt Omar.

 

Weitere Informationen zum Projekt:

 

Learn more on our official project website: www.change-agent.eu (english)

Videoclip "Alle 11 Sekunden"

Seit 2003 ist der 6. Februar der internationale Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung!" Noch werden alle 11 Sekunden gewaltsam einem Mädchen auf dieser Welt die Klitoris und Teile der Schamlippen abgeschnitten.

Auch vor Deutschland macht diese schwere Menschenrechtsverletzung nicht Halt: hierzulande leben über 20.000 bereits betroffene Frauen. Über 6.000 Mädchen sind dem Risiko ausgesetzt, illegal in Deutschland oder in den Ferien im Herkunftsland der Eltern an ihren Genitalien verstümmelt zu werden.

Wir wollen erreichen, dass betroffene Frauen geeignete Unterstützung bekommen und bedrohte Mädchen wirksam geschützt werden.

Mit Unterstützung der Heymann Brandt de Gelmini Werbeagentur AG macht TERRE DES FEMMES mit einem Clip auf diese schwere Menschenrechtsverletzung aufmerksam.

Wenn Sie den Clip sehen möchten, klicken Sie auf das Bild.  Verlinken Sie von Ihrer Homepage auf den Clip und schaffen Sie  Bewusstsein für diese in ihren Ausmaßen und Folgen unterschätzte Form  der Gewalt an Millionen Mädchen und Frauen.
Wenn Sie den Clip sehen möchten, klicken Sie auf das Bild. Verlinken Sie von Ihrer Homepage auf den Clip und schaffen Sie Bewusstsein für diese in ihren Ausmaßen und Folgen unterschätzte Form der Gewalt an Millionen Mädchen und Frauen.