Indien/Pakistan: Dawoodi Bohra

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Vorkommen

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) wird in Indien und Pakistan vor allem innerhalb der Dawoodi Bohra Sekte praktiziert. Sie bezeichnen diese als khatna oder khafd. Die Dawoodi’s leben vor allem in den indischen Provinzen Rajasthan, Gujarat sowie Maharashtra. Die Dawoodi Bohra sind eine schiitisch-muslimische Sekte, die ursprünglich aus dem Jemen stammt. Sie gelten als konservativ und gebildet und pflegen wenig Kontakt zu Nicht-Mitgliedern. Sie folgen den Fatwas ihres religiösen Führers Syedna Mohammed Burhanuddin. Nach Aussagen der indischen Anti-FGM-Organisation Sahiyo gibt es Berichte, dass weibliche Genitalverstümmelung auch in anderen Communitys außerhalb der Dawoodis praktiziert wird: dazu gehören die Suleimani Bohras, Alvi Bohras und einige sunnitisch-muslimische Gruppierungen im Bundesstaat Kerala.

Zudem gibt es laut einem Bericht der UN im Jahr 2011 Belege dafür, dass die Praktik auch in der sog. Siddi Community vorkommt. Bei den Siddis handelt es sich um eine afrikanische Minderheit in Indien und Pakistan, die ihre Ursprünge vermutlich im Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts hat. Sie leben vorwiegend im pakistanischen Bundesstaat Sindh und im indischen Bundesstaat Gujarat und haben ihre Wurzeln vor allem in Eritrea, Somalia und Äthiopien. Obwohl die Bevölkerungszahl der Siddis auf 20.000 bis 30.000 geschätzt wird, gibt es bisher nur wenige Daten zur FGM-Prävalenz in dieser Gruppe.

Die Mädchen werden meist im Alter von 7 Jahren genitalverstümmelt. Die Praktik wird von älteren, in der Gemeinschaft respektierten Frauen oder Hebammen durchgeführt. In größeren Städten wie Mumbai kommt die Beschneiderin gegen einen kleinen Aufschlag auch zu den Mädchen nach Hause. Einige Familien lassen ihre Töchter in einem Krankenhaus beschneiden.

Formen

Die Dawoodis praktizieren gemäß WHO-Klassifikation Typ I (Klitoriedektomie) der weiblichen Genitalverstümmelung. Das heißt, dass die Klitorisvorhaut und/oder Teile bzw. die gesamte Klitoris entfernt werden.

Begründungsmuster

Die Dawoodi Bohras sehen weibliche Genitalverstümmelung als religiöse Pflicht. Die Praktik wird von dem religiösen Führer der Sekte, dem Syedna, befürwortet. Angaben von Angehörigen der Sekte zu Folge, wird FGM auch aus Gründen der Reinlichkeit und Einschränkung der sexuellen Lust der Frau praktiziert.

Gesetzliche Lage

Es gibt kein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Haltung und Tendenzen

Seit einigen Jahren gibt es vermehrt Anstrengungen auf Graswurzelebene, die Praktik in Indien zu überwinden. 2011 initiierte ein Anti-FGM-Aktivist aus der Dawoodi Community eine Petition, die das Tabu um weiblcihe Genitalverstümmelung im Land brechen sollte und den höchsten religiösen Führer der Bohras, Dr. Syedna Mohammad Burhanuddin, aufforderte, FGM zu verbieten. 2016 haben erstmals 17 Dawoodi Bohra-Frauen eine öffentliche Petition ins Leben gerufen, in der sie ein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung in Indien fordern. Bis Ende 2018 unterzeichneten fast 200.000 Menschen diese Petition.

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Stand: 12/2019

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