Wichtiger Meilenstein gegen weibliche Genitalverstümmelung in Sierra Leone: Minister spricht sich für Verbot aus

In Sierra Leone ist ein Durchbruch im Kampf gegen die weit verbreitete weibliche Genitalverstümmelung (engl.: Female Genital Mutilation) gelungen. Unsere Partnerorganisation Amazonien Initiative Movement (AIM) ist maßgeblich am Zustandekommen dieses Erfolgs beteiligt. Erstmalig verurteilte ein offizieller Vertreter der Politik, Alhjai Ibrahim Kemoh Sesayder, Minister of Political and Public Affairs (Minister für Politische und Öffentliche Angelegenheiten), diese traditionelle Praktik und sprach sich für ein komplettes Verbot von FGM aus. Wir freuen uns sehr über die deutlichen Worte des Ministers und diesen großen Erfolg im Kampf gegen FGM in Sierra Leone! 

FGM gehört in Sierra Leone zum Alltag und wird von vielen Teilen der Gesellschaft akzeptiert. Nach den Ergebnissen von UNICEF im Jahre 2013 (PDF-Datei) sprechen sich nahezu 50% der Bevölkerung für eine Beibehaltung aus. Ursächlich dafür ist die tiefe Verankerung von FGM in der Kultur und Tradition der Bevölkerung. Im gleichen Jahr waren etwa 88% der Mädchen und Frauen von der Weiblichen Genitalverstümmelung betroffen.

Problematisch ist vor allem die Vielzahl der Beschneiderinnen, die auf etwa 50.000 geschätzt werden. Die so genannten ‚soweis’ sind in geheimen Frauenbünden, der Bondo Society, gut aufgestellt. Durch FGM als Aufnahmeritual steigt das Ansehen der Mädchen und Frauen und ist unerlässlich, um als Frau respektiert zu werden. Die Bondo Society übt einen erheblichen Einfluss auf die Politik, Regierung und AmtsinhaberInnen aus, wodurch das Problem in der Öffentlichkeit tabuisiert und teilweise FGM sogar befürwortet wird.

Ein ganz anderes Licht ist auf die Problemlage FGM nun geworfen worden, seit im Juli/August 2014 die Ebola-Epidemie ausgebrochen ist. Sierra Leone leidet unter den schnell steigenden Infektionszahlen und Todesfällen. Durch die traditionellen Beschneidungszeremonien, die meistens in unhygienischen Zuständen durchgeführt werden, ist das Ansteckungsrisiko signifikant hoch. Deshalb wurden Verordnungen erlassen, die eine kurzzeitige Aussetzung von FGM bestimmen.

Zahlreiche einflussreiche Personen nahmen an dem Dialogforum teil. Foto: © Rugiatu Turay, AIMZahlreiche einflussreiche Personen nahmen an dem Dialogforum teil.
Foto: © Rugiatu Turay, AIM
Am 16. April 2015 fand das von AIM und Forum Against Harmful Practices (FAHP) organisierte Dialogforum ‚Ebola Health Emergency – An Opportunity To Rethink FGM’ statt: Rund 200 einflussreiche Personen wie PolitikerInnen, StammesführerInnen und Beschneiderinnen kamen an diesem Tag das erste Mal in Sierra Leone zusammen, um über das Thema Ebola und FGM zu diskutieren und Handlungsempfehlungen zu formulieren.

AIM, die wir seit 2009 unterstützen, setzt sich für den Kampf gegen die Weibliche Genitalverstümmelung in Sierra Leone ein. Durch sie rückte das konfliktreiche Thema entgegen der üblichen Tabuisierung zunehmend in die Öffentlichkeit.

Dank der guten Aufklärungsarbeit von AIM hat die Konferenz nun den letzten Anstoß dazu gegeben, dass sich endlich ein Politiker für ein Verbot von FGM ausgesprochen hat. Das ist ein wichtiger Meilenstein, um auch nach der Ebola-Krise ein allumfassendes Verbot von FGM erreichen zu können.

Wir freuen uns gemeinsam mit unserer Partnerorganisation AIM, dass wir durch die Unterstützung von AIM zur Verwirklichung des nationalen Dialogforums einen Beitrag dazu geben konnten, um in Sierra Leone im Kampf gegen FGM weiter voranzukommen.

 

Stand: 05/2015

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