Petition „Frühehen stoppen - Bildung statt Heirat!“ - TERRE DES FEMMES übergibt heute mehr als 108.000 Unterschriften an das Bundesjustizministerium

Berlin. TERRE DES FEMMES hat zum Internationalen Mädchentag am 11.10.15 eine Unterschriftenaktion gestartet, mit der sie die Bundesregierung auffordert, sich für ein Ende von Frühehen einzusetzen. Konkret fordert die Menschenrechtsorganisation, das Mindestheiratsalters auf 18 Jahre ohne Ausnahme festzulegen. Bis zum 02.05.16 haben 108.811 Menschen diese Petition unterschrieben. Zu den ErstunterzeichnerInnen gehören die Schauspielerin Sibel Kekilli, die Moderatorin Nazan Eckes, die Berliner Senatorin Dilek Kolat, der Deutsche Juristinnenbund und Amnesty International. Im Rahmen eines Fachgespräches übergibt TERRE DES FEMMES heute dem Bundesjustizministerium die gesammelten Unterschriften.

Jeden Tag werden weltweit 41.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention als gesetzliches Mindestheiratsalter 18 Jahre empfiehlt. Auch in Deutschland ist es nach derzeitiger Gesetzeslage mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, vor dem 18. Lebensjahr zu heiraten. „Zwangsverheiratung ist eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung. Insbesondere Minderjährige können sich selbst nur schwer davor schützen. Deshalb ist es notwendig, dass sich die Gesetze ändern und eine Heirat unter 18 Jahren nicht mehr möglich ist“, erklärt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. Gleichzeitig fordert sie die Durchführung von begleitenden Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen wie Workshops oder Theateraufführungen an Schulen.

Das Bundesfamilienministerium hat 2011 die Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“ herausgegeben, nach der allein im Jahr 2008 3.443 von Zwangsverheiratung bedrohte oder betroffene Personen in Beratungseinrichtungen Unterstützung gesucht haben. Knapp ein Drittel der Betroffenen war unter 18 Jahre alt. Obwohl die Mehrheit der minderjährigen Betroffenen religiös zwangsverheiratet wurde bzw. werden sollte, gaben insgesamt knapp 47% an, dass auch eine standesamtliche Eheschließung stattgefunden hat bzw. geplant war.

Mädchen erleben nach einer frühen Heirat oftmals häusliche und/oder sexualisierte Gewalt und müssen entweder die Schule oder die Ausbildung abbrechen. Sie werden damit um die Möglichkeit gebracht, selbstbestimmt zu leben sowie einen Beruf auszuüben, der sie (finanziell) unabhängig macht.

TERRE DES FEMMES kämpft seit 35 Jahren für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben für Mädchen und Frauen. „Dass sich an unserer Aktion gegen Frühehen so unglaublich viele Menschen beteiligt haben, bestärkt und motiviert uns darin, diesen Kampf unvermindert weiterzuführen“, freut sich Christa Stolle über die überwältigende Resonanz auf die Petition „Frühehen stoppen – Bildung statt Heirat!“

v.l.n.r.: Myria Böhmecke, Monika Michell (Referentinnen zu Gewalt im Namen der Ehre bei TERRE DES FEMMES), Marina Walz-Hildenbrand (Rechtsanwältin), MDn Kienemund (Abteilungsleiterin "Bürgerliches Recht"), Maja Wegener (Fachbereichsleiterin TERRE DES FEMMES), Dr. Wichard (Unterabteilungsleiter "Familienrecht"), Dr. Meyer (Referatsleiter "Familienrecht, Erbrecht"), Dr. Vollmer (Referentin von Dr. Meyer). Foto: © TERRE DES FEMMESv.l.n.r.: Myria Böhmecke, Monika Michell (Referentinnen zu Gewalt im Namen der Ehre bei TERRE DES FEMMES), Marina Walz-Hildenbrand (Rechtsanwältin), MDn Kienemund (Abteilungsleiterin "Bürgerliches Recht"), Maja Wegener (Fachbereichsleiterin TERRE DES FEMMES), Dr. Wichard (Unterabteilungsleiter "Familienrecht"), Dr. Meyer (Referatsleiter "Familienrecht, Erbrecht"), Dr. Vollmer (Referentin von Dr. Meyer). Foto: © TERRE DES FEMMES

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Für Nachfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Pressereferentin Marion Brucker, Tel. 030/40504699-25 oder per E-Mail an: presse@frauenrechte.de.

Pressefotos stehen am 9. Mai nach der Unterschriftenübergabe ab 13.00 Uhr auf unserer Homepage im Pressebereich zur Verfügung.

 

Hintergrundinformationen bundesweite Studie zum Thema Zwangsverheiratung in Deutschland

Die erste bundesweite Studie zum Thema Zwangsverheiratung wurde Anfang November 2011 veröffentlicht: Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde eine wissenschaftliche Untersuchung von der Lawaetz-Stiftung in Zusammenarbeit mit TERRE DES FEMMES und Torsten Schaak - Büro für Sozialpolitische Beratung durchgeführt und von einem Beirat begleitet. Bundesweit wurden 1.445 Beratungseinrichtungen zu ihren Erfahrungen mit Zwangsverheiratungsfällen befragt. 830 dieser Einrichtungen hatten geantwortet und insgesamt 3.443 Zwangsverheiratungsfälle allein im Jahr 2008 genannt – 93% von ihnen Mädchen und Frauen. Ein knappes Drittel der Betroffenen waren minderjährig, 40% 18-21 Jahre alt. Weitere Ergebnisse können Sie in der Kurzversion der Studie auf der Homepage von TERRE DES FEMMES nachlesen.

 

Stand: 09.05.2016

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