Pressearchiv 2018

TERRE DES FEMMES kritisiert den Kompromissvorschlag der Bundesregierung zum Paragraphen 219a scharf und fordert seine bedingungslose Abschaffung

Berlin, 13.12.2018. TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V. kritisiert und verurteilt den Kompromissvorschlag der Bundesregierung zur Reform des Paragraphen 219a. Der Vorschlag sieht unter anderem vor, dass das Verbot der Werbung für den Schwangerschaftsabbruch (Paragraph 219a des Strafgesetzbuches) beibehalten wird.

"Wir fordern die Streichung des Paragraphen 219a, ohne faule Kompromisse", sagt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. "Das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung muss gewahrt werden. Im 21. Jahrhundert sollte es doch in Deutschland  uneingeschränkt möglich sein, sich als Frau über die Bedingungen eines Schwangerschaftsabbruches zu informieren. Die Informationen über medizinische Rahmenbedingungen dürfen nicht als Werbung verunglimpft werden.", so Christa Stolle weiter.

TERRE DES FEMMES fordert einen uneingeschränkten Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch, nach freier Entscheidung der Frau.

Das gesamte Positionspapier von TERRE DES FEMMES zum Schwangerschaftsabbruch finden Sie hier.

Für Anfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Nastassja Wachsmuth, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.

TERRE DES FEMMES startet Webseite stopchildmarriage.de zur Prävention von Frühehen in Deutschland

Berlin, 13.12.2018. Heute geht die Webseite stopchildmarriage.de online – ein Präventions- und Unterstützungsangebot von TERRE DES FEMMES für Mädchen und junge Frauen, die von einer Frühverheiratung bedroht oder betroffen sind. Die Erstellung erfolgte im Rahmen eines Projektes zum Empowerment von Mädchen, das von der Werner-Coenen-Stiftung und der Stiftung Bündnis für Kinder gefördert wird.

Auf der Webseite stopchildmarriage.de informiert die Frauenrechtsorganisation niederschwellig über das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen, das im Juli 2017 in Deutschland in Kraft trat und jede Eheschließung unter 18 Jahren verbietet. Dazu ist der Text in leichter Sprache geschrieben und wird fortlaufend in weitere Sprachen übersetzt. Neben Deutsch werden in Kürze auch Englisch, Arabisch, Tigrinya, Polnisch und Rumänisch bereitgestellt.

Dadurch, dass sich die Betroffenen nun selbst informieren und aktiv werden können, sind sie nicht mehr auf das Wissen anderer Personen wie Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe angewiesen. Das ist auch dringend nötig, denn noch immer ist die Umsetzung des Gesetzes sehr unbefriedigend. „Mit Bestürzung haben wir festgestellt, dass sowohl wichtige MultiplikatorInnen als auch Fachkräfte unzureichend informiert und zum Teil schlichtweg überfordert sind bei Fällen von Früh- und Zwangsverheiratung“, so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Wir schließen mit diesem Angebot eine große Lücke und hoffen, dass nun auch andere Maßnahmen wie Schulungen und die Erstellung einheitlicher Handlungsleitfäden für BehördenmitarbeiterInnen ergriffen werden“, so Stolle weiter.

Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen verdeutlichen die erst im November vom Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage zum Ausmaß von Zwangsverheiratung in Berlin 2017. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 570 Fälle von (versuchter oder erfolgter) Zwangsverheiratung bekannt. Das sind 19% mehr als bei der letzten Befragung 2013 (460 Fälle). Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen ist weiblich (93%), wovon wiederum 37% minderjährig sind. Die Dunkelziffer dürfte allerdings erheblich höher liegen.

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Die Werner-Coenen-Stiftung

Die Werner-Coenen-Stiftung ist eine unselbständige (treuhänderische) Stiftung unter dem Dach der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (jfsb), die als sachkundige und erfahrene Treuhänderin die rechtliche Vertretung nach außen und die Geschäftsführung übernimmt. Anliegen der Stiftung ist die Qualifizierung und Weiterentwicklung von Angeboten der Jugendhilfe für Kinder und Jugendliche in Berlin.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Bündnis für Kinder

Die Stiftung Bündnis für Kinder setzt klare Zeichen gegen Gewalt. Sie unterstützen und fördern ausgesuchte Projekte zu Gewaltprävention und Kinderschutz.Das Ziel: Kinder und Jugendliche sollen in einer kinderfreundlichen Gesellschaft gewaltfrei aufwachsen können.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

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TERRE DES FEMMES begrüßt die Teilnahme liberaler MuslimInnen an der vierten Deutschen Islam Konferenz

Berlin, 29.11.2018. TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. begrüßt die Teilnahme liberaler MuslimInnen an der diesjährigen Deutschen Islam Konferenz (DIK). Unter dem Motto „Muslime in Deutschland – deutsche Muslime“ kommen in diesem Jahr erstmals auch progressive MuslimInnen, die zuvor ausgeschlossen waren, zur DIK in Berlin. „Der Dialog zwischen den in Deutschland lebenden MuslimInnen und dem Staat wird dadurch vielfältiger, zeitgemäßer und gerechter, da nun nicht nur konservative VertreterInnen des patriarchalen Islam zu Wort kommen können“, sagt TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle.

Unter den neuen TeilnehmerInnen befindet sich auch TERRE DES FEMMES-Vorstandsfrau und Sozialwissenschaftlerin Dr. Necla Kelek, die sich seit Jahren für einen freien und demokratiefreundlichen Islam einsetzt. Sie gehört außerdem zu den ErstunterzeichnerInnen der „Initiative säkularer Islam“, die von prominenten Politikern wie Cem Özdemir und renommierten IslamexpertInnen ins Leben gerufen wurde, um einen Gegenpol zum politischen Islam darzustellen. Weitere ErstunterzeichnerInnen dieser Initiative sind Seyran Ates sowie Ahmad Mansour, die auch die TERRE DES FEMMES-Petition „DEN KOPF FREI HABEN“ unterstützen. Im Rahmen der Mädchenschutz-Kampagne fordert TERRE DES FEMMES bei dieser Petition ein Kopftuchverbot für alle Mädchen bis zu 18 Jahren in Schulen und in Ausbildungsinstitutionen. Damit auch muslimische Mädchen gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei in Deutschland aufwachsen können.

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Pressestatement: Zur Verleihung des Friedensnobelpreis am 10. Dezember 2018 in Oslo

Berlin, 7.12.2018. Das Friedensnobelpreiskomitee lenkt 2018 die Aufmerksamkeit auf ein Thema, das in der Öffentlichkeit lange nicht berücksichtigt wurde: Das systematische Einsetzen von Vergewaltigung als Kriegswaffe. TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V. begrüßt die Entscheidung, den Friedensnobelpreis an Nadia Murad und Denis Mukwege zu verleihen, da zwei Menschen geehrt werden, die ihr Leben dem Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gewidmet haben. Es wird ein richtiges und wichtiges Zeichen gesetzt gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und die weltweite Aufmerksamkeit auf ein tabuisiertes Thema gelenkt. Der Arzt Denis Mukwege und die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad haben herausragendes geleistet im Kampf gegen Kriegsverbrechen an Frauen und Mädchen.

Tabuthema sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ist ein Tabuthema, das bislang in unserer Öffentlichkeit nicht angekommen ist. Allerhand Kriegswaffen werden geächtet, doch, dass sexualisierte Gewalt an Frauen als Kriegswaffe eingesetzt wird, wird noch nicht hart genug kritisiert und verurteilt. Zwar existiert seit 2008 eine entsprechende Resolution des UN-Sicherheitsrats, dass sexualisierte Gewalt ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, doch werden Vergewaltigungen nach wie vor kaum geahndet. Schwache und korrupte Justizsysteme, mangelnde Datenerhebungen und Sanktionsmechanismen sowie fehlender Zugang zur Justiz stehen einer wirkungsvollen Strafverfolgung im Weg.

Die ausführliche Analyse von TERRE DES FEMMES zu der Friedensnobelpreisverleihung in Oslo am 10.12.2018 finden Sie hier

Für Anfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Nastassja Wachsmuth (ehem. Lutz-Sorg), Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.

18. Filmfest FrauenWelten erfolgreich beendet

Tübingen, 28.11.2018. Mit einem vielfältigen Programm aus über 30 Spiel- und Dokumentarfilmen zog das Filmfest FrauenWelten in diesem Jahr knapp 4000 ZuschauerInnen in die Kinos in Tübingen, Rottenburg und Reutlingen. Intensive Publikumsgespräche mit zahlreichen internationalen Gästen, darunter AktivistInnen, RegisseurInnen und ExpertInnen, machten das Filmfest auch in diesem Jahr zu einem Ort des Austauschs über die Menschenrechtslage von Frauen und Mädchen weltweit.

Internationale Begegnungen und anregende Diskussionen

Regisseurin Roya Sadat und Drehbuchautor Aziz Dildar waren aus Afghanistan angereist, um ihren Spielfilm „A Letter to the President“ vorzustellen. Im Filmgespräch vermittelten sie ein anschauliches Bild der Situation in ihrem Land, wo Frauenrechte zwar auf dem Papier existieren, gegen die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft aber in den seltensten Fällen durchgesetzt werden können. Die afghanische Journalistin Shakila Ebrahimkhil, Protagonistin im Dokumentarfilm „Facing the Dragon“, beeindruckte das Publikum mit ihrer persönlichen Geschichte: Während der Taliban-Herrschaft durfte sie als Frau das Haus kaum verlassen, später setzte sie mit ihrer unerschrockenen Berichterstattung ein Zeichen dafür, sich im Kampf um Menschenrechte selbst von Todesdrohungen nicht einschüchtern zu lassen. Ihre mitgereiste Tochter stellte eindrücklich gegenüber, welche Rechte und Freiheiten sie als geflüchtetes Mädchen in Deutschland erleben darf, die ihr in Afghanistan verwehrt blieben. Im Anschluss an den Dokumentarfilm „Little Stones“ berichtete die senegalesische Rapperin und Aktivistin Fatou Diatta aka Sister Fa mit inspirierendem Enthusiasmus von ihrem Engagement im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung in Senegal.

Highlights im Rahmenprogramm

Gemeinsam mit TERRE DES FEMMES-Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle sprach Fatou Diatta auch zur Eröffnung der Foto-Ausstellung „Building Bridges to End FGM“ über Möglichkeiten, FGM weltweit ein Ende zu setzen. Während das jahrelange Engagement in Afrika derzeit vielversprechende Erfolge verzeichnet, ist die Situation in vielen asiatischen Ländern wie etwa Indonesien alarmierend. Insbesondere betonten sie auch die Dringlichkeit, der Situation in Deutschland mehr Aufmerksamkeit zu schenken: In Deutschland geborene Mädchen würden ins Ausland gebracht und dort illegal beschnitten.
Bei der Diskussionsrunde „Von §219a bis zu #AbortoLegalYa: Der Kampf um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen“ im Club Voltaire verglich Gynäkologin Gabriele Halder die aktuelle Situation in Deutschland in Bezug auf Abtreibungen mit der eines Entwicklungslandes. Hierfür seien auch erschreckende Mängel in der Ausbildung von GynäkologInnen verantwortlich. Stephanie Schlitt, unabhängige Beraterin der WHO Deutschland, schilderte, wie Frauen in Irland es erreicht haben, die in Deutschland vorherrschende Tabuisierung des Themas aufzubrechen.

Publikumslieblinge

Das Biopic „Unga Astrid“, das vom Kampf um Selbstbestimmung der jungen Astrid Lindgren erzählt, sorgte sowohl bei der Eröffnungsveranstaltung des Filmfests als auch bei der Wiederholung des Films im Kino Waldhorn in Rottenburg für ausverkaufte Kinosäle. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde auch die Vorführung des Dokumentarfilms „#Female Pleasure“ in den größten Saal des Kino Museum verlegt.

Schulvorstellungen

Über 200 SchülerInnen konnten während der Festivalwoche über das Medium Film mit Themen der politischen Bildung erreicht werden. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in Deutschland zeigte das Filmfest „Die Göttliche Ordnung“ im Kino Museum und besuchte außerdem drei Tübinger Schulen mit unterschiedlichen Filmen. An der Wilhelm-Schickard-Schule etwa erarbeiteten die SchülerInnen gemeinsam mit Regisseurin Dorothe Dörholt („Bloß keine Tochter!“) Ideen dazu, wie Entwicklungshilfe durch Investitionen in die Bildung von Frauen Armut entgegensteuern kann.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES-Filmfest, Kathrin Frenz/Pia-Lina Multhaup, Tel: 07071/9698807 oder per Mail an filmfest@frauenrechte.de.