Hintergrundinformationen zu den Kooperationsprojekten

Zweiter Preis bei den Fairtrade Awards 2018: Kaffee-Kooperative kämpft für mehr Fairness im Kaffeehandel und sichert mit dem ruandischen Kaffee Angelique´s Finest Frauen mehr Teilhabe und ihre Existenz

Angelique's Finest:  Angelique und EugineAm 21. März 2018 gewann das Berliner Social Business Start-up Kaffee-Kooperative.de in der Kategorie Handel den zweiten Platz bei der Verleihung der sechsten Fairtrade Awards in Berlin. Das Unternehmen folgt dem Fairchain-Handelsmodell: Anbau, Verarbeitung, Röstung und Verpackung findet im Ursprungsland statt, der Gewinn aus dem Verkauf geht zurück in die Kooperativen und garantiert so eine faire Wertschöpfungskette.

Um die Position und die Rechte von Frauen zu stärken, entstand die Idee einen Kaffee ganz aus Frauenhand einzuführen. Frauen haben traditionell weniger Mitbestimmungsrechte in der Kaffeeproduktion und können daher nur sehr begrenzt beeinflussen, wie die Erlöse aus dem Kaffeeverkauf verwendet werden. Angelique´s Finest ändert das. Der aromatische Spezialitätenkaffee aus den Vulkanbergen Ruandas wird in der Partnerkooperative Rambagira Kawa zu 100% von Frauen produziert. Organisiert ist die Kooperative in der International Women´s Coffee Alliance. Damit wird sichergestellt, dass sowohl die Leistung der ruandischen Kaffeebäuerinnen besser honoriert, als auch ihre Position in der Handelskette gestärkt werden. Mehr Teilhabe und finanzielle Unabhängigkeit für die Frauen ist das Ergebnis dieses Konzepts.

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Jetzt auch im Verleih:

 

Jetzt auch im Verleih:
TDF-Bilderausstellung „Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit“

Flyer Ausstellung Frühehen
Werbeflyer zur Bilderausstellung

Ab April 2018 kann die TDF-Bilderausstellung „Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit“ ausgeliehen werden! 21 Kunstwerke und 5 Informationstafeln widmen sich dem Thema Früh- und Zwangsverheiratung in der Türkei und Deutschland. Die Bilder sind im Rahmen von Malwettbewerben der TDF-Partnerorganisation YAKA-KOOP im südosttürkischen Van entstanden – einer Region, in der ca. 40% der Mädchen minderjährig verheiratet werden. Die KünstlerInnen im Alter zwischen 8 und 16 Jahren und ihre Eltern haben der öffentlichen Ausstellung der Bilder zugestimmt.

Gegen eine Verleihgebühr können Sie die Bilderausstellung bei uns bestellen und bis zu zwei Monaten öffentlich zeigen. Wir organisieren den Versand und legen Begleitmaterial zur entwicklungspolitischen Bildung bei, das Sie für die Vorbereitung einer Vernissage nutzen oder Ihren Gästen zur weiteren Lektüre mitgeben können.

Unterstützen auch Sie die wichtige Arbeit der TDF-Partnerorganisation YAKA-KOOP.
 

Machen Sie die Lebensrealität junger Frauen aus der Türkei sichtbar!
 

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:


 

Vorschau:

 

Hintergrund

Malwettbewerb und Kontext

Ein prämiertes Gewinnerbild plakatiert in Van. Foto: © YAKA-KOOPEin prämiertes Gewinnerbild plakatiert in Van. Foto: © YAKA-KOOPAuf dem Papier haben sich die Rechte von Mädchen und Frauen in der Türkei im letzten Jahrzehnt verbessert. Doch wie sieht die Realität aus? Immer wieder gilt das öffentliche Interesse der Früh- und Zwangsverheiratung junger Mädchen. Bloß ein Problem in der Türkei? Nein, denn minderjährige Mädchen werden auch nach Deutschland verheiratet. Andere bleiben nach einem vermeintlichen Sommerurlaub in der Türkei als Ehefrauen zurück. Was denken junge Frauen aus der Türkei selbst darüber? Die Bilderausstellung vermittelt bewegende Einblicke in ihre Lebenskontexte.

Unter dem Motto „Kinderbräute NEIN!“ veranstaltet YAKA-KOOP, Partnerorganisation von TERRE DES FEMMES, jedes Jahr einen Malwettbewerb an Schulen im südosttürkischen Van. Eine Jury wählt die Gewinnerbilder aus und plakatiert sie an belebten Plätzen und Straßenkreuzungen in Van.

So entwickelt die Bevölkerung ein Bewusstsein dafür, dass Früh- und Zwangsverheiratung eine Menschenrechtsverletzung ist.

 

Partnerorganisation

Das YAKA KOOP-Team 2018. Foto: © YAKA KOOPDas YAKA KOOP-Team 2018. Foto: © YAKA KOOPYAKA-KOOP, 2002 gegründet, war die erste Frauenorganisation in der Region Van im Südosten der Türkei. YAKA-KOOP unterstützt Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind und in wirtschaftlicher Abhängigkeit leben. Schwerpunkte der Arbeit sind die Prävention und Überwindung von Früh- und Zwangsverheiratung, häuslicher und sexualisierter Gewalt und Gewalt im Namen der Ehre. Neben Rechts- und psychosozialer Beratung für Gewaltbetroffene klärt YAKA-KOOP in Kampagnen und Seminaren über Frauenrechte auf. Auch stärkt die Organisation Frauen durch Alphabetisierungs- und Ausbildungskurse. Lernen Sie YAKA-KOOP in einem kurzen Film kennen.

 

Projektregion: Der Südosten der Türkei ist ein konservativ geprägter Teil des Landes, patriarchale Strukturen sind die Regel. Das Prinzip der Ehre spielt eine große Rolle. Die Ehre des Mannes hängt u.a. von seiner Fähigkeit ab, die sexuelle Integrität der Frauen seines Haushalts zu garantieren. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Ehre der Frau v.a. auf Regeln zum Schutz ihrer Keuschheit. Für ein unverheiratetes Mädchen bedeutet dies den Erhalt ihrer Jungfräulichkeit. Das Ehrprinzip setzt die männlichen Mitglieder eines Haushalts unter großen Druck, der sich oft in strikter Kontrolle der Bewegungsfreiheit und sozialen Kontakte des unverheirateten Mädchens äußert. Auch deshalb wird eine möglichst frühe Abgabe von Verantwortung an die Familie eines Ehemanns angestrebt.

 

A. besucht das FLORIKA-Projekt in Burgas

A. bei der Hausaufgabenbetreuung von FLORIKA. Foto: © FLORIKAA. bei der Hausaufgabenbetreuung von FLORIKA. (A. wollte auf dem Bild nicht erkannt werden.)
Foto: © FLORIKA
A. ist 1998 in Burgas, Bulgarien geboren. Ihre Eltern gehören der Roma Minderheit an und haben – wie es ihre Tradition vorschreibt – sehr jung geheiratet. Als A. geboren wurde, waren ihre Mutter 15 und ihr Vater 17 Jahre alt. Ohne Ausbildung und Beruf hatten ihre Eltern keine Chancen Arbeit zu finden. Der Vater wurde Zuhälter und auf diese Weise ernährte er seine Familie. Er nahm A. oft mit, wenn er das Geld der Frauen einsammelte, die bei ihm arbeiteten. Für A. ist der Beruf ihres Vaters immer ein normaler Beruf gewesen. Sie ist im Roma-Viertel aufgewachsen. Das Leben außerhalb des Viertels kannte sie nie.

2010 hat sich A. für die ersten Kursangebote der Organisation FLORIKA eingeschrieben. Die Frauen der Organisation hatten vorher Werbung für ihre Gruppen und Projekte im Roma-Viertel von Burgas geleistet und Mädchen und Eltern direkt eingeladen. A. ist intelligent und wissbegierig. Von ihrem Vater hat sie gelernt, sich herrisch, fordernd und aggressiv zu verhalten, um sich durchzusetzen. Mit ihrem Verhalten hat sie bei FLORIKA viele Konflikte provoziert. Am Anfang kam sie mit wenigen Mädchen klar. A. hat das Projekt drei Jahre lang besucht. Sie hat an allen Aktivitäten - Tanzen, Malen, Kochen, Nähen teilgenommen. Peu à peu hat sie sich verändert. Die Sozialpädagoginnen haben ihr Vertrauen gewonnen. Viele persönliche Gespräche, Zuwendung und Geduld von allen MitarbeiterInnen haben aus A. eine zentrale Bezugsperson der Gruppen gemacht. Sie hat eine wichtige Position eingenommen und gelernt auch fremde Meinungen zu akzeptieren ohne aggressiv zu werden. Mit mehreren Mädchen hat sie sich angefreundet. Die Sozialpädagoginnen sind zu ihren Vertrauten und Beraterinnen geworden. Kleine und große Probleme sowie wichtige Entscheidungen wurden mit den Betreuerinnen besprochen. A.s Kenntnisse in Bulgarisch werden immer besser, genauso wie ihre Leistungen in der Schule. Nach vielen Gesprächen haben die Sozialpädagoginnen die Mutter von A. überzeugt, dass ihre Tochter intelligent ist und dass sie weiter die Schule besuchen und einen Beruf erlernen sollte, um Chancen auf ein besseres Leben zu haben. Auf dieser Weise durfte A. weiter lernen, statt traditionell jung verheiratet zu werden. A. ist jetzt 16, sie ist in der neunten Klasse.

Mädchen im FLORIKA-Projekt vor der TDF-Fahne. Foto: © Juliane von KrauseMädchen im FLORIKA-Projekt vor der TDF-Fahne.
Foto: © Juliane von Krause
TERRE DES FEMMES unterstützt FLORIKA gemeinsam mit STOP dem Frauenhandel seit 2012. Die Erfahrungen aus der FLORIKA- Projektarbeit zeigen: wenn es gelingt, die Mädchen zum Schulbesuch und –abschluss zu motivieren, dann entgehen sie der Gefahr schon früh verheiratet und/oder zur Prostitution gezwungen zu werden.

Unterstützen Sie FLORIKA durch Ihre Spende!

 

 

Weitere Unterstützung für das Frauenschutzhaus in Mali

Das APDF-Gebäude, in dem sich auch das Frauenschutzzentrum befindet. Foto: © APDFDas APDF-Gebäude, in dem sich auch das Frauenschutzzentrum befindet. Foto: © APDFSeit 2009 ist TERRE DES FEMMES in Kontakt mit dem Frauenschutzhaus in Bamako/Mali. Gründung und Bau des Frauenhauses wurden durch die Finanzierung eines Kölner Unternehmers in den Jahren 2009/2010 ermöglicht. Dank seiner kontinuierlich fortgesetzten Förderung kann diese Kooperation fortbestehen. Ein großartiges Engagement von einem männlichen Unternehmer, der sich nachhaltig für Frauenrechte einsetzt!

Die Unterstützung kommt der Partnerorganisation „Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes“ - APDF zugute. Die Organisation zur Förderung und Verteidigung der Rechte der Frauen in Bamako betreibt das Frauenschutzzentrum in Bamako und bietet dort medizinische, rechtliche und psychologische Hilfen sowie Unterkunft für von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen an.

 

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K. lebt im Mädchenschutzhaus unserer Partnerorganisation AIM in Sierra Leone

Die ehrenamtliche Projektkoordinatorin von TDF Veronika Kirschner mit Mädchen im Schutzhaus. Foto: © Veronika KirschnerDie ehrenamtliche Projektkoordinatorin von TDF Veronika Kirschner mit Mädchen im Schutzhaus.
Foto: © Veronika Kirschner
Das nachfolgende Fallbeispiel zeigt deutlich, inwieweit weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM) und die frühe Zwangsverheiratung Minderjähriger zusammenhängen.

K. war 14 Jahre alt, lebte mit ihrer Familie im Port Loko District und besuchte die Sekundar-Schule, als ihr Stiefbruder sie mit einem Minenarbeiter (zwangs-)verheiraten wollte. Aber K. hat sich mutig geweigert: Ihr ist die Schule wichtiger und außerdem fand sie sich für eine Heirat noch viel zu jung!

Doch ihr Stiefbruder ließ nicht locker. Er übte Druck auf K.s Mutter aus und zog sogar einen älteren Dorf-Vertreter hinzu. Zuerst stellte sich die Mutter hinter ihre Tochter, aber als der Druck zunahm, ließ sie sich schließlich doch von der Idee überzeugen. Durch die Heirat mit einem Minenarbeiter wäre eine gute Versorgung der Familie sichergestellt und auch als verheiratete Hausfrau könnte ihre Tochter weiter in die Schule gehen – dachte sie.

K. sah sich gezwungen, sich gegen ihre eigene Familie zu stellen, um sich gegen die geplante (Zwangs-)Verheiratung zu wehren.

Dennoch setzten ihre Eltern die Vorbereitungen für die (Zwangs-)Verheiratung fort. Dazu gehört auch, dass der zukünftige Mann Geld und Reis an die Familie gibt. Damit wird das Initiationsritual im Bondo-Busch eingeleitet. K. wusste, dass sie dort an ihren Genitalien verstümmelt werden sollte. Genau an dem Tag, an dem sie in den Bondo-Busch gebracht werden sollte, ergriff K. die Flucht. Damit hat sie großen Mut bewiesen! Aber diese Flucht hatte auch weitreichende Konsequenzen: Auf dem Schulweg und an ihrer Schule wurde sie attackiert, denn sie hat Schande über den Mann und ihre Familie gebracht. Man schlug ihr vor, sich bei der Schulleitung und dem Schulrat zu den Vorfällen zu äußern. Glücklicherweise gibt es im Port Loko District bereits einige LehrerInnen, die von TERRE DES FEMMES’ Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) und ihrer Aufklärungsarbeit gegen FGM wissen. Man riet K., Zuflucht im Mädchen-Schutzhaus von AIM zu suchen. Das Schutzhaus bietet Mädchen, die vor FGM und anderen Formen der Gewalt geflohen sind, einen sicheren Wohnraum. Dort lebt sie nun seit Mitte Februar 2013.

Die Mitarbeiterinnen von AIM haben Briefe an alle Beteiligten geschrieben, unter anderem an die Eltern von K.. Sie wollen sie einladen und weiter mit ihnen im Gespräch bleiben, um auch sie davon zu überzeugen, dass man sich gegen die traditionelle Praktik von FGM stellen kann.

Erstmal ist K. in Sicherheit im Mädchen-Schutzhaus von AIM und kann mit der Unterstützung der Mitarbeiterinnen wieder Selbstvertrauen gewinnen.

TERRE DES FEMMES hat mit Spenden aus Deutschland den Bau des Mädchenschutzhauses in 2010/2011 umsetzen können. Seitdem unterstützen wir weiterhin die laufenden Unterhaltskosten für das Haus und die Mädchen. Unsere Arbeit kann nur langfristig gelingen.

Helfen auch Sie uns dabei durch ihre Spende.