Chronik

Ereignisse aus dem Jahr 2019

Besuchsreisen zu unseren Partnerorganisationen

Im Februar 2019 besuchte IZ-Referentin Birgitta Hahn das TERRE DES FEMMES (TDF)-Kooperationsprojekt Asociación Proyecto MIRIAM in Nicaragua. Das Projekt setzt sich für Gewaltprävention und Bildung von Mädchen und Frauen in den Regionen Managua, Estelí und Matagalpa ein. Gewaltbetroffene Frauen und Mädchen können rechtliche und psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen und eine zertifizierte Berufsausbildung in einem von vier Bereichen durchlaufen. Die Frauen werden auch bei Entwicklung eines Businessplans und dem Aufbau eines eigenen Unternehmens unterstützt. MIRIAM wird seit 2012 von TDF unterstützt.

Im Juni 2019 flog IZ-Referentin Renate Staudenmeyer nach Burgas in Bulgarien zum TDF-Partnerprojekt FLORIKA. TDF unterstützt die Organisation seit 2012. Im Fokus steht die Arbeit mit benachteiligten Mädchen aus einem Roma-Viertel der Stadt Burgas. Die Mädchen werden pädagogisch und durch bildungsorientierte Freizeitangebote gefördert, damit sie ihre Schule beenden und eine Ausbildung beginnen können. Ziel ist es, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären sowie Frauenhandel und Zwangsprostitution vorzubeugen.

Ende Oktober 2019 reiste die ehrenamtliche TDF-Projektkoordinatorin Ines Fischer in die Beduinensiedlung Lakia nach Israel/Palästina. Seit 2003 unterstützt TDF die Lakia Association for the Improvement of Women’s Status. Die Organisation fördert beduinische Frauen und Mädchen durch Bildungsarbeit. Sie betreibt eine mobile Bibliothek, unterstützt lokale Schulen und bietet Ferienkurse für Kinder an. In dem Projekt „Desert Embroidery“ lernen Frauen die Herstellung und Vermarktung klassischer beduinischer Wüstenstickereien. Ein eigenes Einkommen trägt zu einem stärker selbstbestimmten Leben bei.

Im November 2019 besuchte Birgitta Hahn das Mädchenschutzhaus und weitere Projektarbeit der TDF-Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) in Sierra Leone. Die Organisation ist im Distrikt Port Loko 80 km nordöstlich der Hauptstadt Free Town aktiv. Unterstützt werden Mädchen und junge Frauen, die von Genitalverstümmelung und anderer geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht sind. Sie können temporär in einem Schutzhaus unterkommen und dort unversehrt weiter aufwachsen. AIM leistet zudem breit angelegte Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Mitte November 2019 stattete die ehrenamtliche TDF-Projektkoordinatorin Patricia Maag dem BHUMIKA Women’s Collective in Hyderabad in Indien einen Besuch ab. Das Projekt berät Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind, rechtlich und psychologisch. In besonders akuten Fällen begleitet BHUMIKA die Frauen auch längerfristig, führt Mediationsgespräche mit der Familie oder bringt die Frauen in Schutzhäusern unter. Zudem schult BHUMIKA Polizei und Justiz im Umgang mit Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt und leistet Aufklärungsarbeit an Bildungseinrichtungen und in Dörfern.

Neues aus der Projektarbeit

Afrika

In Burkina Faso engagiert sich die TDF-Partnerorganisation Association Bangr Nooma (ABN) für den Schutz von Mädchen und Frauen vor weiblicher Genitalverstümmelung. Dabei wird Mädchen und Frauen, die von der schädlichen Praktik oder anderer Gewalt bedroht sind, die Möglichkeit gegeben in einem Gewaltschutzzentrum Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weiter forciert das Projekt den Einfluss auf burkinische Dorfgemeinschaften, betreibt Bildungsarbeit und fördert Beschneiderinnen, die sich beruflich umorientieren möchten.

Am 8. Januar 2019 wurde ABN im Namen des burkinischen Präsidenten der Verdienstorden für soziales Handeln im Bereich Frauenförderung verliehen. Die Auszeichnung wurde Rakieta Poyga, Gründerin und Leiterin der Organisation, durch die Ministerin für die Förderung von Frauen und Geschlechtergleichstellung feierlich überreicht. Wir gratulieren zu dem großen Erflog!

Im Kamerun verfolgte TDF auch 2019 gemeinsam mit der „Association d’Appui aux Filles de M’lay, Huva et Ldama“ (AAFMHL) das Ziel, Mädchen durch Bildung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Im März besuchte die neue kamerunische Projektassistentin Ndawidam erstmals die jungen Stipendiatinnen in ihren Dörfern. In einer Gesprächsrunde erzählten die Mädchen von ihren Plänen, nach dem Schulabschluss zu studieren oder eine Ausbildung zu beginnen. Im September 2019 veröffentlichte TDF kurze Briefe von den geförderten Mädchen.

Im Dezember 2019 begann zudem ein neues Projekt zur Modernisierung des Computerraums in der Berufsschule CETIC in der Stadt Maroua/Kamerun, die als eine der wenigen weiterführenden Schulen in der Region Extrême Nord von zahlreichen Mädchen besucht wird. Die meisten Schülerinnen lassen sich dort zu Bürofachfrauen ausbilden. Mit dem Projekt sollen 25 PC-Arbeitsplätze vollständig eingerichtet werden und so eine digitalisierte Berufsausbildung ermöglicht und der Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern verbessert werden.

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESIm Dezember 2018 wurde der Bau des neuen Frauenschutzhauses der TDF- Partnerorganisation „Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes“ (APDF) in der Krisenregion Gao in Mali fertiggestellt. Die seit 2009 von TDF unterstützte Organisation engagiert sich für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen. Nach Abschluss der Bauarbeiten, Wasseranschluss und Installation eines Solarpanels wurden im Januar 2019 die ersten Möbel für das neue Frauenschutzhaus angeschafft.

Eine offizielle Eröffnungszeremonie konnte aus Sicherheitsgründen leider noch nicht stattfinden, aber erste Frauen konnten bereits erfolgreich unterstützt werden. TDF freut sich über die vorläufige Inbetriebnahme und wünscht dem Schutzhaus auch in Zukunft viel Erfolg! Gleichzeitig wurden am bereits bestehenden Frauenschutzhaus in Bamako notwendige Reparaturarbeiten vorgenommen. Nun können rund 500 Frauen und Mädchen in den drei von der APDF betriebenen Frauenschutzhäusern in Bamako, Mopti und Gao direkte, wirksame Unterstützung bekommen.

Im Oktober 2019 startete TDF gemeinsam mit der NRO Häuser der Hoffnung und den zwei malischen Partnerorganisationen APDF und AMDD (Association Malienne pour le Développement Durable) das Projekt „deew ka hakè sabatili – Jeunesse en Santé - Expertenprogramm für gesundheitliche und menschenrechtliche Aufklärung an Schulen“. In dem Kooperationsprojekt sollen künftig DirektorInnen, Lehrkräfte und SchülerInnen in mehreren Bildungseinrichtungen zu Botschafterinnen für Menschenrechte und Gesundheitsvorsorge ausgebildet werden.

In Sierra Leone setzt sich die TDF-Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) gegen die schädliche Praktik und Verharmlosung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) ein. Im Mai 2019 brüskierte Sierra Leone’s First Lady Fatima Maada Bio mit einem Statement zu FGM: sie erklärte, dass sie als beschnittene Frau mit drei Kindern keinerlei Schaden durch die Praktik erfahren hätte. Die Regierung solle ihrer Meinung nach stärker gegen Vergewaltigungen vorgehen, nicht aber gegen FGM.

Sowohl AIM und TDF als auch andere nationale und internationale NRO kritisierten das Statement der First Lady vehement. Die Aussage Maada Bios löste große Enttäuschung aus, galt die First Lady doch eigentlich als Vorreiterin in Sachen Frauenrechte. Im Oktober 2019 ruderte Maada Bio schließlich zurück. Sie erkenne das körperliche und seelische Leid von betroffenen Frauen an und sei bereit sich für den Dialog zu öffnen. In Sierra Leone haben die Aussagen der First Lady immerhin eine öffentliche Debatte ausgelöst - bei einem nach wie vor tabuisierten Thema wie FGM eine grundlegende Voraussetzung für Veränderung.

Im Juli 2019 endete das von der Sternstunden – Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks und TDF finanziell unterstützte AIM-Projekt zur Ausbildung von JugendbotschafterInnen für Menschenrechte. 74 Jugendliche klären nun in ihren Schulen, Freundeskreisen und Gemeinden über FGM und andere Menschenrechtsverletzungen auf und machen gegen die schädliche Praktik mobil, u.a. mit Theaterstücken, selbst geschriebenen Liedern und einem kurzen Dokumentarfilm. Als Gegenleistung erhielten die BotschafterInnen ein Schulstipendium oder eine Anschubfinanzierung zum Aufbau eines eigenen Kleinunternehmens.

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESBei ihrer Dienstreise nach Sierra Leone übergab IZ-Referentin Birgitta Hahn der AIM-Schule in Mamusa eine Solaranlage, die von der gemeinnützigen Abiola gGmbH gespendet worden war. Tagsüber können darüber bis zu vierzehn Mobiltelefone oder Powerbanks geladen werden, abends versorgen sieben LED-Lampen die Räumlichkeiten der Schule mit Licht. Auch das AIM-Schutzhaus ist nun endlich mit einer Solaranlage versorgt, die kostengünstig im Rahmen einer betterplace-Spendenaktion von TDF im Nachbarland Guinea beschafft werden konnte. Nun gibt es dauerhaft Strom und Licht und die Mädchen können ihre Hausaufgaben endlich auch nach Einbruch der Dunkelheit machen – wunderbare Neuigkeiten!

Im Rahmen ihrer Dienstreise interviewte Birgitta Hahn Rugiatu Turay, Gründerin und Leiterin von AIM. Die beiden Frauen sprachen über die mangelnde Tatkraft der sierra-leonischen Politik bzgl. FGM.

In einem Gespräch mit drei Lokalpolitikern unterhielt sich Hahn über die Situation von Mädchen und Frauen in Sierra Leone. Die drei Section Chiefs Plamani Bangura, John Gul und Pazanze Kamara lobten, dass FGM an minderjährigen Mädchen nun rechtlich geahndet werden könne. Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Überwindung von FGM.

Auch mit fünf ehemaligen und aktiven Beschneiderinnen kam die TDF-Referentin ins Gespräch. Themen waren u.a. der Frauengeheimbund der „Bondo-Society“ und warum manche Beschneiderinnen die Praktik aufgegeben haben.

2019 erschienen übrigens zum ersten Mal zwei IZ-Länder-Quizze: eines zu Sierra Leone/FGM und eines zu Indien/häusliche Gewalt. Wer mag kann jetzt sein Wissen testen!

Zentralamerika

Foto: © LuceroFoto: © LuceroWie Birgitta Hahn von ihrer Dienstreise nach Nicaragua berichtete, wurde die Arbeit der TDF-Partnerorganisation MIRIAM auch 2019 weiter durch Repressionen und bürokratische Hürden behindert. Der sandinistische Präsident Daniel Ortega und seine Regierung sind seit Beginn der Proteste der zivilen Bevölkerung im April 2018 wiederholt gegen Menschenrechtsorganisationen vorgegangen.

Laut dem Netzwerk „DAWN“ befanden sich Ende Januar 2019, 57 feministische AktivistInnen im Gefängnis, 56 wurden des Landes verwiesen und 70 hielten sich versteckt. Einzelne Mitarbeiterinnen von MIRIAM wurden bedroht. Infolge der gezielten Einschüchterungen arbeitete die Organisation weniger sichtbar aber nicht minder engagiert an ihrem Ziel, Mädchen und Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die IZ-Referentin sprach bei ihrer Reise u.a. mit der Schneiderin Damarís Sevilla, die ihre Ausbildung kurz zuvor bei MIRIAM abgeschlossen hatte. Die Nicaraguanerin hatte vor ihrer Ausbildung für ein niedriges Gehalt in einer Tabakfabrik gearbeitet. Nach eigenen Angaben verdient sie nun rund doppelt so viel. Auch weitere interviewte Frauen betonten wie sehr das Projekt sie beim Aufbau eines selbständigen Lebens unterstützt habe.

Zudem veröffentlichte TDF im Juli 2019 erstmals ein Video zur Arbeit von MIRIAM in Nicaragua. Das Video setzt sich darüber hinaus mit der frauenrechtlichen Lage im Land auseinander und zeichnet Biographien einzelner Projektteilnehmerinnen nach.

Das noch bis zum 30. April 2020 laufende, BMZ-kofinanzierte Projekt zur Beratung und Berufsbildung gewaltbetroffener Frauen in Nicaragua konnte trotz der sich zuspitzenden politischen Lage mit geringfügigen Verzögerungen erfolgreich fortgesetzt werden.

Asien

In Afghanistan fanden ab März 2019 Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der US-amerikanischen Regierung statt. Aqelah Nazari-Hossain Dad – ehrenamtliche TDF-Projektkoordinatorin für Afghanistan und Mitbegründerin der TDF-Partnerorganisation Neswan Social Association - übte scharfe Kritik an den Verhandlungen, da sie nicht nur die afghanische Regierung, sondern v.a. die Frauen des Landes vom Verhandlungstisch ausschlössen. Seit dem Ende der Taliban-Herrschaft haben Frauenrechtsorganisationen viele Errungenschaften verzeichnen können. So auch die Neswan Social Association, die gemeinsam mit TDF auf Bildungsarbeit und Aufklärung für ein selbstbestimmtes Leben setzt.

Auch die TDF-Partnerorganisation BHUMIKA Women’s Collective in Indien kämpfte 2019 erfolgreich für Frauenrechte. 2019 wandten sich 490 von Gewalt betroffene Frauen an die von TDF geförderte Beratungsstelle in Karimnagar. 325 von ihnen ersuchten zum ersten Mal Hilfe. BHUMIKA bietet juristische und psychologische Beratung sowie praktische Begleitung an, um Frauen beim Ausstieg aus der Gewalt und dem Aufbau eines selbstbestimmten Lebens zu unterstützen. 2019 wurden 652 Sitzungen mit Betroffenen, 392 Sitzungen mit dem Ehepartner und 473 Sitzungen Gruppensitzungen mit weiteren Verwandten durchgeführt. Auf diesem Weg konnten 141 Schlichtungen erreicht werden, deren Einhaltung telefonisch und durch Hausbesuche überprüft wurde.

Auf der Mitfrauenversammlung 2019 wurde das TDF-Kooperationsprojekt in Indien durch die ehrenamtliche Projektkoordinatorin Patricia Maag erstmals den aktiven Frauen vorgestellt. Die Resonanz war sehr positiv.

Osteuropa & Türkei

foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESIZ-Referentin Renate Staudenmeyer berichtete nach ihrer Dienstreise in Bulgarien, dass das Land immer noch hohe Opferzahlen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in Deutschland verzeichne. Zu 99 Prozent seien Frauen betroffen, zu 50 Prozent seien diese nicht einmal 21 Jahre alt. FLORIKA arbeitet bei ihrer Präventionsarbeit v.a. mit jungen Roma-Mädchen. Laut Europaratskonvention zur Bekämpfung des Menschenhandels handelt es sich bei ihnen um eine ohnehin marginalisierte und dadurch besonders stark betroffene Gruppe. Wie Staudenmeyer erneut bestätigte, trägt die Arbeit von FLORIKA wirksam Früchte: bis heute wurde keines der FLORIKA-Mädchen zwangsverheiratet oder in die Prostitution gehandelt.

Auch bei der TDF-Partnerorganisation YAKA-KOOP in der Türkei lief das Jahr 2019 gut an. Am 11. Mai wurde das Projekt auf der Europa-Orient-Rallye durch ein Banner des Teams 42 - „Simply the best“ – unter Leitung von Birgit Schmidt beworben. Ziel der Spendensammlung: die Anschaffung von sieben Nähmaschinen und Einrichtung eines Nähateliers zur Erwirtschaftung eines eigenen Einkommens durch Frauen. Am 25. Mai erreichten die Rallye-Teams Van und übergaben Spendengelder und Sachspenden für Frauen und Kinder.

2019 hat sich die Anzahl der Hilfe suchenden Frauen, die sich an YAKA-KOOP wenden, verdoppelt. Grund dafür ist die Schließung zahlreicher Organisationen in der Region, die zu geschlechtsspezifischer Gewalt arbeiten, nach dem vermeintlichen Putsch gegen die türkische Regierung im Jahr 2016.

YAKA-KOOP legte 2019 besonderen Wert auf die Aufklärung der ländlichen Bevölkerung zu Frauenrechten, Gesundheitsvorsorge und der Prävention von früher Zwangsverheiratung – konkret wurden 128 Dörfer in der Region Van erreicht. Auch an Schulen, Universitäten und bei Partnern aus der freien Wirtschaft wurden Workshops gegen Früh- und Zwangsheirat, Gewalt an Frauen und Kindesmisshandlungen organisiert.

Öffentlichkeitsarbeit

Die TDF-Bilderausstellung „Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit“ über Früh- und Zwangsverheiratung in der Türkei und Deutschland stieß auch 2019 auf ausgesprochen positive Resonanz. Ausgestellt wurden die 21 Gemälde und 5 Informationstafeln u.a. in den Städten Würzburg, Herne, Cottbus, Marburg und Emden.

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMES

Zu Besuch in der TDF-Geschäftsstelle waren auch 2019 mehrere BesucherInnen-Gruppen aus dem In- und Ausland, die sich für die Internationale Zusammenarbeit von TDF interessierten, u.a. Studierende der Geographischen Wissenschaften der Freien Universität Berlin.

2019 veranstaltete das Elisabeth-Lüders-Berufskolleg für angehende ErzieherInnen aus Hamm bereits zum vierten Mal in Folge einen Sponsorenlauf für das Mädchenschutzhaus in Sierra Leone. Ende September fand der Lauf statt und übertraf sogar noch die tollen Ergebnisse des Vorjahrs – rund 5.500 Euro konnten an AIM überwiesen werden. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön!

Mit der Spendenplattform Betterplace machte TDF 2019 weiter auf die Projektarbeit in Mali und Nicaragua aufmerksam. Für beide Projekte konnten v.a. Kurzfilme über die frauenrechtliche Lage in den Ländern sowie die Arbeit und Erfolge der TDF-Partnerorganisationen veröffentlicht werden, die zu neuen Spendeneinnahmen führten.

Auch mehrere Spendenaktionen per Emailing konnten 2019 erfolgreich umgesetzt werden, und zwar für die Länder Sierra Leone, Indien, Mali, Bulgarien und Burkina Faso.

Auf dem ersten Adventsbazar von TDF im Dezember 2019 konnten nicht zuletzt viele IZ-Produkte u.a. aus Sierra Leone, Nicaragua, Afghanistan, Israel/Palästina und der Türkei verkauft werden. Zu Glühwein und weihnachtlichen Waffeln erfuhren die zahlreichen BesucherInnen Spannendes zur frauenrechtlichen Lage in den Partnerländern.

 

Ereignisse aus dem Jahr 2018

Besuche aus unseren Partnerorganisationen

Aqelah Nazari Hossain-Dad zu Besuch in der Geschäftsstelle von TERRE DES FEMMES e.V. Foto: © TERRE DES FEMMESAqelah Nazari Hossain-Dad zu Besuch in der Geschäftsstelle von TERRE DES FEMMES e.V. Foto: © TERRE DES FEMMESIm Juli 2018 war unsere ehrenamtliche Projektkoordinatorin für Afghanistan in unserer Geschäftsstelle in Berlin zu Besuch. Aqelah Nazari-Hossain Dad hat mit ihren Schwestern unter den Taliban eine geheime Mädchenschule eingerichtet. Daraus ist in der Folgezeit die Gründung der Neswan Social Association hervor gegangen mit dem Frauenzentrum Shahrak, welches von TERRE DES FEMMES gefördert wird.

In Gesprächen und Interviews erzählte Aqelah Nazari Hossain-Dad von den Schwierigkeiten, die sie unter dem Taliban-Regime in Afghanistan hatte und wie aus einer kleinen, anfänglich geheim gehaltenen Bildungsinitiative für Mädchen unsere Partnerorganisation entstand.

Neues aus der Projektarbeit

Die Situation in Afghanistan ist nach wie vor sehr angespannt, immer wieder kommt es zu Anschlägen und Übergriffen. Dieses Jahr fanden Parlamentswahlen statt. Aufgrund von Anschlagsdrohungen vonseiten der Taliban gab es am Wahltag erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Registriert waren fast sieben Millionen WählerInnen, aufgrund von Schwierigkeiten im Wahlmodus wählten schlussendlich jedoch lediglich drei Millionen Menschen. Frauen haben dabei größere Probleme mit den Hürden auf dem Weg zur Stimmabgabe, da hierfür unter anderem eine Kaution bezahlt werden muss und viele diese nicht aufbringen können.

Für die 250 Sitze im Unterhaus kandidierten 2.565 Menschen, darunter 2.148 Männer und 417 Frauen. Aufgrund der Frauenquote in Afghanistan haben Frauen im Parlament allerdings Probleme, ernst genommen zu werden. Der Vorwurf lautet, dass sie durch die Quotenplätze den Wahlkampf nicht so annehmen würden wie männliche Kandidaten. Unsere ehrenamtliche Projektkoordinatorin für die Kooperation Afghanistan sieht das ähnlich. Trotzdem ist sie der Ansicht: „Wenn wir etwas bewegen wollen für die Gleichberechtigung der Frauen in Afghanistan, dann ist die Frauenquote ein Schritt in die richtige Richtung.“

Im Juni 2018 war unsere ehrenamtliche Koordinatorin Juliane von Krause auf Projektbesuch in Bulgarien. Während ihres Besuchs im Stadtteil der Roma in Burgas konnten sie erfahren, dass sich die Lebensbedingungen vor Ort verschlechtern. Die Roma leben in prekärer Lebenssituation, in Armut, Arbeitslosigkeit, und bei Schulabbruch laufen vor allem die Mädchen Gefahr in die Hände von Menschenhändlern zu geraten. In seinem Bundeslagebild 2017 schreibt das deutsche Bundeskriminalamt, dass bulgarische Staatsangehörige die größte Opfergruppe von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung betroffener Personen in Deutschland sind.

Umso wichtiger ist die Präventionsarbeit von FLORIKA: durch pädagogische Projektarbeit werden die Mädchen ermutigt, ihren Schulabschluss zu machen. Im ersten Halbjahr 2018 haben 49 Mädchen kontinuierlich die FLORIKA-Angebote wahrgenommen.  

Unsere Referentin Renate Staudenmeyer zu Besuch bei Bangr Nooma in Burkina Faso. Foto: © TERRE DES FEMMESUnsere Referentin Renate Staudenmeyer zu Besuch bei Bangr Nooma in Burkina Faso. Foto: © TERRE DES FEMMESIn Burkina Faso arbeitet unsere Partnerorganisation Bangr Nooma erfolgreich und ihr Gewaltschutzzentrum CAECF wird in der Bevölkerung gut angenommen. Davon konnte sich unsere Referentin Renate Staudenmeyer bei ihrer Dienstreise (PDF-Datei) im November 2018 überzeugen. Alleine im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 konnten 121 Einzelfälle betreut und vielen Frauen geholfen werden. Seit August 2018 legt Bangr Nooma einen Fokus auf die psychologische Betreuung der Frauen. Das CAECF ist ein voller Erfolg und wird von den Hilfesuchenden sehr gerne wahrgenommen.

Während ihrer Dienstreise nach Kamerun im Februar/März 2018 hatte unsere ehrenamtliche Projektkoordinatorin Godula Kosack die Möglichkeit, sich die Arbeit vor Ort nach langer Zeit wieder genauer anzusehen – die prekäre Sicherheitslage vor Ort hatte Reisen in den Vorjahren nicht zugelassen. Noch kurz vor ihrem Besuch wurden vier weitere Mädchen – in diesem Fall Berufsschülerinnen - in unser Stipendiatinnen-Programm aufgenommen. Im letzten Schuljahr (2017/18) übernahm TDF damit die Ausbildungskosten für 17 Mädchen aus drei Bergdörfern – darunter Grundschul-, Gymnasial-, und Berufsschülerinnen. Ihnen wurden die Schulgebühren, die Schuluniformen und die Unterrichtsmaterialien finanziert. Auch erhielten sie Kleidung für den Sportunterricht und notwendige Hygieneartikel.

Godula Kosack spricht bei ihrer Dienstreise mit den Stipendiatinnen. Foto: © Jürgen KunzeGodula Kosack spricht bei ihrer Dienstreise mit den Stipendiatinnen. Foto: © Jürgen KunzeObwohl die Terrormiliz Boko Haram nach wie vor sehr aktiv im Projektgebiet ist und viele Menschen in die Berge flüchten, zieht Godula ein positives Fazit ihrer Reise, und beschreibt, dass die lokale Bevölkerung Mädchenbildung mittlerweile in sehr viel größerem Maße ernst nimmt.

Trotzdem hätten viele Mädchen ohne unser Stipendiatinnen-Programm auch heute noch kaum eine realistische Chance auf Bildung geschweige denn einen Bildungsabschluss, wie sich in den Interviews mit einigen Stipendiatinnen herausstellte. Wir freuen uns, dass wir die Stipendiatinnen auf dem Weg zur Erreichung ihrer ambitionierten Berufsziele (u.a. Lehrerin, Buchhalterin, Politikerin, Professorin) unterstützen können und drücken die Daumen, dass sie diese auch verwirklichen können.

Das BHUMIKA Women’s Collective freute sich auch 2018 über die Förderung einer Beratungsstelle in der Stadt Karimnagar in Indien. Die Beratungsstelle wurde 2016 eröffnet und wird seit 2017 von TDF unterstützt. Im ersten Halbjahr 2018 suchten dort insgesamt 93 Frauen rechtlichen und psychologischen Rat. Im genannten Zeitraum wurden 279 Individualgespräche, 127 Partnergespräche und 135 Familiensitzungen durchgeführt.

Das BHUMIKA Women’s Collective bei einer internen Schulung zum Gewaltschutzgesetz. Foto: © BHUMIKA Women’s CollectiveDas BHUMIKA Women’s Collective bei einer internen Schulung zum Gewaltschutzgesetz. Foto: © BHUMIKA Women’s CollectiveTrotzdem ist die Situation für Frauen in Indien weiterhin prekär. Änderungen im Sexualstrafrecht zugunsten von Frauen kamen in der Strafverfolgung und Rechtsprechung nur sehr unzureichend zur Anwendung. Auch beeinflusst die klischeebehaftete Darstellung der Rollen von Frau und Mann in Bollywood-Kinofilmen die öffentliche Meinungsbildung zu Frauenrechten und deren Durchsetzung negativ. Weiterhin werden zahlreiche weibliche Föten abgetrieben. In Indien kommen auf 1.000 Männer nur 943 Frauen. Dies und die gesellschaftliche Ausgrenzung sowie Diskriminierung von Frauen sind weiterhin Faktoren, die Gewalt gegen Frauen begünstigen. In Umfragen wurde festgestellt, dass 42% der Männer und 52% der Frauen (!) Gewalt gegen Frauen für gerechtfertigt halten.

Wir arbeiten zusammen mit dem BHUMIKA Women’s Collective daran, dass sich dies ändert und weniger Frauen in Indien Gewalt für „normal“ halten und erleiden müssen.

In Mali geht unsere Arbeit ebenfalls voran. Wir freuen uns, dass im Februar der Bauvertrag für die Errichtung eines Frauenschutzhauses in Gao, Nordmali unterzeichnet wurde. Danach ging es aber erst richtig los mit der Einrichtung der Baustelle und den Bautätigkeiten. Ende Dezember 2018 konnte die Bau-Abnahme über die Bühne gebracht werden, Das Frauenschutzhaus wird im Verlauf des ersten Halbjahres 2019 den Betrieb aufnehmen und gewaltbetroffenen Mädchen und Frauen in der Region Gao Schutz bieten. Auf den erfolgreichen Abschluss dieses großen Projektvorhabens sind wir mächtig stolz! Im neuen TDF-APDF-Flyer ist das neue Frauenschutzhaus in Gao schon zu sehen.

Eine junge Frau holt in der MIRIAM-Schule ihre Grundbildung nach. Foto: © Itzel ChavarríaEine junge Frau holt in der MIRIAM-Schule ihre Grundbildung nach. Foto: © Itzel ChavarríaUnser Kooperationsprojekt in Nicaragua hatte 2018 mit besonders schwierigen Umständen zu kämpfen. Während das fortschrittliche, 2012 auf jahrzehntelangen Druck von Frauenrechtsorganisationen erlassene Gewaltschutzgesetz immer mehr zu Ungunsten der Frauen verändert worden war, haben auch andere Reformen der Regierung unter Präsident Ortega ab April 2018 Proteste in der Zivilbevölkerung ausgelöst. Waren anfänglich nur einzelne Gruppen auf den Straßen (v.a. Studierende und Landwirte), so herrschte ab August politischer Ausnahmezustand. Mit Einführung eines neuen Anti-Terror-Gesetzes wurden die Meinungs- und Versammlungsfreiheit erheblich eingeschränkt und v.a. MenschenrechtsaktivistInnen zunehmend verfolgt und bekämpft. Unsere Partnerorganisation Asociación Proyecto MIRIAM arbeitet trotzdem weiter und bleibt so eine wichtige und sichere Anlaufstelle für Frauen in Managua, Estelí und Matagalpa.

Trotzdem gab es 2018 auch erfreuliche Neuigkeiten: Im März 2018 wurden Ko-Finanzierungsmittel für ein neues Projekt zur Verbesserung der Lebenssituation von 750 Frauen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung genehmigt. Im Vordergrund steht dabei der Kampf für die Rechte von Frauen auf Gewaltfreiheit und Bildung.

Interviews mit sechs Frauen, die entweder für MIRIAM arbeiten oder an Kursen zu Frauenrechten und Empowerment von MIRIAM teilnehmen, legten die negativen Folgen der Reformen am Gewaltschutzgesetz offen: So müssen Frauen nach einer Gewalttat in vielen Fällen nun erneut ein Mediationsgespräch mit dem Täter führen, bei dem Frauenrechtsorganisationen nur selten zugelassen sind und die Betroffenen oft re-traumatisiert werden. Durch Mediationsgespräche finden Gewalttaten außerdem keinen Eingang in die Statistik und werden somit unsichtbar und zu einem „privaten Problem“ verharmlost. Häufig fällt die finale „Einigung“ außerdem zugunsten des Mannes und seiner Interessen aus. In einem Interview fiel der Satz: „Frau zu sein ist zu einem Kampf geworden“. Alle interviewten Frauen lassen sich davon jedoch keinesfalls entmutigen, sondern setzen sich weiterhin für die Erreichung der Gleichberechtigung in Nicaragua ein.

Unser von Sternstunden - Benefizauktion des Bayerischen Rundfunks gefördertes JugendbotschafterInnen-Projekt in Sierra Leone lief sehr gut an. Insgesamt sind 16 (Aus-)Bildungseinrichtungen beteiligt, an denen insgesamt 74 JugendbotschafterInnen für Menschenrechte aktiv sind. Anfang des Jahres fand die erste Schulung statt. Sie wurde von vier ExpertInnen und vier AIM-MitarbeiterInnen durchgeführt. Nach der zweiten Schulung im Juli 2018 wurden die JugendbotschafterInnen kreativ und schrieben bzw. komponierten Gedichte, Theaterstücke, Sketche und Lieder zum Thema weibliche Genitalverstümmelung (FGM). Die Stücke wurden an allen 16 Einrichtungen aufgeführt. So konnten 6.300 Menschen mit Aufklärungsarbeit erreicht werden. Mehrere JugendbotschafterInnen nahmen zudem an zwei Talkshows im Lokalradio teil, standen Rede und Antwort zu ihrer Tätigkeit und informierten die ZuhörerInnen über die Hintergründe und Folgen von FGM. Die selbst verfassten Lieder wurden nicht zuletzt auf CD aufgenommen und von mehreren Radiosendern abgespielt. Dank der großen Popularität des Mediums Radio in Sierra Leone wurden so rund eine Million Menschen erreicht.

Im Schutzhaus schlossen alle 17 - 25 Mädchen, die dort jeweils für unterschiedlich lange Dauer unterkamen, ihr Schuljahr erfolgreich ab und wurden in die nächste Klasse versetzt. Auf dem Grundstück des Schutzhauses wird neuerdings auch ein kleiner Obst- und Gemüseanbau betrieben, der vor allem zur Selbstversorgung dient. Geringe Überschüsse werden allerdings auch auf dem Markt verkauft – mit dem Geld können sich die Mädchen neue Kleidung kaufen.

TDF im Gespräch mit Ibrahim Köseoglu. Foto: © YAKA-KOOPTDF im Gespräch mit Ibrahim Köseoglu. Foto: © YAKA-KOOPDie Kampagne gegen Frühverheiratung unserer Partnerorganisation YAKA-KOOP wurde 2018 auf 97 Dörfer in der Region Van in der Türkei ausgeweitet. Während ihrer Dienstreise konnten sich unsere ehrenamtliche Projektkoordinatorin Dilek Okur und IZ-Referentin Birgitta Hahn von der Arbeit, die YAKA-KOOP vor Ort leistet, ein Bild machen und Gespräche mit Projektbeteiligten und -Begünstigten führen. So wurde zum Beispiel der Vorsitzende der Vereinigung der Dorfvorsteher von Van interviewt: Ibrahim Köseoglu berichtete, dass mittlerweile fast alle Mädchen der Region zur Schule gingen. Er selbst arbeitet in seinem Dorf mit YAKA-KOOP zusammen und erzählte, dass die Zahl der Frühverheiratungen in der Region zurückgegangen sei. Dies bestätigte auch der Vorsitzende der Vereinigung der FriseurInnen von Van, Veysel Koc. Er sagte, dass die Zahl der Frühehen in Van seit Beginn der Kooperation mit YAKA-KOOP von 50 bis 100 auf 5 bis 10 Eheschließungen pro Jahr gesunken sei.

Weiterhin gehen jedoch nur knapp 10% der Frauen in der Region Van einer vergüteten Arbeit nach und sind somit wirtschaftlich unverändert abhängig von ihren Männern.

Auch die anwaltliche Vertretung und Geltendmachung der Rechte von Mädchen und Frauen vor Gericht bereiten Probleme. So steht ein Gesetz, das Mädchen und Frauen vor häuslicher Gewalt schützen soll, neuerdings unter Beschuss von Seiten islamistischer Zeitungen und so genannter Maskulinisten. In einem Interview mit Murat Timur, dem Vorsitzenden der Anwaltskammer von Van, stellte dieser fest: “Als unsere Regierungspartei 2002 an die Macht kam, wünschten wir AnwältInnen uns, dass Freiheit und Modernität in die Gerichte einziehen. Heute wünschen wir uns nur noch, dass Gewalttaten an Frauen überhaupt bestraft werden.“

Auslandsdelegationen

Im April war der Entwicklungsdirektor der Abraham Fund Initiatives aus Israel, Anton Goodman, in der Geschäftsstelle von TDF zu Besuch. Die Stiftung setzt sich für Menschenrechte und die Gleichberechtigung jüdischer und arabischer BürgerInnen Israels ein.

Im Oktober 2018 war eine nordsyrische Delegation in der TDF-Geschäftsstelle in Berlin. Sie tauschten sich mit Dr. Abir Mawas und Geschäftsführerin Christa Stolle über die Situation in Syrien aus.

Öffentlichkeitsarbeit

Anfang September 2018 startete unsere Spendenaktion „Mädchen stärken weltweit“. In unserem Briefmailing wurde die Arbeit aller zehn Kooperationen kurz erwähnt und dargestellt, wie wichtig die Stärkung von Mädchen schon von klein auf ist. Die Aktion war ein voller Erfolg und wir bedanken uns bei den UnterstützerInnen.

Die ehrenamtliche Projektkoordinatorin für Nicaragua, Wencke Lösener, organisierte im November 2018 ein Fundraising-Event in Berlin. Unter dem Motto „Tanzen für Frauen in Nicaragua“ kamen knapp 40 Tanzbegeisterte zusammen und folgten unter Anleitung von Lehrerin Griselda Rhythmen des Afroperuano, der Bachata und Salsa. Insgesamt konnten durch das Event 430 Euro Spendengelder eingeworben werden. Diese wurden – gut für alle MittänzerInnen sichtbar - an das von der TDF-Expertin Jessica Espinoza betreute TDF-Kooperationsprojekt für Nicaragua auf der Spendenplattform betterplace.org überwiesen.

Zudem hat TDF kurz vor Weihnachten an einem Fotowettbewerb von betterplace.org teilgenommen. Bei der Abstimmung auf Facebook konnten 268 Likes generiert werden, was TDF den zehnten Platz bescherte. Dieser war mit 100 Euro dotiert, die nun ebenfalls für unser Kooperationsprojekt in Nicaragua verwendet werden.

Im November 2018 wurde erstmalig ein Video zur Arbeit unserer Partnerorganisation AIM in Sierra Leone erstellt und veröffentlicht. Darin werden das Team und die einzelnen Projekte von AIM vorgestellt – im Vordergrund stehen immer die Prävention und Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung.

Die TDF-Bilderausstellung „Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit“ wurde 2018 an sieben Trägerinnen in ganz Deutschland verliehen und sehr erfolgreich zwischen einer und vier Wochen öffentlich ausgestellt. Weitere sieben Trägerinnen erwarben die Bildrechte an der Ausstellung, druckten diese im Wunschformat und auf dem von ihnen präferierten Material aus und stellten sie ebenfalls öffentlich aus. Die 21 Gemälde und 5 Informationstafeln waren u.a. in Berlin, Göttingen, Bitterfeld-Wolfen, Buxtehude, Duisburg, Mainz und Leipzig zu sehen. Beide ehrenamtlichen Koordinatorinnen für das Türkei-Partnerprojekt brachten ihre Expertise auf Wunsch in Form von Vorträgen und Workshops ein. Auch in einem WDR-Beitrag über die Gruppe GRRRLs von HeRoes Duisburg wurde die Bilderausstellung gezeigt.

Seit diesem Jahr beteiligt sich TDF an der Kaffeekooperative "Angelique's Finest" aus Ruanda – der Kaffee, der im TDF-Büro in Berlin konsumiert wird, stammt ausschließlich von dieser Kooperative. Unter dem Motto „Starke Frauen – starker Kaffee“ stellt Angelique’s Finest den Kaffee vor Ort komplett selbst her. Von der Ernte über die Trocknung und Röstung der Bohnen bis hin zum Mahlen wird Alles zu 100% von ruandischen Frauen übernommen.

Spendenlauf am 6. Dezember 2018, organisiert vom Elisabeth-Lüders-Berufskolleg in Hamm. Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg HammSpendenlauf am 6. Dezember 2018, organisiert vom Elisabeth-Lüders-Berufskolleg in Hamm. Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg HammDas Elisabeth-Lüders-Berufskolleg aus Hamm für angehende ErzieherInnen hat auch 2018 wieder einen Spendenlauf für Sierra Leone veranstaltet – bereits den dritten seit ihrem ersten Austausch mit TDF 2016. Dieses Jahr wurde der Lauf am Nikolaustag realisiert und wir freuen uns sehr über die anhaltende Unterstützung, diesmal in Höhe von 2.260 Euro. Vielen Dank an alle OrganisatorInnen und LäuferInnen!

Unsere Spendenaktionen auf Betterplace nutzen wir dazu, um weitere Aufmerksamkeit für unsere Projektarbeit zu generieren. So haben wir zum Beispiel im September 2018 zur Arbeit vom Frauenschutzzentrum der APDF in Bamako/Mali einen kleinen APDF-Videofilm genutzt, um über die aktuelle Situation im Frauenschutzhaus zu informieren.

All unsere Aktivitäten im Referat IZ werden unterstützt von aktiven Vereinsfrauen sowie unseren ehrenamtlichen Projektkoordinatorinnen. Unser großer Dank geht an all unsere UnterstützerInnen!

 

Stand 01/2019

Ereignisse aus dem Jahr 2016

Treffen und Austausch mit entwicklungspolitischen Akteuren

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit beteiligte sich 2016 wieder an wichtigen entwicklungspolitischen Diskussionsrunden. Mehrmals im Jahr lädt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu einem „Gender-Themen-Team“ ein. In dieser Runde treffen sich frauenpolitisch orientierte Organisationen aus dem Bereich der Internationalen Zusammenarbeit zum Austausch über aktuelle politische Themen. Darüber hinaus beteiligen wir uns ebenso im Netzwerk VENRO - Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen – bei der AG Gender.

Dauerbrenner bei den Themen der entwicklungspolitischen Lobbyarbeit im Jahre 2016 war die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele. Die Agenda „Transforming the World: The 2030 Agenda for Sustainable Development“, vom UN Gipfel zu Nachhaltiger Entwicklung im September 2015 verabschiedet, ist ab Januar 2016 in Kraft getreten. Die SDGs setzen sich zusammen aus 17 Entwicklungszielen und 169 Unterzielen. Sie zielen weltweit darauf ab, extreme Armut zu beenden, Ungleichheit und Ungerechtigkeit abzuschaffen, sowie die Umwelt zu schützen. Diese Agenda stellt ein Rahmenwerk für globale Entwicklung dar, deren Ziele 2015-2030 erfüllt sein sollen. Ihre konkrete Umsetzung auf internationaler und nationaler Ebene sowie die Entwicklung von Indikatoren zur jeweiligen Überprüfung des Vorankommens, stellen kein leichtes Unterfangen dar. In vielen Gremien und öffentlichen Foren wurde darüber debattiert.

U.a. hat die Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Konferenz eingeladen: „Plan of Action SDGs“ und eine Studie (PDF-Datei) zur Thematik im Juli 2016 heraus gebracht.

Ob mit der nachhaltigen Entwicklungsagenda auch nachhaltig die Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt wird? – dieser Frage sind wir in einem unserer TDF-Newsletter-Artikel nach gegangen.

Neben den SDGs war die Erarbeitung des „Entwicklungspolitischen Aktionsplans zur Gleichberechtigung der Geschlechter 2016-2020“ (BMZ) (PDF-Datei) ein wichtiges Thema, das wir mit der AG Gender/VENRO begleitet haben.

Unter dem Motto „Frauen erklimmen die höchsten Berge“ fand im März 2016 die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Kathmandu/Nepal statt. Unsere TDF-Vorstandsfrau Prof. Godula Kosack war dabei!

v.l.n.r.: Mme Diakité (APDF), Georg Schmidt, Regionalbeauftragter für Subsahara-Afrika und Sahel im Auswärtigen Amt, TDF-Geschäftsführerin Christa Stolle und Renate Staudenmeyer, TDF-Referentin und Carolin Echt, Länderreferentin im AA. Foto: © TERRE DES FEMMESv.l.n.r.: Mme Diakité (APDF), Georg Schmidt, Regionalbeauftragter für Subsahara-Afrika und Sahel im Auswärtigen Amt, TDF-Geschäftsführerin Christa Stolle und Renate Staudenmeyer, TDF-Referentin und Carolin Echt, Länderreferentin im AA. Foto: © TERRE DES FEMMESDen Besuch aus Mali von Fatoumata Siré Diakité im April 2016 haben wir zum Anlass genommen, um Lobbyarbeit für unser neues Projektvorhaben zu machen: den Aufbau des ersten Frauenschutzhauses in Gao/Nordmali. Hierzu gehörte auch ein Besuch beim Regionalbeauftragten für Subsahara Afrika im Auswärtigen Amt.

Unter dem Titel „Die Kunst und kulturelle Faktoren sowie friedensstiftende Elemente für den nationalen Zusammenhalt in Mali“ hat die Botschaft Malis in Berlin zu politischen und kulturellen Veranstaltungen vom 20-22. September 2016 eingeladen. U.a. hatte der Kino-Film „Mali Blues“ seine Premiere. Musik prägt nicht nur die kulturelle Identität Malis, sondern hat auch viele Stars des Global Pop hervor gebracht. In dem Film „Mali Blues“ wird ganz besonders das Porträt der Sängerin Fatoumata Diawara dargestellt, die sich in ihren Songs für künstlerische Freiheit einsetzt, besonders im von radikalen Islamisten bedrohten Mali. Aber auch Frauenrechtsthemen wie der Kampf gegen die Weibliche Genitalverstümmelung werden von ihr besungen und beklagt.

 

Besuche aus unseren Partnerorganisationen

Im April 2016 hatten wir Fatoumata Siré Diakité bei uns auf Besuch, um unsere laufende und zukünftige Projektarbeit mit der Partnerorganisation APDF/Mali auszutauschen und um Lobbyarbeit für unser neues gemeinsames Projektvorhaben zu machen. Im Jahr 2017 wollen wir mit dem Bau für ein Gewaltschutzzentrum in Nordmali an den Start gehen.

Rakieta Poyga, Gründerin und Leiterin unserer Partnerorganisation Bangr Nooma in Burkina Faso war im Juli/August 2016 in der Berliner Geschäftsstelle. Ihren Besuch haben wir für Öffentlichkeitsarbeit und Interviews genutzt.

Darüber hinaus ging es auch darum, die Arbeit im Gewaltschutzzentrum, das wir seit 2015 in Ouagadougou mit BMZ-Fördermitteln aufgebaut haben, zu reflektieren und die Procedere in der Projektabwicklung abzustimmen.

 

Neues aus der Projektarbeit mit unseren Partnerorganisationen

Seit Januar 2016 unterstützt TERRE DES FEMMES die Frauenrechtsorganisation BHUMIKA im südindischen Hyderabad. BHUMIKA unterhält ein Hilfe-Telefon für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind.

Im Februar 2016 wurden die Partnerorganisationen in Mali/APDF und in Burkina Faso/Bangr Nooma besucht, um direkt vor Ort die laufenden Projektaktivitäten zu erleben und im direkten Austausch mit den Partnerorganisationen weiter voranzukommen.

Eine Besuchsdelegation von TERRE DES FEMMES hat im November 2016 an einer feierlichen Zeremonie zur Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung in der Region Toukin in Burkina Faso teilgenommen.

 

Auslandsdelegationen

2. von links Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle mit armenischen Bürgermeisterinnen/Gemeinderätinnen und Politikern:  Foto: © TERRE DES FEMMES2. von links Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle mit armenischen Bürgermeisterinnen/Gemeinderätinnen und Politikern. Foto: © TERRE DES FEMMESAm 23. Juni 2016 war Geschäftsführerin und Gründerin Mandisa Monakali der südafrikanischen Frauenrechtsorganisation “Ilitha Labantu“ bei TERRE DES FEMMES Geschäftsführerin Christa Stolle zu Gast.

Am 14. Oktober 2016 bekam die Bundesgeschäftsstelle TDF Besuch von der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) mit einer Delegation von Bürgermeisterinnen/Gemeinderätinnen und einem Politiker aus Armenien. Es gab einen interessanten Austausch über Themen wie Häusliche und Sexualisierte Gewalt, Frühe Zwangsverheiratung und Internationalen Frauenhandel.

 

 

 

 

Öffentlichkeitsarbeit

Seit Anfang 2016 nutzen immer wieder Ehrenamtliche von TDF die Chance im Besucherdienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) die Arbeit von TERRE DES FEMMES (TDF) und ihre Zusammenarbeit mit internationalen KooperationspartnerInnen vorzustellen. Dass dies Erfolg hat, zeigte eine Spende, die eine Besuchergruppe von MdB Lars Castellucci als Reaktion auf die Präsentation sammelte.

TERRE DES FEMMES-Botschafterin und Schauspielerin Sibel Kekilli besuchte vom 17. bis 19. Februar 2016 das Projekt FLORIKA in Burgas, Bulgarien, welches seit 2012 von TERRE DES FEMMES unterstützt wird. Diesmal wurde sie von der Geschäftsführerin Christa Stolle begleitet. Mit dabei war auch ein Arte-Filmteam unter Regie von Sibel Kekilli, die für das Arte Format „Square“ eine halbstündige Dokumentation über die Arbeit von Christa Stolle und TERRE DES FEMMES drehte.

Wie vielseitig Unterstützung sein kann, zeigten uns die fünf Sängerinnen „die Klangweberinnen“. Am 11.03.2016 gab die Frauengruppe bestehend aus Petra Dohrmann, Silke Crone, Bettina Stiffel, Ute Scheibe und Simone Theobald in der Kirche der Stille in Hamburg ein Benefizkonzert.

Eine Spende in Höhe von 5.000 € übergaben die beiden Kasseler Soroptimist Clubs Kassel-Bad Wilhelmshöhe und Kassel-Kurhessen Waldeck im Juni 2016 an TERRE DES FEMMES für das FLORIKA-Projekt - gegen Frauenhandel in Bulgarien.

Im November 2016 waren wir wieder beim Markt der Kontinente in den Ethnologischen Museen Berlin vertreten. Diesmal haben wir am Europawochenende die TDF-Internationalen Kooperationen Israel/Palästina und Türkei präsentiert.

Mit unseren E-Mailing-Spendenaktionen wollen wir nicht nur Spendengelder sammeln, sondern auch aufmerksam machen auf besondere Bedarfe, die sich aktuell in der Projektarbeit unserer Partnerorganisationen stellen. Im Januar 2016 haben wir zum Beispiel mit der Spendenaktion „Wissen auf vier Rädern“ für den Mobilen Bücherbus unserer Partnerorganisation Lakia in Israel/Palästina geworben.

Ein weiteres Beispiel: für die Beerdigungszeremonie zur Beendigung der Weiblichen Genitalverstümmelung in der Region Toukin/Burkina Faso wurden zusätzliche Spendengelder benötigt. Aufgrund einer Überschwemmungskatastrophe in der Region, aber auch wegen der zwischenzeitlichen politischen Krise in Burkina Faso, musste die Aufklärungsarbeit intensiver durchgeführt werden, um wirklich die ganze Bevölkerung davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, mit dieser Praktik für immer aufzuhören. Nur durch eine zusätzliche Spendenaktion auf der Spendenplattform betterplace.org haben wir dies erreichen können.

 

Stand: 03/2017

 

Ereignisse aus dem Jahr 2017

Treffen und Austausch mit entwicklungspolitischen Akteuren

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit beteiligte sich 2017 wieder an wichtigen entwicklungspolitischen Treffen und Diskussionsrunden. Mehrmals im Jahr lädt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu einem „Gender-Themen-Team“ ein. In dieser Runde treffen sich frauenpolitisch orientierte Organisationen aus dem Bereich der Internationalen Zusammenarbeit zum Austausch über aktuelle politische Themen. Auch frauenrechtlich relevante Termine weltweit werden angekündigt. Wesentliche Punkte 2017 waren die Kommentierung des Marshall-Plans für Afrika aus Gender-Perspektive und die Begleitung von Women20, einer Engagement-Plattform aus Frauenrechtsorganisationen, Unternehmerinnen und Think Tanks im Rahmen der G20-Ratspräsidentschaft von Deutschland.

Darüber hinaus beteiligen wir uns im Netzwerk VENRO - Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen – bei der AG Gender. Hier war es ein wichtiger Meilenstein, dass VENRO für seinen Lobbyverband eine Genderquote von mindestens 40%/40% für die Vorstandswahlen auf seiner Mitgliederversammlung beschlossen hat. Dies hat in der AG Gender zu weiterführenden Überlegungen geführt, wie man diese Quote denn auch in die Realität bringen könnte und wie man Frauen in Führungspositionen der VENRO-NROs für die VENRO-Vorstandsarbeit motivieren könnte. Die Umsetzung des BMZ-Genderaktionsplans und Roadmap 2017 stellten weiterhin ganzjährig diskutierte Themen dar.
Aufgrund von haushaltstechnischen Engpässen im BMZ-Fördertitel Private Träger haben wir uns – neben der AG Gender – auch punktuell an der AG Kofinanzierung bei VENRO beteiligt. Dabei standen 2017 die Bundestagswahlen, das parteipolitische Ergebnis, der neue Haushalt und deren Auswirkungen auf den Fördertitel im Vordergrund. Zudem wurde kritisch thematisiert, dass der Fördertitel kleinere NRO zunehmend marginalisiert. Hintergründe sind neue Standards wie höhere Mindestfinanzierungen von Projekten und entsprechend höhere Eigenmittelanteile sowie vom BMZ angestrebte Verwaltungserleichterungen im Sinne von wenigen großen anstelle von vielen kleinen Projekten.

Last but not least haben die Bundestagswahlen im Herbst 2017 dazu geführt, dass verstärkt TDF-Lobbyarbeit gemacht wurde. In die Gesamtbroschüre von TERRE DES FEMMES mit den Wahlprüfsteinen aus allen TDF-Bereichen, haben wir unsere Forderungen aus IZ-Sicht eingebracht. Die TDF-Wahlprüfsteine wurden an RepräsentantInnen aller im Bundestag vertretenen Parteien geschickt und ihre jeweiligen Antworten analysiert.

Ebenfalls im Rahmen des Bundestagswahlkampfes und besonders zum Ansporn der neuen BundestagskandidatInnen hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung eine Kampagne 0,7 - FERTIG - LOS initiiert, an der wir uns beteiligt haben. Wir fordern: Mehr Geld für die Internationale Zusammenarbeit – Mehr Geld für Frauenprojekte weltweit!

Politisch interessant war zudem eine BMZ-Konferenz mit der Schauspielerin und Stifterin Dr. Maria Furtwängler zum Thema „Gewalt gegen Frauen und Mädchen verhindern“. Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller stellte dort den neuen 5-Punkte-Plan des BMZ (PDF-Datei) vor, mit dem Gewalt gegen Frauen in den Partnerländern vorgebeugt und Frauen besser geschützt werden sollen. Zu dem Plan gehören die Unterstützung von Betroffenen, die juristische Verfolgung der Täter, die Stärkung der Chancengleichheit, Gewaltprävention und der internationale Einsatz für Frauenrechte im Rahmen von Regierungsverhandlungen und der Stärkung institutioneller Strukturen. Konkrete Finanzierungszusagen sind mit diesem Plan nicht verbunden.

Dr. Furtwängler appellierte mit Blick auf die heutige Bedeutung der Medien dafür, gewaltlegitimierende Rollenzuschreibungen und die damit einhergehenden Diskriminierungen aus den Köpfen zu verbannen. Dies liege nicht nur in der Verantwortung von MedienmacherInnen, sondern auch -KonsumentInnen. Mit ihrer Stiftung „MaLisa“ unterstützt Dr. Furtwängler gewaltbetroffene Mädchen im In- und Ausland. Ein Kontakt zu TDF besteht über das Referat Häusliche und sexualisierte Gewalt.

Besuche aus unseren Partnerorganisationen

Rakieta Poyga, Gründerin und Leiterin unserer Partnerorganisation Bangr Nooma in Burkina Faso war im November 2017 zu Besuch in der Berliner TDF-Geschäftsstelle. Auf ihrer Tagesordnung standen neben der internen Arbeit mit TDF einige große öffentliche Events. Am Brandenburger Tor hat sie gemeinsam mit CHANGE Agents aus dem TDF-Programm CHANGE Plus den Startschuss für die diesjährige TDF-Fahnenaktion gesetzt unter dem Motto „Mädchen schützen! Weibliche Genitalverstümmelung gemeinsam überwinden.“

Vom Brandenburger Tor ging es direkt zur Abschlusskonferenz CHANGE Plus, wo sie als Schirmherrin des Programms über ihre Arbeit im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung mit der Association Bangr Nooma in Burkina Faso berichtete.
Darüber hinaus präsentierte sie gemeinsam mit der ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Irma Bergknecht im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vor einer BMZ-Besuchergruppe die verschiedenen Aktivitäten der TERRE DES FEMMES-Partnerorganisation Bangr Nooma.
Weiter ging es nach Tübingen: dort war Rakieta Poyga mit Aktivitäten beim Frauenfilmfest und als Rednerin beim Hissen der TDF-Fahne im Tübinger Rathaus vertreten.

Neues aus der Projektarbeit mit unseren Partnerorganisationen

Im März 2017 wurde die Partnerorganisation Mali/APDF besucht, um direkt vor Ort das gemeinsame Projektvorhaben zum Aufbau eines neuen Frauenschutzhauses in Nordmali voranzubringen.

Seit Juni 2017 hat TDF einen neuen Förderschwerpunkt in Indien: eine Beratungsstelle für Mädchen und Frauen in Not in der Stadt Karimnagar im südindischen Bundesstaat Telangana. Die TDF-Partnerorganisation BHUMIKA Women’s Collective richtete sie 2016 ein, nachdem Karimnagar 2015 die höchste Gewaltrate gegen Mädchen und Frauen im ganzen Bundesstaat aufgewiesen hatte. Gewaltbetroffene Mädchen und Frauen werden dort rechtlich und psychologisch beraten und unterstützt, Anzeige zu erstatten.

Vorher hatte TDF gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt das Hilfe-Telefon des BHUMIKA Women's Collective unterstützt. Dort können Mädchen und Frauen in Not Tag und Nacht anrufen. Mit ca. 5.000 Anrufen jährlich hat sich das Hilfe-Telefon in der Region einen Namen gemacht. 2017 konnte das BHUMIKA Women’s Collective dafür Finanzierungsmittel in Indien einwerben – Herzlichen Glückwunsch!

Die TDF-Partnerorganisation AAFMHL in Kamerun wird seit Juli 2017 durch Anmietung eines kleinen Büros vor Ort in ihrer Professionalisierung unterstützt. Bislang hatte die AAFMHL als Eltern- und LehrerInnen-Initiative ehrenamtlich in der privaten Freizeit gearbeitet. Mit steigender Stipendiatinnen-Zahl und entsprechenden Anforderungen an Projektberichte und Spendenmittelverwaltung wurde dies jedoch zur Herausforderung. Mit der Gewinnung einer ausgebildeten Honorarkraft in Teilzeit können die Eltern und LehrerInnen aus der AAFMHL entlastet werden und sich wieder ganz auf ihre Kernaufgaben, die Schul- und Berufsausbildung von Mädchen und deren Erziehung in Richtung Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, konzentrieren.

Im Juli 2017 wurden für ein neues Projekt in Sierra Leone Fördermittel von der Sternstunden-Stiftung des Bayerischen Rundfunks akquiriert. Dabei geht es um die Ausbildung von 118 JugendbotschafterInnen für Menschenrechte, die in ihren Freundeskreisen, Gemeinden und in den Medien über Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen aufklären und sich für deren Selbstbestimmung und Schutz einsetzen. Ein besonderer Fokus liegt auf FGM, aber auch andere Menschenrechtsverletzungen wie Frühverheiratung und sexualisierte Gewalt spielen eine Rolle. Als Aufwandsentschädigung für ihr Engagement erhalten die JugendbotschafterInnen ein einjähriges Schul-Stipendium oder finanzielle Unterstützung zur Gründung eines Kleinunternehmens.

Frauen holen in der MIRIAM-Schule in Nicaragua ihre Grundbildung nach. Foto: © Itzel ChavarriaFrauen holen in der MIRIAM-Schule in Nicaragua ihre Grundbildung nach. Foto: © Itzel ChavarriaIm August 2017 wurde die Partnerorganisation MIRIAM in Nicaragua besucht, um den aktuellen Stand der Umsetzung der laufenden Projekte zu sehen, zwei neue Projekte gemeinsam auszuarbeiten, persönliche Kontakte mit der Dt. Botschaft, der AHK und dem CSR-Dachverband herzustellen sowie Text- und Bildmaterial zu sammeln.

Seit September 2015 gilt in Burkina Faso ein Gewaltschutzgesetz, mit dem erstmalig eine rechtliche Grundlage geschaffen wurde, um gerichtlich gegen Täter vorzugehen, die Mädchen und Frauen Gewalt antun. Für die burkinischen FrauenrechtlerInnen ist dieses Gesetz ein wahrer Meilenstein. Fehlendes Wissen in der Bevölkerung über dessen Existenz verhindert allerdings bislang, dass das neue Gewaltschutzgesetz tatsächlich zur Geltung kommt. Bis heute ist noch kein einziger Fall strafrechtlich auf dieser Grundlage angezeigt worden. Das wollen wir ändern! Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Association Bangr Nooma haben wir mithilfe von Fördermitteln BMZ und TDF eine Anlaufstelle für Gewaltschutz von Mädchen und Frauen in Ouagadougou aufgebaut. Ein Projektbesuch im Oktober 2017 galt dem Kennenlernen der neuen Mitarbeiterinnen und dem Monitoring der laufenden Projektaktivitäten vor Ort.

Auslandsdelegationen

Für Frauenrechte in Afrika und im Besonderen für die Problematik der weiblichen Genitalverstümmelung haben sich im Mai 2017 deutsche Schülerinnen in der TDF-Geschäftsstelle interessiert. Sie befanden sich in der Vorbereitungsphase für einen Besuch in Kenia und Austausch mit kenianischen Schülerinnen.

Um die reproduktiven Rechte von Mädchen und Frauen in Mittelamerika ging es bei einem Besuch der mexikanischen Frauenrechtsanwältin Regina Tamés von der NRO GIRE im Juni 2017. GIRE kämpft auf gerichtlicher, politischer und bewusstseinsbildender Ebene u.a. dafür, dass Frauen frei entscheiden können, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen. Auch das Recht auf legale und sichere Abtreibung steht im Fokus. Dieser Austausch ist für die TDF-Partnerorganisation MIRIAM in Nicaragua relevant, wo Abtreibung selbst bei Gefahr für das Leben der Frau verboten und die Lage für Mädchen und Frauen auch hinsichtlich anderer Rechte prekär ist. TDF hat GIRE und MIRIAM vernetzt, so dass sie ihre juristische und aktivistische Expertise austauschen können.

Am 16.11.2017 kam Tanya Rubinstein, Ko-Koordinatorin der israelischen Organisation Coalition of Women for Peace zum gemeinsamen Austausch mit dem Referat Internationale Zusammenarbeit ins TERRE DES FEMMES Büro.

Öffentlichkeitsarbeit

"Selbstbestimmung" war das Motto des Sponsorenlaufs des Elisabeth-Lüders-Berufskollegs Hamm 2017. Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg Hamm"Selbstbestimmung" war das Motto des Sponsorenlaufs des Elisabeth-Lüders-Berufskollegs Hamm 2017. Foto: © Elisabeth-Lüders-Berufskolleg HammVeranstaltungen in Kooperation mit Schulen sind im Jahr 2017 verstärkt zum Tragen gekommen. Wie schon im Vorjahr organisierte das Elisabeth-Lüders-Berufskolleg aus Hamm einen Sponsorenlauf gegen weibliche Genitalverstümmelung in Sierra Leone. Im Oktober 2017 erliefen über hundert LäuferInnen fast 3.000 Euro für das Schutzhaus-Projekt der TDF-Partnerorganisation AIM. Um TDF persönlich den Spendenscheck zu überreichen, besuchten die angehenden ErzieherInnen und ihre Lehrkräfte im November 2017 die TDF-Geschäftsstelle in Berlin. Dabei wurden sie über die Entwicklungen des Schutzhaus-Projekts und die aktuelle frauenrechtliche Lage in Sierra Leone informiert.

Ebenfalls von SchülerInnen finanziell unterstützt wurde die TDF-Partnerorganisation AAFMHL in Kamerun. Nach einem Besuch in der TDF-Geschäftsstelle im Oktober 2017 entschied sich die BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft aus Berlin, das bei einem Urban Volleyballturnier erspielte Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro für Mädchenbildung in Kamerun zu spenden.

Unser Aktionsradius in der Öffentlichkeitsarbeit und beim Fundraising wird oft durch das großartige Engagement der ehrenamtlichen Projektkoordinatorinnen verstärkt. Sie nutzen ihre jährlichen Projektbesuchsreisen, um vor Ort die Partnerorganisationen und ihre Projektaktivitäten zu besuchen, aber auch um Interviews zu führen, die für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden. Hier ein konkretes Beispiel unter vielen von Irma Bergknecht/TDF-ehrenamtliche Projektkoordinatorin Burkina Faso, die ein interessantes Gespräch bei ihrem letzten Projektbesuch mit der (ehemaligen) Assistentin einer Beschneiderin geführt hatte.

Dank der tatkräftigen Unterstützung durch Susanne Meister/TDF-ehrenamtliche Projektkoordinatorin Mali konnten wir beim Africa Festival 2017 in Würzburg durch einen TDF-Stand vertreten sein.

Unsere Öffentlichkeitsarbeit erfährt ebenso Verstärkung durch das besondere Engagement unserer TDF-Vorstandsfrauen, die im Rahmen ihrer repräsentativen Aufgaben für TDF auch unsere IZ-Kooperationen nach Außen tragen. Auch hier nur ein Beispiel unter vielen: unsere Vorstandsfrau Inge Bell nahm an der Münchner Fachtagung „Frauenhandel bekämpfen: Erfahrungen und Projekte aus Osteuropa“ teil. Gemeinsam mit Juliane von Krause/ehrenamtliche Projektkoordinatorin Bulgarien konnte sie den Rahmen der Tagung nutzen, um sich mit dem Projektverantwortlichen unseres FLORIKA-Projektes in Bulgarien zu treffen und auszutauschen.

Der Frauentag 2017 stand für das Referat IZ unter dem Motto „Nein zu Früh- und Zwangsverheiratung“ in der Türkei und Deutschland. Mit finanzieller Unterstützung des BMZ konnten sieben entwicklungspolitische Diskussionsveranstaltungen und eine Bilderausstellung in Köln, Bonn, Hamburg und Berlin ausgerichtet werden, die ein großes Publikum in den Bann zogen. Im Rampenlicht stand YAKA-KOOP, TDF-Partnerorganisation in der Türkei, die seit 2002 Beratungs- und Aufklärungsarbeit zum Thema Gewalt im Namen der Ehre leistet. Wenn YAKA-KOOP auch nicht, wie ursprünglich geplant, persönlich vertreten war, wurde von den jetzigen und früheren ehrenamtlichen Projektkoordinatorinnen und Hauptrednerinnen Necla Kelek, Dilek Okur, Sermin Güven und Eva Ritte intensiv über sie berichtet. Kooperationspartner der Veranstaltungsreihe waren u.a. die Frauenrechtsorganisation HennaMond in Köln, die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, das Bezirksamt Neukölln in Berlin und der Landesfrauenrat in Hamburg. Als Podiumsgäste konnten prominente Frauenrechtlerinnen und Türkei-Expertinnen wie die Ex-Bundestagsabgeordnete Dr. Lale Akgün, die Leiterin des türkischen Programms der Deutschen Welle Seda Serdar und die Aktivistin Cigdem Toprak gewonnen werden. Ein besonderes Highlight waren die Diskussionen zu Früh- und Zwangsverheiratung an Berliner Gymnasien und in Mädchencafés. Dass Menschenrechte universell und damit unabhängig von der Kultur gültig sein müssen, gerade für die Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen, war immer wieder Fazit. Aber auch Religionsfreiheit stand für die jungen Menschen oben auf der Liste.

Die Vernissage der Bilderausstellung „Mit dem Malstift gegen die geraubte Kindheit“, bei der 21 Gemälde von SchülerInnen aus Van in der Südosttürkei zwischen 8 und 16 Jahren gezeigt wurden, erfreute sich mit 80 Gästen großer Beliebtheit.

Mit unseren E-Mailing-Spendenaktionen wollen wir nicht nur Spendengelder sammeln, sondern auch aufmerksam machen auf besondere Bedarfe, die sich aktuell in der Projektarbeit unserer Partnerorganisationen stellen. Unsere Spendenaktionen im Jahr 2017 hatten zum Ziel, Länder wie Indien, die aufgrund begrenzter Spendeneingänge nur in kleinem Rahmen finanziell gefördert werden, nachhaltiger unterstützen zu können, sowie akute Finanzierungslücken bei größeren Projektvorhaben wie dem Bau von zwei Frauenhäusern in Mali zu schließen.

Eine erste Spendenaktion kam im Januar einem auf der Spendenplattform betterplace.org initiierten Projekt zur Instandhaltung und Erweiterung des Schutzhauses der TDF-Partnerorganisation AIM in Sierra Leone zugute.

Im April profitierte das TDF-Partnerprojekt zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und Beratung gewaltbetroffener Frauen in Indien von einer Spendenaktion.

Nach der Nicaragua-Besuchsreise wurde eine Spendenaktion zugunsten der Durchsetzung der Rechte von Mädchen und Frauen auf Gewaltfreiheit und Bildung in Nicaragua durchgeführt.

Mit einer weiteren Spendenaktion wurde die Arbeit in unserem FLORIKA-Projekt in Bulgarien unterstützt: STOPP dem internationalen Menschenhandel.

Den Weltmädchentag haben wir zum Anlass genommen, um Spendenwerbung zur Unterstützung der Arbeit im Frauenschutzhaus Bamako/Mali voran zu bringen.

 

Stand: 02/2018

 

Ereignisse aus dem Jahr 2015

Treffen und Austausch mit entwicklungspolitischen Akteuren

Das Referat für Internationale Zusammenarbeit beteiligte sich in diesem Jahr weiter an wichtigen entwicklungspolitischen Diskussionsrunden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lädt zum Beispiel regelmäßig zu einem Gender-Themen-Team ein. In dieser Runde treffen sich frauenpolitisch orientierte Organisationen aus dem Bereich der Internationalen Zusammenarbeit zum Austausch über aktuelle politische Themen. Dazu gab es reichlich Anlass, denn nicht nur das Europäische Jahr für Entwicklung 2015 spielte eine Rolle, auch die G7- und G20-Treffen unter der Präsidentschaft von Deutschland fanden statt. Darüber hinaus standen das Ablaufen der Milleniumsentwicklungsziele und die Einigung auf die Post-2015-Nachhaltigkeitsziele auf der Agenda.

Auf Vorschlag der Europäischen Kommission erklärten das Europäische Parlament das Jahr 2015 zum Europäischen Jahr für Entwicklung. Das Motto lautete „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“. Dies war auch der Anlass, dass das Informationsbüro des Europäischen Parlaments mit TERRE DES FEMMES am Internationalen Frauentag gemeinsam zu einer Film-Matinée eingeladen hatte. Mit dem Film „Girl Rising“ und dem Schwerpunkt Mädchenbildung stärken – weltweit! - konnten wir viele Menschen ins Kino locken.

Der Besuch unserer Fachfrau Martine Mbritchè aus Kamerun gab den Anstoß, um beim Abgeordneten Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Frauenrechte in der Internationalen Zusammenarbeit zu stärken.

Christa Stolle, TDF, Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martine Mbritchè aus Kamerun und renate Staudenmeyer, TDFChrista Stolle, TDF, Dr. Georg Kippels MdB vom Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martine Mbritchè aus Kamerun und Renate Staudenmeyer, TDF

Eine Frauenrechtlerin aus dem Sudan hat mehrere Tage bei uns in der Geschäftsstelle hospitiert und wir konnten mit ihr die verschiedenen Facetten der Internationalen Zusammenarbeit sowie unsere jeweiligen feministischen Strategien austauschen.

Im Netzwerk VENRO - Verband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen – sind wir bei der AG Gender dabei. Die Teilnahme an der Jubiläumsfeier "20 Jahre VENRO – Gemeinsam mehr erreichen" bot uns ebenso die Möglichkeit, Kontakte und aktuelle Informationen auszutauschen.

Im Afrika-Haus Berlin haben wir an der Debatte „Gendergerechtigkeit in Afrika“ teilgenommen.

Und weitere Treffen gab es mit KollegInnen von Brot für die Welt, UN Women, Weltfriedensdienst, Plan International, Auswärtigem Amt, mit dem Institut für Auslandsbeziehungen, UN Women, Ärzte ohne Grenzen etc.

Globale Post-2015-Entwicklungsagenda

Die bereits seit 2013/2014 angelaufene Debatte um die Milleniumsentwicklungsziele und ihre Nachfolge-Agenda wurde im Jahr 2015 auf vielen unterschiedlichen Ebenen weitergeführt: staatlich-zivilgesellschaftlich, national-international.

Die Erarbeitung der sogenannten Nachhaltigkeitsziele - Sustainable Development Goals (SDGs) wurde erstmals 2012 auf der Rio+20-Konferenz beschlossen. Unterschiedlichste AkteurInnen, vor allem auch der Zivilgesellschaft wurden in die Formulierung der Ziele mit eingebunden. Die Agenda „Transforming the World: The 2030 Agenda for Sustainable Development“ ist im September 2015 auf dem UN Gipfel zu Nachhaltiger Entwicklung verabschiedet worden und tritt ab Januar 2016 in Kraft. Die SDGs setzen sich zusammen aus 17 Entwicklungszielen mit 169 Unterzielen. Sie zielen darauf ab, extreme Armut zu beenden, Ungleichheit und Ungerechtigkeit abzuschaffen, sowie die Umwelt zu schützen. Wie schon am Namen zu erkennen, soll nun weniger der Entwicklungsaspekt, als vielmehr Nachhaltigkeit im Zentrum stehen. Während die vorherigen Milleniumsentwicklungsziele in der Praxis nur für Länder des Globalen Südens gedacht waren, richten sich erstmalig die SDGs universell an alle Länder. Diese Agenda stellt ein weltweites Rahmenwerk für unsere globale Entwicklung dar, dessen Ziele 2015-2030 erfüllt sein sollen.

Feministische Organisationen wie die Women’s Major Group sehen ein großes Potential in den SDGs, wenn sie so umgesetzt werden, wie sie auf dem Papier stehen. Dazu müssen nun ausreichend finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Positiv hervorgehoben wird vor allem, dass die Gleichheit der Geschlechter als Voraussetzung für die Erfüllung der anderen Ziele angesehen wird. Die Women’s Major Group begrüßen außerdem, dass es ein eigenständiges Ziel zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit und dem Empowerment von Mädchen und Frauen gibt (SDG 5: Achieve gender equality and empower all women and girls).

VENRO hatte im November 2015 zu einer Konferenz eingeladen „Was hat das Entscheidungsjahr 2015 für Frauen gebracht?“ und außerdem unter dem Titel „Lippenbekenntnisse oder Taten – was bringt die Agenda 2030 für Frauen und Mädchen“ Position bezogen.

Besuche aus unseren Partnerorganisationen

Ein absolutes Highlight im Referat IZ war die Veranstaltungstour, die wir mit Martine Mbritchè (Mafa-Frau aus Nordkamerun) für unsere Kooperation AFFMHL/Kamerun hier in Deutschland durchgeführt haben. Im September/Oktober 2015 tourten Prof. Godula Kosack (TDF-Projektkoordinatorin) und Martine Mbritchè durch sieben Städte und informierten an Schulen, Universitäten, Weltläden, Volkshochschulen mit Informationsveranstaltungen über die Bedeutung von Bildung für die Stärkung von Mädchen und Frauen in Nordkamerun. Die insgesamt 16 Veranstaltungen wurden von mehr als 450 Menschen besucht und bildeten die Plattform für spannende Diskussionen im Nord-Süd-Dialog.

Neue Projektaktivitäten mit unseren Partnerorganisationen

Seit August 2014 haben uns erschreckende Nachrichten von unserer Partnerorganisation „Amazonian Initiative Movement“ in Sierra Leone erreicht: die Ebola-Epidemie hat sich in rasentem Tempo und mit erschreckenden Ausmaßen auch in Sierra Leone ausgebreitet. Wir wollten nicht tatenlos zusehen und haben mehrere Hilfsaktionen ins Leben gerufen, die 2015 fortgeführt wurden.

Durch die großzügige Unterstützung eines Kölner Unternehmers wurde die Kooperation mit dem Frauenschutzhaus in Mali und der Frauenorganisation APDF -Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes (Organisation zur Förderung und Verteidigung der Rechte der Frauen) wieder aufgenommen.

Es ist angedacht aus dieser Zusammenarbeit evtl. auch eine TDF-eigene Kooperation wachsen zu lassen. Um die diesbezüglichen Möglichkeiten auszuloten, wurden Kontakt und Austausch zu APDF und Mme Diakité intensiviert.

Im Dezember 2014 haben wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Bangr Nooma/Burkina Faso ein neues BMZ-finanziertes Projekt gestartet, welches zum Ziel hat, in Ouagadougou eine Anlaufstelle für Gewaltschutz von Mädchen und Frauen aufzubauen. Bereits im Juni 2015 konnte das Beratungszentrum für Mädchen und Frauen CAECF - Centre d’Accueil, d’Ecoute et de Conseils pour les Femmes et les Filles - feierlich eröffnet werden.

Ab Dezember 2015/Januar 2016 gab es wieder einen Wechsel in der Indien-Kooperation: gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt unterstützen wir nun die Frauenorganisation BHUMIKA, die eine Telefon-Hotline für von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen in der Region Andhra Pradesh betreibt.

Eine ganz erfreuliche Nachricht gab es aus Afghanistan: nach langen Mühen und Verhandlungen, Fördermittelantrag von DAI beim Auswärtigen Amt -- und Dank der Unterstützung durch unsere SpenderInnen konnte endlich der erste Spatenstich zum Bau eines eigenen Frauenzentrums Shahrak im Dezember 2014 getan werden. Bereits im Juni 2015 wurde das neue Frauenzentrum eingeweiht!

Auslandsdelegationen

Im April 2015 empfingen wir zwei Frauenrechtaktivistinnen aus Mexiko und Peru, die uns interessante Einblicke in ihre feministischen Aktivitäten gaben. Während des Gesprächs hat man das besonders große Interesse an der aktuellen Prostitutions-Debatte bei unseren Gästen festgestellt: Sexkaufverbot ja oder nein? Letztes Jahr hat TDF bezüglich der Thematik in einem Positionspapier dazu Stellung genommen: Wir setzen uns für ein Sexkaufverbot ein. Aber die interne Diskussion war bei diesem Thema bei TERRE DES FEMMES sehr kontrovers und hitzig geführt. Unsere Delegationsgäste berichteten, dass in ihren Ländern die feministischen Grabenkämpfe ganz ähnlich aussehen.

Am 5. Juni 2015 besuchte eine indische Studierendengruppe die Geschäftsstelle von TERRE DES FEMMES. Die Studierenden vom Fach Jura, die für eine Woche zu Gast an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin sind, waren sehr interessiert mehr über das Sexualstrafrecht in Deutschland zu erfahren und sich über die Arbeit von TERRE DES FEMMES zu informieren.

Am 8. Juni 2015 haben wir vierzehn Frauen aus dem irakischen Kurdistan bei uns in der Bundesgeschäftsstelle begrüßt. Organisiert wurde das Treffen in Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin und deren irakischer Partnerorganisation Jiyan Foundation for Human Rights. Die Frauen sind im Rahmen eines einwöchigen Trainings zu den Themen Frauenrechte, Frauenschutz und Empowerment nach Berlin gekommen.

Am 03. Juli 2015 traf sich Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, mit einer weiblichen Delegation von den Malediven, um über Frauen- und Menschenrechte sowie Gewalt gegen Frauen zu sprechen. Die Gruppe von sieben Politikerinnen, die allesamt der maledivischen Opposition angehören, besuchte Deutschland für einige Tage, um sich mit VertreterInnen aus Politik und Zivilgesellschaft auszutauschen.

Öffentlichkeitsarbeit

Wir haben den internationalen Frauentag 2015 mit der erfolgreichen Film-Matinée „Girl-Rising“ begangen.

In der von der Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit herausgegebenen Zeitschrift DHIVA (Juni 2015) wurde ein Artikel veröffentlicht über unsere Ebola-Hilfsaktionen mit AIM in Sierra Leone.

Mit mehreren Spendenaktionen haben wir auf unsere Projektarbeit und internationale KooperationspartnerInnen aufmerksam gemacht. Sehr erfolgreich verlief unsere Spendenverdopplungsaktion mit der Bethe-Stiftung und zugunsten unseres FLORIKA-Projektes in Bulgarien.

Die TDF-Botschafterin Sibel Kekilli hat vom 7. bis 10. Juni 2015 gemeinsam mit unserer ehrenamtlichen Projektkoordinatorin Juliane von Krause erstmals ein Roma-Viertel der Stadt Burgas und unser FLORIKA-Projekt in Bulgarien besucht.

Auch unsere langjährige Partnerorganisation Bangr Nooma konnte sich über Aktionsspenden freuen: wir haben uns für Mopeds – schneller unterwegs im Kampf gegen die Weibliche Genitalverstümmelung - haben wir uns stark gemacht,

Darüber hinaus hat die Städtegruppe Nürnberg gleich zweimal wertvolle Sachspenden von OP-Instrumenten für den Gynäkologen Prof. Akotionga/Burkina Faso aufgetan. Gemeinsam mit Bangr Nooma hilft er notleidenden Mädchen und Frauen, die von Weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind.

Zur Eröffnungsfeier des CAECF von Bangr Nooma gab es eine TERRE DES FEMMES-Delegationsreise. Irma Bergknecht (TDF-Vorstandsvorsitzende) und Renate Staudenmeyer (Referat IZ) haben über ihre Erfahrungen in Burkina Faso einen Bericht geschrieben, der in verschiedenen entwicklungspolitischen Zeitungen veröffentlicht wurde (Iz3W; E+Z; Pambazuka News).

Wir haben uns beim BMZ-Besucherdienst einklinken können. Sie empfangen dort Besuchergruppen von ca. 50 bis 60 Personen, meist parteigebundene Menschen aus den Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten, um Öffentlichkeitsarbeit für die deutsche Entwicklungspolitik zu machen. In diesem Rahmen können sich auch Organisationen der Zivilgesellschaft mit ihrer konkreten Projektarbeit präsentieren. Wir sind am Ball...

 

Stand: 02/2016