Pressearchiv 2007

17.09.2007: Mehr Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung von Bundesregierung gefordert

Am Mittwoch, den 19. September 2007 befasst sich der Familienausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Anhörung mit dem Thema weibliche Genitalverstümmelung.

Weltweit gibt es etwa 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Die Mehrheit der Betroffenen lebt in Afrika. In Deutschland sind es mindestens 19.000. Daher fordert TERRE DES FEMMES die Bundesregierung in einer Stellungnahme auf, Betreuungsangebote für die betroffenen Frauen finanziell zu unterstützen und den Aufbau eines bundesweiten Referenzzentrums zu fördern.

“Es fehlt an einer deutschlandweiten Anlaufstelle für ÄrztInnen, Lehrkräfte, SozialarbeiterInnen, Polizei und Justiz. Oft werden sie das erste Mal mit Genitalverstümmelung konfrontiert, wenn Betroffene Hilfe brauchen. Diese wollen aber ganzheitlich wahrgenommen und nicht nur auf ihre Genitalien reduziert werden. Daher muss das Thema Gewalt gegen Mädchen und Frauengesundheit fester Bestandteil beruflicher Aus- und Weiterbildung werden", so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES: “VertreterInnen von Bund, Ländern und Kommunen müssen sich mit Betroffenen an einen Tisch setzen und konkrete Schritte erarbeiten. Seit der ersten Bundestagsanhörung zum Thema vor zehn Jahren ist viel zu wenig geschehen. Den Worten müssen endlich Taten folgen."

 

15.01.2007: Freispruch für Nazanin: Hinrichtung konnte abgewendet werden

Ein Gericht in Teheran hat die 19-jährige Iranerin Nazanin Fatehi freigesprochen. Sie war zum Tode verurteilt worden, weil sie sich gegen einen Vergewaltiger wehrte und ihn aus Notwehr tötete.

Nazanin war noch minderjährig, als sie von drei Männern angegriffen wurde und einen der Angreifer tödlich verletzte. Ein iranisches Gericht verurteilte Nazanin Anfang letzten Jahres deshalb zum Tod durch Erhängen. Man wollte ein Exempel statuieren, damit “nie wieder eine Frau es wagt, sich gegen einen Mann zur Wehr zu setzen", so die Urteilsbegründung.

Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt, mit Erfolg: Nazanin Fatehi wurde nun freigesprochen. Ein Teheraner Gericht hat entschieden, dass sie aus Notwehr gehandelt habe.

“Der Freispruch ist nicht zuletzt auf die internationalen Proteste gegen das Todesurteil zurück zu führen", so Myria Böhmecke, Referentin der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES. TERRE DES FEMMES protestierte zusammen mit dem “Internationalen Komitee gegen Steinigung" mit einer breit angelegten Unterschriftenaktion und Demonstrationen gegen die Todesstrafe von Nazanin. Es wurden für Nazanin außerdem zwei Anwälte engagiert, die sich für ihren Freispruch einsetzten.

“Wir sind sehr froh und erleichtert, dass Nazanin freigesprochen wurde", so Böhmecke. Allerdings kann Nazanin das Gefängnis noch nicht verlassen, weil ihre Familie ein “Blutgeld" zahlen soll, sozusagen als “Ausgleich" für den Tod des Mannes."

Die Rechtsanwälte von Nazanin legen gegen dieses Urteil Revision ein, weil die Familie von Nazanin die hohe Summe nicht zahlen kann. Wenn eine Kaution gezahlt wird, kann Nazanin aber voraussichtlich nächste Woche schon das Gefängnis verlassen. Die Kaution allerdings muss aus Spenden finanziert werden.

Der Fall von Nazanin ist kein Einzelfall: Allein im Jahr 2004 wurden mindestens 159 Personen im Iran hingerichtet, die tatsächliche Anzahl ist unbekannt. Unter den Hingerichteten befanden sich viele Frauen, teilweise auch Minderjährige.

Spendenkonto zur Unterstützung von Nazanin:
TERRE DES FEMMES,
Kreissparkasse Tübingen,
Kt.-Nr. 881999,
BLZ 64150020,
Stichwort “Nazanin".

Bei Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e. V.,
Postfach 2565,
72015 Tübingen,
Myria Böhmecke,
Tel. 07071/7973-0,
E-Mail: info@frauenrechte.de

24.01.2007: Schulkampagne zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung, Auftakt am 31.1.07 in München

Logoleiste
TERRE DES FEMMES, die WARIS DIRIE FOUNDATION und FORWARD starten zusammen eine Schulkampagne zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung

Waris Dirie stellt die TERRE DES FEMMES-Unterrichtsmappe "Weibliche Genitalverstümmelung" vor und Fadumo Korn liest aus ihrem Buch "Geboren im Großen Regen". Die Präsentation und die Lesung finden am 31. Januar um 10:00 Uhr am Oskar-von-Miller-Gymnasium, Siegfriedstraße 22, 80803 München statt. Dazu ist die Presse herzlich eingeladen.

TERRE DES FEMMES stellt ihre neue Unterrichtsmappe zum Thema "Weibliche Genitalverstümmelung" vor. Die UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie kommt zur Präsentation nach München und unterstützt das Engagement von TERRE DES FEMMES an Schulen: "Information und Bildung sind unsere stärksten Waffen im Kampf gegen dieses frauenverachtende Ritual. Wenn es uns gelingt, unsere Grenzen im Kopf zu überwinden, können wir alles erreichen!" appelliert sie an Schülerinnen und Schüler. Täglich gehen bei TERRE DES FEMMES und der Waris Dirie Foundation Anfragen von Schülerinnen und Schülern aus aller Welt ein. Viele Jugendliche kennen den Welt-Bestseller "Wüstenblume" oder ein anderes Buch des ehemaligen Top-Models. Die aus Somalia stammende Autorin hat darin ihre traumatischen Erfahrungen durch den Eingriff der Genitalverstümmelung beschrieben und setzt sich seitdem für die Überwindung der Praxis ein.

Unterstützt wird die Schulkampagne auch von der bekannten Münchner Autorin und FORWARD-Aktivistin Fadumo Korn. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Oskar-von-Miller-Gymnasiums liest sie aus ihrem Buch "Geboren im Großen Regen". Darin beschreibt sie ihre Kindheit in Somalia, die Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung für ihr Leben und ihre Erfahrungen als Betroffene in Deutschland. Begleitet wird die Lesung mit afrikanischen Rhythmen von der Percussion-Gruppe des Schwabinger Gymnasiums.

Damit soll im Vorfeld des 6. Februar ein gemeinsames Zeichen gesetzt werden. Seit 2003 ist dies der Internationale Tag "Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung". Das Angebot einer Unterrichtsmappe zum Thema fehlt in Deutschland bislang. Hintergrundartikel, Erfahrungen Betroffener, ein Comic und Vorschläge für Unterrichtsstunden und Aktionstage erleichtern es Lehrkräften das schwierige Thema FGM (Female Genital Mutilation) an Schulen aufzugreifen. "Wir möchten nicht, dass es bei der Betroffenheit bleibt", so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, "sondern dass Jugendliche in unseren Schulen gegen das Unrecht aktiv werden, das weltweit Tag für Tag 8.000 Mädchen angetan wird."

TERRE DES FEMMES e.V.
Kreissparkasse Tübingen
BLZ 641 500 20
Kto: 881 999
Konrad-Adenauer-Str. 40
72072 Tübingen
Tel. +49(0)7071/7973-0
Fax: +49(0)7071/7973-22
www.frauenrechte.de


FORWARD-Germany e.V.
Frankfurter Sparkasse
BLZ 500 502 01
Kto: 2000 29398
Frauenloft. Hohenstaufenstr. 8
60327 Frankfurt/Main
Tel. +49(0)69/13826078
Fax: +49(0)69/13826077
www.forward-germany.org

 

Waris Dirie Foundation
Millenium Tower, 24th Floor
Dresdner Bank BLZ 500 803 00
Kto: 0405564000
Handelskai 94-96
1200 Vienna, Austria
Tel. +43(1)24027/6350
Fax: +43(1)24027/6355
www.waris-dirie-foundation.com

18.01.2007: TERRE DES FEMMES erhält Integrations-Preis 2007 der Stiftung Apfelbaum

TERRE DES FEMMES erhält den Integrations-Preis für den Aufbau einer breiten Menschenrechtsbewegung für Frauen von der Stiftung Apfelbaum. Die Kölner Stiftung fördert längerfristig angelegte und auf Gemeinsamkeit ausgerichtete Wachstumsprozesse. Für sie heißt integrativ sein handlungsbezogen zu denken und durchdacht zu handeln, außerdem Einzelheiten zu berücksichtigen und zugleich den größeren Zusammenhang sowie die langfristigen Wirkungen im Blick zu behalten.

Da TERRE DES FEMMES gemäß der Stiftung Apfelbaum entsprechend denkt und handelt, wurde die Menschenrechtsorganisation als Preisträgerin ausgewählt. Die Stiftung Apfelbaum würdigt in einem ausführlichen Brief den über 25 Jahre währenden Einsatz der Organisation. TERRE DES FEMMES habe ein nationales und internationales Netzwerk entwickelt, das die Öffentlichkeit über Ausbeutung, Misshandlung und Verfolgung von Frauen informiert.

Die Nachricht von der Preisvergabe wird in der Bundesgeschäftsstelle mit großer Freude aufgenommen. “Der Samen mit der Idee, Frauen durch gezielte Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit weltweit ein selbstbestimmt es und freies Leben zu ermöglichen, ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Auch wenn unsere Arbeit schon Früchte trägt, gibt es noch viel für uns zu tun. Für die Unterstützung der Stiftung Apfelbaum sind wir sehr dankbar.", so Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

Der mit 5000 EUR dotierte Preis wird seit 1996 jährlich an eine Institution und an eine Person vergeben. Er soll exemplarisch zeigen, was langfristiges Denken und Handeln in größeren Zusammenhängen bedeutet sowie auf vorbildliche Aktivitäten hinweisen. Bisherige PreisträgerInnen sind u.a. Prof. Dr. Hans Küng, Alice Schwarzer, Dres. h.c. Johannes Rau, amnesty international und Transfair e.V.. In diesem Jahr ist die zweite Preisträgerin Monika Hauser (Gründerin von medica mondiale).

Für Nachfragen und Interviewwünsche stehen wir gerne zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an: TERRE DES FEMMES:
Christa Stolle (Geschäftsführerin),
Tel. 07071/79 73-15,
E-Mail: geschaeftsfuehrung@frauenrechte.de.

01.02.2007: TERRE DES FEMMES begrüßt Bundestagsdebatte zu weiblicher Genitalverstümmelung

TERRE DES FEMMES begrüßt, dass am 2. Februar eine Bundestagsdebatte zu weiblicher Genitalverstümmelung stattfindet. Anlass sind von Fraktionen der Oppositionsparteien eingereichte Anträge.

Mitte November reichten Bündnis 90/Die Grünen ihren Antrag in den Bundestag ein. Darin fordern sie die Bundesregierung auf, weitere Maßnahmen zum Schutz Gefährdeter zu ergreifen: Länder, in denen Genitalverstümmelung verbreitet ist, sollen von der Europäischen Union nicht als sichere Herkunftsländer festgelegt werden. Darüber hinaus plädieren Bündnis 90/Die Grünen dafür, Beratungsangebote für Betroffene auszubauen, wichtige Berufsgruppen zu sensibilisieren und einen bundesweiten “Runden Tisch" einzuberufen.

Im Dezember reichte die FDP-Fraktion ebenfalls einen Antrag ein. Sie fordert von der Bundesregierung, dass die Rechte von Mädchen und Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit stärker berücksichtigt werden. Außerdem möchte die FDP prüfen lassen, inwieweit die bestehende Rechtslage in Deutschland ausreicht, um Fälle von Genitalverstümmelung zu ahnden. Bislang fällt Genitalverstümmelung in Deutschland unter den Tatbestand der schweren und gefährlichen Körperverletzung.

TERRE DES FEMMES begrüßt die Debatte im Vorfeld des 6. Februar, des Internationalen Tags “Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung." und plädiert für eine öffentliche Anhörung im Bundestag. Damit würde das komplexe Thema der weiblichen Genitalverstümmelung in einen breiteren Zusammenhang gestellt.

Nach Berechnungen von TERRE DES FEMMES leben mindestens 19.000 bereits betroffene Frauen und über 4.000 gefährdete Mädchen in Deutschland. Ihre Situation muss in den aktuellen Debatten um Integration und verbesserte Kinderschutzmaßnahmen stärker berücksichtigt werden.

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an:
TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V.,
Postfach 2565,
72015 Tübingen,
Franziska Gruber,
Tel: 07071-7973-0,
E-Mail: genitalverstuemmelung@frauenrechte.de