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09. Februar 2010 Startseite arrow Themen/Aktionen arrow Aktionen arrow Gäste des Filmfests 2007 arrow Menschenrechtsaktivistin Assabah Khan berichtet über die aktuelle Lage der Frauen in Kaschmir
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Menschenrechtsaktivistin Assabah Khan berichtet über die aktuelle Lage der Frauen in Kaschmir Druckversion dieser Seite E-Mail-Versand an:
Assabah KhanAm 18. Oktober 2007 war die Menschenrechtsaktivistin Assabah Khan zu Besuch in der Bundesgeschäftsstelle von TERRE DES FEMMES.

Assabah Khan kommt aus dem Bundesstaat Jammu und Kaschmir, dem von Indien verwalteten Gebiet Kaschmirs. Die Journalistin arbeitet an der Sher-i-Kashmir Universität. Sie ist Redakteurin für die englische Internetseite Indymedia und schreibt Artikel für Indymedia sowie für die amerikanische Organisation IMOW (International Museum of Women).

In ihrer Arbeit setzt sie sich unter Gefährdung der eigenen Sicherheit unbeirrt für die Menschenrechte in Kaschmir ein. Um den Frauen in schwierigen Lebenslagen eine Stimme zu verleihen, realisierte sie mit Filmemacherin Ella von der Heide den Dokumentarfilm "Women between the front lines" (Frauen zwischen den Grenzlinien).

Zur Präsentation ihres Films am 23.11.2007 kommt sie zum Frauenfilmfest nach Tübingen. Schon jetzt hat sie uns in der Bundesgeschäftsstelle von TERRE DES FEMMES besucht, um sich über die Arbeit von TDF zu informieren und über ihren Kampf für Menschenrechte zu berichten.

Der Alltag der Menschen wird von den Auseinandersetzungen der indischen und pakistanischen Armee und den Milizen aus dem eigenen Land bestimmt. Indische Militäreinheiten und Milizen erschießen willkürlich Männer, die sie für Verräter oder Kollaborateure halten. Zurück bleiben Witwen, die ohne staatliche Unterstützung den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen müssen.

Im traditionsbewussten Kaschmir ist der Ehemann Familienoberhaupt und Garant für die Einnahmen der gesamten Familie. Stirbt der Ehemann oder wird er vermisst, sind die Frauen auf sich allein gestellt. Eine erneute Heirat ist für die Frauen unmöglich, eine Erwerbsarbeit aufgrund von Tradition und mangelnder Bildung ausgeschlossen. Nach Assabah Khan ist "die Lage der Witwen auf dem Land besonders schwierig. Viele müssen sich ihren Lebensunterhalt erbetteln oder die Kinder aus der Schule nehmen, damit das Überleben der Familie gesichert ist."

Frauen in Kaschmir haben jedoch nicht nur ein mit vielen Hürden gepflastertes Alltagsleben zu bewältigen, sondern werden häufig auch Opfer von sexuellen Übergriffen in dem von Unruhen erschütterten Land. Assabah Khan wird immer wieder mit Berichten von Vergewaltigungen durch die indischen militärischen Spezialeinheiten konfrontiert. Die Menschenrechtlerin berichtet, dass "bei einem Nachteinsatz einer indischen Militäreinheit von 23. auf  24. November 1990 60 Frauen vergewaltigt wurden. Nicht einer der daran beteiligten Männer wurde wegen der verübten Vergewaltigungen verurteilt."

Erschwerend kommt hinzu, dass die betroffenen Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft, wie sie in Kaschmir besteht, mit dem sozialen Stigma einer Vergewaltigung leben müssen. Da die Sexualität der weiblichen Familienmitglieder als Symbol für die Ehre der gesamten Familie gesehen wird, wird der Gewaltakt häufig verschwiegen und das Vergewaltigungsopfer aus dem sozialen Kreis ausgeschlossen. Dies verstärkt das durch die Vergewaltigung erlittene psychische Trauma bei den Betroffenen noch zusätzlich.

Unter schwierigen Umständen leben auch Frauengruppen, die ethnischen Minderheiten angehören. Die aus dem Bundesstaat Kaschmir nach Jammu vertriebenen Menschen leben in Flüchtlingslagern. Assabah Khan hat die Zeltlager in Jammu besucht und mit den Menschen vor Ort gesprochen: "Die Frauen leben unter katastrophalen hygienischen Umständen, was ihre physische und psychische Gesundheit gefährdet."

Um die Lebensumstände der kaschmirischen Frauen zu verbessern gründete Assabah Khan mit weiteren MitstreiterInnen die Initiative "Voices from the Women of Kashmir" (Stimmen der Frauen Kaschmirs). Die Organisation ist eine Kooperation aus kaschmirischen und deutschen FrauenrechtsaktivistInnen.

Erklärtes Ziel ist es, auf die schwierige Situation der kaschmirischen Frauen aufmerksam zu machen. Hierzu ist Assabah Khan derzeit auf Besuchsreise in Deutschland. Gespräche mit PolitikerInnen und natürlich Vorführungen ihres Dokumentarfilmes sind Bestandteil der Reise.

Hintergrund:

Kaschmir ist eine der militarisiertesten Zonen weltweit. Heute teilt sich Kaschmir in den indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir, die pakistanischen Nordgebiete und das teilautonome pakistanische Azad Kashmir, sowie einige chinesische Gebiete (Aksai Chin).

Seit 1947 streiten Pakistan und Indien über den Status von Kaschmir, der bis heute ungeklärt bleibt. Die aus dieser Situation resultierenden Kriege führten zu vielen Toten und Binnenflüchtlingen. Die Sicherheitslage ist aufgrund der hohen Militärpräsenz auf der einen und  der Angriffe von bewaffneten Milizen auf der anderen Seite für die Bevölkerung äußerst prekär.

Die Unruhen spitzten sich1989 zu. 300.000 kaschmirische Hindus flohen von Kaschmir in den Bundesstaat Jammu.

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