Senegal

Vorkommen

Im Senegal wird weibliche Genitalverstümmelung (FGM = Female Genital Mutilation) von verschiedenen ethnischen Gruppen praktiziert und entsprechend können die meisten Angaben zum Thema nicht für das ganze Land verallgemeinert werden. In den Regionen Matam, Tambacounda, Kedougou, Kolda und Sedhiou sind mit einer FGM - Quote von 85% - 92% die meisten Frauen genitalverstümmelt. Bei den Wolof und den Serer Ethnien sind 2% der Frauen betroffen und die große Mehrheit unversehrt. Bei den Poular mit 62% Beschneidungsquote ist etwa die Hälfte der Frauen beschnitten worden und bei den Soninke wurden 78% dieser Menschenrechtsverletzung ausgesetzt. Unabhängig von der Religionszugehörigkeit fällt auf, dass die Mehrheit der Frauen in allen Gemeinden mit unbeschnittenem Genital lebt und nur eine Minderheit FGM erleben muss. Bei den Moslems sind es 29%, bei den Christen 11% und bei den Animisten 16% der Mädchen und Frauen.

Zahlen

Betroffene: 26% der Frauen
In Regionen: Matam 87%, Tambacounda 85, Kedougou 92%, Kolda 85, Sedhiou 86%, Ziguinchor 56%, saint Louis 40%, Kaffrine 10%, Dakar 20%, Fatick 7%, Kaolack 6%, Louga 4%, Diourbel 1%, Thies 4%.
Befürworterinnen: 17%
Beschneidungsalter: 75% wird vor dem vierten Lebensjahr genitalverstümmelt
100% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt.

Betroffen

Im Senegal gibt es große Regionen, in denen weibliche Genitalverstümmelung unüblich ist. Dazu zählen die meisten Gebiete der Wolof, die 43% der Gesamtbevölkerung ausmachen, sowie urbane Ballungsräume. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen: In Matam z.B. sind ein Drittel der Wolof-Frauen genitalverstümmelt.

Auch innerhalb der christlichen Gemeinden gehört FGM meist der Vergangenheit an.

Bei den Halpularen (wozu auch die Peulh gehören) werden 88% der Mädchen und Frauen genitalverstümmelt. Sie leben vor allem im Süden und Osten Senegals und praktizieren vermehrt in ländlichen Regionen. In den Städten ist jedoch immer noch jede fünfte Halpularen-Frau betroffen. Dies hängt damit zusammen, dass die weibliche Genitalverstümmelung wie auch bei den Diola und Mandingo als Initiationsritus verstanden wird und diese in Großstädten selten über die Generationen fortgesetzt und weiter durchgeführt werden können. Auch unter den Sarakole, Bambara, Mande und Tenda Gesellschaften ist FGM bekannt und von vielen akzeptiert.

Formen

Im Senegal werde Typ II und Typ III nach Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) praktiziert. Das bedeutet, dass fast allen betroffenen Mädchen die Labien und Klitoris abgeschnitten werden und jeder fünften davon die dadurch entstehende Wunde auch noch bis auf eine winzige Öffnung vernäht wird.

Begründungsmuster

Im Senegal befürchten 20% der Praktizierenden, dass sie ohne „beschnittene“ Genitalien nicht die ihnen zustehende soziale Achtung und Sicherheit genießen könnten. Die gesellschaftliche Konvention und der Druck gegenüber unversehrten Frauen innerhalb der FGM befürwortenden Ethnien ist damit der Hauptgrund für die Fortsetzung dieser Praxis.

Nur bei 3% der Befragten wurden bessere Heiratschancen als Grund für eine Genitalvertümmelung angegeben während 14% diesem Eingriff den Erhalt der Jungfräulichkeit zuschreiben und dies für erstrebenswert halten. Religiöse Gründe liegen bei 7% der Betroffenen vor, auch wenn keine Religion sich explizit für die weibliche Genitalverstümmelung ausspricht.

Gesetzliche Lage

Mit dem Artikel 299 wurde weibliche Genitalverstümmelung 1999 im Senegal verboten. Das Strafmaß wurde auf sechs Monate bis fünf Jahre festgelegt. Die Obergrenze gilt dabei für medizinisches Personal und wenn ein Mädchen während des Eingriffs stirbt, kann die Beschneiderin zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt werden. Die gleichen Strafen gelten übrigens nicht nur für die ausführenden Personen sondern für alle, die dazu angeregt, dabei mitgeholfen, geplant und die Tat gedeckt haben.

Tendenzen und Attitüde

Sowohl die Anzahl der BefürworterInnen als auch der Betroffenen ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben: Seit 2005 sprechen sich 18-17% für die Fortsetzung der weiblichen Genitalverstümmelung aus und 28-26% mussten sie selbst erleben. Diese Betroffenen sind zum Großteil Töchter von Frauen ohne Schulbildung und gehören zu den Ärmsten des Landes. Unter den wohlhabenden und gebildeten Bevölkerungsschichten wird FGM von gerade mal 7% befürwortet und von noch wenigen angewandt.

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