Mauritanien

Vorkommen

Zur weiblichen Genitalverstümmelung (= FGM = Female Genital Mutilation) in Mauretanien liegen uns nur wenige Daten vor. Die Angaben dieses Dokuments sind dem UN-Bericht FGM 2013 entnommen.

Zahlen

Betroffene: 69%
BefürworterInnen: 41% der Frauen und 70% der Männer
Beschneidungsalter: ungefähr die Hälfte der Mädchen wird im ersten Monat nach der Geburt genitalverstümmelt und über 80% bis zum vierten Lebensjahr.
Über 90% der Eingriffe werden durch traditionelle Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

Bei 80% der Genitalverstümmelungen in Mauretanien wird eine Exzision vorgenommen. Das heißt, dass die Labien zusammen mit der Klitoris entfernt werden. 6% der Mädchen wurden einer Klitoridektomie ausgesetzt, bei der die Klitoris und/oder Klitorisvorhaut weggeschnitten werden.

Begründungsmuster

Fast ein Drittel der Genitalverstümmelungen in Mauretanien wird religiös begründet obwohl FGM älter ist als Islam und Christentum. Bei 35% werden die Töchter genitalverstümmelt da soziale Sanktionen gegenüber Unversehrten gefürchtet werden. Frauen, die noch eine Klitoris haben, wird oft unterstellt, dass sie sexuell hemmungslos seien und ihnen kein Partner genügen könne. Darum ist für 31% auch der Erhalt der Jungfräulichkeit der Anlass der Genitalverstümmelung. 19% sehen auch Hygiene und spirituelle Reinheit als Folgen von FGM und wollen dies durch diese Menschenrechtsverletzung erzielen.

Gesetzliche Lage

Ein eigenes Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung gibt es in Mauretanien nicht. Allerdings hat die Regierung ein Dekret erlassen, das FGM durch medizinische Fachkräfte untersagt. Bisher blieb dies jedoch folgenlos.

34 religiöse Führer in Mauretanien haben gemeinsam eine Fatwa erlassen, die FGM verbietet.

Tendenzen und Attitüde

Auffällig ist in Mauretanien, dass bei den ärmsten Teilen der Gesellschaft die Diskrepanz zwischen BefürworterInnen und Betroffenen viel weiter auseinanderklafft als bei den wohlhabenden. Die gut situierten Frauen sind zu 21% betroffen und stehen zu 20% hinter der Fortsetzung von FGM. Bei den ärmsten Bevölkerungsgruppen sind 83% selbst betroffen obwohl nur 72% dafür plädieren würden. Dies zeigt – wie auch schon die Begründungsmuster – dass FGM oft nicht aus Überzeugung sondern aufgrund seiner sozialen Wirkung praktiziert wird. Die Familien möchten ihren Töchtern einen sozialen Aufstieg ermöglichen oder zumindest einen Abstieg verhindern. Dazu passt auch, dass 56% der Paare FGM einhellig unterstützen obwohl in der Gesamtbevölkerung der Zuspruch bei „nur“ 41% zu finden ist.

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