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Burkina Faso

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Burkina Faso.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Burkina Faso.Vorkommen

Burkina Faso ist sehr engagiert in der Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C - Female Genital Mutilation/Cutting). Seit über zwanzig Jahren bekämpft die Regierung diese Praktik und nimmt auch eine führende Rolle im internationalen Engagement gegen FGM/C ein. In Burkina Faso sind dennoch 76% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) genitalverstümmelt. Im gesamten Land liegt die Beschneidungsrate bei über 51%.

Unter den MuslimInnen ist die Beschneidungsrate mit 81% am höchsten. Bei den AnimistInnen liegt sie bei 76%, den Römisch-Katholischen bei 66%, anderen christlichen Religionen bei 60% und unter den keiner Religionen angehörigen bei 62%.

Zahlen

Betroffene: 13% der Mädchen (0-14 Jahre) und 76% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 9% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 53% der Mädchen (0-14 Jahre) wurden bis zu ihrem 4. Lebensjahr genitalverstümmelt, 38% zwischen ihrem 5. und 9. sowie 4% zwischen ihrem 10. und 14. und nochmals 1% nach dem 15. 98% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

In Burkina Faso wird mit 77% Typ II (Exzision) von FGM/C am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 17% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 1% der Verstümmelungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Begründungsmuster

In Burkina Faso sehen 24% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) FGM/C für die soziale Anerkennung unabdingbar. Nur 6% glauben, dass FGM/C den Körper und den Geist von Mädchen reinigen würde und 3% denken, dass ohne das Herausschneiden der Genitalien ihre Heiratschancen schlechter stünden. 4% sind überzeugt, dass die Praktik Jungfräulichkeit gewährt. 52% und damit über die Hälfte sehen keine Vorteile in einer Genitalverstümmelung.

Gesetzliche Lage

Das Engagement von Regierung und Nichtregierungsorganisationen gegen weibliche Genitalverstümmelung in Burkina Faso geht auf die Mitte der siebziger Jahre zurück. Im Jahr 1996 wurde jedoch erstmals ein Gesetz explizit gegen diese Menschenrechtsverletzung erlassen. Es gehört zu den härtesten in ganz Afrika. Seit Gesetz No. 043/96/ADP werden die Beschneiderin und InitiatorInnen mit bis zu drei Jahren Gefängnis und Geldstrafen bis zu 10.000 US Dollar bestraft.

Zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung hat der Staat Burkina Faso auch den 18. Mai als nationalen Tag zu diesem Thema etabliert und ein Budget im Staatshaushalt für die Bekämpfung von FGM/C festgelegt. Der Präsident hat sich öffentlich als Gegner weiblicher Genitalverstümmelung bekannt und das Gesetz gegen FGM/C wurde um weitere schädliche kulturelle Praktiken erweitert. Im Zuge eines vierjährigen Projekts haben sich über 130 Dörfer von FGM/C abgewandt und Initiativen zur Bekämpfung dieser „Tradition“ wurden gefördert. Allein zwischen 2005 und 2012 wurden über 800 Personen wegen weiblicher Genitalverstümmelung verhaftet und rechtskräftig verurteilt.

Haltung und Tendenzen

Die Verbreitung von FGM/C ist von 77% im Jahr 2003 auf 73% im Jahr 2006 gesunken, jedoch wieder auf 76% im Jahre 2010 angestiegen. Die Befürwortung der Praktik sank hingegen kontinuierlich auf einen heutigen Stand von 9%. 90% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 87% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) wünschen sich das FGM/C aufhört.

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Stand 09/2016

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