Eritrea

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Eritrea.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2014. Country Profile: Eritrea.Vorkommen

In Eritrea ist die Verbreitung von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C - Female Genital Mutilation/Cutting) sehr hoch. Insgesamt sind 83% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) betroffen. Mit Ausnahme von zwei Regionen ist die FGM/C-Rate stets über 80%. Mädchen werden in Eritrea sehr früh genitalverstümmelt. Knapp 60% haben den Eingriff bei ihrem fünften Geburtstag bereits hinter sich. Da Eritrea ein multikulturelles Land ist, können die Gepflogenheiten der weiblichen Genitalverstümmelung nur verallgemeinernd wiedergegeben werden. Je nach Ethnizität, sozialem Status, Region, Bildung und Religion verfolgen die praktizierenden Familien unterschiedliche Zwecke und praktizieren deshalb unterschiedliche Formen von FGM/C zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Zahlen

Betroffene: 33% der Mädchen (0-14 Jahre) und 83% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 12% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 23% der Beschneidungen fanden vor dem 1. Lebensmonat der Mädchen statt, 11% mit dem 1., 14% zwischen dem 2. und 11. Monat, 11% zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr und nochmals 15% nach dem 5. Geburtsgag
98% der Genitalverstümmelungen werden durch traditionelle Beschneiderinnen durchgeführt

Formen

In Eritrea wird mit 52% Typ I (Klitoridektomie) von FGM/C am häufigsten praktiziert. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. Bei 6% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ II (Exzision) vollzogen. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. 38% der Genitalverstümmelungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch vollständig zugenäht.

Begründungsmuster 

Soziale Akzeptanz ist die Hauptmotivation der EritreerInnen für die Beschneidung ihrer Töchter. Bei Kunamas z. B. wird nicht-beschnittenen Frauen eine angemessene Beerdigung verweigert. Es wird ebenso geglaubt, dass die Klitoris schmutzig und mit vielen Bakterien besiedelt sei, dass sie die Mädchen krank mache und in extremen Fällen zum Tod führen könne. Somit werden durch die Verstümmelung Reinheit und Hygiene angestrebt. Wenn man die Klitoris wachsen ließe, drohe sie während des Geschlechtsverkehrs den Penis anzugreifen. Die Beschneidung garantiere auch die Erhaltung der für die Eheschließung unerlässlichen Jungfräulichkeit, indem einerseits die Lust der Frau gebändigt wird, andererseits die Frau durch eine Infibulation auch vor Vergewaltigung geschützt sein soll.

Es wird ebenso daran geglaubt, die unbeschnittene Frau besitze eine niedrige Fertilität. Die Töchter werden beschnitten, um sie fruchtbar zu machen. Beschneidung wirke außerdem positiv auf die Gesundheit des Kindes.

Des Weiteren werden ästhetische Gründe angeführt und die unversehrte Vulva wird als unästhetisch bewertet. Genitalien einer Frau haben glatt und unauffällig zu sein und die enge Vulva soll den Männern eine intensivere Befriedigung bescheren.

Allerdings sehen 77% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) in FGM keinen Vorteil.

Gesetzliche Lage

Der Regierung in  Eritrea ist es nicht gelungen, ein ausreichendes Problembewusstsein zu schaffen und die Gesellschaft zur Unterlassung der Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung zu motivieren.

Während des Unabhängigkeitskampfes hat EPLF (Eritrean People's Liberation Front) versucht FGM/C in den Gebieten zu verbieten, die sie kontrolliert haben. Das hat dazu geführt, dass die Praktik in den Untergrund gegangen ist. Von der EPLF betriebene Kliniken wurden boykottiert. Als Folge haben viele Frauen keine angemessene Geburtshilfe bekommen und starben. Das Scheitern der Prohibitionspolitik hat die Regierung dazu veranlasst, sich statt auf das Verbot der Praktik auf Aufklärung zu fokussieren.

Seit 2007 gibt es nun ein Gesetz, welches weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe stellt.

Haltung und Tendenzen

Sowohl die Prävalenz- als auch die Befürwortungsrate von FGM/C ist in Eritrea seit 1995 stetig gesunken. Während 1995 noch an 95% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) FGM/C praktiziert wurde, waren es 2002 noch 89% und 2010 noch 83%. Und waren es 1995 noch 57%, die sich für die Weiterführung von weiblicher Genitalverstümmelung aussprachen, sind es heute nur noch 12%. 82% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 85% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) sind der Meinung, FGM/C soll gestoppt werden.

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Stand 09/2016

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