Benin

Vorkommen

Von der Gesamtbevölkerung Benins haben 17 % der Frauen über 15 Jahren die Verstümmelung ihrer Genitalien (FGM) erlebt. Bei den jüngeren Frauen ist diese Quote im Vergleich zu den älteren geringer und sehr stark von der ethnischen Identität abhängig. In den südlichen Regionen von Atlantique, Mono Couffo, Plateau und Oueme leben meist weniger als 2% genitalverstümmelte Frauen während in Borgou bis zu 58% „beschnitten“ wurden. Am stärksten ist diese Praktik unter den Peulh (88%), Bariba (77%) und Yoa und Lokpa (72%) verbreitet, am seltensten praktizieren die Fon (0,3%). Die Adja kennen keine weibliche Genitalverstümmelung.

Im Benin korreliert die Unversehrtheit der Frauen stark mit ihrer Schulbildung: Von den Frauen ohne reguläre Bildung sind 22% genitalverstümmelt, bei denen mit höherer Schulbildung sind es 5%.

Zahlen

Betroffene: 13% der Frauen
Befürworterinnen: 1%
Beschneidungsalter: bei 80% bis zum neunten Lebensjahr
Fast 100% der Eingriffe werden durch traditionelle Beschneiderinnen durchgeführt.

Betroffen

In Benin wird die Genitalverstümmelung vor allem an Kindern vorgenommen. Mehr als ein Drittel der betroffenen Frauen wurde vor ihrem vierten Gebutstag genitalverstümmelt, von den übrigen wurde die Hälfte zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr beschnitten. Je nach Ethnie variiert das Alter und ist nur selten innerhalb einer sozialen Gruppe so weit gefächert wie im Vergleich zur gesamten Landesbevölkerung.

Bei den Yoruba ist die Genitalverstümmelung ein Initiationsritus der den Übergang zum Erwachsenenalter markiert. Dadurch findet die Genitalverstümmelung hier später statt als z.B. bei den Bariba und Yoa, die vor ihrem elften Lebensjahr – also mit Eintritt in die Pubertät – verstümmelt werden.

Formen

95% der im Benin durchgeführten Genitalverstümmelungen zählen zum Typ zwei der WHO Klassifikation, der das Heraustrennen der kleinen Schamlippen und der Klitoris als „Exzision“ benennt. Bei 2% wird eine „mildere“ Form praktiziert, die sich auf die Verletzung oder Entfernung der Klitoris und/oder Klitorisvorhaut beschränkt.

Ebenso viele Frauen wurden infibuliert. Das heißt, dass ihre Genitalien abgeschnitten und die Wunde bis auf eine kleine Öffnung vernäht wurde.

Begründungsmuster

Im benin wird die weibliche Genitalverstümmelung vor allem praktiziert, weil den Frauen, die sich ihr widersetzen (obwohl sie aus einer Ethnie mit hoher FGM-Akzeptanz stammen) der Ausschluss aus der Gemeinschaft und Herabwürdigung ihrer Person droht. Umgekehrt haben die Frauen, die nicht unversehrt aufwachsen durften, bessere Heiratschancen und können sich einen sicheren Lebensstandard durch einen gut verdienenden und zuverlässigen Ehemann sichern.

Dafür ist wiederum oftmals die Jungfräulichkeit der Braut eine Voraussetzung und diese soll auch durch FGM gesichert werden.

Darüber hinaus geben viele BefürworterInnen von FGM auch ihre Religion als Begründung an, obwohl diese Eingriffe in keiner heiligen Schrift genannt werden und sich viele Religionsführer eindeutig gegen die Genitalverstümmelung ausgesprochen haben.

Gesetzliche Lage

Weibliche Genitalverstümmelung ist seit 2003 in Benin verboten. Das Gesetz umfasst alle Formen und sieht ein Strafmaß von sechs Monaten bis zu drei Jahren vor. Zusätzlich kann eine Geldstrafe von 1000 bis 2.000.000 Francs verhängt werden. Bei einer Genitalverstümmelung an Minderährigen erhöht sich das Strafmaß auf drei bis fünf Jahre und bis zu 3.000.000 Francs.

Tendenzen und Attitüde

Sowohl die Verbreitung als auch die Befürwortung von FGM ist in den letzten Jahren gesunken. Während 2001 noch 17% der Mädchen und Frauen betroffen waren und 5% die Fortsetzung befürworteten, waren es 2006 noch 1% Befürworterinnen und 13% Betroffene. Innerhalb der Ethnien gab es wenig Verschiebungen: Da wo die Mütter hinter diesen Eingriffen stehen, tendieren auch die Töchter dazu, damit fortzufahren. Wer FGM positiv gegenüber steht, ist in aller Regel selbst betroffen. Besorgniserregend ist, dass 3% der Mütter von unversehrten Töchtern erklärten, diese noch „beschneiden“ lassen zu wollen.

Links

 

Submit to FacebookSubmit to Google BookmarksSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

logo-transparenzinitiative