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Elfenbeinküste

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Elfenbeinküste.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Elfenbeinküste.Vorkommen

In der Elfenbeinküste sind 38% aller Frauen (15-49 Jahre) von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C - Female Genital Mutilation/Cutting) betroffen. Jedoch gibt es erhebliche regionale Unterschiede. Im Norden und Nordwesten sind über 80% betroffen, im Westen mussten 51-80% FGM/C erleben, im Landesinneren bis hin zum Südosten sind es 10-25%.

Unter den MuslimInnen ist die Beschneidungsrate mit 64% am höchsten. Bei den AnimistInnen und keiner Religion Angehörigen liegt sie bei 42%, den Römisch-Katholischen bei 18%, anderen christlichen Religionen bei 13% und bei anderen Religionen bei 17%.

Einige ForscherInnen glauben, weibliche Genitalverstümmelung sei in der Elfenbeinküste unbekannt gewesen, bis sich die Ethnien an den Grenzgebieten diesen Brauch von den Nachbarländern abschauten. Sicher ist, dass es in den letzten Jahren aufgrund der politischen Situation in der Elfenbeinküste einige Verlagerungen der „klassischen Verbreitungsgebiete“ von FGM/C gab und derzeit vermehrt in Städten und an Neugeborenen praktiziert wird. Dennoch sind Frauen auf dem Land zu einem höheren Prozentsatz betroffen als Frauen in urbanen Gegenden.

Zahlen

Betroffene: 10% der Mädchen (0-14 Jahre) und 38% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 14% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 52% von FGM fanden bis zum 4. Lebensjahr statt, 31% zwischen dem 5. und 9., 11% zwischen dem 10. und 14. und nochmals 4% nach dem 15. Geburtstag
97% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

77% der vollzogenen weiblichen Genitalverstümmelungen können nach der WHO-Klassifizierung nicht zugeordnet werden. Bei 14% wurde Typ III (Infibulation) durchgeführt. Dabei wird das gesamte äußerlich sichtbare Genital herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Begründungsmuster

An der Elfenbeinküste wird weibliche Genitalverstümmelung zum Teil durchgeführt, um zu sehen, ob ein junges Mädchen die Stärke, Willenskraft und Ruhe verkörpern kann, die es als erwachsene Frau braucht. Dafür werden den vorpubertären Mädchen ihre Klitoris und/oder ihre Labien ohne Betäubung herausgeschnitten. Die Genitalverstümmelung wird üblicherweise mit einem großen Fest gefeiert, um welches die jüngeren Mädchen die älteren beneiden und den Tag, an welchem sie an der Reihe sind herbei sehnen.

Außerdem soll FGM/C die Ehefrauen treu und die Unverheirateten jungfräulich halten. Dieses Ziel wird oft verfolgt, wenn den Mädchen die Labien entfernt und die Wunde dann zusammengenäht wird. Auch als religiöse Pflicht und zur spirituellen Reinigung des Körpers und Geistes wird weibliche Genitalverstümmelung praktiziert – dies glauben 19% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 16% der Jungen und Männer (15-49 Jahre).

Gesetzliche Lage

1998 wurde in der Elfenbeinküste ein Getz gegen FGM/C verabschiedet. Das Strafmaß liegt bei ein bis fünf Jahren Gefängnis und einer Strafe von mehreren Hundert bis Tausend Euro und bei fünf bis zwanzig Jahren Gefängnis falls das Mädchen beim Eingriff stirbt. Praktiziert ein Arzt FGM/C, kann er für fünf Jahre aus dem medizinischen Betrieb ausgeschlossen werden.

Dieses Gesetz wurde erstmals 2012 gegen neun Frauen aus der Stadt Katiola im Norden der Elfenbeinküste angewandt. Ihnen konnte nachgewiesen werden, dass sie 30 Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren die Klitoris und die inneren Labien weggeschnitten haben. Jede von ihnen erhielt eine einjährige Gefängnisstrafe und musste ein Bußgeld von ca. 75 Euro zahlen.

Haltung und Tendenzen

Seit 1998 hat die Befürwortung von FGM/C stetig abgenommen. Sie sank von 30% auf 14% (Stand 2011). Die Prävalenz nahm von 1998 bis 2006 um 7% ab, stieg jedoch bis 2012 um 2% auf 38% an.

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Stand 09/2016

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