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Wortwahl und Sprechempfehlung

Neuerscheinungen und Klassiker zur weiblichen Genitalverstümmelung werden von vielen Buchhandlungen rund um den 6. Februar präsentiert. Foto: © Cynthia MatuszewskiNeuerscheinungen und Klassiker zur weiblichen Genitalverstümmelung werden von vielen Buchhandlungen rund um den 6. Februar präsentiert.
Foto: © Cynthia Matuszewski
Sicherlich ist Ihnen aufgefallen, dass wir den Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ statt „Mädchenbeschneidung“ o.ä. verwenden. Hier finden Sie unsere Stellungnahme dazu:

Wenn Sie mit Betroffenen und Gefährdeten sprechen, empfehlen wir, dass Sie die Wortwahl Ihres Gegenübers annehmen. Mitunter wird weibliche Genitalverstümmelung „brutal“, „barbarisch“ und „herzlos“ genannt. Diese Attribute tragen dazu bei, dass die praktizierenden Kulturen abgewertet werden und ihren VertreterInnen ein Teil ihrer Menschlichkeit abgesprochen wird, während den Lesenden die Illusion vermittelt wird, sie dürften nicht nur über die Handlung sondern auch über die Motivation urteilen. Diese Sichtweise produziert rassistische Stereotype und zeugt von einer eurozentrischen Sichtweise.

Des Weiteren ist weibliche Genitalverstümmelung Ausdruck eines frauenfeindlichen Systems in dem Mädchen und Frauen auf vielfältige Art geschädigt, diskriminiert und gefährdet werden. Allein die Körperverletzung als Problem darzustellen und dabei z.B. die zugrunde liegenden Mythen und die frauenfeindlichen Mechanismen zu ignorieren, greift zu kurz und kann sogar die Abschaffungsbemühungen behindern.  

Ein Wort zum Thema „Genitalverstümmelung und Sexualität“:

Die weibliche Genitalverstümmelung wird meist durchgeführt, um den Frauen ihre Lust, ihr Begehren und ihre Freude am Sex zu nehmen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die weibliche Sexualität mächtiger ist als der Wille der Frauen, dass sich eine unversehrte Frau jedem Mann anbieten würde und dass der Wunsch nach erfüllender Sexualität Frauen nicht zusteht. Durch das abweichende Frauenbild der EuropäerInnen entstand das Gerücht, dass genitalverstümmelte Frauen grundsätzlich keinen Orgasmus haben und keinen sexuellen Genuss kennen könnten. Diese Aussage ist 1) kontraproduktiv, da es die „Zweckmäßigkeit“ der Genitalverstümmelung zu unterstützen scheint und 2) falsch, da der weibliche Orgasmus zwar durch die Klitorisspitze in vielen Fällen erleichtert wird, aber nicht von ihr abhängig ist. Dies heißt wiederum auch nicht, dass jede Betroffene „kommen“ kann, wenn sie nur will: Einfühlungsvermögen, Kreativität und Großzügigkeit des Partners oder der Partnerin sind unerlässlich und auch das anerzogene Verhältnis zu Sexualität und dem Image einer lustvollen Frau kann nachhaltig beeinflussen und das Körperempfinden prägen.

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