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Verbreitung weltweit und in Deutschland

In dem deutschlandweiten Netzwerk Integra bündeln Fachkräfte und Vereine ihr Engagement und ihr Wissen rund um weibliche Geniatlverstümmelung. Foto ©: Lioba KeuckIn dem deutschlandweiten Netzwerk Integra bündeln Fachkräfte und Vereine ihr Engagement und ihr Wissen rund um weibliche Geniatlverstümmelung.
Foto ©: Lioba Keuck
Weibliche Genitalverstümmelung ist ein weltweites Problem, das nicht aufgrund von einem Geburts- oder Wohnort gefährdet, sondern aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit und dem kulturellen Erbe. Bei den Ethnien, die weibliche Genitalverstümmelung praktizieren, wird üblicherweise erwartet, dass jedes Mädchen „beschnitten“ wird. Durch Staatsgrenzen, die Gebiete praktizierender Ethnien und Gebiete von Ethnien, die ihre Töchter unversehrt aufwachsen lassen, gleichermaßen umschließen und zu „einer Nation“ zusammenfassen, kommt es zu unterschiedlichen Verbreitungs-Prozentzahlen für die einzelnen Länder.

Auch die Abschaffungsbemühungen in den Verbreitungsländern zeigen unterschiedliche Erfolge und können dazu führen, dass z.B. ganze Dorfgemeinschaften beschließen, weibliche Genitalverstümmelung nicht länger zu praktizieren.

Bisher ist dokumentiert, dass die weibliche Genitalverstümmelung traditionellerweise in 29 Ländern Afrikas, auf der Arabischen Halbinsel und in einigen Ländern Asiens ausgeübt wird.

Durch Migration wird weibliche Genitalverstümmelung weltweit und auch in Deutschland praktiziert. Von Diaspora-Gemeinden (Familien mit dem selben Identitätshintergrund, die im Ausland gut miteinander vernetzt leben) weiß man, dass sie Traditionen und Bräuche wahren und auch bei Veränderungen im Wohnort aufrecht erhalten. Da die weibliche Genitalverstümmelung für die Zugehörigkeit der Töchter zur Gemeinschaft und für die Geschlechterrollenbilder (und dadurch für Familiengründung und Fortbestehen der eigenen Gruppe) wichtig scheint, wird sie weiter praktiziert. Die soziale Akzeptanz innerhalb der praktizierenden Gruppe, die oft mangelnde Integration bis hin zur jüngsten Generation in die Mehrheitsgesellschaft und die Tabuisierung, schützen vor Entdeckung und Strafverfolgung.

In einer Studie von TERRE DES FEMMES (PDF-Datei) gaben 43% der GynäkologInnen an, schon mit Betroffenen gearbeitet zu haben. Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2012 alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, Gesetze gegen weibliche Genitalverstümmelung zu erlassen und zur Abschaffung beizutragen. Im September 2013 ist Deutschland dieser Pflicht mit §226a StGB nachgekommen und im November 2013 hat die EU beschlossen, sich alljährlich über die Fortschritte bei der Prävention und Unterstützung der Betroffenen in ihren Mitgliedsstaaten zu informieren. Bereits im Mai 2011 beschloss der Europarat die Istanbul-Konvention welche sich gegen Gewalt an Frauen richtet. Diese soll nicht nur Prävention und Opferschutz gewähren sondern setzt auch auf Strafverfolgung. Artikel 38 richtet sich dabei explizit gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien. Deutschland unterzeichnete die Konvention, hat sie aber bis heute nicht ratifiziert.

TERRE DES FEMMES erstellt regelmäßig eine aktuelle Statistik (PDF-Datei) zur Dunkelziffer der Betroffenen und Gefährdeten in Deutschland welche auf den verfügbaren Zahlen basiert. Wir weisen darauf hin, dass sich Schwankungen durch Faktoren wie Migrationsströme, Prävalenzzahlen, Angaben der UN oder andere Gründe ergeben und keinesfalls einen Rückgang oder eine Steigerung der Gefährdung in Deutschland bedeuten.

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